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Wartezeiten auf einen Therapieplatz: Wie ein Lobbyverband psychisch Kranken schadet

Studio Pong/ DER SPIEGEL Psychisch Kranke müssen ewig auf einen Therapieplatz warten, weil das System eine Behandlung von Menschen mit geringen Leiden fördert. Besserung ist nicht in Sicht - ein mächtiger Lobbyverband verhindert jede Reform.
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#10 - 24.03.2019, 12:44 von Holzbeinschnitzer

Interessant. In den Kommentaren kann man zum Teil genau das ablesen, was im Artikel beschrieben wird. Man darf ein System nicht kritisieren. Man wird sofort aufgefordert, einen besseren Experten zu befragen. Der hat schließlich mehr Ahnung. Am besten man äußert seine Meinung zu offensichtlichen Missständen gar nicht mehr. Läuft doch alles prima, oder? Und zur Not liegt es an der Politik. Die Lobbyisten wollen doch nur das beste für die Menschen. Aber, für welchen Teil der Menschen eigentlich?

#11 - 24.03.2019, 12:45 von larsmach

Verweichlichte "wir schaffen das nicht"-Generation

Wer als Unternehmer viel die Welt bereist und vielerorts arbeitet (Entwicklungsländer inklusive), der wird den Verdacht nicht los, daheim in großen Teilen eine verweichlichte Nachkriegsgeneration vorzufinden, die "wir schaffen das nicht" jammert, wenn für mehrere Wochen der Volleyball-Kurs ausfällt wegen einer vorübergehend umgewidmeten Turnhalle oder andere Unbill das kleine Leben beeinträchtigen. In den Städten erklären Eltern ihre Kinder für krank, um sie in Selbsthilfe-Vereinen heilen zu können. Das Imunsystem "Mensch" spielt mangels echter Herausforderungen mit sich selbst. Menschen scheinen überfordert mit alltäglichen Aspekten. Unselbständigkeit grassiert. Es ist keine Überraschung, wenn aus einer solchen Situation heraus an der (flachen?) Spitze Menschen psychiatrische Angebote annehmen, während es viele gibt, die nach ICD wahrhaftig erkrankt sind und dafür lange anstehen dürfen.

#12 - 24.03.2019, 12:50 von Waisenkind

Es gibt wie immer zwei Seiten

Ich denke, dass Herr Lütz zum Teil recht hat: nicht jede Befindlichkeit ist gleich therapiebedürftig. Wir haben es heute zum Teil verlernt, Niederlagen, Trennung, Trauer etc. als einen normalen Teil des Lebens abzuerkennen. Ein Beispiel: immer wenn sich jemand in meinem Bekanntenkreis trennt, werden sofort die Rufe nach einer Therapie laut um das „Geschehene“ zu verarbeiten. Zuletzt machte eine Bekannte eine Therapie, weil der verheiratete Mann, mit dem sie eine Affäre hatte, sich nicht von seiner Frau trennen wollte und stattdessen sie verließ. In der Therapie wollte sie dann herausfinden, was mit ihr nicht stimmt.
Eine andere Freundin verlor bereits mit Anfang 20 ihre Mutter. Sie wurde dann von allen möglichen Leuten zu einer Therapie gedrängt, obwohl sie selber nicht das Gefühl hatte eine zu brauchen. In der ersten Sitzung meinte der Therapeut dann: „Mit Ihnen ist alles in Ordnung. Es ist ganz normal um seine Mutter zu trauern. Keine ihrer Reaktionen auf den Tod ist unnormal oder gar therapiebedürftig.“ Danach schickte er sie nach Hause. Sie war ein paar Wochen traurig, ging aber weiter zur Uni und nach und nach auch wieder auf Parties etc.
Natürlich gibt es Fälle, wo der Tod eines geliebten Menschen für die Angehörigen nur mit Hilfe einer Therapie zu bewältigen ist. In diesen Fällen ist es dann auch gut und wichtig. Aber nicht alles und jeder muss therapiert werden. Hier die richtige Entscheidung zu treffen ist eben nicht immer einfach.

#13 - 24.03.2019, 12:52 von autocrator

unsinn

selten soviel unsinn gelesen, aber typisch für einen halbgott in weiß, der übrigens einem krankenhaus vorsteht, das inzwischen einen grottenschlechten ruf hat.
die unterscheidung zwischen "kranke" und leuten die "nur" in einer lebenskrise stecken (und damit seiner logik nach keinen anspruch auf unterstützung durch das solidarsystem hätten), ist nicht nur hahnebüchern und dogmatisch in der auffassung von pathologie, sondern offenbart ein grundsätzliches problem deds arztes Lütz mit der empathie für leidende menschen.

#14 - 24.03.2019, 12:57 von neoikeia

WIrklich? Ein Angehöriger einer der einflussreichsten Lobbys schlechthin unterstellt einer anderen Lobby Lobbyismus? Den Schneid muss man erstmal haben ;)
Außerdem: Es gibt vielleicht 1,5 Millionen Psychotherapeuten in Deutschland aber nicht 1,5 Millionen Kassensitze. Sie merken, wo das Problem ist? Und dass ein Psychiater bei einer durchschnittlichen Behandlunssdauer von 10-15 Minuten pro Patient (oft nur 1-2 mal pro Monat) mehr Patienten im Jahr sieht als ein Psychotherapeut bei einer Behandlungsdauer von Minimum 50 Minuten (bei Verhaltenstherapie, bei analytischen Verfahren deutlich länger) ist jetzt auch kein Wunder. Gesprächstherapie ist halt dummerweise etwas zeitintensiver als den Rezeptblock zu zücken. Damit ist das eines der dümmsten Argumente, die ich je gehört habe. Psychotherapeut zu sein ist des weiteren alles andere als ein „Milliardengeschäft“. Aber wie soll ein Mediziner sowas auch verstehen. Die Worte einer PiA.

#15 - 24.03.2019, 13:07 von Affenhirn

@#9 schwacher Vergleich

Ihr Vergleich von einem Lungenentzündungspatienten und einen Krebspatienten hinkt - gewollt?
Der Artikel vergleicht doch eher einen leichten Erkältungspatienten (also Schnupfen, Halsschmerzen) mit einer Lungenentzündung/ einem Krebspatienten.
Erstere kommen auch ohne Heilbehandlung über die Runden, die Letzteren in jedem Falle nicht.
So wirkt der Kommentar jedenfalls nur tendenziös.

#16 - 24.03.2019, 13:18 von sven2016

Ist das jetzt eine Bestätigung

des Artikels, dass der Großteil der Kommentare Lobby 1 gegen Lobby 2 ausspielen will?

Die angesprochenen Probleme der zu langen Wartezeiten und der unzulänglichen Beurteilung der Therapiebedürftigkeit bleiben dadurch doch stehen, wenn ich das richtig sehe.

Da könnten sich auch die beiden Lobbies mit dem Lobbyisten Spahn zusammensetzen und versuchen, eine allseitig zufriedenstellende Lösung (auch für die Patienten - ohne Lobby) zu finden oder nicht?

#17 - 24.03.2019, 13:19 von freigeistiger

Therapien sind überbewertet

Es werden Symptome bearbeitet. Wenn Erwartungen von Therapeuten erfüllt werden, gilt das als Behandlungserfolg, für die Anderen. Der Mensch ist kein Auto, den man mit Therapien reparieren kann. Es muss etwas für den Patienten gemacht werden. Die Persönlichkeit stärken, und für ein besseres Umfeld sorgen. Für einen starken Menschen sorgen. Man kann psychische Erkrankungen nicht "heilen". Man kann sie nur durch neues gutes Lernen, Erfahrungen sammeln, überschreiben. Der Mensch ist das Produkt seiner Erfahrungen. Deshalb ist ein gutes Umfeld das Essentielle.

#18 - 24.03.2019, 13:19 von interessierter Laie

ja so ist das...

da hat die Vernunft einen schweren Stand. Erstens wollen viele ihre emotionalen Wehwehchen als Krankheit deklariert haben. Es entlässt sie nämlich aus der Verantwortung und erspart ihnen jeglichen Druck. Für Krankheit kann schließlich niemand was und man ist ihr ausgeliefert. Zweitens und infolge dessen, sind diese Pseudoerkrankten natürlich eine große Mehrheit. Drittens ist es einfach und lukrativ einen Pseudoerkrankten nach einigen teuren Sitzungen als geheilt entlassen zu können. Ich hätte allerdings Verbündete nie bei der SPD und den Grünen gesucht. Viel eher bei der FDP oder CDU, die den Sozialstaat zwar befürworten und damit auch, das wirklich Kranke behandelt werden. Aber die wollen keine sinnlosen Geschenke und Geldverschwendung.

#19 - 24.03.2019, 13:19 von youok

Der Beitrag zeigt deutlich, dass die Ärzteschaft mit den Psychotherapeuten ein Problem mit null Lösungsansätzen hat!! Da würde ich dringend eine Paartherapie empfehlen. Reden hilft, Herr Lütz!

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