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Wartezeiten auf einen Therapieplatz: Wie ein Lobbyverband psychisch Kranken schadet

Studio Pong/ DER SPIEGEL Psychisch Kranke müssen ewig auf einen Therapieplatz warten, weil das System eine Behandlung von Menschen mit geringen Leiden fördert. Besserung ist nicht in Sicht - ein mächtiger Lobbyverband verhindert jede Reform.
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#70 - 24.03.2019, 20:13 von freigeistiger

Herr Lütz, das, was man üblicherweise so sagt.

Herr Lütz vertritt das System der Symptombehandlung öffentlichkeitswirksam. Das, was man üblicherweise so sagt und macht. Manfred Spitzer und Gerald Hüther sind für mich relevanter. Sogar Martin Rütter. Alle diese arbeiten in und mit lebendigen Systemen. Und keine Krankenheitenbehandlung. Vorteilhaft hat sich für mich erwiesen, wenn Jemand eine Psychiater- und eine Psychologen-Ausbildung hat. Psychiater sehen das Psychiatrische, Psychologen das Psychologische. Die Kombination macht’s. Übrigens, bei der Untersuchung bei einer anderen Berufsgruppe hat sich herausgestellt, dass ein breites Wissen zu guter Arbeit führt. Nur das notwendige Wissen für die Tätigkeit haben reicht nicht.

#71 - 24.03.2019, 20:14 von benjb

Ein Lobbyist der "böse Lobbyisten" schreit - Teil 2

Hier ist der eigentliche Punkt an dem ich neben der Zulassung von ausreichend Psychotherapeuten Reformbedarf sehe: Die Haltung der Psychiater, insbesondere die in der Ausbildung vermittelten Werte müssen sich ändern. Über Suizidversuche von Patienten feixende und ihre Patienten verhöhnende psychiatrische Ärzte, wie ich sie im interkollegialen Austausch regelmäßig erlebe, müssen der Vergangenheit angehören.

#72 - 24.03.2019, 20:33 von freigeistiger

Burn Out gibt es

Burn out ist eine Form der Erschöpfungsdepression, ohne Niedergeschlagenheit. Ursachen sind lange psychische Überbelastungen. Da gibt es Schnittmengen, bzw. Kombinationen, mit Angststörungen. Neurophysiologisch sind hirnanatomische Veränderungen, Degenerationen. Diese sind durch neues Lernen, neue Erfahrungen, umkehrbar. Das müssen gute Beziehungen und ein gutes Umfeld mit Persönlichkeitsstärkung leisten. Dass das ein psychiatrisch-therapeutisches System primär leisten kann stelle ich in Abrede. Autos kann man reparieren, Menschen nicht. __ Der Begriff Burn Out wird allerdings inflationär gebraucht. Reine Überarbeitung ist ein Erschöpfungszustand. Ebenso akute Niedergeschlagenheit.

#73 - 24.03.2019, 20:41 von Asciii

Verstehe den Hype nicht, ist doch fast überall im Gesundheitswesen so?

Bin gesetzlich versicherter Kassenpatient. Nicht nur Psychotherapeuten haben längere Wartezeiten, einige Fachärzte (Augenarzt, Frauenarzt, Zahnarzt...) haben dies auch, kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen, gefühlt sogar längere (bei mir halbes Jahr ca). Warum wird hier nur auf einem Berufsstand rumgeklopft?

#74 - 24.03.2019, 21:05 von hazouli

Eine Ungeheuerlichkeit

Dieser Gastbeitrag ist eine absolute Ungeheuerlichkeit und ich kann nicht nachvollziehen, warum spiegel online diesen Unsinn veröffentlicht. Der Autor hat offenkundig keine Ahnung von seinem Fach. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass der größte Wirkfaktor in der Psychotherapie die Bindung zwischen Therapeut und Patient ist. Wenn Therapeuten und Patienten die Möglichkeit genommen wird, frei über das Eingehen einer Therapeuten-Patienten-Beziehung zu entscheiden, fällt ein großer (wenn nicht sogar der größte!!) Wirkfaktor weg und die Chance auf Heilung oder Linderung der Problematik wird verschwindend gering. Psychotherapeuten haben in der Regel einen 12jährigen Bildungsweg (Studium + Psychotherapeutenausbildung) hinter sich und sind somit Experten ihres Faches. Als solche sollten sie selbst entscheiden, wem sie einen Therapieplatz anbieten und nicht irgendwelche anderen "Experten", von denen Herr Spahn und Autor des Gastbeitrages reden. Was mich auch zutiefst erschüttert,ist, dass Psychotherapeuten hier unterstellt wird, sie würden sich um Arbeit drücken und sich das Berufsleben leicht machen. Ich bin Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und meine Warteliste ist unvorstellbar lang, die durchschnittliche Wartezeit liegt bei mir bei 8 Monaten. Als Expertin sage ich: Alle Hilfesuchenden auf dieser Liste haben Hilfe dringend nötig und ich bin stets darum bemüht, Patienten weiterzuvermitteln, falls ich selbst in absehbarer Zeit keinen Therapieplatz anbieten kann.

#75 - 24.03.2019, 21:18 von rik_je

Respektloser Beitrag - basierend auf unzureichenden Informationen!

Ein unfassbar schlechter und respektloser Beitrag im Spiegel.

Wie wäre es denn, sich zur Abwechselung auf inhaltlicher Ebene zu begegnen und die aktuellen Zustände in unserem System - insbesondere bei chronischen Erkrankungen - anzuschauen (oh - dafür müsste man wohl die Richtigen Quellen finden;)) und kritisch zu begutachten.
Wie wäre es denn, sich mit Traumatisierungen und dessen Auswirkungen (übrigens auch körperlich (Psychoneuroendokrinologische Phänomene z.b.) zu befassen und dies im Kontext gesellschaftlicher Anforderungen zu sehen. Diese Benachteilung - auch auf beruflicher Ebene - (neben sozialen und individuellen Faktoren) scheint nicht von Bedeutung zu sein.

Wieso fragt eigentlich niemand nach "Chancengleichheit" ? Fakt ist, dass chronisch kranke Menschen zusätzlich in unserem System benachteiligt werden.

Und wieso fragt eigentlich niemand nach einer medizinischen Indikation und fraglichen gutachterlichen Stellungnahmen oder Reaktionen vom MDK?

Oder ist es in Ordnung, dass traumatisierte Menschen - trotz mehrfacher Bestätigung behandelnder Ärzte von einem Obergutachter (der natürlich den Patienten nie gesehen hat) in der Versorgung ausgehebelt werden/ die Therapie verweigert wird - und die Patienten dann alleine gelassen werden? Fragt sich jemand, was das für den Einzelfall bedeutet?

Seit wann wird Gesundheit nur noch unter dem Fokus der "Profitgeilheit" gesehen?

Wie anmaßend kann man sein, subjektive Empfindungen derart zu bagatellisieren und damit indirekt die Professionalität von Therapeuten in Frage zu stellen?

Und ja - das scheint der einzig wahre Satz zu sein - chronisch erkrankte Menschen haben (leider aber verständlicherweise) keine Lobby - auch hier ist es sinnvoll, einmal nach dem Warum zufragen.
Und ob der G-BA es nun "reißen" wird, halte ich ebenfalls für fraglich - aber hey - in 10 Jahren sind wir sicherlich klüger ;)
Fristen müssen ja ohnehin nicht berücksichtigt werden.

Fazit:
Wenn man den Patienten gerecht werden will, dann sicherlich nicht darin, weiter Hürden zu erbauen und Schamgefühle zu füttern.
Ja - psychische Gesundheit sollte wie physische Gesundheit auch die entsprechende notwendige Behandlung bekommen - Gleichzeitig wäre der Blick auf gesellschaftliche Strukturen sicherlich hilfreich, um zu schauen, welch pathogene und salutogene Faktoren denn vorhanden sind.

Auch hier plädiere ich für eine #bedarfsgerechteVErsorgung #chronischkraner #Menschen (die i.d.R. schon mehr als genug aushalten mussten)..

#76 - 24.03.2019, 21:29 von estark

Zum Thema Medikamentenverschreibung

Zitat von vhn
Welche Fakten liefert der Autor für seinen Behauptungen (außer einem Einzelfall)? Meiner Meinung nach keine. So bleibt es bei Polemik mit dem Ziele eine Berufsgruppe (Psychotherapeuten) zu diskreditieren. Das von einer Berufsgruppe (Ärzte), welche in diesem Zusammenhang auch Angst um ihren Einfluss hat. Es geht um erweitere Befugnisse von Psychotherapeuten (Verschreiben von Medikamenten, Krankschreibung, Krankenhauseinweisung usw.), die im Gespräch sind und vieles für Patienten vereinfachen würden. Diese Dinge werden jedoch von der Ärzteschaft systematisch sabotiert (ok, Einweisung geht jetzt. Die Unterstellungen von Hr. Lütz sind eine Frechheit (wenn er sie nicht belegen kann). Fakt ist, dass der Druck auf die Psychotherapeuten steigt, da offensichtlich mehr Therapiebedarf besteht und es dafür offensichtlich nicht genügend Behandelt gibt. Hier die Therapeuten selbst als Ursache zu benennen, ist doch einfach nur lachhaft. Derselben Argumentation bedienen sich auch die Krankenkassen (Therapeuten arbeiten zu wenig und nur leichte Fälle) um nicht mehr zahlen zu müssen. Es geht nur ums Geld: bekommen Psychotherapeuten mehr Möglichkeiten, befürchten die Ärzte, dass es zu ihren Lasten geht. Perfide das Ganze.
ist kritisch anzumerken, dass das Psychologiestudium hierfür nicht qualifiziert. Beim Medizinstudium fängt es mit Biologie, Chemie und Biochemie an, später kommen Physiologie, Biochemie und Pharmakologie hinzu. Der zur Diskussion stehende Studiengang Psychotherapie könnte dies beinhalten und wäre ein Zwitter zwischen Medizin und Psychologie.

#77 - 24.03.2019, 22:04 von Madman0

Der Donald Trump der Psychiatrie

1. Die Lösung der aktuell zu langen Wartezeiten ist nicht mehr Kontrolle (und wer sollte besser bestimmen wer eine Therapie benötigt als ausgebildete Psychotherapeuten?) sondern mehr Kassensitze! Das ist das Hauptproblem und das wird andauernd umgangen um Kohle zu sparen. Es wird immer wieder (u.a. auch wegen der Idee, dass Ärzte über das Zugangsrecht der Psychotherapie entscheiden sollten) vorgeworfen, dass die Ärzteschaft um die Kontrolle der Psychotherapie ringt. Das bestätigt sich mit diesem Artikel wieder mal.
2. Der Vorwurf, dass sich Psychotherapeuten lieber die "leichten Fälle" rauspicken ist ziemlicher Quatsch und eine unethische Anschuldigung!
3. Das Argument/ der Vergleich, dass Psychiater 1000 Patienten, Psychotherapeuten nur 50 Patienten im Jahr sehen ist echt hohl. Die Durchschnittszeit, die Patienten beim Psychiater sind ist 5 Minuten (ca. alle 3-6 Monate), beim Psychotherapeuten 50 Minuten pro Woche. Ich glaube mehr muss man dazu nicht sagen.
4. Wenn die Psychotherapeutenkammer so ne krasse Lobby hätte, würden die wohl kaum so viel weniger verdienen als Ärzte.
5. Nicht die Psychotherapeutenkammer hat die Petition in die Wege geleitet, sondern Verbände. Und die Psychotherapeutenkammer ist bestimmt kein Lobbyverein, sondern eine Institution die es laut Heilberufgesetz geben muss.
6. Man sollte sich mal ansehen, wieviel Kohle der Lutz durch seine Bücher mit seinen polemischen Aussagen macht: Das ist Lobbyismus.

Hier ein paar Fakten:
https://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=7791&token=fc07f3d2f3 07adbd5c5b761f863f086df4ec6537

#78 - 24.03.2019, 22:06 von esther.bockwyt

Der Höhepunkt an Falschbehauptungen gekränkter Ärztelobbyisten

Eigentlich kann man auf einen solchen Artikel, von einem Krankenhausleiter, der ambulante Psychotherapie wahrscheinlich selber nie praktiziert hat und allein deshalb keine Ahnung von der Materie hat, nicht mehr sinnvoll eingehen. Pure Fake News, Desinformation und Stimmungsmache. Dass die Leserschaft wenig von den Hintergründen rund um das geplante Psychotherapeutengesetz und die irrationale Angst der Ärzteschaft, im psychotherapeutischen System nicht mehr vorzukommen, weiß, verleiht auch diesem Unsinn einen bitteren Beigeschmack. Psychisch Kranke sollen neuerdings gar nicht so krank sein. Psychotherapie wird als Wellness deklariert. Realität in psychotherapeutischer Praxis ist eine ganz andere: Häufig rezidivierende Störungen, Chronifizierung, Komorbidität, Arbeitsunfähigkeit, bishis zu EU-Rente. Auch die Ausführungen zur Bewilligung sind vollkommen unwahr. Ein Gutachter prüft VOR jeder Psychotherapie, ob diese indiziert und erfolgversprechend sein soll. Das gibt es in keiner anderen Ärztegruppe so.
Die Psychiatrie hingegen versagt. Ebenso ist die ambulante Psychiaterschaft alles andere als Vorzeigebeispiel, wenn Pat. im 5 Minuten-Rhythmus "behandelt" und als "non-compliant" abgestempelt werden, wenn sie - zu Recht - "Medikamenten" kritisch gegenüberstehen.
Fail, der Lütz. Peinlich für einen Arzt. Und dürfte nicht ohne juristische Konsequenz bleiben eine solche Irreführung der Menschen.

#79 - 24.03.2019, 22:14 von webjet

eine Frechheit

Dieser Artikel ist eine absolute Frechheit! Nachdem ich durch einen Burn-Out 18 Monate arbeitsunfähig war und davon 12 Wochen in Psychosomatischen Kliniken verbracht habe, fühle ich mich durch die Äußerungen dieses Chefarztes persönlich diskreditiert. In den Kliniken habe ich Leute kennengelernt, die erst nach einem Selbstmordversuch in Behandlung gekommen sind. Und da spricht dieser "Experte" von Modekrankheit? Er hat sich damit selbst disqualifiziert!!!

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