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Zwillinge mit und ohne Down-Syndrom: Eine besondere Zweisamkeit

Conny Wenk Was bedeutet es für die individuelle Entwicklung, wenn ein Zwilling das Down-Syndrom hat, der andere aber nicht? Wissenschaftler haben erstmals systematisch nach Antworten gesucht.
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#1 - 18.03.2015, 17:20 von peter.nurrum

Gut, wenn auch überinterpretiert

Ich bin sehr dafür, dass derartige Studien durchgeführt werden, aber die getätigte Schlussfolgerung gibt die Stichprobengröße einfach nicht her.

"Unsere Untersuchungen zeigen deutlich, dass sich die Zwillinge ohne Down-Syndrom weder in der kognitiven Begabung noch in Verhaltensproblemen von anderen Zwillingen unterscheiden"

Damit so ein Unterschied bei einer dermaßen kleinen Stichprobe (n = 46, control = 36) einigermaßen sicher signifikant wird, müsste der Unterschied schon ziemlich groß sein, was sowieso nicht zu erwarten wäre. Wenn man noch bedenkt, dass eigentlich der soziale Hintergrund rausgerechnet werden sollte (ist bei Down-Eltern typischerweise höher, da die Down-Häufigkeit mit dem Alter der Eltern korreliert und das wiederum mit dem sozialen Hintergrund; ebenso würde ich erwarten, dass die Bereitschaft, einen Down-Fötus auszutragen auch positiv mit sozialem Hintergrund korreliert), gibt die Stichprobengröße wirklich nicht mehr her, als die krassesten Effekte auszuschließen.

#2 - 18.03.2015, 19:24 von Melde mich zu Wort

Selten bleibt selten

Schlussfolgerungen können aus Stichprobengrößen in dieser Größenordnung sicherlich nicht als absolut zuverlässig angesehen werden. Andererseits ist es aber für Eltern seltener Erkrankungen/ in diesem Fall das DS bei Zwillingskindern als Seltenheitsmaker eine Information, die ihre Fragestellungen, wie im Artikel benannt, untersucht wurde und zu einem Ergebnis gekommen war. Leider sagt schon der Name Seltenheit etwas darüber aus, dass es im Hinblick auf Untersuchungen/ Forschungen immer daran scheintern muss, sollte man nicht die Möglichkeit einer Weltweiten Datenerfassung- Langzeitstudie-Forschung betreiben können.
In wie weit es sich bei den Zwillingen um DS-DS-Mosaik, neben den ganz individuellen Zwillings-Geschwisterkinder( unterschiedliche Lernfähigkeiten/Krankheitsanfälligkeiten etc.) der Studie anschloss, bleibt leider unerwähnt, ebenso die besondere Verbindungen, die Zwillinge zu ihren Zwillingsgeschwister generell haben- zum Vergleich, wie sich diese entwickeln bzgl. der Fragestellungen.

#3 - 19.03.2015, 20:53 von Nemo198

Nicht verwunderlich

Das bisherige Ergebnis der Studie kann wohl als "Keine Sorge, liebe Eltern, alles bestens" zusammengefasst werden. Das verwundert mich nicht. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass die Konstellation von Zwillingen, bei denen einer behindert und der andere nicht behindert ist, sich irgendwie negativ auf die Entwicklung der Kinder auswirken könnte. Warum auch? Ich kenne mehrere junge Menschen, die mit behinderten Geschwistern aufgewachsen sind, und aus allen ist etwas geworden. Wie im Artikel angedeutet, fällt bei einigen von ihnen auf, dass sie sehr umgänglich und ausgeglichen sind. Auch für die behinderten Kinder sehe ich eher Vorteile, wenn sie mit nichtbehinderten (Zwillings-)Geschwistern aufwachsen: Da Kinder oft durch Nachahmung von anderen Kindern lernen, kann ich mir vorstellen, dass ein Kind mit Downsyndrom sich Sachen wie Schuhe binden, Socken anziehen, Brot schmieren von seinen Geschwistern abschaut und dabei schneller und motivierter lernt ("ich will so gut Schuhe binden können wie mein großer Bruder"), als wenn nur die Eltern es immer wieder zeigen. --- Das schöne Ergebnis der Studie ist jedenfalls, dass Eltern von behinderten Kindern etwas entspannter sein können, und das freut mich.

#4 - 20.03.2015, 00:10 von GustavLecter

Ein bisschen unfassbar....

Diese UNtersuchung ist erfreulich für die betroffenen Eltern, ja, sicher.

Hat jemand eine genau Zahl, wieviele Zwillingspaare es auf unserer Welt gibt, von denen eines auf diese Art behindert?

#5 - 23.03.2015, 13:52 von peter.nurrum

Zitat von GustavLecter
Diese UNtersuchung ist erfreulich für die betroffenen Eltern, ja, sicher. Hat jemand eine genau Zahl, wieviele Zwillingspaare es auf unserer Welt gibt, von denen eines auf diese Art behindert?
Grob gerundet machen zweieiige Zwillinge ein gutes Prozent der Geburten aus. Down-Kinder sind wieder grob gesagt etwa ein Promille. Gäbe es also keine Korrelation, wäre die Anzahl solcher Zwillingspaare weltweit in der Größenordnung von 70.000.

Die Korrelation ist allerdings vermutlich positiv, zB über Mittelsfaktoren wie Alter der Mutter, daher werden es tatsächlich wohl deutlich mehr sein. In jedem Fall sind zweieiige Zwillinge und auch Down-Kinder in Industrienationen wie Deutschland überdurchschnittlich häufig, die Kombi also vermutlich erst recht.

Man kann natürlich außerdem erwarten, dass das Down-Syndrom keine große Ausnahme unter den angeborenen Lernbeeinträchtigungen darstellt. Dann ist die Anzahl der Leute, für die die Ergebnisse einer solchen Studie direkt relevant sind, nochmal um ein Vielfaches höher.