Forum
Karriere

Aufstiegsverweigerer: Karriere? Ohne mich!

Boris Schmalenberger Dickes Gehalt und Macht? Ach, lass mal... Konzerne machen gerade die verblüffende Erfahrung, dass viele Einsteiger die klassische Karriere meiden: kaum Freiraum und Freizeit, zu viel Druck, zu öde. Sie suchen anderswo ihr Glück. Oft gehen ausgerechnet die Talentiertesten.
Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die www-Version.
    Seite 1/25   10  
#1 - 27.08.2012, 09:54 von tempus fugit

4. Teil: Warum das eigene Können für Aktionäre verschwenden?

Genau um diese Frage geht es!

Sich zum Goldesel 'verfeinern' lassen - für was, für wen?

Und in den allermeisten Fällen dann, wenn
der Esel kaputt ist, frei nach Shakespeare:

"Der ausgebrannte Mohr kann gehen!"

#2 - 27.08.2012, 10:01 von tinu76

Arbeit

Musste das selber mit meiner jetzigen Frau ausdiskutieren. Ihrer Meinung nach, sollte ich duch Aus- und Weiterbildungen Karriere- und Lohnmässig Schritt für Schritt aufsteigen. Ich wollte meine, ohnehin schon langen, Präsenzzeiten wegen des höheren Lohnes nicht noch mehr in die Länge ziehen. Ausserdem bedeutet mehr Verantwortung mehr Arbeit = weniger Freizeit, vorallem auch Arbeit zu Hause nach Feierabend. Da ist dann selbst am Wochenende nix mit abschalten, was nicht gerade förderlich für Beziehungsleben ist. Zum Glück gibts auch noch Frauen, die nicht nur des Geldes wegen bei Ihrem Mann bleiben! ;-)

#3 - 27.08.2012, 10:04 von radeberger78

Statement Null Bock 1.0 Generation

Freilich sind es immer die schlausten, die erkennen das Freizeit ein wertvolles Gut ist.
Wer hat schon Lust sich den ganzen Tag von irgendwelchen Karrieristen streßen zu lassen, die sollen ihre Arbeit mal schön selber machen.
Ich persönlich mache schon seit einem halben Jahr nur noch Halbtags, Geld ist natürlich weniger, aber wenn man die Ansprüche anpasst, ist es voll ok.

#4 - 27.08.2012, 10:05 von Tatsache

So isses

Daran sind die Firmen selber schuld. Nach 10 Jahren in einem DAX-Konzern weiß ich jetzt wie man Karriere macht. Erstens: Erst nach Hause gehen, nachdem der Chef gegangen ist. Zweitens: Dem Chef immer recht geben. Drittens: Im Personalausweis steht unter Geschlecht: "weiblich".
Was bei Beförderungen niemals auch nur im entferntesten eine Rolle gespielt hat war fachliche Qualifikation oder generelle Eignung.
Wer bei uns pünktlich Feierabend machte, hatte keine Chance, selbst wenn die Arbeitsergebnisse hervorragend waren. Umgekehrt wurden wegen langer Anwesenheit reichlich Leute befördert, deren Leistungen nachweislich schlecht waren.
Die guten Leute, die nicht 14 Stunden täglich arbeiten wollen, und in der Regel ihre Arbeit auch in 8 Stunden schaffen, suchen Alternativen oder kündigen innerlich. Fehlleistungen wie die "Energiewende" oder der Berliner Flughafen oder die Finanzkrise oder, oder ... sind auch vor diesem Hintergrund zu sehen.

#5 - 27.08.2012, 10:07 von leser2434

Prima ! Die Leistungsträger dieses Landes entdecken, dass man die Anforderungen an sich auch selbst bestimmen kann. Das ist aus meiner Sicht eine sehr positive Entwicklung pro Familie und pro Partnerschaft.
Für die Firmen heißt es jetzt Umdenken, wenn man wirklich gute Leute optimal einsetzen will. Es wird wichtig werden, Führungsfunktionen so zu gestalten, dass diese Leute sie gerne ausfüllen. Es wird höchste Zeit, dass Führungskräfte nicht mehr an ihren Überstunden gemessen werden, sondern an der Qualität Ihrer Arbeit.
Meiner Meinung nach kann man sehr wohl Verantwortung tragen ohne Überstunden, denn das ist alles eine Frage der Stellengestaltung. Damit meine ich gar nicht unbedingt, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen, sondern viel mehr, sich die Frage zu stellen "müssen wir wirklich alle Themen bearbeiten ?".
Ich persönlich bin auch ein Aufstiegsverweigerer, der sich inzwischen erfolgreich von der firmeninternen Liste der "Potentials" hat streichen lassen. Die Ellenbogenmentalität der Ebenen über mir ist mir völlig zuwider. Auch ich tauschte die mögliche Gehaltssteigerung gegen mehr Freizeit mit der Familie, und bin damit sehr zufrieden.

#6 - 27.08.2012, 10:08 von genlok

Zitat von tempus fugit
Genau um diese Frage geht es! Sich zum Goldesel 'verfeinern' lassen - für was, für wen? Und in den allermeisten Fällen dann, wenn der Esel kaputt ist, frei nach Shakespeare: "Der ausgebrannte Mohr kann gehen!"

Weil man ein Gehalt bekommt. Das hat nichts mit Teilhabern zu tun.
Wenn man einverstanden ist mit dem Gehalt das man bekommt, sollte man seiner Arbeit nachgehen. Man sollte das Individum nicht überschätzen. Gibt 7 Milliarden Menschen auf der Welt, man is leicht ersetzbar. Sollte jedem klar sein.


Immer diese romantische Vorstellungen der Realität. Man sollte in Deutschland nicht meckern, immer noch machen wir Geld vom Sessel aus oder zumindest Schreibtisch, während in den Schwellenländern mit Schweiss Geld verdient wird.

#7 - 27.08.2012, 10:10 von kleinruh

Saat und Ernte

Zitat von sysop
Dickes Gehalt und Macht? Ach, lass mal... Konzerne machen gerade die verblüffende Erfahrung, dass viele Einsteiger die klassische Karriere meiden: kaum Freiraum und Freizeit, zu viel Druck, zu öde. Sie suchen anderswo ihr Glück. Oft gehen ausgerechnet die Talentiertesten.
Die Industrie erntet langsam aber sicher das, was sie gesät hat: sie hat Jahrzehnte lang ihren Mitarbeitern klar gemacht, dass sie lediglich "Human Resources" sind, also einfach nur Packesel, die größtmögliche Leistung bei kleinstmöglicher Entlohnung machen sollen und die jederzeit ersetzbar sind. Jetzt flattert langsam die Rechnung für dieses Verhalten auf die Tische der Unternehmen. Was soll denn eine potentielle Führungskraft von morgen dazu motivieren, einen solchen Posten anzunehmen? Das Schild an der Tür? Das Gehalt? Dafür ist der Preis, den man bezahlen muss, zu hoch, und die Arbeit, die man tun muss, zu undankbar.

Genau aus diesem Grund bin ich auch ein solcher "Aufstiegsverweigerer"... und stolz darauf!

#8 - 27.08.2012, 10:11 von Whoop84

Keine wirkliche Überraschung.

Zitat von sysop
"Führungskräfte von heute suchen den Erfolg, kennen aber auch den Preis: hoher Leistungsdruck und wenig Zeit fürs Privatleben", sagt ULA-Hauptgeschäftsführer Ludger Ramme. "Der Verzicht auf einen weiteren Karrieresprung und die Konzentration auf gute fachliche Arbeit sind ein naheliegender Weg, die Belastung wenigstens konstant zu halten."
Ganz großes Problem der Führungskräfte und des gesellschaftlichen Bildes von ihnen: Elitäre Denke & Ellenbogenmentalität. Diese fast übermenschlichen Schalter und Walter, ohne die sich gar nichts bewegen würde, die die mindestens infantilen Mitarbeiter in der großen bösen Industrie überhaupt erst emanzipieren, weil diese erwiesenermaßen die nötigen Fähigkeiten nicht haben und niemals haben werden.

Passt irgendwie nicht so gut zu der häufig gemachten Beobachtung, dass viele dieser unentbehrlichen, beinahe gottgleichen "Führer" so überflüssig sind wie ein Kropf und in vielen Organisationen den anspruchslosesten Job bei oftmals unverschämten Gehältern vortäuschen zu beherrschen.

Wenn sich jemand bei mir als Führungskraft oder Manager vorstellt, stelle ich das aufgrund meines Erfahrungsschatzes mittlerweile mit "Kann nicht viel" gleich. Ich liege nur selten daneben.

#9 - 27.08.2012, 10:13 von UbuRoy

Das ist nix Neues.

Sind schon immer die Unsympathen, die Machtgeil sind. Das sowas immer weniger wollen, ist demzufolge ein gutes zeichen. Wer will schon für einen fiesen menschenverachtenden Konzern den Obermufty spielen? Doch nur jemand, dem das gefällt. Je wniger sich dafür finden, desto besser ist es um den Menschen bestellt.

    Seite 1/25   10