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Karriere

Aufstiegsverweigerer: Karriere? Ohne mich!

Boris Schmalenberger Dickes Gehalt und Macht? Ach, lass mal... Konzerne machen gerade die verblüffende Erfahrung, dass viele Einsteiger die klassische Karriere meiden: kaum Freiraum und Freizeit, zu viel Druck, zu öde. Sie suchen anderswo ihr Glück. Oft gehen ausgerechnet die Talentiertesten.
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#90 - 27.08.2012, 13:03 von trotzdem2

Erfahrungen

Nachdem ich nach vielen tausend unbezahlten Überstunden, vielen durchgearbeiteten Wochenenden, zwar das Gefühl hatte, ich sei wichtig und unersetzbar, war mein Blutdruck mittlerweile in einem gefährlichen Bereich angekommen. Nachdem ich meine "Karriereverbissenheit" reduziert habe, ist er auf einen normalen Wert zurückgegangen.
Es gibt viele Menschen, die das nicht gemerkt haben und plötzlich an den Folgen gestorben sind

#91 - 27.08.2012, 13:05 von grinse_katze

Zitat von doytom
...was die Arbeitskollegen 14 Stunden am Arbeitsplatz getan haben wenn im Vergleich die anderen Kollegen dieselbe Arbeit innerhalb der gegebenen Arbeitszeit von 8 Stunden besser erledigten? Ich habe solche `Erfahrungen` auch gemacht bei einer namhaften internationalen Bank in Dublin wo es offenbar auf das `Sitzfleisch` ankommt um Karriere zu machen, den Rest kennen wir Dank der Eurokrise.
Na ja....solche "Kollegen" zeichnen sich meist dadurch aus, das sie rumjammern wieviel Arbeit sie hätten und das sie es ja kaum schaffen würden, aber wenn man dann fragt, ob man was übernehmen kann, sich in Ausreden ergehen, warum das nicht gehen würde.
Ausserdem müssen die ja soviel länger da sein, weil sie mindestens 3-4 Stunden am Tag (Achtung Sarkasmus) dafür aufwenden anderen zu erklären wieviel Arbeit sie hätten.

Und man sollte noch was nicht unbeachtet lassen:
Viele ungeliebte Kollegen werden auf höhere Posten abgeschoben, damit die endlich aufhören anderen zu nerven bzw. durch deren Unfähigkeit den Kolllegen tatsächliche Mehrarbeit zu verschaffen.

Ich hatte auch das "Vergnügen" einen solchen kennenzulernen.
Zum Glück war ich in der Abteilung aber als Freelancer drin.

Eine größere (fachliche und soziale) Luftpumpe habe ich bis dahin nicht kennengelernt. Und er hat permanent am Stuhl des AL gesägt. Er hatte aber fachlich wirklich null Ahnung (also die besten Voraussetzungen für die Karriere), konnte aber andere das Ohr blutig reden mit seinen angeblichen Fachkenntnissen. Sprich er hatte die typischen "Gebrauchtwagenverkäufer" Eigenschaften.
Er kam aber in dem Unternehmen nicht weiter. Seine befristete Stelle wurde nicht verlängert. Im wurde sogar unkollegiales Verhalten vorgeworfen. Sehr überraschend....aber wahrscheinlich hatte der AL auch nur Angst um seinen eigenen Job.

Aber mittlerweile ist der Knabe tatschlich CIO in einem Unternehemen.
Irgendwo muss man einerseits grinsen, andererseits bekommt man aber Wut, weil eben diejenigen die so jemanden einstellen meist eben auch nur nach dem Äußeren blabla gehen.

Ich für meinen Teil halte mich da raus.
Bin mein eigener Chef und zufrieden damit......

Als ich in der Branche meinen ersten längeren Angestellten Vertrag hatte, fragte mich mein damailger Chef in den unvermeidlichen "Zielvereinbarungs"-Gesprächen (weil flex-Gehalt), nach meinen Zukunfts Plänen. Meine Antwort: "Eigentlich mache ich das was ich jetzt mache gerne und ich strebe nicht nach Personalverantwortung (das war u.a. eine konkrete Frage), weil ich keine Lust habe auf endlose Meetings (die Abteiungsmeetings waren schon langweilig genug). Und das was ich gerne mache, tirtt dann in den Hintergrund, weil man dann eben machen "lässt".

Diese Fragen hatte ich danach auch noch von anderen Personalverantwortlichen und ich habe meist ähnlich geantwortet.
Ich erntete regelmäßig erstaunte, oft auch ungläubige Blicke.

Ich sehe es doch auch an einem Freund:
der hat auch an der Basis angefangen (und auch da nicht wirklich schlecht verdient). Und heute? Seine Frau sitzt unter der Woche meist alleine mit den zwei Kindern rum...und wenn er da ist muss er trotzdem in seinem Kellerbüro oft noch arbeiten, weil er neben seiner Tätigkeit auch noch die Abteilung "managen" muss.
Toll......
ne...muss nicht wirklich sein.........

#92 - 27.08.2012, 13:10 von gievlos

Macht!

Man muss schon ziemlich scharf auf Macht sein, um freiwillig die Bürden einer führenden Position auf sich zu nehmen. Oder ganz viel Verantwortungsbewusstsein haben. Aber ich glaube, auch in Zukunft werden die meisten Führungsebenen von soziopathisch veranlagten Karrieristen besetzt sein, die sich am Gefühl der Macht berauschen können

#93 - 27.08.2012, 13:10 von sfb

Zitat von tempus fugit
"Warum das eigene Können für Aktionäre verschwenden?" Genau um diese Frage geht es! Sich zum Goldesel 'verfeinern' lassen - für was, für wen?
Nicht nur für Aktionäre. Inzwischen sollen die Nettosteuerzahler ja halb Europa mitfinanzieren. Und sich dann noch als "böse Reiche" diffamieren lassen.

Deshalb ist es nur allzu verständlich, wenn man dem System den ganzen Krempel vor die Füße wirft. Warum nicht selbst mal vom Geld der Anderen leben?

#94 - 27.08.2012, 13:11 von tutz

Generation Y

Selbst aus der Generation Y verzichte ich auf das Karrierestreben. Ich brauche nicht viel Geld, ich brauche keinen Porsche und auch nicht Ferien in der Karibik. Ich will Zeit mit meiner Familie und meinen Job gut ausführen ohne Gefahr, in 10 Jahren ausgebrannt und unmotiviert zu sein. Soll sich auf dem Altar der Marktwirtschaft opfern wer will, ich selbst tu's sicher nicht. Das Leben ist zu kurz für solchen Bockmist wo schlussendlich nur irgendwelche Firmenpatrons, Aktionäre und Banken profitieren.

#95 - 27.08.2012, 13:13 von sfb

Zitat von tinu76
Musste das selber mit meiner jetzigen Frau ausdiskutieren. Ihrer Meinung nach, sollte ich duch Aus- und Weiterbildungen Karriere- und Lohnmässig Schritt für Schritt aufsteigen. Ich wollte meine, ohnehin schon langen, Präsenzzeiten wegen des höheren Lohnes nicht noch mehr in die Länge ziehen. Ausserdem bedeutet mehr Verantwortung mehr Arbeit = weniger Freizeit, vorallem auch Arbeit zu Hause nach Feierabend. Da ist dann selbst am Wochenende nix mit abschalten, was nicht gerade förderlich für Beziehungsleben ist. Zum Glück gibts auch noch Frauen, die nicht nur des Geldes wegen bei Ihrem Mann bleiben! ;-)
Da wäre ich nicht so sicher. Schließlich stimmt dann das "Geschäftsmodell" so mancher Ehe nicht mehr ;-)

#96 - 27.08.2012, 13:13 von Chris_7

Wenn man die falschen auswählt...

Der Artikel zeigt einfach, dass im Zweifel die falschen potentiellen Nachwuchsführungskräfte ausgewählt wurden. man meint heute, dass Führungskräfte besonders teamfähig, beliebt, fachlich kompetent,... sein müssen. Falsch. Das muß der Mitarbeiter sein. Düe Führungskraft muß als wesentliche Voraussetzung haben: Führungskraft werden/ bleiben zu wollen. Und bereit sein, den erforderlichen preis dafür zu bezahlen.

Und diese Führungskräfte sind eben ausreichend egoistisch, sind in de Lage Anweisungen von uben durchzusetzen, egal wie hoch der Preis ist, lassen lieber andere für sich arbeiten,...

Nur will man dies in der "modernen" Welt nicht mehr wahrhaben sondern versucht auf den Wohlfühlkuschelfaktor zu setzen. Wohind as führt sieht man ja im Artikel beschrieben...

#97 - 27.08.2012, 13:14 von tigermommy

Überhaupt nicht ...

Zitat von mm71
Noch kurz vorweg: Ich ärgere mich niemals darüber, dass es irgendjemandem gut geht (falls Ihr letzter Satz so gemeint war). Ganz im Gegenteil. Ich wollte nur vor der Illusion warnen, die Sie da entwickeln. Mit Netzwerk meine ich auch nicht Twitter oder Facebook, sondern schlicht und einfach jemanden (und dessen Arbeit) kennen und vertrauen (!). Wenn das fehlt, sind Quereinstiege in Führungspositionen sehr schwer. Und ich sehe nicht das geringste Anzeichen, dass sich das ändert. Sie sehen ja schon, wenn man nicht mal an den "Ungeeigneten" vorbei kommt, wie soll das erst werden, wenn sie auf einen "Geeigneten" treffen. Und sich das dann selbst damit erklären, dass das "alles nur Idioten sind" - ja, das ist natürlich leicht und da sind wir dann wieder beim "ich hätte" und "ich würde...". Das geht so m.E. nicht auf. Wer sich mit spätestens Anfang 30 nicht auf den Karrierepfad begeben hat, für den bleibt dann zeitlebens nur das Schimpfen auf die Inkompeteten "da oben". Der Zug ist dann abgefahren. Dass es einem damit trotzdem gut gehen kann, bestreite ich aber keine Sekunde.
Jedem Tierchen sein ..... Leben und leben lassen usw.
Aber aus mir bzw. unserem sozialen Umfeld spricht schlicht die Empirie! Mein Schwiegervater war als Unternehmer sehr erfolgreich. Er hatte nie mehr als 25 Angestellte, aber die kannte er bzw. die waren handverlesen. Zu diesen Leuten hat er noch heute ein mitunter väterliches Verhältnis (bitte nicht überbewerten).
Er (und er ist nur einer aus der Empirie) kann aus tagelang von all den tollen und großen Unternehmen erzählen, wie es da wirklich abläuft und was Kompetenz dort in real life bedeutet. Und er hat seinen Weg gemacht und braucht weder neidisch zu sein noch zu meckern. Mit 50 hat er aufgehört und das Unternehmen an den Nachfolger übergeben ohne auf irgendetwas verzichten zu müssen. Er hat aber zugegeben hart gearbeitet und war bzw. ist sehr kompetent. Solche Leute und wir kennen noch andere mit ähnlichen Lebensläufen resp. Sichtweisen plus die (zu Recht) enttäuschte Masse haben unsere Meinung mitgeprägt.
Wir könnten das jetzt auch endlos weiterführen. Die Beispiele würden mir wohl nicht ausgehen.
Das ganze System ist "rotten" und das merken immer mehr Menschen. Nur weil noch einige Karriere machen bedeutet das nicht das alles gut ist.
Wissen Sie wie man am schnellsten bei einem großen europäischen Flugzeughersteller in Lohn und Brot bzw. zu einer Karriere kommt?
Wenn Sie die Antwort wüssten stünden Ihnen alle Haare zu Berge! Garantiert!

#98 - 27.08.2012, 13:16 von williwupp

Kann ich gut verstehen...

das junge Leute so denken. Ich habe lange Jahre für einen grossen Konzern aus München gearbeitet, bei Projekten Überstunden (unbezahlt) geleistet, Flüge ins Ausland (Reisezeiten unbezahlt) mit tagelanger Abwesenheit für die Projekte gemacht. Dann wird irgendwann Personal abgebaut und deine Leistung interessiert niemand mehr (egal in welcher Hierarchieebene). Es bleiben dann die (wie hier schon mehrfach erwähnt) die PowerPoint Jockeys und Heissluftabsonderer....
P.S. ich bin jetzt selbstständig .....

#99 - 27.08.2012, 13:16 von fridolinkiesewetter

Oha sie haben es gerafft ...

... ich persönlich kann nur für meine Erfahrung sprechen. Eine Serviceagentur, die mittlerweile 3/4 des Kundenkontakts eines namhaften Zeitungsverlags abhandelt.

Die Führungsetage bzw. leitenden Redakteure. Alles "eingekaufte Namen mit Renommee" oder Leute die mit irgendwelchen tollen, aber leider nicht sachbezogenen Qualifikationen winken können. Keine dieser Personen ist im Verlage mitgewachsen oder stammt aus der Region.
Dies ist von enormem Vorteil, wenn man eine der größten Regionalzeitungen leiten soll ......

Die Folge sind abstruse Produkte, Ignoranz gegenüber den Kundenbedürfnissen und stumpfe Kennzahlengeilheit.

Geradezu Charakteristisch für die Einstellungspolitik auf Führungsebene war, dass man eine Unternehmensberaterin eingestellt hat (in einem VERLAG), die zuvor das Unternehmen selber beriet. Diese Beratung sah so aus, dass jeder Mitarbeiter nach jedem Kundenkontakt einen Fragebogen ausfüllen sollte, der 1. sowas von am Thema vorbei war, dass er kaum ernsthaft beantwortet werden konnte 2. so lang war, dass man ein 5 minütiges Kundengespräch 15 min. nachbearbeiten musste ...

Das jemand aus diesem sinnentleerten "heiße Luft"-Club aussteigt, um was sinnvolles zu machen, könnte ich verstehen.
In den

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