Forum
Karriere

Auswanderer in Schweden: "Deutsche kommen mir mittlerweile so verkrampft vor"

Rüdiger Lohf Er hatte mehrere Jobangebote als Lehrer und entschied sich für die kleinste Gemeinde, mitten auf dem Land: Nach 27 Jahren in Schweden kann sich Rüdiger Lohf eine Rückkehr nach Deutschland gar nicht mehr vorstellen.
zum Artikel
Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion im Artikel.
    Seite 1/6    
#1 - 08.07.2018, 08:17 von stefangr

Schweden ist ein Traum

Natürlich gibt es auch in Schweden Schattenseiten, sie haben wie wir auch die Rechtspopulisten (AfD und Schwedendemokraten), die Deindustrialisierung entwurzelt viele. Aber es ist ein lockeres und angenehmes Land, auch wenn ich dort von Herbst bis Frühjahr nicht leben möchte.

#2 - 08.07.2018, 08:43 von carinanavis

eine nette geschichte

aber das steife und verkrampfte Hamburg zum Maßstab für ganz Deutschland zu machen ist schon arg simpel. Im Süden Deutschlands, besonders in lockeren Bayern in kleineren Orten sind die Menschen generell per Du.

Die hohe Lebenserwartung ist in Schweden mit 82,4 (m/f) auch nur 1,4 Jahre höher als in ganz Deutschland. Bei den Frauen beider Länder ist der Unterschied nur noch 0,6 Jahre (Daten von Statista.com, 2016) Übrigens ist die Lebenserwartung von Bayern und Schwaben etwa 2 Jahre höher als die von Sachsen-Anhaltinern und erreicht schedisches Niveau. Also, Lockerheit und Duzen verlängert das Leben signifikant!

Spaß und Ernst beiseite. Schweden erschien mir schon immer als sympathisches Land unter anderem wegen der weniger hektischen und sozialer eingestellten Gesellschaft. Dazu macht es die schöne vielfältige Natur attraktiv, sodass ich gerne mal als Tourist hinreisen möchte, auch als verkrampfter Deutscher.

#3 - 08.07.2018, 09:03 von deKok

Nach 12 Jahren DLd

Mann braucht nicht nur nach S aus zu waendern um Dld in anderen hinsicht zu sehen. Dld ist ein grosser Schrank wo nicht alles drin ist wie gehabt. Fahre Mal quer durch Dld, einmal im Citroen Kastenwaegelein andermal im BMW 525. Die unterschieden in dem sich die Aenderen benehmen erzaehlt sehr viel ueber DLD Unmut. Schade dass Land koennte viel viel schoener sein. Auch die nachtfaehreten mit der billigtickets im Bahn schwischen 22:00 und 4:00 is komplett aenders als vor 20 Jahren. Wieso gibt es kein neuer Guenther Wallraf in DLD ?

#4 - 08.07.2018, 09:27 von Frida_Gold

"Deutsche kommen mir zum Beispiel mittlerweile sehr verkrampft vor. Das gängige "Sie", das "Sehr geehrter Herr…", Namensschilder mit der Aufschrift "Frau Schmidt" - daran kann ich mich gar nicht mehr gewöhnen. Das sind doch die Umgangsformen der Großeltern!"
Ja, das sind Umgangsformen der Großeltern. Macht auch kaum noch jemand unter 50 oder so. In Unternehmen spricht man sich mit du und Vornamen an, außer in sehr traditionell gehaltenen mit krassem Gefälle. Im Norden duzt man sich sowieso viel mehr und schneller. Und die schwedische Idyll-Provinz mit Hamburg vergleichen - das hinkt auf so vielen Ebenen, dass es nicht einmal mehr ein Vergleich ist.

In meinen Augen mal wieder ein überromantisierter Beitrag über des Deutschen liebstes Skandinavien von jemandem, der die Größe und Abwechslung Schwedens kennt, aber offenbar in Deutschland nie auf die Suche danach gegangen ist.

#5 - 08.07.2018, 09:40 von eulenspiegel2k17

Die andere Seite von Schweden

Lernt man kennen, wenn man in einem schwedischen Konzern arbeitet. Locker und leicht ist da nichts mehr und das Verhalten schwedischer Konzerne im Ausland erinnert eher an römische Eroberungstaktik. Wenn dieser Mann in Schweden sein Glück gefunden hat, ist das seine Sache. Aber bitte keine Rückkehr als Rentner, wenn die Dinge im Alter nicht mehr so toll sind. Ich für meinen Teil halte die schwedische Gesellschaft inzwischen für genauso verlogen und Ellenbogen-besetzt wie andere neoliberale Staaten. Das Schweden aus Astrid Lindgrens Geschichten existiert nicht.

#6 - 08.07.2018, 09:44 von kickmeto

Das weiß wohl jeder, der mal länger im Ausland war.

Es ist doch ganz einfach, in Deutschland läuft die Wirtschaft gut, nicht zuletzt, weil wir eben penibel sind, anders gesagt, unlocker. Das mag schöne Zahlen machen auf dem Papier, ist aber leider oft ein Killer für Lebensfreude. Ein gutes Rezept, wie ich finde, ist hier, deutsche Gründlichkeit mit südländischer Gelassenheit zu mischen, von jedem ein Bisschen, dann klappts auch mit der Lebensfreude. Wenn ich Kunden am Telefon habe, die wegen 30 Cent streiten und dafür noch Briefe aufsetzen, zweifel ich jedoch oft daran, ob das in Deutschland jemals was wird. Mehr Stock im Hintern gibts, wenn überhaupt, doch nur noch in der Schweiz ;-)

#7 - 08.07.2018, 09:47 von gsa

Dieses ewige Du - nichts für mich

Ich lebe auch schon seit Jahrzehnten in Schweden und vermisse tatsächlich das Sie. Du/Sie ermöglicht eine Form der Differenzierung im Umgang. Das bietet die schwedische Sprache heute nicht. Es gibt Leute, mit denen möchte man einfach nicht auf Du sein.
Und wenn ein neuer junger Kollege mal aus Deutschland kommt und mich gleich auf Deutsch mit du anquatscht, ist das für mich ein Zeichen von fehlender Erziehung.
Es gibt im Schwedischen Auch das altmodische Ni, das in etwa (aber nicht richtig) dem deutschen Sie entspricht, und inzwischen von Hotelpersonal hauptsächlich in den Grosstädten manchmal Wieder benutzt wird. Den meisten Schweden ist es aber ziemlich unangenehm, wenn sie mit diesem Ni angesprochen werden.

#8 - 08.07.2018, 09:55 von Sonia

Romantisierter Beitrag

Wir haben Angehörige in Malmö, der wohl inzwischen kriminellsten Stadt Schwedens, beherrscht von Clans, die sich öfter am Tage Schusswechsel liefern. Eine einst malerische Stadt am Meer, wo abendliche Spaziergänge zum Risiko werden..Immer weniger Touristen verweilen dort. Meine Verwandschaft sitzt auf gepackten Koffern u. zieht nach Oslo.

#9 - 08.07.2018, 10:03 von gibbons

"Deutsche kommen mir zum Beispiel mittlerweile sehr verkrampft vor. Das gängige "Sie", das "Sehr geehrter Herr", Namensschilder mit der Aufschrift "Frau Schmidt" - daran kann ich mich gar nicht mehr gewöhnen. "
Ich weiß nicht wo das heute noch so ist. Auf vielen Namensschildern sieht man heute in DE nur noch Vornamen. In vielen Unternehmen in DE wird sich geduzt... und auf der Strasse hält sich das DU und Sie die Waage, ist eine Generationssache.
Gerade in den letzten Jahren ist da eine große Entspannung eingetreten, meiner Ansicht nach.

    Seite 1/6