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Frag Anne: Wer stutzt den jungen Kollegen zurecht?

Corbis Er ist noch Anfänger, aber sein Ego hat eine eigene Postleitzahl - der neue Kollege nervt Unternehmensberater Kai tödlich. Ignorieren, ausbremsen, zusammenfalten? Managementexpertin Anne Weitzdörfer weiß Rat.
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#1 - 22.07.2015, 09:56 von grumpy53

von Mann zu Mann

es erstaunt mich schon einigermaßen, dass jemand, der Unternehmen berät, an den einfachsten Dingen unsicher wird, die im Team so menscheln. Zur Beratung eines Unternehmens gehört auch der Blick auf die Menschen und ihre Verhaltensweisen, die Fähigkeit, damit umzugehen und last but not least zu integrieren und zu motivieren. Von Mann zu Mann beim Bier wäre nicht meine Lösung, zu diesem Zeitpunkt sozusagen eine private Beziehungsebene aufzubauen - oder auch nur taktisch einzusetzen, kann auch nach hinten losgehen. Den Vorschlag das ganze in einem Gespräch zum Einleben und gemeinsamen Blick auf seine Rolle im Team und seine Wirkung in gebotener Sachlichkeit und mit Respekt halte ich für unbedingt sinnvoll. Regelmäßiges Feedback ist nicht verzichtbar. Auf so hohle Worte wie "wertschätzend", die sich schick anhören, aber meistens das Gegenteil bedeuten, würde ich verzichten. Wo das Verhalten nicht gut kommt, kann man erst mal auf die positiven Aspekte eingehen und diese verstärken.

#2 - 22.07.2015, 10:31 von Münchner MV

Es gibt schon einen Unterschied von Beratern und Beratern. Das ist keineswegs eine homogene Masse und die jeweiligen Mitarbeiterstrukturen und Denkansätze unterscheiden sich gewaltig. Die jungen, teils sehr von sich selbst eingenommen "Schlauschwammerl" (Besserwisser könnte man sagen) sind jedoch keine alleinige Erscheinung der Consultant-Welt. Vielmehr sind das die ersten Auswüchse von Kuschelpädagogik und Übermotivierten Eltern. Wenn Torben-Malte die ganze Kindheit vorgebetet wird, er sei der allerbeste, Mami eine Petition startet wenns für eine Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen nicht reicht und die Helikopter-Eltern die Lehrer verklagen, weil es trotz England-Sprachurlaub nicht für die 1 gereicht hat... Ja dann kommt das große Erwachen nach dem Studium, was soll man sonst werden als Berater? Da wird übersehen, dass dies ein mind. 60 Std/Woche Job ist, man nach dem Studium trotzdem noch von absolut nichts eine Ahnung hat und man besser etwas teifer Stapeln sollte. Da gibt es nur eine herangehensweise - Deutliche Worte. Des Schlauschwammerl zurechtstutzen und klipp und klar machen, dass man nun in der "Erwachsenenwelt" ist und die Uhren sich anderes drehen. Und wenn Torben-Malte dann Schnappatmung bekommt, sich einnässt und nach Mami schreit, ja dann ist halt Berater doch nicht seine Welt.

#3 - 22.07.2015, 10:35 von corn5

Und wenn nicht?

Wenn er nicht aufmacht und ein unsympath bleibt? Dann doch zusammenfalten? Hier bleibt eine wichtige antwort schuldig.

#4 - 22.07.2015, 10:43 von Newspeak

...

Der lässt sich nicht unterkriegen und schafft ganz pragmatisch Abhilfe, frei nach dem Motto "Fake it till you make it". Ist doch irgendwie ganz schlau.

Schlau? Blendertum ist schlau? Na ja, zugegeben, leider denken das wohl viele, wenn man sich seine Umwelt so anschaut.

Warum soll man eigentlich einem aufgeblasenen Ego nicht einmal die heiße Luft ablassen? Wenn es nämlich ein echtes Ego wäre, wenn etwas dahinter stünde, was dieses Ego stützt, dann geht das nämlich nicht. Zu merken, als Jungspund, daß man ein solches Ego hat, wäre von Vorteil. Zu merken, wenn man (noch) kein solches hat, aber auch.

Wenn man sich die wirklich Großen anschaut, die echten Persönlichkeiten, die mit Charakter, dann wird man feststellen, daß sich diese Größe und das entsprechende Ego sehr oft mit einem gehörigen Maß an Demut paart. Diese Leute wissen wo sie stehen, weil sie ihre Grenzen kennen, ihre Schwächen, ihre Selbstzweifel, die sie vielleicht sogar zeigen können, ohne ihr Ego anzukratzen. Mit solchen Leuten kann man auch hervorragend auskommen und arbeiten. Die stecken ihre Energie nämlich auch in ihre Arbeit und nicht in den Aufbau und die Bewahrung von Fassaden.

Andersherum...jemand der in jungen Jahren ein falsches Selbstbild von sich entwickelt, und immer damit durchkommt, wird später noch viel unterträglicher. Selbstverliebt, selbstgerecht, eingebildet, narzisstisch bis zum Größenwahn. Und aus seiner Sicht ja auch völlig zurecht, denn niemand hat ihn je darauf hingewiesen, daß hinter seinem Auftreten gar keine Substanz steckt.

Insofern, mein Tipp...freundlich, höflich, aber bestimmt und konsequent mal die Substanz testen, den Jungspund mal einem Stresstest aussetzen, und schauen, wie er reagiert. Man wächst nämlich nicht, wenn alles immer nur harmonisch ist und es hilft keinem, wenn man etwas vortäuscht. Jetzt ist die Gelegenheit dazu, später sind alle nachteiligen Verhaltensweisen eingefahren und kaum noch zu ändern. Man sollte lediglich darauf achten, daß man denjenigen, um den es geht, nicht vor allen anderen bloßstellt, oder persönlich kränkt, aber in einem geschützten Raum, vielleicht sogar als Ankündigung eines Tests, warum nicht?

#5 - 22.07.2015, 10:58 von shadowxx

Merkwürdige Argumentationen der Autorin

Ich muss mich Kommentar 2 anschließen. Die "Empfehlung" seitens der Autorin ist genau das falsche. So jemand muss mal ein bisserl von seinem Ross runtergeholt werden, natürlich unter 4 Augen und nicht vor versammelter Mannschaft.
Die Argumentationen der Autorin sind sehr.....ich weiß nicht genau wie ich es nett sagen soll...."interessant", aber wir sind hier nicht auf der Schule, sondern im Berufsleben und solche "Berater" sind für das Geschäft eher schädlich als nützlich (ein Bekannter, der genau unter dem gleichen Syndrom leidet wie der im Text beschriebene hat seinem Chef 2 Kunden direkt gekostet und 5 weitere wollen unter keinen Umständen das dieser an weiteren Projekten beteiligt ist).
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#6 - 22.07.2015, 11:15 von Münchner MV

Zitat von shadowxx
Ich muss mich Kommentar 2 anschließen. Die "Empfehlung" seitens der Autorin ist genau das falsche. So jemand muss mal ein bisserl von seinem Ross runtergeholt werden, natürlich unter 4 Augen und nicht vor versammelter Mannschaft. Die Argumentationen der Autorin sind sehr.....ich weiß nicht genau wie ich es nett sagen soll...."interessant", aber wir sind hier nicht auf der Schule, sondern im Berufsleben und solche "Berater" sind für das Geschäft eher schädlich als nützlich (ein Bekannter, der genau unter dem gleichen Syndrom leidet wie der im Text beschriebene hat seinem Chef 2 Kunden direkt gekostet und 5 weitere wollen unter keinen Umständen das dieser an weiteren Projekten beteiligt ist). .
Genau das ist der Hintergrund der Gefahr so ein Schlauschwammerl "einfach machen zu lassen". Es gibt Berater (Unternehmen) die in der Branche selbst einen eher zweifelhaften Ruf als "Jugend forscht" Protagonisten haben. Da werden gerne via Senior Partnern die Geschäfte "eingetütet" und anschließend aufgeblasene Milchbärte beim Kunden abgeladen - die ohne Checkliste keine Ahnung haben was sie eigentlich machen sollen. Wenn diese dann noch arg "aufgeblasen" sind, besteht die akute Gefahr, dass der Kunde wegbricht. Und sowas spricht sich rum, die technischen Leiter vom Mittelstand bis zum Großkonzern sind mittlerweile alle gut vernetzt. Dies gilt eigentlich für alle Bereiche der Führungspositionen, sei es im Bereich Technik, Einkauf, Logistik oder sonstigem. Natürlich sollte man solche Angelegenheiten nicht coram publico diskutieren.

#7 - 22.07.2015, 11:17 von badbeardxb

Erstmal die eigenen Anteile herausarbeiten...

Interessant wäre für mich als der Fragesteller zunächst einmal: Warum reagiere ich so abgenervt auf den nervigen Kollegen? Was bringt er bei mir zum Mitschwingen was ich an mir nicht mag? Wenn ich mir darüber klar werde, erkenne ich warum ich bisher nicht adequat reagiert habe - amüsiert das Verhalten wahrzunehmen und entspanntes, aber klares Feedback zu geben 8anstatt mich hinter dem Begriff "Professionalität" zu verstecken). Im übrigen ist dann der Kollege derjenige, der eigentlich das Problem hat, da er ständig sein narzistisches Ego aufpumpt, was ihm beim ersten beruflichen Rückschlag ziemlich auf die Nase fallen lassen wird.Höchstwahrscheinlich ist dem im Grunde klar dass er nicht so toll rüberkommt, nur seine Strategie dagegen ist vollkommen falsch. Ich als der Fragensteller muss mir den Stiefel jedenfalls nicht anziehen.

#8 - 22.07.2015, 11:22 von Arminiafan

Zitat von shadowxx
Ich muss mich Kommentar 2 anschließen. Die "Empfehlung" seitens der Autorin ist genau das falsche. So jemand muss mal ein bisserl von seinem Ross runtergeholt werden, natürlich unter 4 Augen und nicht vor versammelter Mannschaft. Die Argumentationen der Autorin sind sehr.....ich weiß nicht genau wie ich es nett sagen soll...."interessant", aber wir sind hier nicht auf der Schule, sondern im Berufsleben und solche "Berater" sind für das Geschäft eher schädlich als nützlich (ein Bekannter, der genau unter dem gleichen Syndrom leidet wie der im Text beschriebene hat seinem Chef 2 Kunden direkt gekostet und 5 weitere wollen unter keinen Umständen das dieser an weiteren Projekten beteiligt ist). .
Genau so ist es. Die Arbeit vor Ort (im Team) und der direkte Kundenkontakt muss klappen. Wenn er sich ansonsten ins Team einfindet und auf eine erste direkte Ansprache reagiert ist in Ordnung. Das muss er haben können wenn er mal unter vier Augen darauf angesprochen wird. Ansonsten ist er in dem Beruf falsch.
Hilft ihm ja auch, wenn er nicht mit den Kollegen aneckt.

#9 - 22.07.2015, 11:41 von Malshandir

Direkter Weg

Also hier muss man den direkten Weg gehen und ganz klar Grenzen setzen.
Dazu gehoert auch zu sagen, dass seine Blendersprueche in diskreditieren und er durch Leistung ueberzeugen soll, anderenfalls wird man sich von ihm trennen.

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