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Frust im Job: Schlecht geführt und kaum gefördert

Brainpool / Willi Weber Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist hoch wie nie - doch immer weniger Menschen sind im Job glücklich. Das liegt auch daran, dass viele Personalmanager ihre Aufgabe falsch begreifen. Ein Blick auf die verborgenen Problemzonen der deutschen Wirtschaft.
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#1 - 20.02.2012, 12:49 von der_rookie

Hm

Zitat von sysop
Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist hoch wie nie - doch immer weniger Menschen sind im Job glücklich. Das liegt auch daran, dass viele Personalmanager ihre Aufgabe falsch begreifen. Ein Blick auf die verborgenen Problemzonen der deutschen Wirtschaft.
Wann hören Journalisten endlich auf Trends zu behaupten ohne auch nur ein Indiz zu liefern. Im Einleittext steht prominent platziert "immer weniger Menschen sind im Job glücklich". Wo im Text finde ich den Vergleich zu früher? Merke: "Immer mehr" ist nicht gleichbedeutend mit "Viele".
Manchmal wirkt es auf mich als ob sich ein Journalist zum ersten Mal ernsthaft mit einem Thema auseinandergesetzt hat (musste ja den Artikel schreiben), damit ihm zum ersten Mal die Zustände aufgefallen sind. Da diese ihm früher nicht bewusst waren denkt er früher war es wohl nicht so schlimm, also wird alles immer schlimmer.

#2 - 20.02.2012, 14:25 von spügel

Zitat von der_rookie
Im Einleittext steht prominent platziert "immer weniger Menschen sind im Job glücklich".
Das kommt nun mal davon, das man früher mit weniger Arbeitseinsatz das doppelte verdient hat. Und wenn es einem auf seinem Arbeitsplatz nicht mehr gefallen hat, konnte man mit dem Wissen kündigen, das man in zwei Wochen etwas besseres gefunden hat.

Mit Verlaub, Ihnen geht es wohl zu gut, wenn Ihnen das bisher nicht in brüllender Lautstäke aufgefallen ist.

#3 - 20.02.2012, 14:33 von gsm1800

Kein Inflationsausgleich?

Zitat von sysop
Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist hoch wie nie - doch immer weniger Menschen sind im Job glücklich. Das liegt auch daran, dass viele Personalmanager ihre Aufgabe falsch begreifen. Ein Blick auf die verborgenen Problemzonen der deutschen Wirtschaft.
Danke Chef, dafür mache ich doch gerne unbezahlte Überstunden.

#4 - 20.02.2012, 14:33 von wurmfortsatz

Dienstleistungstrend

Zitat von sysop
Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist hoch wie nie - doch immer weniger Menschen sind im Job glücklich. Das liegt auch daran, dass viele Personalmanager ihre Aufgabe falsch begreifen. Ein Blick auf die verborgenen Problemzonen der deutschen Wirtschaft.
Deutschland entwickelt sich zur Dienstleistungsgesellschaft. Ein alter Hut. Damit sind nicht mehr die teuren Maschinen (die regelmäßig durch TÜV und Firmen selbst) gepflegt und gehegt wurden das Kapital der Firma, sondern die Mitarbeiter.
Nur leiten solche Firmen immernoch die Managertypen, die Stahlfirmen geleitet haben. Oder Banken. Bei ersteren ist die Maschine und icht der Mensch wichtig, bei letzteren ist der Mensch das ja auch nicht.
Erst wenn in der Firmenleitung klar wird, dass ein Dienstleister nur so gut ist, wie seine Mitarbeiter und nicht wie sein Sortiment, kann das klappen!

Eine Klobrille gibt es überall. Aber wenn sie für vielleicht 50 Cent mehr von einem Verkäufer mit Lust und Wissen verkauft wird ist das allemale einen 2. Besuch wert statt in einer leeren großen Halle mit 100 Klobrillen verschiedenster Formen und Größen völlig hilflos zu stehen.

#5 - 20.02.2012, 16:14 von The Captain

Gute Arbeit, schlechte Arbeit

Zitat von spügel
Das kommt nun mal davon, das man früher mit weniger Arbeitseinsatz das doppelte verdient hat. Und wenn es einem auf seinem Arbeitsplatz nicht mehr gefallen hat, konnte man mit dem Wissen kündigen, das man in zwei Wochen etwas besseres gefunden hat. Mit Verlaub, Ihnen geht es wohl zu gut, wenn Ihnen das bisher nicht in brüllender Lautstäke aufgefallen ist.
So sieht's aus.
Heute mutiert der eigene Arbeitsplatz immer öfter und immer schneller zu etwas, was wie eine "unglückliche Ehe" wirkt. Man ist zwar absolut unglücklich damit, aber mal eben Scheiden ist nicht, denn die Konsequenzen, meist finanzieller Natur, sind kaum zu bewältigen.

Sich vom ungeliebten Arbeitsplatz zu trennen, weil man:
[_] überlastet ist (60+ Stundenwoche über Monate hinweg)
[_] an Burnout leidet
[_] mit den Kollegen nicht auskommt
[_] andauernd unterfordert ist
[_] eigentlich nur wegen des Arbeitsamtes die Stelle angenommen hat
[_] die Bezahlung unterirdisch ist
[_] man nicht ewig und drei Tage pendeln mag
[_] usw. usf.

... ist meistens nicht möglich, weil nix anderes in Aussicht steht. Dazu die Sperre von 3 Monaten vom Arbeitsamt, da heutzutage prinzipiell alles zumutbar ist und das Verursacherprinzip gilt: wird man gekündigt, gibt's keine Sperre.

Ich hab gegenwärtig das fast schon unfassbare Glück, Arbeitsbeginn und -ende selbst festlegen zu können, aber die allermeisten Leute, die ich kenne, kennen feste Arbeitszeiten und Schichtbetrieb. Dazu ist die Arbeit angemessen bezahlt und kein körperlich belastender Knochenjob - durchaus ein Sechser im Lotto.
Aber ich kenn das auch anders, inkl. Nachtschicht (Praktikum Industriereiniger) und knallharte verordnete Überstunden (Maschinenbau/Servicetechniker) ... und da möchte ich nicht wieder hin.

#6 - 20.02.2012, 16:28 von mm71

titel

Zitat von The Captain
So sieht's aus. Heute mutiert der eigene Arbeitsplatz immer öfter und immer schneller zu etwas, was wie eine "unglückliche Ehe" wirkt. [...] Ich hab gegenwärtig das fast schon unfassbare Glück, Arbeitsbeginn und -ende selbst festlegen zu können, aber die allermeisten Leute, die ich kenne, kennen feste Arbeitszeiten und Schichtbetrieb.
Ja, aber war das früher anders? Ich würde generell mal hinterfragen, ob die Einstellung "Arbeit muss (!) Spass machen", "Man muss am Arbeitsplatz glücklich sein, sich selbst verwirklichen" etc. nicht auch irgendwie falsches Erwartungsmanagement sind. Für den grösseren Teil der Menschen dürfte Arbeit schlicht und einfach Existenzsicherung und Broterwerb sein, um dann ausserhalb der Arbeit Dinge zu tun, die glücklich machen.

Aber klar, wenn dann (scheinbar) ständig alle behaupten "Meine Arbeit macht mir Spass", dann denkt man natürlich, dass bei einem selbst etwas nicht stimmt.

#7 - 20.02.2012, 16:54 von TribbleOO

Zitat von wurmfortsatz
Deutschland entwickelt sich zur Dienstleistungsgesellschaft. Ein alter Hut. Damit sind nicht mehr die teuren Maschinen (die regelmäßig durch TÜV und Firmen selbst) gepflegt und gehegt wurden das Kapital der Firma, sondern die Mitarbeiter. Nur leiten solche Firmen immernoch die Managertypen, die Stahlfirmen geleitet haben. Oder Banken. Bei ersteren ist die Maschine und icht der Mensch wichtig, bei letzteren ist der Mensch das ja auch nicht. Erst wenn in der Firmenleitung klar wird, dass ein Dienstleister nur so gut ist, wie seine Mitarbeiter und nicht wie sein Sortiment, kann das klappen!
Ich würde ja mal davon ausgehen, dass gerade Stahlmanager (die schon immer für wirklich VIELE Menschen Verantwortung tragen) verstanden haben, wie wichtig ihr Personal ist. Schlimm sind dann die Etagen des Konzerns die niemals so ein Werk von innen gesehen haben und dann anahnd irgendwelcher (pseudo-mathematischer) Modelle entscheiden: Da kann man Mitarbeiter einsparen.

Man kann den Trend wunderbar verfolgen: Der Krankenstand nimmt immer weiter zu je weiter die Belegschaft reduziert wird. Das kann auch andere Gründe haben, aber der Zufall ist ziemlich seltsam.

#8 - 20.02.2012, 17:55 von R1181

Etikettenschwindel

Der Artikel fängt mit dem Beispiel der Mitarbeiter eines Baumarktes und der Bahn an, weist auf immer schlechter werdende Bedingungen und immer höhere Belastungen hin. Dann aber kommt irgendwo, fast unbemerkt, ein Schwenk dahin, dass die eigentlichen Leidtragenden hochbezahlte Personaler und Consultants sind. Die FDP hätte es nicht besser aufmachen können. Am Ende steht immer die zu schlechte Bezahlung der "Leistungsträger" unserer Gesellschaft. Tja, so ein Obstkorb im Luxusfoyer ist schon echt nett, gell? Der bringt Wertschätzung viel besser rüber als Boni, Incentives und Dienstwagen.

#9 - 20.02.2012, 20:38 von priexo

Zitat von sysop
[...] Das liegt auch daran, dass viele Personalmanager ihre Aufgabe falsch begreifen. Ein Blick auf die verborgenen Problemzonen der deutschen Wirtschaft.
Ich arbeite seit etwa 1 1/2 Jahren in einem internationalen Chemiekonzern mit ca. 2000 MA. Seit kurz vor meiner Einstellung habe ich keinen Personaler mehr gesehen. Weiterhin wurden wurden im Zuge einer konzernweiten Umstrukturierung die standortübergreifend personalkoordinierenden Teile des Managements entfernt, d.h. es gibt fast nur noch kundenbezogenes Projektmanagement. Mir ist auch nicht bekannt, ob Appraisals o.ä. noch geführt werden. Arbeiten tut man auch eher für sich allein. Macht es Ich arbeite seit etwa 1 1/2 Jahren in einem internationalen Chemiekonzern mit ca. 2000 MA. Seit kurz vor meiner Einstellung habe ich keinen Personaler mehr gesehen. Weiterhin wurden wurden im Zuge einer konzernweiten Umstrukturierung die standortübergreifend personalkoordinierenden Teile des Managements entfernt, d.h. es gibt fast nur noch kundenbezogenes Projektmanagement. Mir ist auch nicht bekannt, ob Appraisals o.ä. noch geführt werden. Arbeiten tut man auch eher für sich allein. Macht es Spass? Kaum.

Insofern kann ich den Grundton des Artikels bestätigen.

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