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Sucht nach Perfektion: Nun mach mal halblang!

Getty Images Das Streben nach Perfektion macht uns fertig. Denn alles lässt sich immer noch besser machen. Doch Vorsicht, wenn das zum Selbstzweck wird, warnt Agenturchef Frank Behrendt in seinem neuen Buch.
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#1 - 16.10.2017, 09:20 von air plane

Also, liebe Gehirnchirurgen, liebe Brückenstatiker: Macht mal halblang, auch mal fünfe gerade sein lassen!

#2 - 16.10.2017, 09:22 von timelock

Perfekt formuliert.

Perfektion als endgültiger Zustand ist eh eine Illusion, die nirgendwo in der Natur vorkommt. Genau so wie totale Ordnung nicht existiert und Unordnung lediglich eine Ordnung ist, deren Systematik noch nicht entschlüsselt ist. In diesem Sinne eine perfekte Woche für den Meister aus der Sömmering.

#3 - 16.10.2017, 10:42 von Celegorm

Zitat von air plane
Also, liebe Gehirnchirurgen, liebe Brückenstatiker: Macht mal halblang, auch mal fünfe gerade sein lassen!
Gerade bei solchen Berufen ist es fatal, wenn sich Leute nicht aufs Wesentliche konzentrieren können, sondern sich durch zwanghaften Ehrgeiz und Perfektionismus übernehmen. Ein Gehirnchirurg operiert lieber einen Patienten richtig als dass er sich für unersetzlich hält und gleich 10 pro Tag einplant. Und nebenbei den Assistenten und Pflegern noch erklärt, wie sie ihre Arbeit zu machen haben. Und auch der Brückenstatiker muss einfach die angeforderten Berechnungen richtig machen und nicht noch meinen, dass er nebenbei noch das schönste Brückengeländer der Welt entwerfen muss..

#4 - 16.10.2017, 10:50 von Newspeak

...

Perfektion wird schlechtgeredet. Es geht auch meistens gar nicht darum. Es geht darum, ob etwas richtig ist bzw. ordentlich gemacht wurde. In manchen Berufen spielt das keine Rolle, aber sagen sie mal einem Mathematiker, er soll mal nicht so perfekt sein, bei seinen Beweisen.

In der Industrie redet man sich damit heraus, dass etwas auch mit 80% Qualitaet schon verkauft werden kann. Und so ist es dann auch. Computerprogramme werden heute auf Kundenseite fehlergeprueft. Perfektes Outsourcing und man laesst es sich sogar noch bezahlen.
Natuerlich gibt es Leute, die sich auf dem Weg zur Perfektion hemmungslos verzetteln. Es stimmt auch, dass die letzten 20% dann 80% der Zeit kosten. Aber es gibt auch jene, die schnell und effizient zu 99% kommen.

#5 - 16.10.2017, 11:01 von taste-of-ink

Zitat von air plane
Also, liebe Gehirnchirurgen, liebe Brückenstatiker: Macht mal halblang, auch mal fünfe gerade sein lassen!
Also liebe(r) Air Plane, Botschaft des Artikels nicht verstanden. Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass zwischen der Abkehr vom zwanghaften Perfektionismus (Präsentation in 10 Farben, obwohl das Ergebnis auch in schwarz-weiß präsentiert werden könnte) und allgemeiner Schludrigkeit (10 verschiedene Schriftarten in der Präsentation, weil man keine Lust hatte, dass aus Gründen der besseren Lesbarkeit am Ende klarzurücken) ein erheblicher Unterschied besteht. Anstatt die gestellten Anforderungen permament übertreffen zu wollen, sollte man sich darauf beschränken, diese zu erreichen. Um in Ihrem Beispiel zu bleiben: Der Gehirnchirurg muss nicht mehr und nicht weniger machen, als den Tumor zu entfernen; der Brückenbauingenieur nicht mehr und nicht weniger machen, als eine Brück zu planen, die für x Jahre dem Straßenverkehr statthält. Keiner von beiden muss die Gehirnmasse neu sortieren oder die Brücke mit Blattgold verkleiden.

#6 - 16.10.2017, 11:53 von freigeistiger

Falsch

Etwas ordentlich zu machen ist schön, und erspart eine Menge Nacharbeiten. Die Oberflächlichkeit postulieren, etwas nicht ordentlich oder fundiert zu machen, sind diejenigen, die die Arbeit anderen hinterlassen. Irgendwann muss nachgebessert werden. Meistens machen dass andere. Man muss den Mut aufbringen, auch die Arbeit liegen zu lassen und die "Multitaskingfähigen" mit ihren Fehlern vor die Pumpe laufen zu lassen. kostet am Anfang etwas Kraft und Zeit, ist aber eine gute Investition. Und eine gute Burn Out-Prophylaxe.

#7 - 16.10.2017, 12:19 von werbefuzzi

Sehr guter Impuls!

Herr Behrendt versteht es wie wenige andere, Themen zu setzen, die zum Nachdenken anregen. Das war schon bei seinen tollen damaligen Thesen hier auf SPON so und jetzt wieder. Er gibt Denkanstöße, um das eigene Tun zu reflektieren. Ich finde das Klasse. Er hat damals nicht zur kollektiven Arbeitsverweigerung aufgerufen und erwartet auch jetzt nicht vom Gehirnchirurgen Schlampigkeit. Die, die gleich mosern - lest doch nicht nur die Überschrift:)

#8 - 16.10.2017, 12:26 von headsbrands

Gut ist auch mal gut genug!

Häuptling Behrendt spricht mir aus der Seele! Gerade, was er über den Nachwuchs schreibt finde ich wunderbar. Die alarmierenden Burn-Out-Zahlen, von Menschen, die durch den Job krank werden sprechen eine klare Sprache. Und die Digitalisierung mit dem immer alles schneller und sofort ist auch stressig. Ich habe Herrn Behrendt so verstanden, dass es keinesfalls um Mittelmass geht - aber es muss auch nicht alles noch zehn mal "detailoptimiert" werden (das sagte meine frühere Chefin immer und hat uns damit in den Wahnsinn getrieben...). Gut ist auch mal gut genug, ist das Credo unseres aktuellen Bereichsleiters. Und das finde ich sehr vernünftig. Ich habe die Winnetou-Strategie direkt bestellt, ich freue mich über Leute, die Klartext schreiben und Diskussionen anregen. Das gefällt mir auch immer hier beim Spiegel. Weiter so!

#9 - 16.10.2017, 12:40 von happymaria

Zufriedenheit neu gelernt

Ich kann dem Autor nur zustimmen! Ich bin vor 2 Jahren mit meinem Wahn, alles immer für alle perfekt machen zu wollen in der Klinik gelandet. Es hat lange gedauert und durch viele Gespräche und gute Bücher "Liebe dein Leben und nicht den Job" von Herrn Behrend war auch dabei, bin ich wieder in die Spur gekommen und sehe heute viele Dinge gelassener. Ich bin nun auch mit Dingen zufrieden, die nicht 100prozent sind, aber auch mit 90 sind sie ja deswegen nicht schlecht. Der Verzicht darauf, immer alles noch perfekter zu machen, tut mir gut. Ich arbeite jetzt auch wieder gerne aber nicht mehr so verkrampft. Meine Kinder haben mir gesagt, dass ich jetzt auch wieder viel mehr lache. Das macht mich happy und steckt offenbar an. Sehr geholfen hat mir auch ein Gesprächskreis der Kirchengemeinde, denn da habe ich festgestellt, dass ich nicht alleine war.

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