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Zum Chef befördert: Schluss mit Kumpel

Corbis Wenn der Kollege zum Vorgesetzten wird, haben beide Seiten ein Problem. Wie entstehen Respekt und Vertrauen? Ist das Du noch angebracht? Im Interview erläutert Karrieretrainerin Claudia Kimich, worauf es beim Sprung in die Führungsrolle ankommt - und woran viele Chefs scheitern.
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#1 - 18.09.2012, 10:27 von thaade

Beraterunsinn: Kinder- und Jugendarbeit als Qualifikation

"Wer Kinder- und Jugendarbeit gemacht hat, kann Führung." So ein Quatsch! Nur weil sie Kinder- und Jugendarbeit gemacht hat, heisst das doch nicht zwangsläufig, dass sie es auch gut gemacht hat. Und es gibt da doch ein paar Unterschiede zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.
Wenn sie das als ausreichende Qualifikation ansieht für Führung, bezweifle ich sehr ihre Kompetenz. Zur Führung von Menschen in einer Firma gehört wesentlich mehr.
Und das sage ich als jemand, die selbst Kinder- und Jugendarbeit gemacht hat und jetzt meine eigene Firma führe.

#2 - 18.09.2012, 11:28 von crazy.diamond

Zitat von thaade
"Wer Kinder- und Jugendarbeit gemacht hat, kann Führung." So ein Quatsch! Nur weil sie Kinder- und Jugendarbeit gemacht hat, heisst das doch nicht zwangsläufig, dass sie es auch gut gemacht hat.
Vielleicht haben Sie ja auch im Bereich Kinder- und Jugendarbeit weniger Verantwortung übernommen als die Befragte? Ein Sportler-Team zu organisieren und zu guten Leistungen zu motivieren sowie sich bereits als Jugendliche mit internationalen Gruppen in organisatorisch/führender Funktion auseinanderzusetzen ist sicherlich nicht unbedingt kontraproduktiv wenn es im Job heißt sich mit Menschen auseinanderzusetzen, unterschiedliche Ansprüche und Fähigkeiten unter einen Hut zu bringen und Verantwortung zu übernehmen..

#3 - 18.09.2012, 12:49 von hartmannulrich

Kinder- und Jugendarbeit ist für Führungsaufgaben deshalb eine gute Vorbereitung, weil man da sehr schnell merkt, wenn man Fehler macht. Man kann sich nicht darauf verlassen, daß Dinge von selbst laufen, man muß klare Ansagen machen und man muß seine Rolle akzeptieren. Das kann einem später nützlich sein. Schwierig wird es allerdings, wenn erwachsene Mitarbeiter das Gefühl haben, sie werden wie Kinder behandelt.

#4 - 18.09.2012, 13:04 von sigmaplus

Hmm

Ich frage mich, warum jemand die Position als Vertriebsleiterin mit all den Annehmlichkeiten aufgibt wie etwa super Gehalt, um die Welt jetten etc. um dann als Trainerin irgendeinen Bäcker oder Bulettenbrater in der Provinz zu beraten ? Wahrscheinlich liegt es an den tollen Karriereaussichten und der enormen Empathie, die man in dem vorherigen Job gezeigt hatte , dass man sich jetzt berufen fühlt, diese herrausragenden Qualitäten auch anderen anzudienen.

#5 - 19.09.2012, 07:36 von Hallmackenreuther

Trainerin und Systemischer Coach

He who can does. He who cannot, teaches (George Bernard Shaw)

Das passt hier mal wieder recht gut. Denn wer im zarten Alter von 27 aus der Position der Vertriebsleiterin eines "eines Unternehmens für Netzwerksicherheit" ausgeschieden ist, um den "Systemischer Coach" zu werden, kann in der Führungsposition nicht sehr erfolgreich gewesen sein. Da nützte offenbar auch die ganze Kinder- und Jugendarbeit nix... ;)

#6 - 19.09.2012, 08:52 von MartinS.

...

Zitat von Hallmackenreuther
He who can does. He who cannot, teaches (George Bernard Shaw) Das passt hier mal wieder recht gut. Denn wer im zarten Alter von 27 aus der Position der Vertriebsleiterin eines "eines Unternehmens für Netzwerksicherheit" ausgeschieden ist, um den "Systemischer Coach" zu werden, kann in der Führungsposition nicht sehr erfolgreich gewesen sein. Da nützte offenbar auch die ganze Kinder- und Jugendarbeit nix... ;)
Auf der anderen Seite könnte man auch sagen, dass jemand nach 14 Jahren Selbständigkeit sich durchaus auch darin zurechtgefunden hat.
Eigenbestimmtes Handeln statt Positionsgeschacher innerhalb einer Hierarchie - wer bereit ist, den Schritt in diesem Alter schon zu machen und sich dann über so lange Zeit zu halten, scheint doch erstmal eine gar nicht so verkehrte Entscheidung getroffen zu haben.

#7 - 19.09.2012, 11:38 von Hallmackenreuther

Da wäre etwas dran,...

Zitat von MartinS.
Auf der anderen Seite könnte man auch sagen, dass jemand nach 14 Jahren Selbständigkeit sich durchaus auch darin zurechtgefunden hat. Eigenbestimmtes Handeln statt Positionsgeschacher innerhalb einer Hierarchie - wer bereit ist, den Schritt in diesem Alter schon zu machen und sich dann über so lange Zeit zu halten, scheint doch erstmal eine gar nicht so verkehrte Entscheidung getroffen zu haben.
..wenn Sie eine Beratung für Selbständige anbieten würde. Sie versucht ja aber gerade anderen zu erklären, wie sie mit dem "Positionsgeschacher innerhalb einer Hierarchie" besser zurecht kommen können...

#8 - 19.09.2012, 13:11 von user543

Ein Unternehmen, das Mitarbeiter

... versucht die Beschäftigten einseitig auszubeuten und zu übervorteilen. Man muss nur Menschen "führen", die man dazu bringen will, etwas zu tun, das sie als vernünftig denkender Mensch nicht tun würden. Beispiel: Soldaten brauchen eine straffe Führung, weil sie ihr Leben wider jeden besseren Wissens für die Karriere einzelner Politiker riskieren sollen. Mitarbeiter in Unternehmen müssen geführt werden, wenn man erreichen will, dass sie ihre Familie dem Beruf opfern und mit ihren Arbeitsanstrengungen in den gesundheitsschädlichen Bereich fahren sollen.

Eine sogenannte Führungskraft kann daher kein Freund mehr sein, weil es ihre Aufgabe ist, andere dazu zu bringen sich zu ihrem Schaden abzurackern. Das ist wie jemand, der IM bei der Stasi wurde, ein Verräter.

Ausserdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass sogenannte Führungskräfte auch im privaten Bereich ihre berufliche Macht zum eigenen Vorteil und zum Schaden anderer ausnutzen.

Ich bin froh, dass ich nebenher ein zweites Standbein habe und inzwischen nicht mehr auf den Hauptberuf angewiesen bin. Wer sich "Vorgesetzter" nennt, fliegt konsequent aus meinem Freundeskreis. Ich vertrete die Ansicht, dass kein Mensch mehr Macht über einen anderen haben darf, als der andere über ihn hat. Einseitige Machtkonzentration ist grundsätzlich parasitär und wird zum Schaden der Mitmenschen eingesetzt.

Warum Unternehmen an diesem Prinzip festhalten ist mir schleierhaft. Mit wie auch immer gearteten "Führern" sollten doch gerade wir Deutschen Erfahrung haben. Weiterhin stößt mir das Gedankengut Adam Smiths immer wieder bitter auf. Das erinnert an die Rassenlehre der Nationalsozialisten. Adam Smith betrachtet Arbeiter und Geringverdiener als eine Art minderwertige "Rasse", der durch eine nur geringe Entlohnung die Möglichkeit der Fortpflanzung entzogen werden soll, damit sie ausgemerzt werden.

Was Unternehmen als "Führungsprinzipien" betrachten hat erschreckende Nähe zum Gedankengut der Nationalsozialisten.

#9 - 19.09.2012, 17:36 von MartinS.

...

Zitat von user543
... Eine sogenannte Führungskraft kann daher kein Freund mehr sein, weil es ihre Aufgabe ist, andere dazu zu bringen sich zu ihrem Schaden abzurackern. Das ist wie jemand, der IM bei der Stasi wurde, ein Verräter. Ausserdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass sogenannte Führungskräfte auch im privaten Bereich ihre berufliche Macht zum eigenen Vorteil und zum Schaden anderer ausnutzen. Ich bin froh, dass ich nebenher ein zweites Standbein habe und inzwischen nicht mehr auf den Hauptberuf angewiesen bin. Wer sich "Vorgesetzter" nennt, fliegt konsequent aus meinem Freundeskreis. Ich vertrete die Ansicht, dass kein Mensch mehr Macht über einen anderen haben darf, als der andere über ihn hat. Einseitige Machtkonzentration ist grundsätzlich parasitär und wird zum Schaden der Mitmenschen eingesetzt. Warum Unternehmen an diesem Prinzip festhalten ist mir schleierhaft. Mit wie auch immer gearteten "Führern" sollten doch gerade wir Deutschen Erfahrung haben. Weiterhin stößt mir das Gedankengut Adam Smiths immer wieder bitter auf. Das erinnert an die Rassenlehre der Nationalsozialisten. Adam Smith betrachtet Arbeiter und Geringverdiener als eine Art minderwertige "Rasse", der durch eine nur geringe Entlohnung die Möglichkeit der Fortpflanzung entzogen werden soll, damit sie ausgemerzt werden. Was Unternehmen als "Führungsprinzipien" betrachten hat erschreckende Nähe zum Gedankengut der Nationalsozialisten.
...ach Du liebe Güte - da ist aber jemand frustriert.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es manchmal eben nicht ohne definierte Hierarchien geht.
Es müssen Entscheidungen getroffen und Verantwortung übernommen werden. Und zumindest in meiner Erfahrung scheuen sich sehr viele Menschen davor, genau dieses zu tun.

Natürlich gibt es schlechte Vorgesetzte... aber genauso gibt es eben auch gute. Außerdem (man glaubt es kaum) hatte ich es sogar schon mit schlechten Mitarbeitern zu tun... die waren keine Vorgesetzten, aber trotzdem bestrebt, möglichst alle Arbeiten auf die restlichen Kollegen abzuwälzen, generell Aufgaben eher mäßig zu bewältigen und hintenrum dann sogar noch Unfrieden zu stiften...

Meiner Meinung nach sind es erstaunlicherweise sogar genau diejenigen, die sich besonders ausgiebig über ihre Vorgesetzten beklagen, die noch nie "das Glück" hatten, mal einen wirklichen Schleifer als Boss zu bekommen.
Wenn man einmal mit so jemandem zu tun hatte, lernt man es scheinbar viel mehr zu schätzen, einfach nur normal und vernünftig mit einem guten oder schlichtweg auch einfach nur durchschnittlichen und normalen Vorgesetzten ZUSAMMEN(!!!) zu arbeiten.