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Abgang von Chris Dercon: Gescheitert am bornierten Berlin

DPA Der Rücktritt Chris Dercons ist eine Kapitulation, vor der Berliner Kulturwelt und der absurden Inkonsequenz der Politik. Allerdings: Dercon hat in seinem Job tatsächlich versagt.
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#1 - 13.04.2018, 19:45 von sven2016

"Wahrscheinlicher ist, dass man sich in beiden Häusern in künftigen Zeiten wehmütig an die wilden Zeiten unter Lilienthal und Dercon erinnern wird."

Wohl kaum.

Die Analyse vor diesem Schlusssatz ist allerdings korrekt.

#2 - 13.04.2018, 20:42 von prof.unrat

Nein, Herr Höbel

Man wird sich eher wehmütig an die Volksbühne mit Marthaler, Schlingensief, Pollesch, Fritsch oder Castorf , die interessantes Theater mit interessanten Inszenierungen und wunderbaren Schauspielern gemacht haben. Dercon mag viel von Kultur im allgemeinen Ahnung haben, von unverwechselbarem Theater im speziellen aber leider nicht. Ich weiß nicht, wie oft Sie, Herr Höbel, in der Volksbühne waren. Ich kann mir nach Ihrem Artikel kaum vorstellen, das Sie einen Bezug zur Volksbühne hatten. Denn sonst würden Sie den nichtssagenden Dercon so verteidigen im Namen der Modernität und Weltoffenheit.

#3 - 13.04.2018, 21:33 von top28

Ja, Herr Höbel

Ein wirklich kluger Kommentar! Die Stadt ist gescheitert, nicht Herr Dercon! Sein Konzept war gross und seine Taten am Theater konnten das noch nicht beweisen, aber gerade hier hätte sich eine Weltstadt und deren Vision beweisen können! Zeit und Gelassenheit für beide, dem kreativen Kunstermöglicher und einer weltoffenen Stadt.

#4 - 13.04.2018, 21:36 von derdude57

Ein Affentheater

wie das linksnationale Biedermeier Dercon aus Berlin weg gemobt hat. Eine weltoffene Kulturhauptstadt stelle ich mir anders vor. Zumindest sollte jeder Intendant erst einmal eine Chance bekommen, bevor er zum Teufel gejagt wird.

#5 - 13.04.2018, 21:45 von arvin

Nichtssagend

Dercons Inszenierungen war einfach nichtssagend, lauwarm ohne Sinn, völlig entgegen der Tradition eines politschen Theaters wie die Volksbühne und ich hoffe das es auch wieder politisch systemkritisch wird. Es klingt überheblich wenn man über deutschprachige Theater vom "abspielen von Texten berühmter Autoren" spricht und politisches Theater ist heut wichtiger denn je. Klamauk gibts in jeder Shoppingmall.

#6 - 13.04.2018, 22:07 von A Beyer

Nein und nochmals nein, Herr Höbel

Dieser ganze Artikel ist keine Analyse, sondern bloß heiße Luft. Warum darf die Kulturszene Dercon nicht kritisieren, wenn sein Programm weitgehend substanzlos ist? Sie verbreiten hier eine gefährliche Dolchstoßlegende, Herr Höbel. Wilde Zeiten gab es unter Dercon an der Volksbühne gewiss nicht. Die wenigen Vorstellungen, die stattfanden, waren schlecht besucht und steifes Installationstheater. In der Tat wirkte das Haus "wie ein Sarg" wie Milan Peschel zurecht bemerkte. Mit jungem Theater hat Dercons Volksbühne auch nichts zu tun, Positionen wie Kennedy existieren schon seit mehr als 10 Jahren und haben ihren festen Platz in der Berliner Theaterszene.

#7 - 13.04.2018, 22:09 von whitewisent

Das Problem ist schlicht, daß dieses Publikum nicht akzeptieren will, daß es selbst 30 Jahre älter ist, genau wie die betrauerten Regisseure dieser Zeit. Es ist darum nicht "modern", wenn man mit 50 einem Rentner wie Castorf nachtrauert, und sich weitere 25 Jahr mit ihm gewünscht hätte. Das Konzept Dercon war falsch, aber als "Übergangsfreund" hatte er auch nie wirklich eine Chance. Mancher vergisst einfach, wie lange ein Castorf braucht, um sein Team und seine Klasse zu finden, und das er von einer Aufbruchstimmung zehre konnte, während heute selbst das "Off-Theater" kommerziell durchgestyled ist, und Provokationen wie die Besetzung der Volksbühne nicht als Kriminalität angesehen werden, sondern als Kust verklärend bagatellisiert. Solln se machen, aber nicht von Steuergeldern in der Wohlfühlsubventionsoase auf den Rest der Menschheit pfeifen.

#8 - 13.04.2018, 22:09 von unky

Wieso borniertes Berlin?

Dercon ist gescheitert, weil er dem anspruchsvollen Berliner Publikum nur substanzloses Eventtheater bot. Wir Berliner wissen Theaterkunst durchaus zu schätzen - man erinnere sich nur an die großen Inszenierungen von Peymann, Wilson, Marthaler, Schlingensief oder Castorf, um nur einige zu nennen. Wer inhaltlich nichts zu bieten hat, darf sich nicht beschweren, wenn er kein Publikum findet. Dieses deswegen als borniert zu beschimpfen ist - borniert.

#9 - 13.04.2018, 22:13 von HarleyDavidSonOfABitch

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Die Volksbühne ist eine mit jährlich über € 20 Mio. (verm. wg. "künstlerischer Maßstäbe“) subventionierte Echokammer des Berliner Agitprop- ...ähh ... Kultur-Betriebes.

Da war doch zu erwarten, dass die kulturstalinistischen Beharrungskräfte in der Stadt, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit von Vielfalt und Toleranz schwadronieren, aber leider nicht wissen, wie man selbige buchstabiert, jedwede Veränderung im Umfeld der "wichtigsten deutschen Sprechbühne" (weltberühmt zumindest rund um den Rosa-Luxemburg-Platz), besser gesagt, im Umfeld ihrer wohlalimentierten Komfortzone, notfalls auch mit Gewalt verhindern würden.

Die Diffamierung und nun vollendete Vertreibung Dercons ist ein weiterer Tiefpunkt der hauptstädtischen Kulturpolitik und zugleich Ausweis der Inkompetenz/ Tölpelhaftigkeit des Kultursenators Lederer.

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