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HBO/Sky-Serie "Chernobyl": Die Luft glüht, die Wunden glitzern

HBO/ Sky Die Miniserie "Chernobyl" rekonstruiert das Reaktorunglück von 1986 als Kampf zwischen unabhängigen Experten und Politikern, die die Katastrophe verleugnen. Parallelen zur Gegenwart? Natürlich erwünscht.
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#1 - 14.05.2019, 12:02 von In Kognito

Tschernobyl? - Fukushima! Regierungsversagen und Vertuschung pur!

Tschernobyl war gegen Fukushima ein "Klacks". Bis jetzt gibt es noch spontane Kernschmelze in Fukushima, die Mengen - ein zigfaches von Tschernobyl. Japan hatte 48 h Zeit, im Gegensatz zu Tschernobyl.
Was machte die Regierung? NICHTS! Betrachtete das als "private Havarie", statt den nationalen Notstand auszurufen und zu versuchen, mit ALLEN Mitteln eine Notstromversorgung für die auf Batterie laufende Notkühlung zu etablieren.
Anschließend wird alles, bis jetzt verharmlost und das Meer verseucht, verdünnt sich ja.
Und zu Tschernobyl/Ukraine aktuell - dort stehen nach wie vor die größten Atomkraftwerke Europas, die jetzt mit unzertifizierten Brennstäben (für diese Reaktor-Typen) aus den USA betrieben werden und die verbrauchten Brennstäbe nimmt die USA nicht zurück, wie Russland, sonder die sollen in einem noch zu bauenden "Endlager" bei Tschernobyl gelagert werden.
Wer die Ukraine kennt, weiß, wie so ein "Endlager" aussehen wird, wenn der "Westen" es nicht selbst baut.

#2 - 14.05.2019, 12:15 von dr_gb

imdb.com [/title/tt7366338] Rating : 9.5

das ist schon beachtlich, mit aktuell Episode 3 erst am 21. Mai (E04, die letzte, am 2. Juni).
Zitat aus überschwenglichen Kommentaren und Rezensionen :
' I felt like I was contaminated by radiation. Although that might sound silly, I really felt unwell after watching "Chernobyl"! '

#3 - 14.05.2019, 12:16 von maipiu

Guter Ansatz

Wenn die Zuschauer kapieren, dass wir nur den einen Planeten haben, den wir weder atomar verseuchen, noch durch Klimawandel und Artensterben beschädigen können, ohne selber daran zu verrecken, dann ist Chernobyl eine gute Serie.

#4 - 14.05.2019, 12:51 von Daniel_Sonntag

Was ich bisher gesehen habe - ganz große Klasse

Konnte bisher nur die erste Folge sehen und war begeistert. Kann mich noch sehr gut erinnern, als die Nachricht (mit Verzögerung) im deutschen Fernsehen kam und meine Eltern richtig besorgt waren. Tschernobyl war ein einschneidendes Erlebnis – Milch sollte nicht mehr getrunken werden, bei Lebensmitteln herrschte große Sorge und die Spielplätze blieben aus Angst vor Kontamination leer.
Die gruselige Stimmung von damals nimmt auch die Serie gut auf. Das alle Russen englisch sprechen irritiert etwas, aber die besten Schauspieler und Regisseure sind nun mal englischsprachig. Besonders Jared Harris sticht hierbei, wie schon bei „The Terror“, heraus.
Kann die Miniserie aufgrund des bisher Gesehenen absolut empfehlen und bin sehr gespannt auf die weiteren Folgen.

#5 - 14.05.2019, 14:46 von baronin

Die Katastrophe ist der Mensch

Der Wirt unserer Stammkneipe machte damals keine Zuchtchampignons mehr auf die Pizza. "Wegen Tschernobyl" meinte er. Dabei glaube ich, der war einfach nur faul. Aber das war echt das Schlimmste an Tschernobyl!

Spaß beiseite: Wir haben heute, saisonal bedingt, belastetes Wild und belastete Waldpilze (v.a. Maronen), dass sich jeder Konsum davon verbietet. Wo? In unserem schönen Bayernland. Kümmert keine (Wild-)Sau! Im Umgang mit der Kernenergie zeigt sich, zu welchen unmenschlichen Machenschaften der Mensch fähig ist, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und wie wenig er zu lernen oder zu verstehen oder zu erinnern er in der Lage ist. Was die bösen unter uns anrichten, können die guten in Millionen von Jahren nicht mehr in Ordnung bringen. Wir sind als Rasse nicht auf Dauer angelegt.

#6 - 14.05.2019, 14:53 von Newspeak

...

Der Artikel scheint nicht nur die Miniserie zu besprechen, sondern sie auch zeitgeschichtlich aktuell einordnen zu wollen. An sich ist das aus jorunalistischer Sicht sicher lobenswert. Dann liest man aber solche Saetze wie "Ein Tank könne immer mal explodieren, aber ein Atomkern selbst?" oder auch "Und immer wieder beutet die Serie (Regie: Johan Renck) voyeuristisch die für uns Laien fast übernatürliche Faszination des Nuklearen aus: das geheimnisvolle Grafit, das auf gar kein Fall an die Außenwelt gelangen darf, die spontanen Kotzanfälle all derer, die der Strahlung ausgesetzt waren, überhaupt die so wenig durchschaubaren chemisch-physikalischen Gesetze der Kernkraft, die sich hier in glitzernde Wunden und glühende Luft übersetzen." und faengt an, zu zweifeln. An der physikalischen Genauigkeit der Miniserie wie am naturwissenschaftlichen Hintergrund des Journalisten, der darueber schreibt. Es scheint naemlich wenig zu stimmen, wenn diese kurzen Ausschnitte die Miniserie tatsaechlich korrekt charakterisieren.

In Tschernobyl sind NICHT die Atomkerne explodiert. Die Explosion war einfach nur Kuehlwasser, das verdampfte, wodurch der Druck stieg. Eventuell noch Wasserstoff aus bereits zersetztem Wasser. Eine rein physikalische bzw. chemische Explosion, aber KEINE nukleare.

Das "geheimnisvolle Grafit" (ich bevorzuge immer noch die Schreibweise Graphit) ist einfach nur elementarer Kohlenstoff. Aber selbst kein nukleares Material. Die "Faszination des Nuklearen" kommt allenfalls daher, dass es als Moderatormaterial im Reaktor direkten Kontakt mit Spaltmaterial ausgesetzt war, nach der Explosion, und brennbar, weshalb es durch den Brand des Graphit und das aufgesprengte Dach ueberhaupt erst zu einer grossflaechigen radioaktiven Verseuchung kommen konnte. DESHALB durfte, ungenau gesprochen, das Graphit nicht freigesetzt werden, weil es mit Radioisotopen kontaminiert war und weil der beim Feuer entstehende Rauch kontaminiert, also radioaktiv war. Mysterioes ist daran wenig.

Die "wenig durchschaubaren chemisch-physikalischen Gesetze der Kernkraft" stehen uebrigens in jedem Physiklehrbuch, das auch von Journalisten gelesen werden kann, die das nebenbei vielleicht auch tun sollten, BEVOR sie darueber schreiben. Wir leben in einem dunklen Zeitalter, wo das Wissen der Menschheit ignoriert wird, weil man lieber ein mystisches Weltbild pflegen, als sich mit dem vorhandenen Wissen auseinandersetzen moechte. Das eine ist einfach und spannend, das andere langweilig und schwer.

#7 - 14.05.2019, 15:22 von StellaVella

Sehr richtig!

@Newspeak: Sie sprechen mir aus der Seele.
Ich habe auch in diversen englischsprachigen Reviews immer wieder lesen müssen, dass die Tragweite der freigesetzten Radioaktivität und die physikalischen Zusammenhänge überhaupt nicht ausreichend erklärt werden, so dass die Handlung grösstenteils wirr und unzusammenhängend erscheint. Nachdem ich die erste Folge gesehen habe ist das für mich absolut nicht nachvollziehbar - Schulwissen reicht dafür doch locker aus, ... ?

#8 - 14.05.2019, 15:28 von PJanik

Das interessante hier an Chernobyl und Klima ist ...

... das wahrscheinlich Atomkraftwerke neuerer Bauart (also Gen III/IIIü+ wie jetzt gebaut) oder Gen IV, wie im Entwicklungsstadium der einzige Weg wären den Klimawandel abzumildern und CO2 arm/frei Energie zu produzieren.

So ein Angstmacherfilm passt da natürlich der Ölindustrie in den Kram.
Und bis Solar und Wind gespeichert und gepuffert wird (in Mengen, nicht im Fingerhut), dauert es auch noch ein bisschen.
Solar und Windenergie direkt nutzen ist schon wirtschaftlich. Speicherung noch nicht.

Mit Gen IV Reaktoren ließe sich sogar der Atommüll der uns noch Probleme bereitet beseitigen (und in nur noch Jahrhunderte statt Jahrmillionen ein Problem)

Wird aber, wenn man den Leuten Angst einjagdt, schwierig

#9 - 14.05.2019, 16:33 von adama.

Ein Drama

Es gibt inzwischen wahnsinnig gute und spannende Dokus über das Unglück. Die ziehe ich dieser seichten Unterhaltung vor.
Was mir aber gerade einfällt. Wenn Deutschland die Welt mit Windkraftwerken, Solaranlagen und anderer Umwelttechnik versorgt, mag das für die Welt gut sein, doch für Deutschland muss sich die CO2 Bilanz dramatisch verschlechtern. Die Andern sparen mit dem was wir bauen.

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