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NSU-Dreiteiler "Mitten in Deutschland" : Ein Bild sagt mehr als tausend Akten

SWR/ Stephan Rabold Mitten in den Münchner Monsterprozess hinein sendet die ARD einen Dreiteiler über die Mordserie des NSU. Die Serie kommt mit großer emotionaler Wucht daher - und verwischt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion.
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#1 - 04.04.2016, 17:34 von Bondurant

Sehr guter Artikel

Programmdirektor Volker Herres verband laut eigener Aussage mit der Trilogie die Hoffnung, "zur Aufklärung beizutragen".

Ähnlichen Unsinn hat auch der Regisseur des ersten Teils in die Kamera gesagt.Wir haben es hier mit einer spezifischen Überheblichkeit der "Medienschaffenden" zu tun. Wieso sollte ein Fernsehmensch den Fall besser aufklären können als das zuständige Gericht? Diese Fernsehserie ist kontraproduktiv. Ganz offensichtlich, jedenfalls im ersten Teil, werden hier die Einschätzungen des Regisseurs oder Drehbuchautors der handelnden Personen abgefilmt. Vielleicht sind die realistisch, man weiß es nur nicht und kann es auch nicht überprüfen, weil naturgemäß keine Beweise und Indizien vorgelegt werden, anhand derer man den Realitätsgehalt der Gesamtdarstellung überprüfen könnte. Das kann ganz schön danebengehen.

#2 - 04.04.2016, 17:42 von mikesch0815

Mag gut sein...

...aber ich kann es mir nicht anschauen: Verwackelte Kameraführung ohne Ende. Das ist einfach nicht mehr erträglich.
Sorry Leute, aber das ist einfach eine Frechheit - solch eine Kameraführung. Geht überhaupt nicht.

#3 - 04.04.2016, 18:04 von achnee!

Nazi-Deutschland?

Bei Bild 8 ist als Unterschrift zu lesen: "Uwe Böhnhardt (Sebastian Urzendowsky) mit seinem Rücken-Tattoo. Es zeigt die Grenzen Nazi-Deutschlands." Das ist als Geschichtsverdrehung kaum zu überbieten. In Wahrheit ist es das Gebiet, dass nach dem Ersten Weltkrieg von den Siegermächten Deutschland zuerkannt worden war und von der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das offizielle und völkerrechtlich anerkannte Staatsgebiet Deutschlands war. Das hat mit Nazi-Deutschland überhaupt nichts zu tun. Aber vielleicht ist eine korrekte Berichterstattung bzw. Beschriftung von Abbildungen aus der Vergangenheit auch schon zu viel verlangt von Spiegel-Journalisten. Womöglich auch korrektes Deutsch? Oder warum hat die Autorin bzw. der Redakteur bei der Bildunterschrift von Foto 9 "Neonazis während eines Aufmarsch" am Genetiv gespart?

#4 - 04.04.2016, 18:16 von leserich

Es ist schon bemerkenswert, wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Mehrteiler über einen Fall gesendet wird, der noch längst nicht mit einem Urteil endete und bei dem bislang nichts ausermittelt und bewiesen wurde, außer das da vieles so nicht stimmen kann. Leider hat Frau Friedrichsen selbst auch schon ihr Urteil gefällt, und damit wird jede weitere Berichterstattung wertlos. Zum Glück gibt es ja nicht nur in Panama Leakvorkommnisse, sondern auch in Kambodscha - Fatalist hat da mehr zur Wahrheitsfindung beigetragen als alle diese Artikel hier und bei Kollegen zusammen.

#5 - 04.04.2016, 18:21 von StefanXX

Nein, danke.

Die anfangs täglichen und mittlerweile immer noch wöchentlichen Wasserstandsmeldungen zu diesem Prozess in der Realität sind schon mehr als genug .. und jetzt soll ich mir dazu auch noch einen Film reinziehen? Nein danke, da hab ich in meiner Freizeit wahrlich besseres zu tun.

#6 - 04.04.2016, 18:24 von ed_tom_bell

Spekulative Aufklärung

In der Gesamtbewertung stimme ich zu. Ein fragwürdiges Projekt zu diesem Zeitpunkt. Das habe ich auch schon gedacht bevor ich mir den Film angesehen habe. Allerdings habe ich die Darstellung der Frau Zschäpe nicht als so monströs empfunden. Eher im Gegenteil. Sie wird doch als eine junge Frau geschildert, die auf der Suche nach Halt, nach Orientierung ist. Letzteres ist dabei sogar eher nachrangig. Der Film-Zschäpe geht es vor allem darum jemanden zu haben der für sie da ist, dazu zu gehören, irgendwo. Die Rahmenbedingungen, dieser ganze Nazi-Quatsch, sind nur der gemeinsame Aufhänger, der Fetisch der sie zusammen hält. Den macht sie mit, weil er der Schlüssel ist, zu dem was sie sucht, nicht wirklich aus Überzeugung oder Aggression. Sie ist eher eine Mitläuferin. So jedenfalls habe ich das empfunden.

Wie die wirkliche Zschäpe ist kann ich natürlich nur vermuten. Nach meinem bisherigen Eindruck, den ich mir aus der Berichterstattung und insbesondere ihrem Verhalten nach der Tat und vor Gericht gebildet habe, erscheint sie mir viel monströser als die Filmfigur.

Ähnlich empfinde ich das übrigens auch mit der Darstellung des Uwe Mundlos.

#7 - 04.04.2016, 18:30 von stefan.p1

egal wie das Urteil über Tschäpe ausfällt

es kann nicht gerecht sein! Der Film ist nur ein Teil der Vorverurteilung der die Richter beeinflusst! Dazu kommt der politische Druck und das "wiedergutmachen müssen"
der dilettantischen Arbeit der Strafverfolgungs Behörden!
Das Vertuschen der Mitwissenschaft der einzelnen LKA`s
und des BVS gehört ebenso dazu wie das nicht gehaltene Versprechen Merkels an die Opfer, das alles lückenlos aufgeklärt wird.
Der Prozess ist eine Schande und wird durch den Film nicht erträglicher oder verständlicher - denn die eigentliche Frage ist doch - was wusste der Staat.

#8 - 04.04.2016, 18:35 von d.schyle

Disneyland

Ich kann den meisten Mit-Diskutierenden nur zustimmen: Man kann noch während des Prozesses eine Doku drehen, um aufzuklären - dann aber bitte ohne die Spielszenen, die heutzutage üblich geworden sind und dem Publikum maximal ein intellektuelles Niveau von Fünfjährigen unterstellen. Ein Spielfilm aber geht gar nicht! Diese Art von "Aufklärung" empfinde ich geradezu als Publikumsbeschimpfung. Als Erwachsener will ich einfach ernst genommen werden!

#9 - 04.04.2016, 18:36 von jurajochen

Geht's noch.

Der Prozess ist noch nicht rechtsstaatlich abgeschlossen, da sendet der ÖR Sender einen meinungsbildenden 3-Teiler!! Auch das kann unter Hetze verstanden werden.
Wie wäre es mal mit einer Doku-Serie (10-teilig) über Kriminelle Ausländer in Deutschland? Über Diebesbanden. Und gleichzeitig die Inkompetenz der staatl. Organe (vulgo: Zoll, BP & Polizei) aufzeigend.

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