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Widerstand gegen #MeToo: Nichts ist erledigt

AFP Brett Kavanaugh wird als Richter am Supreme Court bestätigt, Louis C.K. tritt wieder auf, Beschuldigte stilisieren sich zu Opfern: Ein Jahr nach Beginn von #MeToo ist der Widerstand der mächtigen Männer in den USA groß.
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#10 - 09.10.2018, 16:44 von roenga

Zitat: "Komiker Louis C.K., der sich freimütig zu seinem sexuellen Fehlverhalten bekannt hatte, hielt ein Jahr offenbar für eine angemessene Frist, um wieder aus der Büßerstarre zu erwachen: Vor einigen Wochen trat er überraschend in einem New Yorker Comedy-Club auf"
und
"Was tun, um diese Gegenreaktion eines Systems, in dem Männer sich ohne Konsequenzen nehmen können, was ihnen gefällt, auszuhebeln?"

Wie kommen Sie den auf die Idee, ausgerechnet Louis CK als beispiel für konsequenzloses Fehlverhalten zu zitieren? Zum einen wäre sein Fehlverhalten strafrechtlich eher als minderschwer eingeordnet worden, wäre es denn je zur Anzeige gekommen, zum anderen ist seine Karriere wirklich komplett zerstört worden. Der Mann war zurecht einer der größten und erfolgreichsten Komiker in den USA, mit etlichen hochbezahlten TV Specials, einer TV Show und diversen Fernsehproduktionen als Schreiber und Produzent. All das wurde innerhalb von Tagen gecancelt. Jetzt so zu tun als sei ein 15 Minuten Auftritt vor Live Publikum in einem NY Comedy Club eine irgendwie geartete 2. Karrierechance ist ja geradezu grotesk. Eine äußerst glaubhaft und beweisbar der Vergewaltigung beschuldigte Asia Argento arbeitet dagegen schon an einem echten Comeback, indem sie sich in einer italienischen TV Show (mal wieder) als Opfer gerieren durfte und schon mal die Fühler nach ihrem alten TV Job ausgestreckt hat. Da hab ich wohl die aufgeregten Proteste der #metoo Anhänger verpasst, oder?

#11 - 09.10.2018, 16:46 von keine-#-ahnung

"Kavanaughs Berufung in den Supreme Court ist ein ...

... schwerer Schlag gegen die progressiven Kräfte in den USA, eine symbolische Zementierung der Machtverhältnisse. Auch der #MeToo-Bewegung hält Kavanaughs Berufung ein Stoppschild entgegen: Bis hierhin und nicht weiter."
Besser ist das auch - es ist die Durchsetzung basaler Rechtsstaatsprinzipien gegen hysterische Aktivisten, die durch Nichts und Niemanden demokratisch legitimiert, geschweige denn kontrolliert sind. Und was daran "progressiv" sein soll, bleibt das sahnige Geheimnis des Autors. Es ist Teil des Spaltpilzes, mit dem vornehmlich linke NGO und "Kampagnen" stabile Gesellschaften aufspalten wollen.
"Denn er dient dazu, eine gerade erst im Kraftakt #MeToo veränderte Wahrnehmung von Machtverhältnissen wieder zu verschieben: Nicht mehr die Frauen, die sich entschließen, Gewalt-Erfahrungen zu schildern, gelten als Opfer. Sondern die Männer, die sich, einmal beschuldigt, ihrer gesamten Existenz beraubt sehen"
Jupp. Auch hier - Rechtsstaat geht vor Aktivismus. Verdacht - Ermittlung - Verfahren - Urteil. Ende. Erledigt. Keine Kollateralen, keine Bypässe.
"Idealerweise bräuchte es standardisierte Verfahren, damit die durch #MeToo in den öffentlichen Raum gestellten Beschuldigungen zügig juristisch aufgeklärt werden können."
Hier stimme ich dem Autor vorbehaltlos zu - nur gibt es diese zumindest im deutschen Strafrecht schon: diese Standards heissen üble Nachrede, Beleidigung und Verleumdung. Der Gesetzgeber müsste nur die Strafbewehr ein wenig nachschärfen. In den Staaten könnte darüber demnächst u.a. der supreme court entscheiden ... :-)

#12 - 09.10.2018, 16:52 von Margaretefan

Wenn Missbrauchs-,...

... Vergewaltigungs- und Belästigung sondern, derart Höhe Hürden überwinden müssen, die fast nicht zu überwinden sind, dann sieht nun die Zukunft von Frauen noch düsterer aus als vor #meToo :-( So gut wie alle Sexualdelikte finden immer im Verborgenen statt. Jede Vergewaltigung, bei der eine Frau nicht massivst körperlichen Schaden davonträgt, ist als Vergewaltigungstat kaum nachzuweisen. Da kann immer vom Täter behauptet werden, dass das nur heftiger Sex im gegenseitigen Einverständnis war. Das Problem haben schon vor langer Zeit gar Richter erkannt und aus dem Grund würden sie den eigenen Töchtern und Frauen von einer abermals erniedrigenden Klage und anschließender Verhandlung abraten. Bei sexueller Nötigung ist es noch schwerer nachzuweisen. Siehe jetzt Österreich. Ein ganz schlechter Witz, der da passiert ist. Wird von einem Rechner illegal gestreamt, so ist der Besitzer des Accounts haftbar. Wird eine Frau vom gleichen Rechner übelst sexuell motiviert bedrohlichst bepöbelt, muss Frau nachweisen, dass es wirklich der Besitzer war, ansonsten muss sie, wie jetzt in Österreich geschehen, gar Strafe und Schadensersatz wegen übler Nachrede plus Gerichtskosten zahlen. Ekelhaft. Das muss sich sofort ändern. Ansonsten sehe ich keine andere Möglichkeit als Schweden zum Vorbild zu nehmen. Jegliche, nachzuweisen sexuelle Handlungen bedarf eines schriftlichen Einverständnisses der Frau, ansonsten wird es bei Klage als Vergewaltigungstat gewertet. Selbst wenn nur 0,001 Prozent der Männer Arschgeigen sind, die zu sexuellen Übergriffen neigen, sind es einfach zu viele. Schon die Arschgeige vom Opferschutz Weißer Ring in Schleswig Holstein, die weitgehenst unbehelligt blieb, stößt mir mehr als auf.

#13 - 09.10.2018, 16:54 von draco2007

Zitat von Shredhead
"Gemeinsam mit Justiz und Politik ein konsensfähiges Regelwerk für den Umgang mit Anschuldigungen zu finden, wird wohl die größte Herausforderung der kommenden Zeit." Das gibt es schon seit Jahrhunderten! Es nennt sich "In dubio pro reo", im Zweifel für den Angeklagten! Lieber gehen 10 Schuldige frei nach Hause, als 1 Unschuldiger in den Knast! Das ist ein Grundpfeiler unserer freiheitlichen Gesellschaft, wer das nicht versteht sollte doch lieber gleich nach China oder ähnlich antihumane Staaten ziehen! Man kann nur hoffen, dass Kavanaugh und andere Opfer der metoo Hexenjagd ihre Peiniger verklagen. Der Idealfall ist natürlich die offizielle Strafverfolgung, was leider noch viel zu selten passiert. Menschen, denen so etwas widerfahren ist sollten lernen, dass Twitter nicht die nächste Polizeidienststelle ist und schon von klein auf ermuntert werden, Belästigungen und Übergriffe den zuständigen Behörden zu melden.
genau ist ja ganz einfach nach einer Vergewaltigung zur Polizei zu gehen...

Schauen sie es sich doch an. Als potentielles Opfer werden sie vom verdammten Präsidenten ÖFFENTLICH auf einer Wahlkampfveranstaltung VERHÖHNT.

Ich bin ja bei ihnen. ABER in diesem Fall ist weder der Präsident, noch die Republikaner NOCH der Beschuldigte daran interessiert die WAHRHEIT herauszubekommen.

Die Untersuchung, die jetzt stattfand, war doch lächerlich. 10 von 40 Zeugen befragt. Werder das potentielle Opfer noch den mutmaßlichen Täter befragt.

Wenn das der Maßstab ist, kann jeder Mann Frauen vergewaltigen wie sie wollen. Denn sie werden vom Präsidenten verhöhnt und gelten automatisch als Lügner.

Und sie wundern sich, wieso so viele Vergewaltigungsopfer nicht direkt zur Polizei gehen und sich entwürdigenden Untersuchungen unterziehen?
Wirklich?

Ich wünsche ihnen, dass sie mal in eine solche Situation kommen.
Scheinbar ist das das einzige was bei empathielosen Menschen wie ihnen funktioniert. Sie müssen die Scham am eigenen Körper fühlen. Sie müssen verhöhnt werden, wenn sie zur Polizei gehen.
Sie müssen auf Menschen treffen wie sie, die kein Interesse daran haben die Wahrheit rauszubekommen, weil ja praktisch jeder Fall eine garantierte Falschanschuldigung ist.

#14 - 09.10.2018, 16:55 von leser2011

Beschuldigte stilisieren sich zu Opfern

Dieser Satz in der Überschrift ist entlarvend. Denn üblicherweise heißt es ja "Täter stilisieren sich zu Opfern". Aber anscheinend werden Beschuldigte (Männer!) schon mal semantisch mit Tätern gleich gesetzt. Eine verhängnisvolle Entwicklung. Mal darüber nachdenken, Herr Borcholte! Übrigens hege ich weder für Brett Kavanaugh noch für Trump auch nur ansatzweise irgendwelche Symphatien.

#15 - 09.10.2018, 16:57 von hardeenetwork

Kavanaugh schuldig?

Man hätte Kavanaugh nicht zu einem der obersten Richter der USA ernennen dürfen. Zuerst kommt die Untersuchung, dann das Urteil und dann die Berufung oder Nichtberufung. So ist der richtige Weg.

#16 - 09.10.2018, 16:59 von gs310167

Mal ¨sexual assault¨ mit ¨murder¨vertauschen

Ich bin kein Freund von Kavanaugh und hätte ihm die Zustimmung verweigert - wegen seines unbeherrschten und parteiischen Auftritts, nicht wegen des unbewiesenen Vorwurfs des ¨sexual assaults¨.

All diejenigen, die hier vorschnell urteilen, sollten den Vorwurf des ¨sexual assaults¨mit ¨murder¨ (Mord) ersetzen und dann nochmals prüfen, ob die ¨Beweislage¨ausreichend für eine Veruteilung ist.

#17 - 09.10.2018, 17:01 von schwaebischehausfrau

Alles gut!!!

Auch eine unter Aufbietung aller Medien-Kanonen , Gebrüll und Gepöbel geführte Schmutz-Kampagne hat am Ende das Prinzip der Unschuldsvermutung nicht zu Fall gebracht. Ein wahrhaft großer und großartiger Tag für die Rechtsstaatlichkeit. Verbunden mit der Hoffnung, dass auch weiterhin Vorwürfe belegt werden müssen und es nicht nur darum geht, wie groß die Menge ist, die "lyncht ihn" (oder sie) johlt.
Insofern wäre es ganz toll, wenn Hr. Borcholte mal etwas detaillierter darlegt , was ihm denn mit seinem Vorschlag: "Gemeinsam mit Justiz und Politik ein konsensfähiges Regelwerk für den Umgang mit Anschuldigungen zu finden" so vorschwebt? Etwa, dass im Zweifelsfall diese "weißen, angelsächsisch-protestantischen Männer" per se einfach weniger glaubwürdig sind als diejenigen, die sie beschuldigen? Und in ihrem Fall dann aus "Im Zweifel für den Angeklagten" automatisch "Im Zweifel gegen den Angeklagten" wird?
Dann würde z.B. Herr Kachelmann jetzt noch im Knast sitzen. Irgendwie läuft's einem bei diesem Artikel nur noch kalt den Rücken runter..

#18 - 09.10.2018, 17:06 von flurhamwa

Kachelmann / Michael Jackson

Es ist richtig und wichtig, dass Missbräuche angeprangert werden. Geschlechterneutral, es trifft nun mal statistisch gesehen Frauen am häufigsten. Die Täter sollen und müssen dafür belangt werden, wenn dafür genügend Beweise vorliegen.

Was man aber tunlichst vermeiden sollte, ist eine voreilige Verurteilung von potentiellen Tätern, denen man nichts nachweisen kann. Die Fälle Kachelmann in Deutschland und Michael Jackson in den USA haben gezeigt, dass das Stigmata des "Triebtäters" TROTZ richterlichem Freispruch immer noch auf den Personen lastet. Und niemals mehr verloren geht.

Dies runiert das Leben dieser - in diesen Fällen - Männer - beruflich und privat. Die Medien sind hier ganz schnell an vorderster Front dabei und berichten direkt verurteilend, wie im Fall Brett Kavanaugh. Dies hat natürlich auch etwas mit einer politischen und journalistischen Agenda gegen Donald Trump zu tun. Sollte es aber nicht. Mehr neutrale Berichte wären wünschenswert. Wird aber leider wohl nur Wunschdenken bleiben, denn neutrale Berichte ohne Stimmungs/-Meinungsmache und ohne reißerische Headlines generieren nun mal weniger Klicks und somit weniger Anzeigenumsätze für die großen Medienhäuser.

#19 - 09.10.2018, 17:08 von chlorid

Zitat von jojack
Angenommen, Kavanaugh wäre aufgrund der unbewiesenen Anschuldigungen nicht ans oberste Gericht berufen worden - wie hätte man das mit der Unschuldsvermutung in Einklang bringen können? Wäre dann nicht jeder Kandidat vogelfrei gewesen? Persönlich und subjektiv fand ich Dr. Ford glaubhaft - aber was sagt das, wenn es keinerlei Beweise gibt?
Grundsätzlich hatte auch hier die Unschuldsvermutung zu gelten, völlig richtig. Gleichzeitig bestand (und besteht weiterhin) auch die Pflicht zur zweifelsfreien Aufklärung der Beschuldigungen. Das ist nicht geschehen. Die eine FBI-Woche war kein ausreichendes Verfahren. Ich gehe sehr stark davon aus, dass bei beinah jeder anderen Personalie die Ernennung selbstverständlich verschoben worden wäre. Hier darf man mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Republikaner aus politischen Erwägungen heraus den eigentlich für solche Fälle vorgesehenen Ermittlungsweg abgekürzt haben. Und das war nicht richtig. Trotz der Unschuldsvermutung hätten die Ermittlungen vollständig korrekt durchgeführt werden müssen. Denn eine Unschuldsvermutung ist was das Wort sagt: Eine Vermutung, kein Freispruch! Mal anders gefragt: Sind die Ermittlungen jetzt automatisch abgeschlossen? Was wäre, wenn sich doch herausstellen würde, dass an den Vorwürfen etwas dran wäre? Kann man den auf Lebenszeit ernannten Richter jetzt noch dafür belangen?

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