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Widerstand gegen #MeToo: Nichts ist erledigt

AFP Brett Kavanaugh wird als Richter am Supreme Court bestätigt, Louis C.K. tritt wieder auf, Beschuldigte stilisieren sich zu Opfern: Ein Jahr nach Beginn von #MeToo ist der Widerstand der mächtigen Männer in den USA groß.
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#30 - 09.10.2018, 18:35 von Palmstroem

Gleiches Recht für alle

Gegen Brett Kavanaugh gibt es Anschuldigungen, aber dafür weder Beweise noch Zeugen, ja nicht einmal Indizien. Jedes Gericht würde ihn freisprechen. Jeder hat als unschuldig zu gelten, bis das Gegenteil bewiesen ist.

#31 - 09.10.2018, 18:38 von luny

Analyse

Hallo Herr Borcholte,

Sie schreiben in Ihrer Analyse:

"Wie ein Schlag ins Gesicht" habe es sich angefühlt, sagte eine der Frauen, die sich vor der Abstimmung mit der republikanischen Senatorin Susan Collins aus Maine getroffen hatten, um ihr von Missbrauchserfahrungen zu berichten. Trotzdem hatte Collins, eine von wenigen weiblichen Senatorinnen, am Ende für Kavanaugh gestimmt. Sie empfand die Beweislast als nicht ausreichend, es müsse auch für ihn die Unschuldsvermutung gelten."

Die Entscheidung der "weiblichen Senatorin" Susan Collins halte
ich für schlüssig.

Gegen Kavanaugh gab es keine Anzeige, soweit ich das verstanden
habe.

Mir ist der Sinn dieser #-Bewegung nicht klar.

"Männer sind Schweine - weg damit?"

Diese Überspitzung lasse ich jetzt einfach mal so stehen und
warte auf die entsprechende Haue im Forum.

LUNY

#32 - 09.10.2018, 18:45 von mayazi

Immerhin

Immerhin weiß man jetzt, was bei Richter Kavanaugh zieht: "Ich habe meine Nachbarin nicht umgebracht, hier mein Kalender als Beweis!" Richter Kavanaugh: "Da steht: Nachbarin umbringen." "Das ist der Name von einem Trinkspiel. Mit Bier. Ich mag Bier." Richter Kavanaugh: "Ah, dann ist alles klar. Sie sind frei."

#33 - 09.10.2018, 18:48 von petrapanther

Zitat von Garak
Aber jeder Mann mit Einfluss und Macht hat logischerweise Feinde/Konkurrenten. Die müssen um ihn zu stürzen nur ein "Opfer" finden um ihn zu verleumden und nach den neuen #metoo Standards ist er erledigt egal ob Politiker, Filmproduzent, Richter, Manager etc. Wollen sie das wirklich?
Sie haben aber schon mitbekommen, dass Kavanaugh ins Amt gehoben wurde, obwohl sogar drei Opfer gegen ihn ausgesagt haben? Und dass Donald Trump trotz seines 'pussy grabbings' zum Präsidenten gewählt wurde?

Wenn man ein weisser Mann mit genug Geld, Macht und Beziehungen ist, dann können einem sexuelle Verfehlungen offenbar wenig anhaben. Man muss schon richtig extreme Sachen machen (so wie Weinstein), um überhaupt Konsequenzen zu spüren. Und selbst das dauert dann noch Jahrzehnte.

#34 - 09.10.2018, 18:52 von steueragent

Hören Sie doch auf mit dem Gezeter. Was bringt das?

Zitat von petrapanther
"[...] Es nennt sich "In dubio pro reo", im Zweifel für den Angeklagten! Lieber gehen 10 Schuldige frei nach Hause, als 1 Unschuldiger in den Knast! Das ist ein Grundpfeiler unserer freiheitlichen Gesellschaft, wer das nicht versteht sollte doch lieber gleich nach China oder ähnlich antihumane Staaten ziehen!" Sie faseln etwas von Rechtsstaatlichkeit, wollen aber gleichzeitig den Opfern von sexuellen Attacken das Recht auf freie Rede entziehen. Das macht deutlich, wo Ihre Sympathien liegen. "Man kann nur hoffen, dass Kavanaugh und andere Opfer der metoo Hexenjagd ihre Peiniger verklagen." Sie also offenbar davon überzeugt, dass die Anschuldigungen gegen Kavanaugh unwahr sind, obwohl hier das Wort von drei Frauen gegen das Wort eines einzelnen Mannes steht. Interessant.
Wer hier wann und wie oft gelogen hat, kann doch kein Mensch mehr nachvollziehen. Und was Sie oder ich glauben interessiert im Grunde genommen niemand.
Tatsache ist: Kavanaugh ist nun Richter am obersten Bundesgericht und die Welt wird sich weiter drehen. Dieses ewige nachtreten geht mir so langsam auf den Zeiger.

#35 - 09.10.2018, 18:52 von Fackel

Metoo oder Gerechtigkeit

Metoo ist die öffentliche Anklage gegen die sich kein unschuldiger Mann wehren kann. Ein ordentliches Gericht dagegen muss mit allen Beteiligten fair umgehen und hat einen ausgebildeten Juristen als Vorsitzenden und keine mit Vorurteilen belastete anonyme Menge die ein Urteil spricht. Sosehr man den Wunsch der missbrauchten Frauen nach Gerechtigkeit verstehen kann es gibt einen Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Rache.

#36 - 09.10.2018, 18:54 von luny

Es steht zu befürchten

Zitat von Bondurant
Ihm werden von mehreren Frauen sexuelle Misshandlungen bis hin zu versuchter Vergewaltigung vorgeworfen. so zu formulieren, wenn die Anschuldigungen sich ausschließlich auf Fälle beziehen, die mehr als dreißig Jahre her sein sollen. Durch die im Artikel gewählte, sparsame Formulierung entsteht - natürlich ungewollt, nicht wahr - der Eindruck, es handele sich um eher aktuelles Verhalten. Tatsache ist aber, dass bis jetzt niemand dem Kavanaugh vorgehalten hat, als erwachsener Mann irgendjemanden beläastigt zu haben. Spielt das keine Rolle?
Hallo Bondurant,

nach meiner unmaßgeblichen Sicht von außerhalb der USA scheint
das ein Machtkampf zwischen den Demokraten und Republikanern
gewesen zu sein, WER denn nun den begehrten Richterplatz am
Supreme Court erhält.

Der bevorzugte Kandidat des amtierenden US-Präsidenten sollte
mit ALLEN Mitteln verhindert werden.

Dieser ziemlich unprofessionelle und naive Versuch der Demokraten
haute nicht hin.

Den Demokraten ging es wohl zu keinem Zeitpunkt um das
angebliche Mißbrauchsopfer, das nur instrumentalisiert wurde.

Ich bezweifle keinesfalls, daß es Frauen gibt, die Mißbrauchsopfer
von Männern mit Macht sind, die ihre Macht ausspielen, um sich
Frauen sexuell gefügig zu machen.

Im 20. Jahrhundert nannte sich das "Besetzungscouch".

LUNY

#37 - 09.10.2018, 18:55 von DerAndereZauberer

Aus dem Arktikel: "Um nachhaltig erfolgreich zu sein und über Jahrhunderte bestehende Strukturen zu verschieben, braucht sie nicht nur beständig Enthüllungen durch Medien, sondern auch Rückhalt bei möglichst breiten Bevölkerungsschichten."

Sie braucht vor allem mal strafrechtlich relevante Ermittlungen und Verurteilungen, nicht "nur" die Moral-Keule. Und sie braucht - und da sehe ich die grössten Erfolgs-Chancen - Frauen, die sich trauen, im Moment selbst laut und deutlich und öffentlich und vor Anderen "Nein" zu sagen - zum Chef, zum Kollegen, zum Flirtpartner aus der Bar, zu wem-auch-immer, und Andere, die in der Situation helfen.

#38 - 09.10.2018, 18:57 von ex_berliner

Zitat von jojack
Angenommen, Kavanaugh wäre aufgrund der unbewiesenen Anschuldigungen nicht ans oberste Gericht berufen worden - wie hätte man das mit der Unschuldsvermutung in Einklang bringen können? Wäre dann nicht jeder Kandidat vogelfrei gewesen? Persönlich und subjektiv fand ich Dr. Ford glaubhaft - aber was sagt das, wenn es keinerlei Beweise gibt? Dass über dem neuen Richter Zweifel ob seiner Vergangenheit hängen ist ein schwerer Makel. Aber so wie die Vorwürfe lanciert worden, musste der Verdacht einer politischen Kampagne entstehen. Und das hat Abwehrkräfte mobilisiert. Erst in letzter Minute des Berufungsverfahrens werden die Vorwürfe bekannt - und dass, obwohl einige Demokraten schon vor Wochen von Fords Vorwürfen wussten. Warum haben diese nicht auf Dr. Ford eingewirkt, damit diese früher damit an die Öffentlichkeit geht? Ging es den Demokraten wirklich um die Verhinderung eines charakterlich ungeeigneten Kandidaten? Oder war hier nicht vielmehr der maximale propagandistische Erfolg das Ziel?
Kavanaugh hat Makel jenseits der Vorwuerfe, die gegen ihn erhoben wurden. Er ist der erste Richter, der ohne das Praedikat "well qualified" der American Bar Association auf die hoechste Richterbank gehievt wurde. Er wird den Anspruechen, die er selbst vor nicht allzu langer Zeit an jeden Richterkandidateen gestellt hatte - emotional immer unter Kontrolle, niemals parteiisch, etc. - nicht einmal ansatzweise gerecht. Und was seine Sensibilitaet gegenueber seiner Person angeht, er selbst hat seinerzeit sehr viel schaerfer gegen den amtierenden Praesidenten Clinton ermittelt und gefordert, dass...

"He [Clinton] should be forced to account for all of that and to defend his actions. It may not be our job to impose sanctions on him, but it is our job to make his pattern of revolting behavior clear -- piece by painful piece,"

Aber wenn er selbst als Beschuldigter dasteht, dann kommen ihm die Traenen und dann kann es nicht sein, dass seine Verhaltensmuster oeffentlich zur Debatte gestellt werden. Solche Typen kenne ich zur Genuege - austeilen wollen aber nichts einstecken koennen. Zur Hoelle mit denen!

#39 - 09.10.2018, 19:00 von dasfred

Zu Nr.26 Garak

Ich erwähnte ja schon, wer sich nichts dergleichen zuschulden kommen lassen hat, der hat kaum etwas zu befürchten und ist erheblich leichter zu entlasten, als ein Kavanaugh, der auf die Anschuldigungen zuerst mit Verschwörungstheorien reagiert hat und sich dann gegen die FBI Ermittlungen sträubte. Wie viele Männer sind heute in hohen Positionen und wie wenig von ihnen werden tatsächlich mit solchen Vorwürfen konfrontiert. Das selbst hohe Managementfunktionen nicht moralisch einwandfrei leben, wissen wir spätestens seit dem Ergo Ausflug nach Budapest und auch die deutschen Edelbordelle nagen noch nicht am Hungertuch. Trotzdem geht es bei allen metoo Anschuldigungen immer um tatsächliche Zusammentreffen und noch nie ist eine völlig konstruierte Geschichte mit engagierten Frauen aufgedeckt worden.

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