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Baden-Württemberg: Nur 45 Prozent der Lehrer arbeiten in Vollzeit

Julian Stratenschulte/ DPA Der Wunsch vieler Lehrkräfte nach Teilzeitarbeit stellt die Schulen vor organisatorische Probleme. Baden-Württembergs Kultusministerin will nun gegensteuern.
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#1 - 12.07.2019, 19:34 von michaelXXLF

Aber warum?

Vielleicht sollte man sich auch mal fragen, warum das so ist? An der überschwänglichen Entlohnungen dürfte es vermutlich nicht liegen. Vielleicht liegt es ja daran, daß man den Lehreinnen und Lehrern in den letzten 20 Jahren immer noch mehr aufgebürdet hat, Lernstandserhebung, Vera, Pisa, Integration, Alphabetisierung und die ganz grundlegenden Erziehungsaufgaben, die früher zuhause erledigt wurden. Von unkooperativen Eltern mal ganz zu schweigen.
Nach jedem Regierungswechsel ändern sich die Vorgaben - manchmal auch ohne. Erst G8, jetzt dann doch wieder G9, kaum daß sämtliche Kernlehrpläne und schulinternen Curricula geschrieben sind, alles wieder in die Tonne! Das passiert alle übrigens nebenbei, zuhause, zusätzlich zur Arbeitszeit.

#2 - 12.07.2019, 19:51 von asnide

Die Aussagen von Frau Eisenmann beleuchten nicht die Ursachen der hohen Teilzeitquote. Ich bin zwar nicht in BW tätig, weiß aber, dass die gesundheitliche Belastung des Berufes sehr hoch ist. Es sind über viele Jahre immer mehr Aufgaben und Anforderungen (Inklusion, viele Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache, ausufernde Dokumentationen,..., die Liste ließe sich noch sehr weit fortsetzen) an die Lehrer gestellt worden, gleichzeitig wird aber vom Dienstherrn wenig getan, um sich um Arbeitsschutz und Gesunderhaltung seiner Lehrer zu kümmern. Da duckt sich die Schulaufsicht gerne weg. Viele Ärzte raten, die Stressoren zu minimieren, deutlich kürzer zu treten, um gesund zu bleiben. In vielen Firmen wird deutlich mehr für Arbeitsschutz und angemessene Arbeitsumgebung (Lärmschutz, ergonomische Ausstattung usw.) getan. Also, liebe Schulminister, nicht aus den klimatisierten Büros heraus wundern, warum man im fortgeschrittenen Alter nicht in Vollzeit in der Hocke neben Schülern in aufgeheizten, vollen Klassenräumen zubringt, um individualisierten Unterricht zu gestalten. Könnte noch viele Beispiele bringen, wo die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers schlecht ist. Und, nein, ich bin nicht verbeamtet und habe nur eine normale Rente zu erwarten, die ich dann einigermaßen gesund noch einige Jahre erleben möchte.

#3 - 12.07.2019, 19:55 von andreowicz

Hausgemachtes Problem

Für die Sorgen des Kultusministeriums habe ich wenig Verständnis. Durch die ständige Verdichtung der Arbeitsbelastung geht der Lehrerberuf doch fast nur in Teilzeit. Und wer Korrekturfächer hat, der macht die Schulferien gleich durch.
Das der Lehrerberuf Präsenz fordert ist klar. Man kann aber auch Teilzeit arbeiten und gleichzeitig präsent sein. Wir müssen endlich von der „Denke“ runter, dass eine lange Präsenz am Arbeitsplatz gleichbedeutend mit guter Qualität ist. Ich empfehle dringend über Arbeitszeitmodelle in diesem Beruf nachzudenken. Da trauten sich die Ministerien bisher aber nicht ran, da das teuer wird.

#4 - 12.07.2019, 19:56 von Motorpsycho

Seit Jahren hat man die Arbeitsbelastung von Lehrern immer weiter hochgeschraubt. Pflichtstunden erhöht, Formal- und Papierkram immer weiter ausufern lassen. Gutachten hier, Pisa dort. Inklusion, Integration, alles einfach immer oben drauf. Fakt ist, Lehrer die Teilzeit arbeiten, arbeiten Vollzeit. Da muss ich mir nur meine Frau (Grundschullehrerin) angucken. Da muss man sich nicht wundern, wenn Lehrer, die keine 60h Woche wollen auf Teilzeit gehen. Das ist das einzige Ventil, dass sie haben, um irgendwie eine Work-Life-Balance hinzubekommen.

Wird Zeit, dass auch für Lehrer die von der EU für AN zwingend vorgeschriebene Arbeitszeiterfassung auch bei Lehrern Einzug hält. Die Kultusminister werden sich wundern.

#5 - 12.07.2019, 20:03 von phthalo

@michaelXXLF: Kann ich zustimmen

Nur den letzte Satz: "Das passiert alle übrigens nebenbei, zuhause, zusätzlich zur Arbeitszeit." möchte ich erläutern:
Die Arbeitszeit eines Lehrers ist ja nicht nur der Unterricht. Das sind bei einer vollen Stelle ca: 26 Stunden / Woche. Eine Volle Stelle sind aber je nach Bundesland 35 bis 40 h/Woche. Also "nebenbei" stimmt dann nicht so ganz, da man ja noch Stunden übrig sind.
Ich bin übrigens Lehrer und habe meinen Stoff mittlerweile ganz gut zusammen, so dass sich die "Heimarbeit" schon sehr reduziert hat, im Vergleich zu früher und ich ohne zusätzliche Aufgaben sicher weniger als die 37,5h/Woche arbeiten würde.

#6 - 12.07.2019, 20:09 von practicus

Genfer-Problem?

Der Artikel ist ein gewichtiges Argument für die Einführung einer "Männer-Quote" in sensiblen Fächern: Lehramt, Medizin, Pädagogik...

#7 - 12.07.2019, 20:11 von Akkin

Wie soll man denn die Schüler 6 h am Tag ertragen?

Gehen sie doch mal in die Schule was dort los ist, Respektlosigkeit nimmt immer mehr zu, Unterrichtsstunden werden immer lauter, Lehrer über 50 leiden allesamt unter Bluthochdruck. Der Beruf macht auf Dauer krank.

#8 - 12.07.2019, 20:17 von louis12

Würde ich auch gerne....

Ich würde auch gerne ohne Sorgen weniger arbeiten, fester Job, keine Risiken.

Und dann das letzte Jahr voll arbeiten und eine fette Pension auf Basis der letzten Bezüge?

Geht das? Würde mich interessieren.

Wann schafft man endlich die Verbeamtung von Lehrern ab. Würde viel verbessern.

#9 - 12.07.2019, 20:18 von Heliumatmer

45 Jahre am Gymnasium

Kann mich nach 45 Jahren Dienstzeit am Gymnasium an keinen einzigen Vorgesetzten erinnern, der Pädagoge mit Herz und Augenmaß war. "Unterricht lebt davon, dass der Lehrer präsent ist" Selten dergleichen gelesen. Ist das jetzt Binsenwahrheit, nonsens, überlebenswichtig oder was? "Landwirtschaft lebt davon, dass der Landwirt präsent ist." Krankenhaus lebt davon, dass der Arzt präsent ist. Die Zahl der CDU-Fehlbesetzungen geht in Ba-Wü lustig weiter. Oettinger, Schavan, Rau, Mappus, Gönner, Wolf, Strobl, Eisenmann, irgendwie oder -wann mal richtig positiv aufgefallen?? Die Grünen müssen sich nicht einmal mehr anstrengen um die Schwarzen abzuhängen.

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