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Leben und Lernen

Depressionen im Studium: Am Leistungsdruck fast zerbrochen

DPA Sie haben hohe Ansprüche an sich selbst und meist noch einen Nebenjob: Das ist für viele Studierende belastend. Nicht selten mündet die Überforderung in Depression. Eine Betroffene berichtet.
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#1 - 15.02.2018, 10:51 von professorA

Als nur

5 bis 10 % eines Jahrganges ein damals wesentlich schwereres Abitur bestanden und dann ein Diplom- oder Staatsexamens-Studium ergriffen, war lag der IQ-Durchschnitt der damals noch einfach als Studenten bezeichneten "Studierenden" bei etwa 115, und Studienabbrecher oder anderweitig Überforderte waren eine eher seltene Ausnahme.
Heute, da mehr als die Hälfte eines Jahrganges wesentlich weniger anstrengend ein Abizeugnis erhält und trotz höchstens durchschnittlicher Intelligenz glaubt, deshalb für ein wissenschaftliches Studium und damit eine höhere Gehaltsklasse qualifiziert zu sein, blüht die Welt der überforderten "Schneeflöckchen", die jede Anstrengung und Durchhaltevermögen für eine Zumutung halten.

#2 - 15.02.2018, 11:05 von burckha

Liegt nicht am Stundenplan

Klar, das Studium kann manchmal sehr belastend sein. Aber ich glaube aus persönlicher Erfahrung und Beobachtung von Freunden, dass auch viel mit der eigenen Erwartungshaltung und der Ungewissheit was nach dem Studium kommt, zusammenhängt. Dazu belasten sich viele Studenten unnötig, sitzen den ganzen Tag in der Bibliothek oder zuhause, sind dabei aber wenig produktiv. Während des Studiums gibt es nun mal keinen Feierabend und bei vielen artet das so aus, dass sie die Abgrenzung zwischen Freizeit und Studium nicht mehr hinbekommen. Dann wird der Morgen vertrödelt und in der Nacht kommen die Gewissensbisse und Panikattacken.
Gerade bei Abschlussarbeiten kommt dann viel zusammen. Die Arbeitsbelastung, Zukunftsunsicherheit, Unstrukturiertheit und auch fehlende Betreuung durch Professoren. Ich kann verstehen, dass Professoren teilweise nur mäßig an Bachelor- oder Masterarbeiten interessiert sind, haben diese doch akademisch meist keinen Wert. Aber angesichts der persönlichen Dramen, die sich teilweise hinter so einer Arbeit verstecken, wäre es schon gut, wenn es eine engere Betreuung durch die Uni gäbe.
Die Arbeitsbelastung ist ein Katalysator, der die anderen, wesentlich gravierenderen Faktoren wie Versagensangst und Zukunftsunsicherheit nur noch verstärkt, aber allein durch die Arbeitsbelastung wird eine Depression meiner Meinung nach nicht ausgelöst.

#3 - 15.02.2018, 11:18 von ate2

#1, so ist es

Überforderung entsteht dadurch, dass mehr gewollt als gekonnt wird, wenn man erst mühsam Gurndlagen zu Beginn des Studiums erarbeiten muss. Mittlerweile betrifft dieses Phänomen auch Studierende der Geisteswissenschaftn und Sprachen. Wenn man Mathematik studiert und sich erst das 1x1 beibringen muss ( überspitzt), dann folgt zwangsläufig das Gefühl der "Üverforderung". Auch Vorstellungen von der Art eines Studiengangs sind manchmal etwas naiv. Oh, ich will Nano studieren. Dann stellen sich die Studienanfänger vor, sie bauen kleine Teilchen und sind dann ganz entsetzt, wenn sie Fächer aus der Elektrotechnik absolvieren müssen. Ich habe da nur sehr bedingt Mitleid.

#4 - 15.02.2018, 11:26 von KayYou

Wir hatten

eine Abbrecherquote bis zum Diplom von über 60 %. Zu einer Zeit, als 20 % der Schüler Abitur machten
Naturwissenschaften. Ganz üblich. War auch so eingeplant bei der Raumvergabe.
Man diagnostizierte damals eben keine Depressionen bei Studenten.

#5 - 15.02.2018, 11:38 von Profdoc1

Ich bin nicht sicher, ....

Zitat von professorA
5 bis 10 % eines Jahrganges ein damals wesentlich schwereres Abitur bestanden und dann ein Diplom- oder Staatsexamens-Studium ergriffen, war lag der IQ-Durchschnitt der damals noch einfach als Studenten bezeichneten "Studierenden" bei etwa 115, und Studienabbrecher oder anderweitig Überforderte waren eine eher seltene Ausnahme. Heute, da mehr als die Hälfte eines Jahrganges wesentlich weniger anstrengend ein Abizeugnis erhält und trotz höchstens durchschnittlicher Intelligenz glaubt, deshalb für ein wissenschaftliches Studium und damit eine höhere Gehaltsklasse qualifiziert zu sein, blüht die Welt der überforderten "Schneeflöckchen", die jede Anstrengung und Durchhaltevermögen für eine Zumutung halten.
ob das im statistischen Mittel etwas mit dem IQ zu tun hat. Die Untersuchung sprechen eine andere Sprache. Die Studis sind sicherlich nicht "dümmer" (im Mittel) als wir es waren. Was sich aber drastisch geändert hat, ist die Tatsache, dass es erheblich mehr "Studierfähige" (auf dem Papier) gibt, die in die Hochschulen gelangen, die eben nicht studierfähig sind. Das ist eher das größere Problem. Das hat auch wenig mit dem Schulabschluss zu tun. Davon sind auch - was es früher nicht gegeben hat - Einser-Abiturienten betroffen. Von "Reife" keine Spur mehr. Genau das ist erschreckend! Solange die Gymnasien nur noch "stromlinienförmig" auf das Bestehen trainieren, anstatt daran zu arbeiten, Wissen zu herauszubilden, wir sich nichts ändern.
Vermutlich werden wir nicht herumkommen, ein Vorstudium einzuführen, was nach Bestehen zum Studium befähigt.

#6 - 15.02.2018, 11:39 von StefanXX

Volle Zustimmung. Gleichmacherei senkt Bildungsniveau

Zitat von professorA
5 bis 10 % eines Jahrganges ein damals wesentlich schwereres Abitur bestanden und dann ein Diplom- oder Staatsexamens-Studium ergriffen, war lag der IQ-Durchschnitt der damals noch einfach als Studenten bezeichneten "Studierenden" bei etwa 115, und Studienabbrecher oder anderweitig Überforderte waren eine eher seltene Ausnahme. Heute, da mehr als die Hälfte eines Jahrganges wesentlich weniger anstrengend ein Abizeugnis erhält und trotz höchstens durchschnittlicher Intelligenz glaubt, deshalb für ein wissenschaftliches Studium und damit eine höhere Gehaltsklasse qualifiziert zu sein, blüht die Welt der überforderten "Schneeflöckchen", die jede Anstrengung und Durchhaltevermögen für eine Zumutung halten.
Volle Zustimmung. Und das wird auch durch mein ganzes Umfeld bestätigt. Von den Schulaufgaben, die ich von meiner Nichte/Neffe so sehe bis hin zu vielen Lehrern in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die alle übereinstimmend berichten dass das schulische Niveau im Gymnasium deutlich gesunken ist im Vergleich zu deren Schulzeit. Heutzutage bekommen Leute das Abitur, und zwar teilweise sogar ein gutes, die es damals gar nicht erst aufs Gymnasium geschafft hätten. Und dieses ewige Gejammere kann ich auch nicht mehr hören. Wenn man fachlich oder psychisch damit überfordert ist, ist es eben der falsche Studiengang oder Beruf für einen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen und natürlich muss auch darauf geachtet werden, dass Arbeit menschlich bleibt und keine Ausbeutung draus wird. Aber das grundsätzliche Problem liegt genau in den Punkten, die Sie beschrieben haben. Und ich ahne schon wie dieses Problem künftig gelöst wird. Und zwar nicht indem man versucht das Niveau der Schulabgänger wieder zu erhöhen, sondern indem man das Niveau an den Unis ebenfalls senkt. Und das ist u.a. auch ein Auswuchs von bevorzugt Rot-Grüner Bildungspolitik. Es sind eben nicht alle gleich. Es gibt nun mal Leute, die einfach intelligenter sind als andere. Das heißt noch lange nicht dass die anderen nicht auch Ihre Stärken haben und auf manchen Gebieten besser sind. Aber diese bildungspolitische Gleichmacherei führt nur dazu dass das Bildungsniveau allgemein sinkt.

#7 - 15.02.2018, 11:51 von stefan1904

Versagen wird in Deutschland nicht akzeptiert

In den USA liest man immer wieder Erfolgsgeschichten von Menschen, die erst gescheitert sind und dann doch noch Erfolg hatten.

Wenn man in Deutschland sein Studium abgebrochen hat und dann ein weiteres Studium erfolgreich abschließt, wird man dennoch nicht zu Vorstellunsggesprächen eingeladen. Habe das in meinem Bekanntenkreis zu oft erlebt, dass sich Menschen unter Wert verkaufen und Jobs machen, die in keiner Weise ihren Qualifikationen entsprechen.

Ist es nicht eine Stärke wieder aufzustehen nachdem man hingefallen ist? Da müssen Personaler in Deutschland endlich mal umdenken. Vor allem weil die Babyboomer bald in Rente gehen und die geburtenschwachen Jahrgänge die Unis verlassen.

#8 - 15.02.2018, 12:12 von Marc87

Auf der einen Seite gehen die Notendurchschnitte auch im Studium immer weiter nach oben, auf der anderen Seite fühlen sich aber Studenten immer stärker unter Druck gesetzt. Das hat nix mit dem IQ oder sonstwas zu tun, sondern vor allem mit zwei Dingen:

1) Akademische Fragestellungen sind nicht für jeden etwas. Es ist eigentlich aburd anzunehmen, dass ein Großteil der deutschen Interesse an wissenschaftlichen Modellen hat. Vielmehr sind vermutlich mehr Leute mit praktischen Arbeiten glücklicher (Im Informatikstudium beschäftigt man sich mehr mit formellen Sachen anstatt mal irgenetwas Produktives zu machen). Aber vor ein paar Jahren wurde einem noch erzählt, dass man ohne Studium im Leben nix erreichen kann. Inzwischen ist sich diese Sichtweise aber zum Glück wieder am verändern.

2) Gerade in Sozialwissenschaftlichen Studiengängen kommt man sehr leicht rein, aber hat eine große Unsicherheit wie es weitergeht. Masterplatz? Ungewiss! Was macht man nachm Studium? Unklar! Teilweise ist es sogar mühsam ein Praktikum zu finden, da man halt nur wenig lernt, was man direkt anwenden kann. Was man dann halt macht: Man versucht zu den besten 10 Prozent zu gehören und noch weitere Pluspunkte zu sammeln. Gegen diesen mentalen Stress sind 10 Stunden am Tag arbeiten in nem gesicherten Beruf halt gar nix.

#9 - 15.02.2018, 12:22 von andreas_stöber

Kommetar 2

Ich finde Kommentar 2 hat es perfekt zusammengefasst. Das habe ich auch so in meinem Studium erlebt. Der Bachelor war aufgrund eines dualen studiums an einer Privatuni, der Master an einer öffentlichen.

Obwohl der Inhalt derselbe war, haben sich einige Kommilitonen völlig verrückt gemacht, wenn es zu Abgabeterminen oder Klausurterminen kam. Das Resultat war meistens erschreckend ähnlich zu denen die die Vorbereitung völlig gelassen angegangen sind.

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