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Gesetzentwurf: Psychotherapie soll eigenes Studienfach werden

Getty Images Die Ausbildung zum Psychotherapeuten ist aufwendig und teuer. Das soll sich ändern. Nach Plänen des Gesundheitsministers könnte es schon bald einen eigenen Studiengang geben.
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#1 - 05.01.2019, 21:18 von ziehenimbein

Dieser Herr Spahn!

Man kann von Herrn Spahn ja halten was man will, aber dass er seinen Job nicht macht, kann man ihm sicher nicht vorwerfen. Wenn durch den weiteren Studiengang auch der NC wegfällt oder sinkt, ums besser. Es kann doch nicht angehen, dass man nur Psycholge werden kann wenn der Schnitt besser als 1,3 ist. Irgendwann gibte es nur noch Ärzte und Psycholgen aus Thüringen, wo jeder sechste Abiturient einen schnitt von 1,5 oder besser hat.

#2 - 05.01.2019, 21:41 von gerd33

Wie bitte?

Ein 5-jähriges Hochschulstudium scheint hier doch etwas überzogen.
Habe mal dieWeiterbildungsordnung der Ärztkammer Nordrhein zum Facharzt für Psychotherapie mit reinkopiert.

Psychotherapie
- 100 Stunden Seminare, Kurse, Praktika und Fallseminare über theoretische Grundlagen der Psychotherapie insbesondere allgemeine und spezielle Neurosenlehre, Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie, Lernpsychologie und Tiefenpsychologie, Dynamik von Gruppe und Familie, Gesprächstherapie, Psychosomatik,
entwicklungsgeschichtliche, lerngeschichtliche und sychodynamische Aspekte, Persönlichkeitsstörungen, Psychosen, Suchterkrankungen und Alterserkrankungen
- 16 Doppelstunden autogenes Training oder progressive Muskelentspannung oder Hypnose
- 10 Stunden Seminar und 6 Behandlungen unter Supervision
in Kriseninterventionen, supportive Verfahren und Beratung
- 10 Stunden Seminar in psychiatrisch-psychotherapeutis
cher Konsil- und Liaisonarbeit unter Supervision
- 240 Therapie-Stunden mit Supervision nach jeder vier
ten Stunde entweder in Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie bzw. in wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren und Methoden im gesamten Bereich psychischer Erkrankungen einschließlich Suchterkrankungen, bei denen die Psychotherapie im Vordergrund des Behandlungsspektrums steht, z. B. bei Patienten mit Schizophre-
nien, affektiven Erkrankungen, Angst- und Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen und Suchterkrankungen

Selbsterfahrung
- 35 Doppelstunden Balintgruppenarbeit oder interaktionsbezogene Fallarbeit
- 150 Stunden Einzel- und Gruppenselbsterfahrung entweder in Verh
altenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie bzw. in einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren. Die Selbsterfahrung muss im gleichen Verfahren erfolgen, in welchem auch die 240 Psychotherapiestunden geleistet werden.


Psychotherapie lernt man nicht auf der Universität, sondern wohl eher in der täglichen Praxis als angestellter Weiterbildungsassistent in Klinik und Praxis.
5 Jahre Hörsaal und Seminare bereiten keineswegs auf die anfallenden Patientenkontakte vor.

#3 - 05.01.2019, 22:43 von Zaunsfeld

Zitat von ziehenimbein
Man kann von Herrn Spahn ja halten was man will, aber dass er seinen Job nicht macht, kann man ihm sicher nicht vorwerfen. Wenn durch den weiteren Studiengang auch der NC wegfällt oder sinkt, ums besser. Es kann doch nicht angehen, dass man nur Psycholge werden kann wenn der Schnitt besser als 1,3 ist. Irgendwann gibte es nur noch Ärzte und Psycholgen aus Thüringen, wo jeder sechste Abiturient einen schnitt von 1,5 oder besser hat.
Wäre doch keine schlechte Entwicklung. Immerhin ist Thüringen neben Sachsen und Bayern in sämtlichen Bildungs-Rankings, PISA-Studien, nationalen Vergleichstests etc. immer auf den vorderen 3 Plätzen. Und diese Vergleichs-Tests wie PISA sind völlig unabhängig von den Notengebungen in den einzelnen Bundesländern.

#4 - 05.01.2019, 22:57 von g.eliot

Wie sieht es denn aus, wenn z.B. ein Diplom-Psychologe oder Master Psychologie mit einem abgeschlossenen Studien eine Therapieausbildung nachholen möchte? Muss er/sie dann nach dem langen Studium noch mal volle fünf Jahre weiter studieren? Das scheine mir ziemlich übertrieben und auch ungerecht.

#5 - 06.01.2019, 00:43 von boony

alter Käse

Psychotherapie ist eine Auslaufstory in den angloamerikanischen Ländern. das ist hierzulande völlig überbewertet. Die Basis der Psychotherapie sind keine vernünftigen modernen Studien. Vuel basiert auf Fallbeobachtungen wie beim alten Siegmund. Es als Studienfach einzutichten, passt nach Deutschland, weil man hier gerne 10-15 Jahre später kapiert, ob so etwas Sinn gibt. Forget it Spahn.

#6 - 06.01.2019, 02:47 von flow-tschi

Der liebe

Herr Spahn sollte sich mal lieber darum kümmern, dass die KV im Sinne der Leidenden mehr Sitze finanziert und für die Helfenden die Ausbildung zum PT besser vergütet wird! Das letzte was es braucht ist eine Flut von akademischen Psychotherapeuten die theoretisch gelernt haben zu therapieren und praktisch von ihrer Arbeit keinen Plan haben. Wieviel pädagogische und didaktische Inhalte lernen nochmal angehende Gymnasiallehrer im Studium? Ach ja: null! Und weil das so ein tolles Prinzip ist, übertragen wir das doch gleich auf die PT! Viel Spaß dann mit der neuen verschulten Generation von PT... Aber stimmt ja: Herr Spahn möchte gleichzeitig "Experten" im Vorfeld einer Therapie entscheiden lassen ob, wie, wann und bei wem ein potentieller Patient eine Therapie bekommt. Das macht dann wiederum Sinn, denn die neue Generation an PT soll wohl nicht mehr zu Experten ausgebildet werden. Bravo, Herr Gesundheitsminister!

#7 - 06.01.2019, 08:54 von zoon.politicon

Neu geordneter Studiengang, Überwindung des "Schulenstreits" nötig

Zitat von gerd33
Ein 5-jähriges Hochschulstudium scheint hier doch etwas überzogen. Psychotherapie lernt man nicht auf der Universität, sondern wohl eher in der täglichen Praxis als angestellter Weiterbildungsassistent in Klinik und Praxis. 5 Jahre Hörsaal und Seminare bereiten keineswegs auf die anfallenden Patientenkontakte vor.
Als jemand, der nach Abschluß von Medizin und Psychologie im Hauptfach - mit Psychotherapie-Ausbildungs-Seminaren und Dissertation im Bereich Psychotherapie/Psychosomatik auf der Uni (VT, GT, PA) - Berufs-begleitend ausser-universitär nach den Richtlinien der GWG, der DGVT und analytischen Instituten zunächst den Zusatz "Psychotherapie", dann einen Facharzt für psychosomatische und Psxchotherapeutische Medizin erworben hat, habe ich den Schulen-Streit in der Psychotherapie hautnah bis "unter die Haut gehend" erlebt und möchte ich folgendes anmerken:
Es braucht natürlich eine Kombination von Studium und Berufs-begleitender Einführung in die Praxis, da das Feld "Psychotherapie" hoch-komplex ist.
Bei der erforderlichen Neuordnung eines solchen Ausbildungsganges müßte vor allem der Streit zwischen den verschiedenen psychotherapeutischen Schulen und - aktuell gut verdienenden - Ausbildungsinstituten (u. Psychiatrie) überwunden werden. Schon bei der Entwicklung eines Ausbildungsganges Psychotherapie dürfte mit heftigen Kämpfen zwischen diesen aktuell die Psychotherapie-Ausbildung durchführenden Institutionen / ("Interessen"-) Gruppen / Schulen zu rechnen sein.
Eine Mammut-Aufgabe, das hinzukriegen, zumal der allen Menschen eigene "Narzissmus" eben auch Psychotherapeuten bzw. psychotherapeutischen Schulen nicht fremd ist. Und: wer soll/ kann die Entwicklung dieses neuen Ausbildungsweges Psychotheraie moderieren? Ein Herr Spahn gewiss nicht.

#8 - 06.01.2019, 10:21 von fuchsi

@flow-tschi

Bitte informieren Sie sich richtig, der Anteil pädagogischer und didaktischer Inhalte im Studium für das Gymnasiallehramt beträgt nicht null, sondern macht doch durchaus einen respektablen Prozentsatz aus, je nach Bundesland variabel, jedoch niemals null. Sie orientieren sich vermutlich am vergangenen Jahrhundert, aber dieser Aspekt des Studiums ist längst reformiert. Spahns Pläne für die Psychtherapeutenausbildung scheinen sich an der für die Lehrämter zu orientieren, die anschließende Praxisphase ähnelt einem Referendariat, das es ja auch für Juristen gibt. Das muss nicht schlecht sein, es könnte sich bewähren.

#9 - 06.01.2019, 11:08 von ancoats

Zitat von Zaunsfeld
Wäre doch keine schlechte Entwicklung. Immerhin ist Thüringen neben Sachsen und Bayern in sämtlichen Bildungs-Rankings, PISA-Studien, nationalen Vergleichstests etc. immer auf den vorderen 3 Plätzen. Und diese Vergleichs-Tests wie PISA sind völlig unabhängig von den Notengebungen in den einzelnen Bundesländern.
Mag ja sein, aber der Notendurchschnitt ist mindestens heutzutage allenfalls ein schwacher Indikator für die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken und Arbeiten - und erst recht für soziale und kommunikative Skills. Letztere würde ich bei Medizinern und ganz besonders im psychologischen/psychotherapeutischen Bereich allerdings weitaus höher bewerten als die allgemeine Kunst, den Schulunterrrichtserwartungen perfekt zu entsprechen.

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