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Leben und Lernen

Lehrergeständnisse: "Lasst mehr Stunden ausfallen!"

DPA Vertretungsstunden in der Schule sind Quatsch, sagt unser Autor. Er muss es wissen, schließlich ist er selbst Lehrer - und fordert von Kollegen und Eltern mehr Mut zum Unterrichtsausfall.
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#1 - 15.10.2018, 14:32 von scgtef

An der Grundschule machen Vertretungsstunden immer Sinn.

Zumindest in Bayern, da liegt immer ein sog. Wochenplan auf dem Tisch und der Vertretungslehrer kann einfach weiter machen. An der Grundschule arbeiten in Bayern nur Lehrer, die für die Kernfächer ausgebildet sind. Trotzdem, besser als Lehrer aus dem eigenen Haus sind sog. mobile Reserven, die keine eigene Klasse haben. Sonst müssen nämlich häufig Förderstunden für die Schwächsten ausfallen, das gibt es leider viel zu oft.

#2 - 15.10.2018, 14:33 von Nania

Ich finde, dass der Lehrer hier vollkommen Recht hat. Das Absitzen einer Vertretungsstunde, obwohl danach Schulschluss ist, war schon vor 15 und mehr Jahren lächerlich, die meisten Stunden wurden auch durch Lehrer durchgeführt, die die Klasse nicht kannten und daher natürlich auch nicht wussten, wie weit man gerade im Stoff ist. Auf den Schulhof durften wir natürlich nicht - man hätte die anderen Klassen ja gestört. Selbst auf den Schulhof nicht, an den ganze zwei Unterrichtsräume angrenzten, die im Grunde nie genutzt wurden.

Wir sollten natürlich über den Lehrermangel reden. Aber fachgerechter Unterricht mit einem vernünftigen Inhalt ist in unserem aktuellen System einfach nicht machbar. Wieso also unnötig Schüler und Lehrer verärgern/nerven/anöden/suchen-Sie-sich-was-aus?

Eine Ausnahme gilt für Vertretungsstunden, die durch Klassen- oder Kurslehrer durchgeführt werden können. Dann besteht meistens die Möglichkeit - zumindest bei etwas älteren SchülerInnen - eine erste oder letzte Stunde im Laufe der nächsten Woche ausfallen zu lassen. Oder aber man hat halt eine Woche eine Stunde mehr Englisch.

#3 - 15.10.2018, 14:34 von emd

Gar keine Schule mehr

Na, das hieße ja in letzter Konsequenz, daß man komplett auf die Schule verzichten kann, wenn man den Kindern mehr Zeit für andere Dinge gönnen soll.
Dann muß der werte Herr Lehrer auch keine zermürbenden und kräftezehrenden Vertretungsstunden mehr leisten.

#4 - 15.10.2018, 14:37 von wauz

Vertretungsstunden sind Symptom eines falschen Modells

Deutschland hat einen einzigen Unterrichtsstil: den lehrerzentrierten Unterricht. Lernen, so meint man (fälschlich), sei nur möglich, wenn da einer zwischen Pult und Tafel den Kasper gibt.
Das ist zweifach falsch: erstens kann dieses Modell sogar funktionieren, wenn der "Lehrer" gar keiner ist, sondern ein engagierter Klassenkamerad, zweitens gibt es andere Formen der Gruppenarbeit, die ich funktionieren.
Gruppenarbeit funktioniert natürlich nicht notwendigerweise spontan. Da sie aber nirgends irgendwo vorbereitet und gelehrt wird, behaupten Lehrer als angebliche Fachleute, dass es nicht möglich sei.
Wenn das so stimmte, hätte es vor Bologna auch keine Unis geben dürfen...

#5 - 15.10.2018, 14:40 von Danares

Themeneinarbeitung

Wenn Fachkollegen sich extra noch in Themen einarbeiten müssen, die eigentlich während des Studiengangs dran gewesen wären, dann kann ich die Misere verstehen. Pädagogik alleine reicht eben doch nicht aus, ohne das Fachwissen ist man nichts weiter als ein besserer Vorleser.

#6 - 15.10.2018, 14:41 von Nania

Zitat von PeterMüller
Nach wochenlangen Urlauben müssen Sie mal 6 Wochen arbeiten, um dann wieder für ein bis zwei Wochen Urlaub zu machen. Und was ist? Sie sind überlastet. Einfach, weil sie mal ihren Job machen müssen, der auch noch sehr gut bezahlt wird (DAS sei ihnen gegönnt!), einfach, weil sie unter dem "Druck" zusammenbrechen... Wie unsere Lehrer das nur ausgehalten haben, seinerzeit, als es noch kaum Unterrichtsausfall gab und man nicht mit jedem Wehwehchen gleich zu Hause blieb, als die Klassengrößen noch bei uns 27 Schüler betrug...
1. Lehrer haben keine sechs Wochen Urlaub. Da ist schlicht eine falsche Annahme, die lediglich manchmal für ältere Lehrer zutrifft, die wenig bis gar keine Vorbereitung mehr leisten müssen. Alle (!) Junglehrer, die ich kenne, haben deutlich weniger Zeit, auch in den Ferien nicht.

2. LehrerInnen können keine Überstunden abbauen. Sie sammeln sie aber durch Vertretungsstunden, Elternsprechtage, Besprechungen, Arbeit am heimischen Schreibtisch usw. in hohem Maße an - das unterschätzt man als Außenstehender schnell. Und da Lehrer keine Möglichkeit haben, Überstunden abzubauen, sind die "langen" Ferien dafür ein Ausgleich.

3. Es geht in diesem Artikel nicht im Wesentlichen um die Überarbeitung von Lehrern - wenngleich das auch ein Thema ist - sondern um die Sinnhaftigkeit von Vertretungsstunden.
Man könnte nämlich auch überlegen, ob es für den Lehrer/die Lehrerin nicht sinnvollere Tätigkeiten gäbe und für die Schüler sowieso.

4. Nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer werden Schultage immer länger. Ich habe lieber einen frischen, "ausgeschlafenen" Lehrer/eine Lehrerin in der Schulklasse sitzen als jemanden, der schon bis in die 8. Stunde (in der Oberstufe ganz normal) durchgehend Unterricht hatte. Weil die dringend nötige Pause wegen einer sinnfreien Vertretungsstunde in der fünften Stunde weggefallen ist.

#7 - 15.10.2018, 14:42 von cyoulater

Vertane Zeit muss nicht sein

Am Gymnasium meiner Kinder gab es für jedes Fach Arbeitsmaterialien für Vertretungsfälle - ja, das machte der Schule bei der Erstellung Arbeit, aber es bewirkte, dass die Kinder sinnvoll mit Arbeitsaufträgen zum laufenden Thema beschäftigt werden konnten. Das hat nicht immer, aber sehr oft sehr gut geklappt. Es muss ja gar nicht sein, dass ein/e KollegIn den Unterricht übernimmt, d.h. inhaltlich weiterführt. Es reicht aus, wenn die SchülerInnen sich thematisch mit dem Stoff beschäftigen. Manchmal durften sie auch aktuelle Hausaufgaben des Tages in diesen Vertretungsstunden machen, auch das war nicht die schlechteste Lösung.

#8 - 15.10.2018, 14:44 von grotefend

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal...

Zitat von PeterMüller
Nach wochenlangen Urlauben müssen Sie mal 6 Wochen arbeiten, um dann wieder für ein bis zwei Wochen Urlaub zu machen. Und was ist? Sie sind überlastet. Einfach, weil sie mal ihren Job machen müssen, der auch noch sehr gut bezahlt wird (DAS sei ihnen gegönnt!), einfach, weil sie unter dem "Druck" zusammenbrechen... Wie unsere Lehrer das nur ausgehalten haben, seinerzeit, als es noch kaum Unterrichtsausfall gab und man nicht mit jedem Wehwehchen gleich zu Hause blieb, als die Klassengrößen noch bei uns 27 Schüler betrug...
Da kommen sie wider aus ihren Löchern gekrochen, die Schlaumeier, die sich bestens in unserem Schulsystem auskennen, nur weil sie vor Jahrzehnten mal ein paar Jahre die Schulbank gedrückt haben. Denen sei aber gesagt: der obige Kommentar ist einfach nur blanker Unsinn!
Schauen Sie sich die etlichen Lehrerarbeitsstudien an. Die kommen unisono zu dem Ergebnis, dass die Lehrerarbeitszeit im Schnitt über 40 Stunden/Woche liegt - und das ferienbereinigt! Und in der Tat ist es so, dass etliche Kollegen Stunden von schwangeren oder erkrankten Kollegen übernehmen, ohne dafür bezahlt zu werden. Das ist nunmal die Realität, nicht aber das Stammtisch-Geschwätz, das hier vom Stapel gelassen wird.

#9 - 15.10.2018, 14:45 von supergrobi123

Noch besserer Vorschlag:

Macht einen sinnvollen Plan für Vertretungsstunden. Fächerübergreifende Aufgaben. Sonderprojekte. All die Themen könnten behandelt werden, für die sonst so wenig Zeit bleibt. Es kann doch wirklich nicht wahr sein, dass ein studierter Pädagoge in gewisser Regelmäßigkeit Zeit für Unterricht mit Schülern erhält, und jedesmal unvorbereitet keine Ahnung hat, was er da nun sinnvolles draus machen könnte! Und in Ermangelung dieser Berufsgrundlagen fordert er gar Freizeit für alle? Uff!

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