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Entstehung eines modernen Gefühls: Weltschmerz 2.1

AFP Woche für Woche kommentiert unser Kolumnist Sascha Lobo das Weltgeschehen aus digitaler Perspektive. Je länger er schreibt, desto größer wird sein Gefühl, die Welt sei aus den Fugen geraten. Nun möchte er wissen: Kennen Sie das auch?
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#1 - 12.09.2019, 14:06 von felisconcolor

Ganz so

pessimistisch möchte ich es nicht sehen. Die Welt an sich dreht sich einfach weiter. Nur die Knallköpfe (die es eigentlich schon immer gab) sind etwas lauter und heftiger geworden und treten dadurch und durch die digitale Welt schneller und öffentlichkeitswirksamer in Erscheinung. Was allerdings fehlt ist der Ausgleich. Und gerade Europa hätte hier gute Chancen mal Kante zu zeigen. und da sollte es egal sein ob ein Herr Trump rum spinnt, ein Herr Putin mit einem Großrussland liebäugelt oder ein brasilianischer Präsident seinen Urwald abfackelt. Wir machen uns damit kleiner als wir sind. Ein klares Nein mit entsprechenden Folgen holt manchen Deppen auch wieder zurück auf den Teppich. Da sollten wir keine Tabus haben. Ansonsten halte ich es mit meinem Lieblingsglückskeksspruch: Sei lieber ein Optimist und ein Trottel als ein Pessimist der Recht hat. Also Kopf hoch Sascha alles halb so wild.

#2 - 12.09.2019, 14:06 von Margaretefan

Echt jetzt?

Ein ganzer Artikel, bei dem es unterm Strich nur um Werbung für ein Buch geht, wow...

#3 - 12.09.2019, 14:13 von langowicz

Hysterie

Ich störe mich sehr daran, dass jedes Thema mit einer gewissen Hysterie und Ideologie behandelt wird. Auch hier im Spon Forum. Und da bin ich anderer Meinung als Sascha Lobo. Ich denke etwas Coolness und Gelassenheit bei gleichzeitiger Arbeit an den Themen täte uns allen und insbesondere der Politik sehr gut.
Bsp.: Zeitarbeit. Nächstes Jahr soll das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (betrifft rund 1. Mio. Beschäftigte) vom Bundestag neu bewertet werden. Mit Linken, Grünen, AfD und Teilen der SPD gäbe es eine knappe Mehrheit gegen Zeitarbeit. Aber durch besagte Hysterie ist die AfD mehr oder weniger isoliert, gleichzeitig legt die AfD keinen Wert darauf mit anderen Fraktionen zusammenzuarbeiten und so ist die besagte Mehrheit gegen Zeitarbeit unmöglich. Ich persönlich lehne das Weltbild der AfD ab. ABER es muss einen gemeinsamen Gesprächskanal geben, um bei gemeinsamen Zielen, Arbeits- und Mehrheitsfähig zu sein. Das ist wichtig für unsere Demokratie und unsere Gesellschaft. Denn wenn linke und rechte Gemeinsamkeiten bei einzelnen Themen erkennen, die es absolut gibt, schüttet das auch etwas die Gräben zu und wirkt einer Spaltung der Gesellschaft entgegen.

#4 - 12.09.2019, 14:14 von rocklobster68

Weltschmerz 4.0

Angesichts des omnipräsenten Wahnsinns und der grenzenlosen Gier, Dummheit und Ignoranz der Menschheit bin ich schon bei Weltschmerz 4.0 angekommen. Spätestens seit der Regenwald in Brasilien nun wohl komplett abgefackelt wird, habe ich keine Hoffnung mehr. Keine Illusionen. Nicht einmal mehr Träume. Nur noch Albträume. Dennoch werde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen...

#5 - 12.09.2019, 14:22 von Sascha Lobo

Pessimismus

Zitat von felisconcolor
pessimistisch möchte ich es nicht sehen. …Also Kopf hoch Sascha alles halb so wild.
Also, als pessimistisch empfinde ich mich nicht. Im Gegenteil ist "Realitätsschock" auch ein Konzept, um Optimist zu bleiben –obwohl eine ganze Reihe von schwierig begreifbaren und bedrohlichen Dingen geschehen. Und "alles halb so wild", das ist mir ehrlich gesagt nicht ehrlich genug mit dem gegenwärtigen Zustand der Welt, Stichwort: Klimawandel. Greta sagt ja sogar, dass wir gefälligst Panik haben sollten, so weit würde ich nicht gehen, aber wenn man sich zu sehr selbst beruhigt, dann ist das nur ein Schrittchen entfernt vom Nichtstun. Und das wiederum finde ich inakzeptabel.

#6 - 12.09.2019, 14:22 von arlteagan

Ein guter

Text mit interessantem Inhalt, den ich gerne gelesen habe. Passend dazu nun - um das allgemeine Weltschmerzgefühl in Zukunft vielleicht wieder zu lindern - der Gastbeitrag „Progressive Politik“ vom 08.09. hier auf SpiegelOnline. Dann vielleicht noch ein neues System (z.B. Demarchie in einer gut ausgearbeiteten Form), und alles kann ganz schnell ganz anders werden. Um weitere Sprichwörter/Zitate zu bemühen: „Allein mir fehlt der Glaube“, aber „die Hoffnung stirbt zuletzt“. Schön wäre es zweifellos.

#7 - 12.09.2019, 14:24 von dr._agan

Politiker als Selbstverwalter

Ja, diesen Weltschmerz kenne ich auch. Es gibt Themen die mir die Tränen in die Augen treiben, weil sie von der Politik nicht angegangen werden, oder wenn doch, dann in einer Weise die keine Lösung darstellt. Der Klimawandel ist etwas was seit Jahren von der Politik immer wieder diskutiert wird und jede Lösung die unbequem ist mit dem Hinweis zu teuer oder Wegfall von Arbeitsplätzen abgeschmettert wird. Als Beispiel die Steuer auf Diesel, welche niedriger ist als auf Benzin. Statt diese gleitend über 5 Jahre anzugleichen, beginnend mit dem Jahr von Dieselgate, wird mit den deutschen Arbeitsplätzen bei Spediteuren gegengehalten, welche dadurch wegfallen würden. Oder ein Tempolimit, welches bei steigender Zahl von e-autos sowieso adäquat wäre in Sinne von Energieeinsparung, wird mit sinnfreien Argumenten von Politikern abgeschmettert. Die Politik in Deutschland ist nicht mehr dem Populus verpflichtet, sondern der Industrie. Dies sieht man auch an der Zersplitterung der Parteien. Solange die Politik nur in ihrem eigenen Überleben ihren Zweck sieht, wird sich nichts ändern. Ich bin mittlerweile Protestwähler, aber das scheinen die Parteien an der Macht nicht zu verstehen. Ihre sinkende Wählerschaft verstehen Sie nicht als Kritik an ihrer Arbeit, sondern als Rechtsruck der Gesellschaft. Leider, leider habe ich auch keine Lösung zu den heutigen Problemen, aber die Politik auch nicht. Vielleicht doch eine künstliche Intelligenz an die Macht?

#8 - 12.09.2019, 14:26 von Sascha Lobo

Naja.

Zitat von Margaretefan
Ein ganzer Artikel, bei dem es unterm Strich nur um Werbung für ein Buch geht, wow...
Gut, kann man so sehen –meine Perspektive wäre aber eher: die regelmäßigen LeserInnen meiner Kolumne hier konnten schon seit Jahren eine Entwicklung erkennen. Die KommenatorInnen erwähne ich nicht zufällig, die haben ebenso einen Anteil, keinen geringen. Das Buch ist tatsächlich der (vorläufige) Endpunkt dieser Entwicklung, daher fanden wir das legitim. Es ist übrigens nicht allein meine ganz persönliche Entwicklung, da müsste ich kein Buch drüber schreiben, sondern eher der Versuch, für eine neue Wahrnehmung der Welt eine Klammer zu finden. Shit, die Welt war anders als gedacht oder erhofft.

#9 - 12.09.2019, 14:28 von senkfuss

Realitätsschock?

Ich will Ihnen verraten, was mein persönlicher Realitätsschock war. Vor einiger Zeit habe ich versucht meinem Sohn zu erklären, daß er später, wenn er groß ist, Probleme haben wird die "Wahrheit" zu erkennen. Um ihm ein Beispiel zu liefern habe ich mich im Internet und in den anderen Medien auf die Suche gemacht. Das Ergebniss war eine Offenbarung. Die "Wahrheit" ist schon heute kaum noch zu erkenne. "Soziale" Medien werden massiv zensiert. "Nachrichten" sind nur noch Echos großer Nachrichtenagenturen die nur EINER Wahrheit verpflichtet sind, Nachrichtensprecher nur Sprechpuppen nordatlantischer Interessengruppen. Die Menschen werden gegen einander ausgespielt, ihre Meinungen und Wünsche werden manipuliert. Ein Dialog oder gar eine Diskussion findet nicht mehr statt. Statt dessen wird nieder gebrüllt, beleidigt, diffamiert und gelogen. Das hat weniger mit dem Medium Internet zu tun, sondern vielmehr damit, dass sich Interessengruppen in der öffentlichen Meinung und Politik durchsetzen konnten, denen nichts an Völkerverständigung, Frieden, Wohlstand, intelligenten Menschen und Menschrechten liegt sondern ausschließlich an Macht, Ausbeutung und Profit.

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