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Ein Jahr #MeToo: Die Dunkelfrauen

DPA Viele #MeToo-Verfahren gleichen dem Pranger des Mittelalters, an dem der Delinquent öffentlich ausgestellt wurde. Der wesentliche Unterschied: Der Gepeinigte im Mittelalter konnte denAnklägern ins Gesicht sehen.
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#90 - 11.10.2018, 22:37 von quacochicherichi

Zu Beitrag Nr. 73 veragehlkiel

Ein wundervoller Beitrag. Männer lest diesen Text und reagiert in der Männerrunde entsprechend, wenn einer der sabbernden Idioten wieder so eine plumpe Wette einbringt. Klar, die anderen werden sich zunächst vielleicht wundern das ihr nicht mitsabbert. Aber sobald ihr die Gruppendynamik aufgebrochen habt, werdet ihr sehen das ihr nicht die einzigen seid, die solches Verhalten unterirdisch finden. Ich liebe Frauen und flirte gern mit Ihnen, besonders wenn sie intelligent, witzig, schlagfertig, nicht hochnäsig, elegant in Ausdruck und Aussehen sind. Manchmal ist der Flirt der beste Teil, denn den kann man eigentlich immer ohne Reue wiederholen. @veragehlkiel: Ich habe keine Ahnung wofür Sie sich hätten schämen sollen.

#91 - 11.10.2018, 22:48 von fatal.justice

Und?

Zitat von mother_sky
Sagen Ihnen die Namen Jörg Kachelmann, Kevin Spacey und Dieter Wedel etwas? Kachelmann gelang es, das angebliche Opfer der Lüge zu überführen. Dennoch ist der Wetterfrosch - besudelt und gebrandmarkt auf ewig und immer - weg vom Fenster. Spacey, bekannt vor allem durch die Serie "House of Cards", wurde, wie der "Spiegel" schrieb, nahezu ausgelöscht. Und Wedel wird von keinem TV-Sender mehr als Regisseur engagiert werden. Diese drei Beispiele zeigen, wie leicht es ist, auf eine bloße Anschuldigung hin einen Menschen zu vernichten, noch bevor das Gericht seine Schuld oder Unschuld festgestellt hat. - Willkommen in der Wirklichkeit!
Wie möchten Sie das Unheil verhindert wissen? Dass die (möglichen) Opfer still schweigen? Darf man sich jetzt nicht mehr melden, wenn man missbraucht wurde, weil dem Täter Ungemach droht? Woran möchten gerade Sie denn festmachen, welche Vorwürfe berechtigt sind, und welche nicht? 3, 5, 10 Jahre oder mehr - ab welchem Zeitpunkt darf man denn keine Gerechtigkeit mehr einfordern? Ist es so, dass hier noch immer die Beweislast beim Opfer liegt? Jedes Missbrauchsopfer rennt natürlich am nächsten Morgen zum Gynäkologen, um sich zu ENTSCHULDIGEN. Für etwas, das es nicht getan hat. In welcher Welt leben Sie denn?

#92 - 11.10.2018, 23:37 von freeclimber

Es ist ungesetzlich!

Im Musterfall Weinstein rudert die Staatsanwaltschaft bereits zurück. Mal sehen, was passiert, wenn der Mann freigesprochen wird. Wie geht es dann mit denjenigen weiter, die ohne Belege zu liefern beschuldigt haben? Was hier zulande unter dem Stichwort Verleumdung strafbar ist, wird in den USA zivilrechtlich gelöst. Und das wird mangels Beweisbarkeit der Anschuldigungen richtig teuer. Und für die tatsächlich richtigen Ziele der Bewegung wird das dann ein Bärendienst. Leider! Aber Selbstjustiz - und nichts anderes ist diese massenhafte Vorverurteilung - muss geahndet werden.

#93 - 11.10.2018, 23:41 von hpkeul

Sicher, in Teilen eine bizarre Entwicklung

Aber machen wir uns nichts vor, der Übergriff ist/war schon ziemlich alltäglich. Der verbale sowieso, der körperliche auch häufig genug. Wahrscheinlich im akademisch-feministischen Umfeld von Jan Fleischhauer möglicherweise seltener. Die Sache mit der Beweislast ist so alt wie der Sex als solcher. Wird immer problematisch bleiben. Aber es gab speziell im Mutterland von MEETOO Verwaltigungsprozesse in denen Frauen nachweisen sollten, dass Sie nicht den Eindruck gemacht haben, dass sie nicht wollten. Oder sich nicht genügend gewehrt haben. Aber ich glaube, dass der aller größte Teil der Frauen mit dem Thema recht entspannt umgehen. Jedenfalls in meinem sozialen Umfeld. Wunderbares Buch dazu: Sex uns Lügen von Slimani

#94 - 11.10.2018, 23:41 von sonnenwind2

Wer von den "Metoo"- kritischen bis verurteilenden Kommentatorinnen und Kommentatoren hat bereits einen Fall begleitet, indem eine Kollegin sich über ungebührliches Grapschen/ offen sexistisches Verhalten im Arbeitsumfeld beschwert hat und versuchte, dagegen vorzugehen?
Folgendes passiert bei vermutlich der absoluten Mehrheit deutscher Arbeitsstellen:
1. Ansprechpartner/in unklar: Möchte ich mit meinem männlichen Vorgesetzten darüber sprechen, dass sein Kollege mir an die Brust gefasst hat und ich mir gerade vorkam, wie ein Stück Dreck, sich mir der Kopf dreht, ich völlig überfordert bin, weinen möchte, ihm eine reinhauen wollte, der Mensch aber der Projektleiter meines so ersehnten Projektes ist, über die Verlängerung meines Vertrages mitentscheidet und ich alle diese Punkte nicht in Sekunden klären konnte und deswegen einfach nur völlig erstarrt dastand und gar nichts tun konnte und mich nun umso schlechter fühle? Und der Busengrapscher sowieso inzwischen 100 m weiter ist und ich noch gelähmt dastehe und nicht weiß, was ich tun kann. Will ich und kann ich das meinem männlichen Vorgesetzten schildern, der jeden Mittag mit dem Busengrapscher zu Mittag isst?

2. Tue ich es dennoch, ist die Führungskraft überfordert und weiß nicht, wie damit umzugehen ist. Erster Versuch: Sie haben da bestimmt etwas "falsch verstanden". Meist wird die Wahrnehmung der betroffenen Person angezweifelt. Ganz freundschaftlich natürlich und weil man größeren Schaden von ihr abwenden möchte, falls sie solch eine Behauptung äußert.

4. Sollte es eine unabhängige Stelle geben, an die die betroffene Person sich mit Versicherung der Anonymität wenden kann, gibt es meist keine Prozessstandards. Wissen Sie, liebe Kritikerinnen und Kritiker, wie der Ablauf in Ihrem Unternehmen genau ist? Gibt es den überhaupt? Oder bleibt das Vorgehen wie fast überall, der Empathie und Führungsstärke jeder einzelnen Führungskraft überlassen?

5. Da ich in einer solchen Stelle gearbeitet habe, weiß ich, welche enormen Hürden Frauen haben, Vorfälle, die tagtäglich passieren, zumindest intern anzeigen. Die Täter sind immer in vergleichsweisen Machtpositionen, da geht es um die Stelle, Karrieren, die bei den Opfern auf dem Spiel stehen, um deren Ruf, der subtil zunichte gemacht wird, um Spießrutenlaufen, ausgerufen von Seilschaften, die sich gegen die Anklägerin verbünden. Da hält "man" halt zusammen. Kann ja jeder mal in solch eine Situation kommen oder auch auf einfach nur um "wer ist wichtiger".

6. Nur die betroffene Person kann entscheiden, ob sie die Kraft für ein Klage aufbringt. Verteidigungsstrategie ist meist Rufschädigung, Bezichtigung zur Lüge, etc. Die Erniedrigung und Demütigung des sexuellen Übergriffs wird neu erlebt und führt zur Re-Traumatisierung!

Die Macht des Wegsehens und Nichtwahrhaben Wollens der hier Kommentierenden, zum Thema: „sexuelle Macht gegen Abhängige“ ist erschütternd.

Wer etwas tun möchte, sollte HINSCHAUEN, Äußerungen ernst nehmen, aufhören zu beschwichtigen und in Stereotypen zu denken!

#95 - 12.10.2018, 00:20 von im_ernst_56

Mich hat an #metoo immer gestört, dass die Beschuldigungen häufig erst nach sehr langer Zeit erhoben wurden, so als wirke die mit dem sexuellen Übergriff einher gehende Traumatisierung zwangsläufig so lange nach, dass es den Frauen nicht möglich ist, den Übergriff früher zur Anzeige zu bringen oder öffentlich zu machen. Mir fällt aus meiner Referendarzeit ein Fall aus den 1980er Jahren (also lange vor #metoo) ein, der zeigt, dass es auch anders geht: Der Täter steigt durch ein offenes Fenster einer Frau ein und zwingt sie zum Sex. Die Frau erweckt bei dem Täter den Eindruck, es habe ihr Spaß gemacht und verabredet sich für den nächsten Tag. Danach geht sie zur Ärztin und mit dieser zur Polizei. Als der Täter am nächsten Tag erneut erscheint, wartet schon die Polizei auf ihn und nimmt ihn fest. In der Hauptverhandlung war der Täter geständig und kam mit drei Jahren davon. Natürlich kann man nicht erwarten, dass alle Frauen so kaltblütig sind wie das Opfer in dem Strafverfahren. Aber muss frau so lange warten, dass sich niemand einschließlich des Opfers erinnern kann, wann wo was stattgefunden hat? Ich habe das merkwürdige Gefühl, dass die Beschuldigungen dann erhoben werden, wenn es gerade opportun ist. In vielen Fällen bleibt bei allem Verständnis für das Opfer ein fader Nachgeschmack.

#96 - 12.10.2018, 00:56 von cloeon

#HimToo?

Fleischhauer – und auch andere hier – haben offenbar nicht so recht wahrgenommen, dass #metoo impliziert, dass das Opfer sich outet und einen bestehenden Vorwurf unterstützt. Der Hashtag entstand durch immer mehr Frauen, die öffentlich machten, „#IchAuch“ belästigt oder missbraucht worden zu sein. Dazu muss das Opfer aber eben diese Anonymität verlassen – und dass dies schmerzhaft sein kann, durfte unlängst Frau Blasey-Ford in der Senatsanhörung erfahren. Es ist eben „#IchAuch“ und nicht „#ErAuch“ – und für Ihn gilt (zu Recht, übrigens) die Unschuldsvermutung.
Kurioserweise benennt Fleischhauer selbst in seiner Kolumne keinen konkreten Fall, der seine Vorwürfe maligner und anonymer Beschuldigungen stützen würde. Möglicherweise kennt er einfach keinen.

#97 - 12.10.2018, 02:08 von michi11161

Das Ende des Rechtsstaat.

Die MeToo Debatte ist grundsätzlich richtig und gut.
Es gibt allerdings ein Problem, das ist das aushebeln des Rechtsstaats.
Wer anonym Vorwürfe erhebt und diese Vorwürfe nicht vor einem Gericht nachweisen will oder kann,darf auch keine Verurteilung erwarten.
Schuldig ist man nur wenn man vor einem Gericht verurteilt worden ist. Alles andere ist und wäre Willkür.
Dann fallen wir zurück ins Mittelalter, in revolutionären Zeiten,in Stalinismus,in Faschismus,wo der Vorwurf ausreicht um Existenzen zu vernichten.
Der Rechtsstaat ist Grundlage einer demokratischen Gesellschaft, wer ihn aushebeln will,will die demokratische Gesellschaft und den Rechtsstaat zerstören.
Das sollte allen bewusst sein.

#98 - 12.10.2018, 03:24 von Actionscript

@torrera gestern, 17:12 Uhr, Beitrag 35

Sie kritisieren die #MeToo Bewegung, sind konform mit Herrn F. und schreiben dann:

"Aus meiner Erfahrung melden sich aber gerade hiervon betroffene Frauen viel zu wenig zu Wort. Die Angst hindert sie. Selbiges gilt auch für Gewalt in der Ehe. Mein Fazit ist, daß eher die schweigsamen Frauen ermutigt werden sollten, ihrer Pein ein Ende zu setzen. Die „Damen“ die sich öffentlich lautstark als Opfer positionieren erscheinen mir als Vorbild vollkommen ungeeignet. "

Genau das, was sie hier schreiben, ist der Grund, warum sich Frauen erst Jahre später melden, eben, weil die meisten Frauen Angst haben, die sexuelle Belästigung/Vergewaltigung anzuzeigen. Und der Pein wird im Endeffekt ein Ende gesetzt, wenn man an die Öffentlichkeit geht und ausspricht, was passiert ist als es ewig mit sich rumzutragen. Genau das aber kritisieren sie dann wieder. Sie widersprechen sich mit jedem Satz selber. Sehen sie sich nur an, was mit Prof. Ford passiert ist, als sie öffentlich gegangen ist. Sie kann nicht einmal mehr in ihrem eigenen Haus wohnen.

Und wenn Frauen mit Männern ins Bett gegangen sind, um beruflich weiter zu kommen, so zeigt das wohl eindeutig, dass die Männer, die meist immer noch in den obersten Etagen sitzen, ihre Position sehr schön für ihre eigene Befriedigung und Machtausübung ausgenutzt haben. Die #MeToo Debatte setzt dem jetzt endlich ein Ende.

#99 - 12.10.2018, 07:52 von girge

Anonym ja. Öffentlich nein.

@susanneuser Natürlich dürfen Frauen (und Männer) in entsprechender geschützter Umgebung klagen. Aber die Diskussion sollte dann auch nicht öffentlich werden, solange die gerichtliche Verhandlung darüber nicht abgeschlossen ist.
Sonst ist es ein Pranger und absolut asozial.
Das sollte auch für so prominente Verdachtsfälle wie Ronaldo gelten, lieber Spiegel.

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