Forum
Politik

Holocaust-Überlebender im Bundestag: "Wir alle hoffen, dass Sie weiter für die wahre

REUTERS Bewegender Appell im Bundestag: Deutschland sei ein Bollwerk gegen die Gefahren des Nationalismus, sagte der Holocaust-Überlebende und Historiker Saul Friedländer. Und das Land müsse es unbedingt bleiben.
zum Artikel
Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion im Artikel.
    Seite 2/5    
#10 - 31.01.2019, 13:45 von kritischerkritiker

Meine Güte...

..haben hier wieder alle Schaum vor dem Mund.
Ich bin AfD-Sympathisantin und ich schäme mich auch nicht das zuzugeben. Dennoch fand ich die Rede von Herrn Friedländer sehr gut. Ich habe an der Rede rein gar nichts auszusetzen. Nur seltsam, dass sich, wenn man hier das Forum liest, nur die AfD angesprochen fühlen soll. Dabei sollten Friedländers Worte Parteiübergreifend eine Mahnung sein. Erst vor ein paar Tagen hat der Linke Arbeitskreises "Cuba Sí Hessen" eine Antisemitische Karikatur veröffentlicht. Die fühlen sich jedoch nicht angesprochen und das obwohl Herr Friedländer explizit den linken Antisemitismus zur Sprache bringt.
Ich halte es da mit der "wahren" Demokratie (auch wenn es mittlerweile abgenutzt klingt) mit Voltaire "Ich hasse jedes Wort von dem, was Sie sagen, aber ich werde bis zu meinem Ende dafür kämpfen, dass Sie es auch weiterhin sagen dürfen.".

#11 - 31.01.2019, 13:50 von spiegelneuronen

einfach nur Danke

Die Rede von Saul Friedländer ist sehr bemerkenswert gewesen und sollte wirklich bewusst angehört werden. Ich selbst bin mit etlichen Schilderungen von Zeitzeugen und Holocaust - Überlebenden aufgewachsen und habe oft (insbesondere in dieser Wahlperiode) gedacht, dass eine solche Rede, wie die heutige von Saul Friedländer, gehalten werden sollte. Dass dies getan wurde macht Mut und Danke an den Redner für diese Worte.

#12 - 31.01.2019, 14:02 von DistanzierterBeobachter

Rechter und linker Antisemitismus

Was mir an der Rede sehr gefallen hat, das ist, dass Friedländer sowohl den rechten als auch den linken Antisemitismus verurteilt hat, der als politische korrekte Israelkritik daherkommt. Diejenigen, die Israel das Recht auf nationale Selbstverteidigung und Schutz seiner Grenzen absprechen, sind heute für die Juden in der Welt viel gefährlicher als einige ewig gestrigen Dumpfbacken,

#13 - 31.01.2019, 14:04 von friedrich_eckard

Zitat von madameping
Die Verbrechen des Dritten Reichs bleiben an Deutschland kleben, ob wir es wollen oder nicht. Aber - und das ist der große Unterschied: Wir, die Nachgeborenen können keine Schuld daran haben, da wir es nicht haben verhindern können, doch wir tragen die moralische Verantwortung dafür, dass wir eine Wiederholung verhindern. Diese moralische Verantwortung sollte zum Leitgedanken eines jeden anständigen Menschen werden, eine Mahnung an all die, die den Unterschied zwischen Schuld und moralischer Verantwortung für die Zukunft noch immer nicht begriffen haben. Unsere Politiker sind gefordert, darauf immer wieder hinzuweisen, unsere Medien, unsere Schulen, Universitäten und unsere Elternhäuser.
Ich bin Ihnen für die Unterscheidung zwischen "Schuld" und "Verantwortung" sehr dankbar. Schuld ist individuell und nicht vererblich; niemand, der nicht mindestens durch Unterlassen, wo er/sie hätte tätig werden können, diese unverstellbaren Verbrechen mit ermöglicht hat, trägt Schuld, und die Nachgeborenen tragen sie ohnehin nicht - Verantwortung aber ist vererblich, und aus dieser ererbten Verantwortung leitet sich für die jetzt Lebenden die zwingende Verplichtung ab: "Wehret den Anfängen!".

#14 - 31.01.2019, 14:05 von kajoter

@ #6

Zitat von betonklotz
Da ist erstmal der Begriff "wahre Demokratie". Was soll damit gemeint sein? Es gibt nicht wenige Menschen welche die real existierende Demokratie hierzulande kaum als wahre Demokratie bezeichnen würden. Dann soll man dafür kämpfen, heisst es. Abgesehen von der Frage für was man denn kämpfen soll, siehe meinen ersten Einwand stellt sich dann auch noch die Frage, wie. Wie auch immer man das in Angriff nimmt, wenn man es auf eine erfolgversprechende Weise tut wird es unbequem. Und zwar nicht nur für den solcherart handelnden, sondern vor allem für jene, welche in aller Scheinheiligkeit dazu auffordern. Damit meine ich nicht den Herrn Friedländer, er ist ja auch kein Berufspolitiker. Schliesslich noch das Thema zunehmender Antisemitismus in Deutschland. Eine differenzierte Betrachtung wäre da wohl anzuraten. Allerdings fördert eine solche Herangehensweise sehr schnell die unbequeme Wahrheit zutage, daß antisemitische Tendenzen in unserem Lande vor allem aus einer bestimmten Ecke kommen, welche per ordre de Mainstream zum stets unschuldigen Opfer erklärt wurde.
Was mit "wahrer Demokratie" gemeint ist?
Nur einige Beispiele:
Die Wahrheit sagen, nicht mit semantischen Zweideutigkeiten die Neonazis umgarnen und den Rest provozieren. Außerdem Verleumdungen und paschale Herabwürdigungen unterlassen.
Keinen Frontalangriff auf die freie Presse und Medien fahren durch Forderung nach Abschaffung der GEZ und die Agitation mit "Lügenpresse". Die freie Presse ist eine Säule der Demokratie.
Keinen Frontalangriff gegen die Freiheit der Künste fahren - Stichwort "linksversiffte Künstler". Denn auch diese sind eine Säule der Demokratie.
Keinen Frontalangriff auf andere Parteien fahren mit den Parolen "System-/Altparteien" und damit insinuieren, dass etwas wie ein "Deep State" hinter all dem stecke. Parteien sollen einen Wettstreit um den Wähler führen, aber derartige Parolen führen einen Kampf mit unserer bislang recht gut funktionierenden Demokratie, nicht mit den Parteien.
Das nur als ein paar Beispiele, warum sich die AfD und offensichtlich auch Sie angesprochen fühlen sollten.

#15 - 31.01.2019, 14:14 von mostly_harmless

Zitat von kritischerkritiker
..haben hier wieder alle Schaum vor dem Mund. Ich bin AfD-Sympathisantin und ich schäme mich auch nicht das zuzugeben. [...]. Erst vor ein paar Tagen hat der Linke Arbeitskreises "Cuba Sí Hessen" eine Antisemitische Karikatur veröffentlicht. Die fühlen sich jedoch nicht angesprochen und das obwohl Herr Friedländer explizit den linken Antisemitismus zur Sprache bringt. [...]
Tja, so ist das mit den Sympathisanten. Eine angeblich antisemitische Karikatur irgend einer nebensächlichen Organisation ist de Rede Wert.

Das Charlotte Knobloch beinahe minütlich Todesdrohungen erhält, seit sie die AfD kritisiert hat, ist hingegen - man konnte es fast vermuten - KEINE Erwähnung wert.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article187642220/Charlotte-Knobloch-wird-nach-Kritik-an-AfD-im-Minutentakt-bedroht.html

[...]

#16 - 31.01.2019, 14:22 von Otto Blitz

@ Retterder Nation, Betonklotz und kritischerkritiker

Wahre Demokratie, also "Herrschaft des Volkes", zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie Minderheiten schützt statt sie auszugrenzen und mit Hass und Hetze zu überziehen. Schließlich gehören sie, die Minderheiten, ja auch zum Volk dazu. Nur Rassisten streiten das ab, weil sie per Definitionem sich selbst als einer "höherwertigen Rasse" zugehörig sehen. Rassismus und Antisemitismus schließen bestimmte Teile des Volkes deshalb von vorneherein aus der Gemeinschaft aus und stellen sich damit bewusst gegen die Demokratie. Sympathisanten einer Partei, die es nicht schafft sich von solchen Strömungen und Hetzern klar zu distanzieren, sollten nicht meinen, dass sie sich mit einem Voltaire-Zitat schon als wahre Demokraten outen. Ich erlebe als Deutscher das Aufkommen der AfD aber auch der scharflinken Antisemiten deshalb mit Trauer. Wie oft müssen wir in unserer Geschichte die gleichen Fehler und unmenschlichen Dummheiten noch wiederholen?

#17 - 31.01.2019, 14:39 von luiasogi

eine Frage treibt mich um

Zitat von friedrich_eckard
Ich bin Ihnen für die Unterscheidung zwischen "Schuld" und "Verantwortung" sehr dankbar. Schuld ist individuell und nicht vererblich; niemand, der nicht mindestens durch Unterlassen, wo er/sie hätte tätig werden können, diese unverstellbaren Verbrechen mit ermöglicht hat, trägt Schuld, und die Nachgeborenen tragen sie ohnehin nicht - Verantwortung aber ist vererblich, und aus dieser ererbten Verantwortung leitet sich für die jetzt Lebenden die zwingende Verplichtung ab: "Wehret den Anfängen!".
ich bin ihnen dankbar für ihre Zeilen.
Mich treibt aber schin sehr lange eibe Frage um, auf die ich keine Antwort finde.
Wie hätte ich mich in der damaligen Zeit verhalten?
Wenn man von klein auf eingetrichtert hätte bekommen, dass eine Menschengruppe an unserem Unglück schuld ist.
Hätte ich bspw. als Lok Führer den Dienst verweigert und den Güterzug nicht ins KZ gebracht?
Wäre denn dann nicht ich selber an Leib und Leben gefährdet gewesen, genau wie meine Familie?
Vor diese Frage möchte ich nie gestelkt werden. Deshalb: Wehret den Anfängen. Antisemitismus, von Links, Rechts oder
neu Zugezogenen darf niemals geduldet werden.
Das schliesst aber Kritik an der israel. Siedlungspolitik trotzdem nicht aus.

#18 - 31.01.2019, 14:58 von madameping

Zitat von friedrich_eckard
Ich bin Ihnen für die Unterscheidung zwischen "Schuld" und "Verantwortung" sehr dankbar. Schuld ist individuell und nicht vererblich; niemand, der nicht mindestens durch Unterlassen, wo er/sie hätte tätig werden können, diese unverstellbaren Verbrechen mit ermöglicht hat, trägt Schuld, und die Nachgeborenen tragen sie ohnehin nicht - Verantwortung aber ist vererblich, und aus dieser ererbten Verantwortung leitet sich für die jetzt Lebenden die zwingende Verplichtung ab: "Wehret den Anfängen!".
Dankeschön für Ihre Zeilen. Genau das habe ich damit gemeint, was Sie schreiben.
Wobei Schuld in ihrer natürlichen Form durchaus die Fähigkeit zur Verantwortung voraussetzt, das Unrecht einer Tat zu erkennen, um sie zu verhindern oder schichtweg einzugreifen. Diese Bewertung aber, Sie sehen es, richtet sich in die Vergangenheit.
Die Verantwortung aber all jener, die nichts haben verhindern können - da sie zu jenem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt waren (und damit schuldlos sind) - richtet sich auf die Zukunft. Vererbbar ist auch sie nicht, aber sie ist vermittelbar.
"Wehret den Anfängen!" Ist einer ihrer Leitsätze.

#19 - 31.01.2019, 15:04 von Mikrohirn

Schuld ist nicht vererblich - und Verantwortung auch nicht!

Darauf zu achten, dass Verbrechen, wie sie vom nationalsozialistischen Deutschland begangen wurden, nicht wieder geschehen, gehört zur Grundtugend und in die Verantwortung jedes Menschen, ob europäischer, amerikanischer, deutscher oder sonstiger Nation. Niemand auf der Welt darf sich zurücklehnen und die Hände in den Schoß legen und den Deutschen die Haupthandlungsverantwortung zuschieben, weil die ja Auschwitz hatten. Alle müssen für den Schutz der anderen vor den anderen sorgen - und zwar bevor er überhaupt nötig wird!

    Seite 2/5