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Warum sind diese Votes wichtig?: So funktionieren die US-Vorwahlen

REUTERS Iowa? New Hampshire? Warum ist es so wichtig, wie die Präsidentschaftsanwärter der großen US-Parteien in diesen Staaten abschneiden? Warum gibt es diese Vorwahlen überhaupt? Alle Antworten im "Endlich verständlich".
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#1 - 26.01.2016, 11:55 von fortyplus

Vorsintflutliches Wahlsystem

Dass ein Land, das sich berufen fühlt, der ganzen Welt die Demokratie zu erklären, selbst das altväterlichste und sonderbarste aller Wahlsysteme hat, ist beste Realsatire. Das US-Wahlsystem ist nicht per se undemokratisch, es lädt aber zu Korruption und Ungleichheit ein wie kein anderes in der westlichen Welt. Dass das dort niemandem aufzufallen scheint, ist eine weitere Errungenschaft eines Landes, das "den Schritt von der Barbarei zur Denadenz ohne die Zwischenstufe der Kultur" bewältigt hat. Hut ab!

#2 - 26.01.2016, 12:20 von ossimann

Wer regiert wem ?

Es ist paradox das im Oberlehrerland der "Demokratie" man ein riesigen Geldberg sein eigen nennen muss um in der engeren Auswahl zu kommen . Dann kommen Leute ins Amt die oft Armut und Elend nur vom hören/sagen kennen . In Deutschland beschränkt sich die Demokratie auch weitgehend auf das Kreuzchen aller paar Jahre um dann als unmündiger Steuerzahler den Treiben der Erwählten zu zuschauen . Eine echte Demokratie würde bei tiefgreifende oder Milliarden schwere Entscheidungen das Volk ein Mitspracherecht einräumen . Dies wird natürlich mit aller Macht unterbunden . Man regiert im Interesse von Finanz- / Wirtschaftslobby in Bündnistreue mit der USA und nicht im Sinne der Volksmassen . So gesehen sind die Art und Weise der Wahl eigentlich Makulatur , das in den USA nur Republikaner oder Demokraten die Regierung stellen ist schon ein Schritt vor der Wahl in der DDR , dort hieß es endweder man geht wählen oder nicht . Da blieb Erich immer an die Macht und seine Politik auch , heute wechseln die Gesichter aber es bleibt danach auch immer alles beim alten .

#3 - 26.01.2016, 12:28 von mam71

Zitat von fortyplus
Dass ein Land, das sich berufen fühlt, der ganzen Welt die Demokratie zu erklären, selbst das altväterlichste und sonderbarste aller Wahlsysteme hat, ist beste Realsatire. Das US-Wahlsystem ist nicht per se undemokratisch, es lädt aber zu Korruption und Ungleichheit ein wie kein anderes in der westlichen Welt. Dass das dort niemandem aufzufallen scheint, ist eine weitere Errungenschaft eines Landes, das "den Schritt von der Barbarei zur Denadenz ohne die Zwischenstufe der Kultur" bewältigt hat. Hut ab!
Die Amerikaner habenb selbst während ihres Bürgerkriegs oder des 2. WK Wahlen abgehalten, während hierzulande Kaiser, Führer und Generalsekretäre ihr Unwesen trieben.

Problematisch am US-System ist, dass es tendenziell immer auf einen Zweikampf hinausläuft. Gerade in der aktuellen Situation, in der beide Parteien so unversöhnlich ineinander verkeilt sind, wären eine dritte oder vierte Partei ein mässigendes Element.

#4 - 26.01.2016, 12:38 von diego_sanchez

Lindsay Graham...

... ist bereits aus dem Rennen zurückgetreten oder?

#5 - 26.01.2016, 12:39 von zaldarie

SPON (bzw. Marc Pitzke) hat das Citizens-United-Urteil noch immer nicht verstanden: Das Urteil hebt nur das Verbot für von Unternehmen finanzierte und produzierte Wahlwerbung auf, es gestattet den Unternehmen aber ganz explizit NICHT, den Kandidaten Geld zukommen zu lassen. Das Geld ist sozusagen zweckgebunden für "unabhängige" Kampagnen, eine Koordination mit den Kandidaten ist weiterhin verboten. Das hat der Supreme Court bei der Urteilsverkündung noch einmal ganz explizit betont.

Dass Unternehmen unbegrenzt viel Geld für ihre eigenen Wahlkampagnen für Kandidaten ausgeben können, kann man natürlich bedenklich finden, die Beschreibung im Artikel ist aber schlicht falsch (das wurde auf SPON schon mehrere Male in Artikeln von Pitzke falsch beschrieben).

#6 - 26.01.2016, 12:48 von Celegorm

Zitat von mam71
Die Amerikaner habenb selbst während ihres Bürgerkriegs oder des 2. WK Wahlen abgehalten, während hierzulande Kaiser, Führer und Generalsekretäre ihr Unwesen trieben. Problematisch am US-System ist, dass es tendenziell immer auf einen Zweikampf hinausläuft. Gerade in der aktuellen Situation, in der beide Parteien so unversöhnlich ineinander verkeilt sind, wären eine dritte oder vierte Partei ein mässigendes Element.
Das Hauptproblem alter Demokratien wie den USA oder auch Grossbritannien ist effektiv die Dominanz des Mehrheitswahlsystems. Das mag in den Anfangsjahren einer Demokratie von Vorteil sein, da ein solches System zur Stabilität neigt und Weimar'sche Verhältnisse vermieden werden, führt aber langfristig fast zwangsweise zu einer Verkrustung, da in den binären Parteisystemen eigentlich kein Raum für Veränderung bleibt.

Das wiederum öffnet Tür und Tor für die Entstehung einer elitären Herrscherklasse, was sich u.a. den entsprechenden Polit-Dynastien wiederspiegelt, und Korruption. Besonders fatal war dabei natürlich die Wahlspendenfreigabe, was die Dynamik hin zu einer Quasi-Oligarchie noch einmal stark beschleunigt hat und damit auch die Spaltung der Gesellschaft. Insofern sieht es leider nicht sehr gut aus für die älteste Demokratie der Welt. Wenn es nicht gelingt, eine grundlegende Reform zu realisieren - mehr Proporz, weniger Einfluss des Geldes - sieht es leider düster aus und die Chancen dafür stehen nicht sonderlich gut..

#7 - 26.01.2016, 13:27 von nordend-klaus

deutsche Besserwisser

Diejenigen, die sich hier herablassend ("vorsintflutliches system..:" äußern sollten bedenken:
Auch wenn im US-System nicht alles perfekt ist (wo ist das schon?): Immerhin gibt es dort seit über 200 Jahren ein stabiles demokratisches System. In Deutschland erst seit 1949 bzw. 1990. Während 1848, 1933 (und im Osten 1947) sämtliche demokratischen Bewegungen verhindert wurden, gab es dort shon lange eine demokratische Tradition.

#8 - 26.01.2016, 13:31 von nordend-klaus

Zitat von Celegorm
Das Hauptproblem alter Demokratien wie den USA oder auch Grossbritannien ist effektiv die Dominanz des Mehrheitswahlsystems. Das mag in den Anfangsjahren einer Demokratie von Vorteil sein, da ein solches System zur Stabilität neigt und Weimar'sche Verhältnisse vermieden werden, führt aber langfristig fast zwangsweise zu einer Verkrustung, da in den binären Parteisystemen eigentlich kein Raum für Veränderung bleibt. Das wiederum öffnet Tür und Tor für die Entstehung einer elitären Herrscherklasse, was sich u.a. den entsprechenden Polit-Dynastien wiederspiegelt, und Korruption. Besonders fatal war dabei natürlich die Wahlspendenfreigabe, was die Dynamik hin zu einer Quasi-Oligarchie noch einmal stark beschleunigt hat und damit auch die Spaltung der Gesellschaft. Insofern sieht es leider nicht sehr gut aus für die älteste Demokratie der Welt. Wenn es nicht gelingt, eine grundlegende Reform zu realisieren - mehr Proporz, weniger Einfluss des Geldes - sieht es leider düster aus und die Chancen dafür stehen nicht sonderlich gut..
Das ist eines der ältesten Dilemma-Fragen:
Die Nachteile des Mehrehitssystems haben Sie richtig geschildert. Das potentielle Risiko des Mehrparteiensystems liegt immer im Risiko schwieriger MEhrehitsverhältnisse. Bestes Beispiel dafür: Belgien, Israel, Italien. Sollte in Deutschland die AfD den Einzug in den Bundestag schaffen und evt die FDP auch wieder nähern wir uns ähnlichen Verhältnissen.

Insofern gibt es keine klaren Wahrheiten, was besser ist.

#9 - 26.01.2016, 13:38 von monday5555

Zutiefst basisdemokratisch

Leute, lasse mal die Kirche im Dorf. Das System in den USA hat zutiefst basisdemokratische Elemente, die sich in diesen Vorwahlen zeigen und in der Verbindung der Hauptwahlen mit Volksentscheiden. Das Resultat mag nicht immer überzeugen, aber schon so manches Mal habe ich die USA um diese Ausdrucksmöglichkeiten des Volkswillens beneidet.

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