Forum
Wirtschaft

Heizkosten-Horror: Darauf sollten Mieter achten - und darauf Vermieter

DPA Ein großer Teil der Heizkostenabrechnungen weist Mängel auf - im schlimmsten Fall wird erheblich mehr Geld berechnet, als angemessen wäre. Zwei Checklisten helfen.
zum Artikel
Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion im Artikel.
    Seite 1/4    
#1 - 12.01.2019, 16:44 von Viking1957

Unterstützung des Gesetzgebers erforderlich

Viele Heizkostenabrechnungen sind auch deshalb fehlerhaft, weil die Heizkostenverteiler in Gebäuden mit sog. Einrohrheizungen, die als Bauherrenmodelle im Westen sehr beliebt waren, die Energie nicht erfassen können. Oft werden für diesen Anwendungsfall besonders ungeeignete "Zweifühler"-Messgeräte verwendet, die darauf ausgerichtet sind Sonnenwärme zu eliminieren und so auch in vielen Wohnungen die Fremdwärme nicht miterfassen können. Bislang gab es ein Rechenverfahren womit man den Fehler korrigieren konnte, dies wurde aber von Gerichten in einigen Fällen für unzulässig erklärt, weil es eine entsprechende Regelungslücke in der Heizkostenverordnung gibt. Leider hat der Gesetzgeber hierauf seit mehr als einem Jahr nicht reagiert. Kennzeichen ist, dass viele Wohnungen keine Verbrauchswerte haben, während andere die gesamte Zeche bezahlten. In solchen Fällen hilft nur die dann zulässige Abrechnung nach Quadratmetern.

#2 - 12.01.2019, 16:46 von Viking1957

Fernwärmeanschlüsse mit Faustformel prüfen

Bei Fernwärmeanschlüssen ist die Leistungsbemessung für die Grundpreise ohne eine teure Ingeniersberechnung nicht zu prüfen. Bei Altbauten sogar fast nicht möglich. Zur Abschätzung der Größenordnung kann den Jahresverbrauchswert in MWH einfach durch 2,5 dividieren, damit erhält man die Größenordnung für den Anschlusswert in kW, den man dann mit der Rechnung vergleicht und ggf. korrigieren lässt.

Das ist allerdings nicht einfach, mit Hilfe der Lobbyorganisation AGFW werden seitens der FW-Unternehmen alle rechtlichen Möglichkeiten genutzt, die Anpassung des ohne Gegenleistung verdienten Geldes zu verhindern. Beispielsweise werden in Flensburg rd. 1000MW Anschlussleistung an die Kunden verkauft, bei Jahreshöchstlasten von ca. 350MW, ein Millionengeschäft!

#3 - 12.01.2019, 16:55 von georgorwellsbruder

Vonovia

Als Neumieter der profitorientierten VONOVIA habe ich nun erstmals eine Heizkostenabrechnung und eine Betriebskostenabrechnung erhalten, beide für 2017. Lt. Auskunft des Mietervereins entsprechen beide Abrechnungen nicht den Anforderungen. Seit über einem Jahr reagiert die VONOVIA einfach nicht auf meine und auch nicht auf die Schreiben des Mietervereins. VONOVIA arbeitet mit rd. 350 Tochterfirmen zusammen. Auf diese Weise werden wirtschaftliche Einkäufe ausgehebelt. Wärmemengenzähler ( Wasser und Heizung ) sind von VONOVIA angemietet. Wahrscheinlich von einer Tochterfirma. Das Ablesen dieser Zähler erfolgt wiederum durch eine Tochterfirma. In meinen beiden Abrechnungen tauchen die Ablesewerte gar nicht erst auf, die anteiligen Kosten hierfür wurden mir aber in Rechnung gestellt.
Hände weg von der VONOVIA !!!

#4 - 12.01.2019, 17:09 von see_baer

diese Vorschriften verhindern energieeffiziente Systeme

In meinen Wohnungen wird Warmwasser elektrisch im Durchlauferhitzer erzeugt.
Uneffektiv , aber Abrechnungsneutral.

#5 - 12.01.2019, 17:36 von permissiveactionlink

Noch ein paar nützliche Hinweise

1. Eine jährliche Wartung der Heizungsanlage kostet (die Mieter !) zwar Geld, spart aber auch enorm Geld, da ein verdreckter, zentimeterdick verkrusteter Wärmetauscher (oder in Brennwertgeräten auch zwei davon) die Erwärmung des Heizungswassers erschwert und man Geld durch den Kamin hinauswirft. Ein Wartungsvertrag kostet Geld, weil er Geld spart. 2. Manche Vermieter versuchen den Öleinkauf im Herbst komplett in diese Abrechnungsperiode zu packen. Dumm, wenn man dann im Januar auszieht. Dann verbrauchen andere das Öl, was man schon bezahlt hat oder noch bezahlen muss. Ein solches Vorgehen des Vermieters ist höchst illegal, denn er ist verpflichtet, verbrauchsabhängig abzurechnen. Das geht, indem man am Jahresende den Füllstand der meist transparenten Tanks mit Taschenlampe und Zollstock ermittelt und mit ihm das Restvolumen ermittelt (Beim Tankhersteller "Ausliterungstabelle" oder -grafik anfordern). 3. Es ist nicht im geringsten nachvollziehbar, warum die Messkosten nach Heizanteil umgelegt werden, denn Einbau und Betrieb der gemieteten Heizkörperzähler kosten immer dasselbe, egal was sie messen. Der Gesetzgeber hat das aber leider so festgelegt. 4. Schreiben Sie sich in regelmäßigen Abständen die Heizungsgaszählerstände im Keller auf (z.B. alle zwei Wochen). So erhalten Sie die Heizkurve des Gebäudes, Jahresanfang- und Endstände, sowie Zählerstände am Monatsende, wenn Preiserhöhungen für gewöhnlich stattfinden. Bei einem Mieterwechsel entfällt dann die höchst ungenaue Berechnung nach Monatsgradzahltabelle ! 5. Bringen Sie Ihren Vermieter dazu, eine neue, Phasenanschnitt-gesteuerte geregelte Heizungspumpe neuester Pumpentechnologie einbauen zu lassen. Das spart jede Menge Allgemeinstrom. 6. Heizen Sie nur soviel wie unbedingt nötig. 1°C mehr im Raum benötigt 6% mehr Heizenergie und -kosten ! Bei vier Grad mehr sind es schon 26,25% mehr Heizenergie. 7. Besorgen Sie sich beim diesbezüglichen Versorger die Tariflisten, und überprüfen Sie damit und mit den Zählerständen die Abrechnung auf Plausibilität. 8. Entlüften Sie regelmäßig die Heizkörper, falls erforderlich, und lassen Sie an der Heizanlage eine Nachttemperaturabsenkung (18°C) vom Installateur einstellen. 9. Der Vermieter muss Brennstoff wirtschaftlich einkaufen. Falls erforderlich, weisen Sie ihn auf den kostengünstigsten Gastarif des bisherigen Versorgers hin.

#6 - 12.01.2019, 17:52 von permissiveactionlink

#4, see_baer

Das glauben Sie aber nur, weil Sie nicht vollständig informiert sind. Bei mir in der Wohnung gibt es eine Warmwasser-Gastherme. Die wird jedes Jahr vom Schornsteinfeger gemessen (30 Euro), muss gewartet werden (ca 110 Euro, die muss der Mieter zahlen), und benötigt einen Wohnungsgasanschluss für 79 Euro jährlich im Grundtarif. Somit lohnt sich eine Gastherme für mich erst dann, sobald ich mindestens 126 m^3 Gas im Jahr für Warmwasser verbrauche (ca. 1260 kWh). Benötigt man weniger erwärmtes Wasser, dann ist ein gesteuerter Durchlauferhitzer (z.B. mit 24 kW) ökonomischer. Bei Warmwassergeräten in der Küche, die einen Vorratsbehälter (Boiler) besitzen, ist der Einbau einer elektrischen Zeitschaltuhr sinnvoll : Da man +/- immer zur selben Zeit warmes Wasser in der Küche benötigt, ist es unnötig, drei oder fünf Liter Wasser 24h am Tag heiß zu halten. Ein gewöhnlicher Wasserkocher tut's dann auch !

#7 - 12.01.2019, 17:57 von harronal

Ich zitiere mal...

...aus Ihrem dollen Panel, Herr Tenhagen: "In einem Drittel der untersuchten Wohnungen liegt der Verbrauch deutlich höher, als es der eigentlichen Wohnungslage entsprechen sollte." Und die "eigentliche Wohnlage" definieren Sie ganz allein? Was ist das eigentlich für ein schwallerischer Faktor, den Sie in Ihrer Analyse als "besonders auffällig" charakterisieren? 87 von 104 von Lesern (die natürlich alle die "eigentliche Wohnlage" kennen) eingesandte Heizkostenabrechnungen sollen also diese grob verallgemeinernde Meckerei über Hauseigentümer und Vermieter rechtfertigen? Nein, danke.

#8 - 12.01.2019, 18:20 von mvaugusta8

Nebenkosten leider oft Dukatenesel

Ich hatte nach einem Vermieterwechsel (von privater Hand zu einen mittelgroßen Unternehmen) auch große Schwierigkeiten bei den Betriebskosten. Viele Positionen waren nicht ordentlich aufgeschlüsselt und die Kosten waren ohne erkennbaren Grund stark gestiegen. Nach langwierigen, mehrfachen Beschwerden wurde mir eine korrekte Rechnung geschickt und Kosten erstattet. Ein Anwalt und die Verbraucherzentrale haben mir bestätigt, dass es bei vielen gewerblichen Vermietern heute Standard sei, überhöhte Nebenkosten zu erheben und schlicht zu hoffen, dass sich die Mieter nicht wehren.


Neben den Heiz- und Wasserkosten sollte man auch die anderen Posten beachten. Bei Hausmeistergebühren, Hausreinigung, Wartung von Antennen, Müllabfuhr etc. werden haüfig ebenso Mondpreise verlangt, welche mit den tatsächlich erbrachten Leistungen wenig zu tun haben.

Meiner Meinung nach müsste der Gesetzgeber in diesem Punkt mehr Druck auf die Vermieter aufbauen. Denn falsche Abrechnungen von Betriebskosten ziehen schnell jährlich einen 3- bis 4-fachen Betrag zu Ungunsten des Mieters nach sich.

#9 - 12.01.2019, 19:00 von Flari

Gerecht ist nur, was persönlich nutzt?

Zitat von permissiveactionlink
Es ist nicht im geringsten nachvollziehbar, warum die Messkosten nach Heizanteil umgelegt werden, denn Einbau und Betrieb der gemieteten Heizkörperzähler kosten immer dasselbe, egal was sie messen. Der Gesetzgeber hat das aber leider so festgelegt.
Im In Ihrem Kommentar #10 im Nachbarthread zu den Strom-Grundversorgern hört sich das für mich aber ganz anders an.
Dort bemängeln Sie, dass die Grundkosten zu einem höheren Endpreis pro Energieeinheit beim sparsamen Verbraucher/Kleinverbraucher führen.
Und hier Argumentation 180° in die andere Richtung?

    Seite 1/4