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Kühnerts Kapitalismus-Kritik: Wem Deutschland gehört (und wem nicht)

imago images / Westend61 Kevin Kühnerts Sehnsucht nach dem Sozialismus hat Empörung ausgelöst - und die Debatte über Ungleichheit wiederbelebt. Wie gerecht sind Eigentum und Macht in Deutschland verteilt? Eine ernüchternde Bestandsaufnahme.
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#1 - 03.05.2019, 19:12 von Broko

Der SPIEGEL tät gut daran, auch einmal die vielen, vielen gescheiterten Systeme der Planwirtschaft in der Geschichte der Menschheit, die stets zur Unterdrückung der jeweiligen Bevölkerungen führten, mit der gleichen Verve zu "analysieren" - da liest man doch sehr, sehr wenig von bei SPON ...

#2 - 03.05.2019, 19:19 von Aufzeigen

Ich suche den Sinn dieses Artikels?

Ja, das Vermögen ist momentan ungleich verteilt. Aber die Beispiele die hier aufgeführt werden, sind meiner Meinung nach sehr fragwürdig. Albrecht, Kühne und Schwarz kommen aus "normalen" Verhältnissen. Ihr Erfolg gründet auf Unternehmergeist und Risikobereitschaft. Man sollte sich diese vielleicht mal zum Vorbild nehmen und nicht eine Neiddebatte entfachen. Dass der Aktienbesitz in DEU so ist, wie er ist, daran ist jeder selbst schuld.

#3 - 03.05.2019, 19:24 von migampe

Sie irren, Herr Schoch!

Herr Schoch (BR-Vorsitzender BMW) möge doch bitte einmal die Arbeiter fragen, ob der Gewinn gerecht unter ihnen verteilt, oder ausschließlich der Familie Quandt (und in abgespeckter Version den Aktionären) zuteil werden soll. Die Rede war doch gar nicht von „Verstaatlichung“, sondern von gerechter Verteilung der Gewinne!
Auch wenn mich zu den „mittleren Einkommen“ zählen kann: An der ungerechten Verteilung muß sich was ändern! Es kann nicht sein, daß wir Tafeln brauchen und andere nicht wissen, wie sie ihr Geld loswerden sollen!

#4 - 03.05.2019, 19:28 von Faktomat

Schade

Schade, dass der Artikel a) nicht auch die Einkommensverteilung mit anderen Ländern vergleicht, und b) nicht darauf eingeht, warum die Deutschen beim Vermögen vergleichsweise schlecht abschneiden.
Die Vermögensverteilung in Deutschland ist im Vergleich nur deshalb so schlecht, weil Deutsche – aus welchen Gründen auch immer – unglaublich risikoscheu sind. Eine Wohnung zu kaufen kostet nicht mehr, als eine zu mieten, aber man geht ein Risiko ein. Dies nehmen z.B. Engländer ohne Wimpernzucken in Kauf. Die Haltung ist: Wenn ich z.B. arbeitslos werde, dann verkaufe ich halt das Teil, miete mir eine kleinere Wohnung und mache in aller Regel sogar noch einen Gewinn, weil meine Wohnung an Wert gewonnen hat. Allerdings ist es in vielen Ländern einfacher und risikoärmer, Wohnungen zu kaufen. In den USA gibt es z.B. in der Regel non-recourse Hypotheken, das heißt, es haftet nur die Wohnung, nicht der Eigentümer (es kann also bei Zahlungsunfähigkeit nicht auf anderes Privatvermögen zugegriffen werden). In England braucht ein Käufer aufgrund staatlicher Subventionen nur 5% Eigenkapital. Ähnlich sieht es mit der Aktienkultur aus. In vielen Ländern „spart“ die Mehrheit mit Aktien, nicht auf Null-Zins Sparkonten. Mehr Risiko, aber mit der Zeit wächst das Vermögen, in Deutschland schrumpft es.

#5 - 03.05.2019, 19:29 von prof.unrat

Woran liegt es?

Es ist schon erschreckend und auch trostlos, wie der überwiegende Teil Deutschlands, die ökonomischen und politischen Eliten auf diese Überlegungen von Herrn Kühnert reagieren. Bis auf Beschimpfungen und Beleidigungen habe ich kein stichhaltiges, sachliches Argument gegen die Kollektivierung von Eigentum, Vermögen und exorbitanten Gewinnen gehört. Nein, es geht immer nur um die Wahrung von Pfründen, Besitzständen, Privilegien der Besitzenden und denjenigen die von diesen Verhältnissen profitieren und von denjenigen, die von diesen Verhältnissen korrumpiert wurden (siehe Betriebsrat von BMW). Wenn es danach geht, soll dieses kapitalistische System immer weiter so existieren und sich nicht ändern. Aber ist das wirklich zivilisiert? Ist das wirklich klug? Nein, das ist geradezu trostlos. Und schlimm ist auch, dass niemand von des ganzen selbstgerechten und selbstgefälligen Entscheidungsträgern irgendeine Vorstellung davon hat, wie die Welt in Zukunft aussehen soll und wie sie sich entwickeln soll.

#6 - 03.05.2019, 19:30 von ddcoe

Der Artikel beweist - sachlich hat Kühnert Recht

Wer also - wie die Union - keine Diskussion zum Thema für nötig hält, der ist ignorant oder schlicht dumm. Jede Woche hören und lesen wir, die Zahl der von Armut betroffenen Rentner wird kontinuierlich steigen. Das sogenannte Jobwunder übersieht leider, das immer mehr Menschen - trotz Vollzeitjob - von ihrer Arbeit nicht leben können. Ist es das das was Merkel meinte? - Das Land in dem wir gerne und gut leben? Bleibt die Frage - wer ist denn wir?

#7 - 03.05.2019, 19:30 von wdiwdi

Rolle der Gewerkschaften

Es ist eine Tatsache, dass sich praktisch alle Gewerkschaften über Jahrzehnte mit aller Gewalt gegen Belegschaftsaktien gesperrt haben, auch wenn da manche in den letzten 5 Jahren ein bisschen flexibler geworden sind. Aktienbesitzer neigen dazu, aus Gewerkschaftssicht zu viel Verständnis für individuelle Firmenperspektiven zu entwickeln und dann die große politische Lage und die leitende Hand der Gewerkschaftszentrale aus dem Blick zu verlieren. Wären über die letzten 50 Jahre auch nur ein kleiner Teil von baren Arbeitnehmer-Sonderzahlungen stattdessen als Aktienanteile ausgegeben worden, sähen die Eigentümerstrukturen deutlich anders aus.

#8 - 03.05.2019, 19:31 von JohnC.

Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich

Dieser Faktencheck belegt eindrücklich, wie wichtig die Debatte ist, die Herr Kühnert angestoßen hat. Das die üblichen Verdächtigen von CSU über FDP bis hin zu den Wirtschaftslobbyisten in der SPD aufschreien und diese Diskussion vor allem mit viel Polemik abwürgen wollen, ist ebenso Beleg dafür.

#9 - 03.05.2019, 19:33 von dasfred

Hoffentlich nützt es was

Danke für die übersichtliche grafische Aufarbeitung und die Erläuterungen. Ich habe das Gefühl, sehr viele Leser haben die Tragweite der Umverteilung von Vermögen noch nicht verinnerlicht. Argumente, der Staat kann das sowieso nicht, desswegen muss man die Wirtschaft machen lassen, haben erst dazu geführt. Das Kevin Künast hier eine Diskussion angestoßen hat, war überfällig. Nun muss nachgelegt werden. Zuerst heißt es, Gewinne stärker zu besteuern, die bei uns anfallen. Zweitens, die Erbschaftssteuer ganz oben so hoch ansetzen, auch vor Überführung in Stiftungen, dass damit ein Fond aufgelegt werden kann, der das Rentensystem, ähnlich wie in Norwegen unterstützen kann. Dann fließen von Arbeitern erwirtschaftete Vermögen auch wieder an die, die dazu beigetragen haben. Die Blockadehaltung, die hier selbst Menschen unterster Einkommenschichten gegen eine stärkere soziale Komponente aufbringen, erschließt sich mir nur über mangelnde Bildung und gezielte Desinformation. PR und Werbeanzeigen werden von den Reichen bezahlt. Das hat dann auch Einfluss auf die Qualität der medialen Berichterstattung. Außerdem gibt es zwar seit Jahren den Armutsbericht, der Reichtumsbericht der Bundesregierung wird bis heute verhindert. Also gegen Kevin schimpfen aber Reiche verteidigen, ohne die Zusammenhänge zu erahnen, ist nicht gut.

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