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Regierungsdokumente zum EU-Austritt: Briten blicken in den Brexit-Abgrund

AFP Erstmals hat die britische Regierung die Folgen eines Brexits ohne Abkommen ausbuchstabiert. 25 Dokumente sollen Bürgern und Firmen helfen, sich auf das Schlimmste vorzubereiten - doch dafür bleibt kaum noch Zeit.
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#220 - 24.08.2018, 11:01 von ichliebeeuchdochalle

Zitat von wiseacre
Die Briten haben in ihrer Geschivhte schon Schlimmeres überstanden als einen Brexit. Das wird sie nicht umhauen. Wenn sie glauben, von lauter Feinden umgeben zu sein, stehen sie zusammen.
Sie meinen also, daß die Reichen des Landes den Armen die Einbußen bezahlen? Hinweis: Bitte nicht schreiben, daß das kleine Britannien nach dem Brexit kauft und verkauft zu den gleichen Konditionen wie die EU-Staaten. Ist Schulwissen im Fach "Wirtschaft" nach einer Woche Unterricht.

#221 - 24.08.2018, 11:15 von zynischereuropäer

@ramuz

Korrekt, aber bcdb hat das schon für mich präzisiert. Beide sind keine "britischen" Firmen im eigentlichen Sinne mehr, aber die einzigen quasi britischen Firmen, die der Automobilsektor in GB noch zu bieten hat. Honda u.ä. sind dies ja nicht. Der Vollständigkeit halber zählen auch RR, Bentley oder auch McLaren dazu, aber die dürften für den Normalverdiener ebenfalls unerschwinglich bleiben.

#222 - 24.08.2018, 11:18 von ramuz

Ich gehe davon aus, ..

Zitat von bcdb
Bei Jaguar und Landrover handelt es sich um eine "Firma", bzw. jurisitsch korrekt, eine Gesellschaft, die als Jaguar Land Rover Limited firmiert, deren Holding wiederum die Jaguar Land Rover Automotive PLC ist. Beide Gesellschaften sind britisch. Was Sie vermutlich meinen ist die Konzernzugehörigkeit zu Tata Motors. Hier muss man genau aufpassen.
.. dass Sie in den juristischen Definitionen recht haben. Ist es dann nicht so, dass der indische Konzern TATA die nach britischem Recht geführte PLC und deren Sub-Gesellschaften, deren 100%-Eigentümer er ist, über Nacht verlegen oder stilllegen kann und in anderen preisgünstigen und zuliefertechnisch unproblematischen Ländern weiter produzieren kann?
Wenn das so ist, verstehe ich den Sinn der Aufforderung zum Aufpassen nicht ganz, es sei denn, er bezieht sich auf die Exaktheit meiner vorherigen Formulierung. Dann haben Sie recht. Und ich erlaube mir zu schreiben: "Es gibt keinen Massen-Hersteller von KFZ mehr im UK, der nicht von nicht-britischen Firmen oder Personen beherrscht wird."

Da war noch ASTON MARTIN, zwar kein Massenhersteller, aber doch ein paar Autos .. und jetzt sehen wir mal nach, wo u.a. auf dem Festland die bauen lassen, woher sie wichtige Komponenten beziehen, mit wem zusammen sie Motoren entwickeln und wohin sie überwiegend verkaufen... und wem die Anteile gehören: Ford ( US ), Investment DAR und ADEEN Investment (Kuwait), Daimler (D) .. hm... wieder nicht so viel britisches...

#223 - 24.08.2018, 11:32 von bcdb

Jaguar und Land Rover

Zitat von ramuz
.. dass Sie in den juristischen Definitionen recht haben. Ist es dann nicht so, dass der indische Konzern TATA die nach britischem Recht geführte PLC und deren Sub-Gesellschaften, deren 100%-Eigentümer er ist, über Nacht verlegen oder stilllegen kann und in anderen preisgünstigen und zuliefertechnisch unproblematischen Ländern weiter produzieren kann?
Ich verstehe nicht, was das mit der Gesellschafterstruktur zu tun haben soll. Selbst wenn Jaguar / Land Rover zu 100% in den Händen von Boris Johnson, Jacob Rees-Mogg und Nigel Farage wäre, müssten sie ihren Produktionsstandort aus den gleiche Gründen wie Tada verlegen (oder eben auch nicht). Oder glauben sie, dass Briten aus Nationalstolz in England bleiben, nur damit der Laden dann Insolvenz anmelden muss?

Nehmen wir den berühmten Colman's Mustard aus Norwich; Produktion in Norwich eingestellt, wird jetzt in Deutschland produziert. Und Unilever ist ein britsch-niederländischer Konzern.

Rees-Mogg hat im Übrigen seine Investment-Butze von London nach Dublin verlegt bzw. dort eine Niederlassung gegründet. Und der ist Brite.

#224 - 24.08.2018, 11:33 von ramuz

Ich bin damit nicht d'accord.

Zitat von zynischereuropäer
Korrekt, aber bcdb hat das schon für mich präzisiert. Beide sind keine "britischen" Firmen im eigentlichen Sinne mehr, aber die einzigen quasi britischen Firmen, die der Automobilsektor in GB noch zu bieten hat. Honda u.ä. sind dies ja nicht. Der Vollständigkeit halber zählen auch RR, Bentley oder auch McLaren dazu, aber die dürften für den Normalverdiener ebenfalls unerschwinglich bleiben.
Dann müssten Sie auch die US-Werke von Toyota, Kia, VW, Daimler, BMW etc. in den USA als "amerikanische" Firmen bezeichnen, und deren jeweilige Werke in China als "chinesische" Firmen - und HSBC in Ffm als "deutsche" Firma. Was sie rein organisations-juristisch zumindest in den US ja auch sind. Trotzdem, denke ich, sind die Eigentümerverhältnisse so klar, dass ich es wagen kann, all diese Firmen als "japanische, koreanische und deutsche Firmen im jeweiligen Ausland" zu bezeichnen.

Auch Bentley und RR sind ebenfalls von Nicht-Briten beherrscht, sondern von "Krauts", lediglich die Historie bindet die meisten dieser Firmen ans UK . Noch.

Und zu McClaren habe ich nur mal kurz in https://de.wikipedia.org/wiki/McLaren_Group geguckt:
"Seit 2010 waren die Anteilseigner zu 30 % die Mumtalakat Holding Company des Staats Bahrain, zu je 15 % Ron Dennis und Mansour Ojjeh, der Eigentümer von TAG, und zu rund 29 % die McLaren Group selbst. [...] Demzufolge hielten Ron Dennis und die TAG-Gruppe nun jeweils 25 % der Anteile, die restlichen 50 % werden von der Mumtalakat Holding Company des Staates Bahrain kontrolliert.[4] Im Juni 2017 verkaufte Dennis seine Unternehmensanteile und zog sich auch aus der Führung zurück.[1]" ... also: auch nicht mehr britisch beherrscht.

Es reift langsam der Gedanke bei mir, dass es gar keine Produktions-Firma von Bedeutung mehr unter rein britischer Regie gibt?

#225 - 24.08.2018, 14:14 von mostly_harmless

Zitat von newline
als leuchtende Beispiele erwähnt werden, die nicht in der EU sind. Beide Länder sind über komplexe Verträge, deren Verhandeln Jahre dauerte, mit der EU verbunden. Verträge, die GB nicht hat oder auch nicht will. [...]
Wenn GB die Modalitäten der Verträge mit der Schweiz oder Norwegen akzeptieren würde, könnte man die Verhandlungen in Nullkommanichts erfolgreich beenden. Kostet GB im Jahr ca. 50 Milliarden Euro. Gar kein Problem.

#226 - 24.08.2018, 18:42 von willibaldus

Zitat von geando
Also GB ist seit 1973 Mitglied der EWG. Daraus ging später die EU hervor, Charles de Gaulle hatte stets ein Veto gegen einen britischen Beitritt eingelegt, weil der die EWG als ein Instrument zur französischen Hegemonie in Europa begriff. Ich habe mir mal gerade die Entwicklung des BIP von GB angeschaut: Die grössten Krisen gab es 1973 (im Jahr des Beitritts zur EWG), 1980 (damals Mitglied der EG-10, Nachfolger der EWG), 1991 (damals Mitglied der EG-12) und der grösste Einbruch im Jahre 2009 (im Zuge der weltweiten damaligen Krise) als Mitglied der EU in ihrer heutigen Form. Das ein legales und faires Referendum ein "Schande für die Demokratie" sein kann, erschliesst sich mir nicht. Vielleicht sollte das Wählen generell in Frage gestellt werden, um die Demokratie zu schützen? Wie dem auch sei: Beide Seiten hatten im Vorfeld die klare Chance ihre Positionen zu erklären und der Grossteil der weitreichenden Medien war sogar deutlich gegen den Brexit. Und trotzdem: Viele Menschen in GB scheinen sogar gewisse wirtschaftliche Einbussen in Kauf nehmen zu wollen für die gewonnene Souveränität und politische Flexibilität die GB in Zukunft wieder hat.
Schon seit der Montan Union war die europäische Einigung das Fernziel. Wirtschaftliche Verflechtung, dadurch Krieg unmöglich machen und politische Annäherung war von Anfang an die rote Linie. Die Briten haben nur den offenen Markt gesehen. Das war der Grund, warum DeGaulle die Briten nicht wollte.

#227 - 24.08.2018, 19:50 von willibaldus

Zitat von Bernd R.
Wie sieht's eigentlich in Calais und Zeebrügge aus? Hat die EU dort schon genügend Zöllner in Stellung gebracht, um die Ausfuhr zu kontrollieren und die Papiere abzustempeln?
Doch, da wurden schon Flächen ausgewiesen und Personal eingestellt. Auch Irland hat sich schon vorbereitet.

#228 - 24.08.2018, 22:10 von wauz

Der Schwanz im Schraubstock

Zitat von Murmeltier
Das zweite Referendum wird es nicht geben, zumindest nicht so bald. Und warum sollte es die EU so einfach akzeptieren? Die Unzufriedenheit innerhalb des VK wird sicher wachsen, und ich hätte nichts gegen ein unabhängiges europäisches Schottland. Aber trotzdem: Aufstände, NATO-Einsätze, Vergleiche mit 1066????
kapital schlägt sich, Kapital verträgt sich.
Die "Großen" der Weltwirtschaftm speziell in Westeuropa, werden sich die Chancen nicht entgehen lassen, die sich mit dem Brexi bieten. Es gibt also kein "Zurück".
Das Zweite: die Spannungen innerhalb der UK-Firmen werden massiv zunehmen. Diejenigen, die sich auf der Gewinnerseite durch Brexit sahen, können so schnell nicht nachgeben. Daher kommt es zur Spaltung.
Schottland wird prosperieren, England in Armut verfallen. Dann kommt es zu Unruhen. Wenn die Londoner Regierung die nicht mit eigenen Kräften bekämpfen kann, werden sie ausländische Mächte zu Hilfe rufen.
Das ist der Moment, wo sich Kapital wieder "verträgt". Schließlich hat Preußen auch nicht zugesehen, wie in Frankreich sich eine sozialistische Regierung etabliert.

#229 - 25.08.2018, 00:58 von wauz

Wer ist da wir?

Zitat von janfred
Das ist ja wohl die interessanteste Vision. Glauben Sie, wir sollten es wirklich versuchen? Das englische Königshaus ist ja eigentlich fast deutsch. Wir konnten uns dann die Insel einverleiben. Sozusagen als späte Rache für Helgoland.
Wenn das Königreich England vor dem völligen Zusammenbruch gerettet werden muss, wird es - selbstverständlich - die NATO sein, die das macht. Aber wer ist "wir"? "Die Deutschen"? Wohl kaum! Erstens: Die Bevölkerung in Deutschland wird da nicht begeistert sein. Zweitens: Für solche Operationen braucht es viel Infanterie. Das ist das, was die Bw nach dem 2+4-Vertrag gar nicht mehr hat.
Drittens: Aus historischen Gründen wäre der Einsatz deutscher und österreichischer Truppen (auch der Polizei) so ziemlich das dümmste, was man machen kann. Viertens: andere europäische Länder könnten das auch so sehen...
Fazit: Französische, holländische, spanische und polnische Soldaten werden da hingehen.

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