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Start-up-Boom: Wie Russland mit IT-Geschäften Milliarden verdient

AFP Im Schatten von Konzernkolossen wie Gazprom hat sich in Russland eine quirlige IT-Branche entwickelt: Start-ups feiern auf dem Weltmarkt Erfolge und verdienen Milliarden - doch ihr Aufstieg ist bedroht.
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#1 - 02.03.2019, 16:46 von dieter.zuckermann

Die Krise von 2014 würde ich nicht überbewerten. Kaum einer hat es als Krise erkannt. Es ist nichts gravierendes passiert. Öl-Preis ist eingebrochen. Dadurch gab es ein einziges Jahr kurzen kleinen BIP-Rückgang. Aber kaum einer ist davon ausgegangen, dass die Öl-Preise dauerhaft unter 30 Dollar liegen werden. Die Stimmung war gar nicht mal so schlecht.
SWIFT ist mittlerweile nicht nötig um international Zahlungen zu tätigen. Das wäre zu jetzigen Zeitpunkt eh kein Problem für Russland mehr. Damals wäre man auf so einen Schritt unvorbereitet. Aber auch das wäre nur eine kurze Krise die man bewältigt hätte. Außerdem hat niemand ernsthaft geglaubt, dass Russland aus SWIFT isoliert werden kann. Darüber wurde gesprochen, dass dies in der Theorie möglich ist. Und man deswegen sich unabhängig von SWIFT machen muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies Eintritt wurde aber zu jedem Zeitpunkt praktisch bei Null angesetzt. Jetzt spricht man natürlich weniger darüber als damals, weil es Russland jetzt egal ist, ob man an SWIFT angeschlossen ist.

#2 - 02.03.2019, 17:00 von Ashurnasirapli

Natürlich kann man in Russland Unternehmen gründen. Aber wie der Fall Bill Bowder und Hermitage Capital zeigen, die Frage ist, ob sie dir morgen noch gehört, wenn die Eigentümer den falschen Leuten im russischen Staat in Quere kommen. Die Steuerfahndung hat eine Razzia in der Niederlassung durchgeführt, die Originaldokumente zur Gründung mitgenommen, die wurden gefälscht, vor Gericht eingereicht und die Echtheit bestätigt. Enteignung auf die russische Methode.

#3 - 02.03.2019, 17:36 von sven2016

International liegt das Problem nicht an

der russischen Pizza, sondern an der Bewertung russischer Software- und Systementwicklungen.

Bei der Pizzeria weiß der Kunde nicht, wem die Kette gehört, bei der Software kann er nicht oder nur unter Vorbehalt feststellen, ob unerwünschte Funktionen enthalten sind und vielleicht nur „schlafen“.

Das dürfte den Kundenkreis beschränken. Egal ob sie in Thailand oder Brasilien logieren.

Die genannten Großunternehmen werden mit Sicherheit zumindest in USA Probleme bekommen.

#4 - 02.03.2019, 18:00 von honey_d

Was soll eigentlich der Titel suggerieren?

Beim ersten Lesen des Titels denkt man, dass sich hier Putin was unter den Nagel reißt (und das muss natürlich illegitim sein, schließlich hat es ja mit Putin zu tun) ... und beim Text darf der geneigte Leser dann erfahren, dass es in Russland einfach eine quirlige Startup-Szene gibt! Nichts mit illegitim.

#5 - 02.03.2019, 18:00 von h3micuda

Firma vergessen

Schade, dass eine Firma nicht erwähnt wird, auf die der Artikel in jeder Hinsicht perfekt passt: Telegram

#6 - 02.03.2019, 18:03 von CorpRaider

In Russland gibt es im IT-Bereich in der Tat extrem fähige Leute, aber wer sich als Unternehmer nicht 100% der Kreml-Oligarchie/Kleptokratie rund um Putin unterordnet, der kann schnell alles verlieren - bis hin zur eigenen Freiheit. Es gibt dort nun mal keine Rechtssicherheit durch eine unabhängige Justiz. Angesichts dessen, ist es verständlich, dass junge erfolgreiche Unternehmer oder Hochqualifizierte häufig das Weite suchen.

#7 - 02.03.2019, 18:09 von ka117

Zitat von dieter.zuckermann
Die Krise von 2014 würde ich nicht überbewerten. Kaum einer hat es als Krise erkannt. Es ist nichts gravierendes passiert. Öl-Preis ist eingebrochen. Dadurch gab es ein einziges Jahr kurzen kleinen BIP-Rückgang.
Wenn Sie fast 3-prozentigen BIP-Einbruch als "klein" bezeichnen, wie soll man den durchschnittlichen Wachstum von weniger als 2% bis 2020 bezeichnen? Für einen Schwellenland wie Russland bedeuten diese Zahlen eine Stagnation.

Und an der Krise ist nicht nur der Öl-Preis schuld sondern auch die Sanktionen des Westens und zunehmend die Politik des Kremls, der alles und jeden kontrollieren will und wo sich kein Unternehmen sicher fühlen kann.

#8 - 02.03.2019, 18:22 von heinri_sch

@ Dieter.Zuckermann

Wie kommen sie zur Einschätzung, dass die Krise 2014 nicht überbewertet werden sollte? Mein russischer Schwiegervater war heilfroh, dass er sein Gehalt in Euro ausgezahlt bekommt, denn ansonsten wäre sein Gehalt bis zu 30% weniger wert. Er gehörte zu den glücklichen, die einen europäischen Arbeitgeber haben. Als ich 2016 zu Besuch in Russland war, war der Geldwertverlust immer boch ein Gesprächsthema, dass viele bewegt hat. Auch hat meine Frau wesentlich weniger Besuche aus Russland gehabt, da die Freunde sich den Besuch nicht mehr leisten konnten. Das sind natürlich persönliche Beispiele, aber meine Frau kommt aus einer gutsituierten Familie und die haben die Krise bemerkt. Was denken sie, wie es denen ging, die keine Gehaltsauszahlung in Euro beziehen. Ich kann ihren Beitrag in keinster Weise nachvollziehen und bezweifle, dass sie mit Russen in dieser Zeit in Kontakt standen.

#9 - 02.03.2019, 18:25 von mentor54

Zitat von honey_d
Beim ersten Lesen des Titels denkt man, dass sich hier Putin was unter den Nagel reißt (und das muss natürlich illegitim sein, schließlich hat es ja mit Putin zu tun) ... und beim Text darf der geneigte Leser dann erfahren, dass es in Russland einfach eine quirlige Startup-Szene gibt! Nichts mit illegitim.
Der devote Putin-Troll verteidigt seinen Herrn & Meister sogar, wenn dieser gar nicht attackiert wurde.

Gute Leute gibt es überall, heutzutage kommt es darauf an, welches Land diesen optimale Entwicklungsperspektiven bietet.

Dazu gehört u.a. Rechtssicherheit, und zu diesem Thema hat bereits der Forist Ashurnasirapli (Kommentar #2) das Wesentliche gesagt. Es hat schon seine Gründe, warum von der anfänglichen Euphorie für das Russlandgeschäft in den 90er Jahren bei westlichen Investoren nicht mehr viel übrig geblieben ist.

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