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Trügerische Statistik zum Einkommen: Das Armutszeugnis

In Greifswald herrscht Armut, in München nicht: So sieht es die offizielle Statistik. Doch der Vergleich trifft es nicht - weil er vergisst, wie unterschiedlich teuer das Leben in Deutschland ist.
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#1 - 29.03.2016, 18:30 von chiefrosi

traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast ...

... und auch hier halte ich sämtliche Vorschläge für äußerst fragwürdig. Auch innerhalb einer Region besteht z.B. zwischen Stadt und Land ein teils deutlicher Unterschied der Lebenshaltungskosten, was allein schon Mieten oder Immobilienpreise betrifft. Theoretisch müsste man das individuelle Einkommen also auf die Lebenshaltungskosten in der unmittelbaren Umgebung normieren ... ein höchstwahrscheinlich hoffnungsloses Unterfangen.

Die Normierung auf Medianeinkommen in immer feinerer Granularität (z.B. wie vorgeschlagen auf Bundesländer oder Regionen) hat aber auch ein noch anderers prinzipielles Problem: Im Grenzfall wird auf das Einkommen eines einzelnen Haushaltes normiert, somit sind alle Einkommen gleich. Einen objektiven Grund, gerade die Granularität "Bundesland" oder "Region" zu bevorzugen gibt es m. E. nicht, somit wird eben immer genau jene Statistik aufbereitet, die am besten das zeigt, was man gerade zeigen will ...

#2 - 29.03.2016, 18:31 von Actionscript

Einkommen unterschiedlich

Vermutlich sind auch die Einkommen in teuren Städten wie München oder Hamburg höher als zum Teil in ländlichen Gegenden, was die höheren Lebenshaltungskosten wieder ausgleicht.

Armut kann gemessen werden an dem, was man nach allen Ausgaben am Ende des Monats noch übrig hat. Von daher sollten in etwa die durchschnittlichen Kosten pro Person errechnet werden und dem Familieneinkommen gegenübergestellt werden. Da würde bei Hartz IVlern ein negatives Ergebnis herauskommen wie bei vielen anderen Niedrigverdienern ganz egal, wo diese wohnen.

#3 - 29.03.2016, 18:31 von 1lauto

keine vierköpfige Familie

Kann in München in einer neu angemieteten Wohnung von 60 qm von 2000€ leben. Da wäre dann jeglicher Ausschluss von Bildung und Kultur, die Nutzung von Armenküchen oder Tafeln kann den Hunger mildern. Oder nicht offizielle Nebeneinkünfte, da gibt es hier "natürlich" viel mehr Möglichkeiten als in McPom.

#4 - 29.03.2016, 18:32 von hneunhoe

und was ist mit der Inflation?

dass nur das durchschnittliche Einkommen keine wirklich gute Aussagekraft ist, um Armut u messen, kann man - ohne ein Mathe-Genie u sei, auch an folgendem Beispiel erkennen:
wenn im Jahr 1 die 60%-Grenze realistisch ist, aber im Jahr 2 und 3 das Einkommen um durchschnittlich 5% wächst, die Inflation aber bei 0% ist, dann rutschen Menschen unter die 6ß%-Grenze, obwohl sie weiterhin so "gut" leben, wie im Jahr 1 ...
Auch hieran kann man erkennen, dass Einkommen und Preisniveau alleine nicht reichen, Kaufkraft gehört sicherlich dazu, um eine Aussage u machen
Bildung & Gesundheitssystem etc. sind eine weitere Dimension - die aber nicht in die "Geld-Statistik" für Armuterkennung passen

#5 - 29.03.2016, 18:32 von Afrojüdischer_Sozi-Sinti

Es ändert nichts

Bei den meisten Menschen mit mittleren, unteren und geringsten Einkommen steigen die Lebenskosten entsprechend jeder noch so mickrigen Einkommensteigerung.
Arbeitnehmer und Scheinselbständige bekommen ihr Einkommen überall von ihren Arbeitgebern/Auftraggebern. Und bei eben denen wird es am Ende auch i.d.r. alles wieder ausgegeben.
Das Geld landet so am Ende immer bei denen die eh schon mehr als genug haben.
Selbst wenn jemand mit einem höheren Einkommen was bei Seite legt, spart, oder investiert wird der Gewinn früher oder später von den dickeren Fischen geschluckt. Man trägt sozusagen für die das Risiko. Denn wenn es keinen Gewinn gibt kann es ganz schnell abwärts gehen. Ein Schicksal von dem die ganz Großen meistens auch verschont bleiben.
Es gibt eben doch nur zwei Arten von Menschen auf dieser Welt: Jene die über kaum mehr als ihre Arbeitskraft verfügen (und seien sie noch so hoch qualifiziert) und jene die weitaus mehr ihr Eigen nennen - völlig egal ob geerbt, ergaunert oder wohl verdient.

#6 - 29.03.2016, 18:33 von Nabob

Was nützt die Nachbetrachtung durch Asoziale?

Fakt ist, dass in Deutschland 13 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze leben - diese Feststellung dürfte doch wohl ausreichen.

Die davon nicht betroffenen Fettsäcke sollen sich zurückhalten und sich - falls sie dazu in der Lage und willens sein sollten - in einem bekennenden Wohlfahrtsstatt nach den gesellschaftlichen Wirkungen von Armut fragen, den psycho-sozialen gleich wie den öko-sozialen. Aber das ist vermutlich nicht chic genug.

#7 - 29.03.2016, 18:34 von bausa

Es gibt Armut

in Deutschland und zwar politisch gewollte. Ich kenne genug Menschen in meinem Umfeld die sich trotz Arbeit wenig leisten können. Bei Stundenlöhnen im Handwerk beginnend von 11€ kein Wunder. Tarif zahlen nur große Firmen oder die Industrie. Abhängig von der Branche gibt es auch gewaltige Unterschiede. Logistik ist am schlechtersten bezahlt, Autoindustrie und Pharma am besten. Von 24€ am Fließband bei BMW kann jeder Facharbeiter nur träumen. Erfolgsbeteiligung am Ende des Jahres gibt es nur bei Banken, Pharma oder Autoindustrie.
Die Politik hat es acuh nicht geschafft in den ärmeren Bundesländern wie Meckpom Industrie anzusiedeln. BMW Leipzig ist eine Ausnahme in Sachsen. Es gibt nicht nur das Nord-Süd sondern auch Ost-Westgefälle. Und man lerne, wer den falschen Beruf wählt bleibt arm.

#8 - 29.03.2016, 18:35 von ustein

Vorschlag

Eigentlich hat man doch mit dem Anteil der Haushalte, die Leistungen gemäß SGB II (ALG II / Sozialgeld) oder SGB XII (Grundsicherung) beziehen alle Daten zusammen, um eine überregional vergleichbare Armutsquote zu berechnen. Armut wäre dann definiert als ein zu niedriges Einkommen, um ein gesellschaftlich als angemessen angesehenes Wohn- und Lebensniveau am Wohnort finanzieren zu können. Dann würden viele der Studenten und Rentner im Wohneigentum auch nicht mehr in der Armutsstatistik auftauchen.

#9 - 29.03.2016, 18:39 von adolfo1

Underground people

das ist die Zukunft für viele unserer Mitbürger. Bekanntlich haben wir in der BRD bereits ca. 10 Mio. Personen (mit oder ohne Job), die nur mit Hilfe des Staates überleben und ca. 3 Mio. Kinder, die als arm eingestuft werden (Bericht Wohlfahrtsverbände), was bei uns soziale Ausgrenzung bedeutet. Die Hauptgründe dafür sind: Globalisierung (Jobs jetzt in Asien und Teilen
Osteuropas), Modernisierung von Arbeitsprozessen (10 Mio. weitere Jobs in Gefahr), sowie in der BRD auch teilweise die Folgen der Wiedervereinigung. Die BRD hat es zwar geschafft (TV-Bericht) von 2003 bis 2013 ca. 3 Mio. Bürger wieder in Arbeit zu bringen, allerdings bei gleichbleibendem Arbeitsvolumen (prekäre Beschäftigungsmodelle). Die Beseitigung dieser Elendszustände (Armut nimmt zu) sollte Priorität unter den Politikern einnehmen. Längst überfällig ist eine Analyse hinsichtlich der Wirtschaftslage der westeuropäischen Länder, deren Zukunftsaussichten, mit einer Gegenüberstellung des verfügbaren Arbeitnehmerpotentials (Bildung/Ausbildung). Vermutlich würde man dann per Saldo feststellen, dass ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung "abzuschreiben" ist, ohne kurz- oder mittelfristige Aussicht auf lohnenswerte Arbeit. Der tausendfache Zuzug von Menschen ohne für unsere Wirtschaft passende Qualifikation, wird diese Misere noch verstärken, mit voraussehbarem Leid für die Betroffenen und nicht voraussehbaren Kosten (auch Gesundheitssystem etc) für uns.

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