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Wahlkampf in Griechenland: Tsipras opfert den Aufschwung

AP Griechenlands Wirtschaft wächst, der Staat kommt wieder an Geld. Um seine Wiederwahl zu retten, drückt Ministerpräsident Tsipras teure Maßnahmen durch. Er riskiert damit den zarten Aufschwung - und ärgert Europa.
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#10 - 11.03.2019, 15:34 von tinnytim

Welchen Vorwurf kann man Tsipras machen?

Zitat von fluxus08
Früher hatten die Griechen Sokrates, Pythagoras, Aristoteles, Archimedes und Platon. Heute dürfen sie sich mit Tsipras und Varoufakis begnügen. Wann ging es den Griechen nochmal besser?
Den Karren in dem Dreck gefahren haben ja wohl eindeutig die Konservativen von der Nea Dimocratia und bei der Rettungspolitik die Troika, ebenfalls zu zwei Dritteln von Konservativen vetreten.
Bloß weil Wolfgang Schäuble Makroökonomie nicht verstehen will, heißt das nicht, dass es keine realen Ursache-Wirkungs-Prinzipien gibt.

#11 - 11.03.2019, 15:49 von mimas101

Zitat von fluxus08
Früher hatten die Griechen Sokrates, Pythagoras, Aristoteles, Archimedes und Platon. Heute dürfen sie sich mit Tsipras und Varoufakis begnügen. Wann ging es den Griechen nochmal besser?
Heute... ;)

In den Zeiten der Altphilosophen (wobei Griechisch die damalige weitläufige Lingua Franca war und keiner so recht weiß zu welchem Volksstamm diese Altphilosophen tatsächlich gehörten oder ob die Griechen sie sich nicht einfach selbst an die Brust hefteten) schlugen sich regelmäßig die griechischen Stadtstaaten untereinander die Köpfe ein. Essen gab es auch, s. Sparta.
Das einzige was die Griechen hervorbrachten war ein perfekt organisierter Nachrichtendienst (Orakel von Delphi), vermutlich die theoretische Physik und sicherlich Volksabstimmungen.

Heute bezahlt der Staat das Essen und die brüsseler EWG gibt das Geld dazu. Ganz ohne die griechischen Steuerpflichtigen, und die griechische Art diese zu erheben, anzutasten.

#12 - 11.03.2019, 15:54 von Bananenschale

Mindestlohn

Zitat von egonv
Und was ist mit den wirtschaftlich gesehen positiven Effekten, der beschriebenen Maßnahmen? Zählen die nicht? Auch wenn es heute nicht mehr so populär ist: Nachfragesteigerung ist eine der wirksamsten Maßnahmen zum Aufschwung. Bekommen Geringverdiener mehr Geld geht das nahezu zu 100% in die Binnennachfrage. Dieser Effekt ist deutlich nachhaltiger für die wirtschaftliche Entwicklung als die so gepriesenen Privatisierungen, die klappen nur einmal und haben keinen Multiplikatoreffekt
Was wird von den Gütern, die ein Mindestlöhner so kauft, selbst in Griechenland hergestellt? Das meiste wohl nicht. Die Rechnung ist also, ob dem höheren Mindestlohn auch höhere Umsätze der griechischen Unternehmen gegenüber stehen. Nur dann hat es einen solchen Effekt. Das ist das Kreuz der Internationalisierung der Wirtschaft: Ein Nachfrage-orientierte Politik stützt die Wirtschaft einer Region nicht. Ein Mindestlohn übt aber einen gewissen Druck in Richtung höher qualifizierter Tätigkeiten aus. I.Ü. gilt das so auch in Dtl.

Der Mindestlohn ist eine ordnungspolitische Maßnahme. Arbeit soll keine Ramschware sein! Man entwickelt eine Region nicht durch den Verzicht auf einen auskömmlichen Mindestlohn sondern bestimmt lediglich langfristig ihre Tendenz. Was konkret hilft: Weniger Bürokratie, weniger Korruption, ein gerechtes Steuersystem, Investitionen in Bildung und vor allem weniger Privatisierung, bei der Einrichtungen in die falsche Hände ( Oligarchen oden international orientierte institutionelle Anleger usw. ) geraten.

Der Mindestlohn hat allerdings für den eruopäischen Wirtschaftraum einen Effekt, weil viele, wenn nicht sogar die meisten Güter, die davon gekauft werden, auch in Europa hergestellt werden. Darum gehört der Mindestlohn auf die europäische Agenda. Er kann von Land zu Land verschieden sein wg. unterschiedlicher Kostenstrukturen. Idelaerweise soll er das aber nicht auf Dauer sein, weil Wohlstandgefälle zu für alle Seiten belastende Migrationsbewegungen führen.

#13 - 11.03.2019, 15:55 von Schämer

Griechenland ist kein Exportland, daher wird eine Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit nicht helfen,
es wird nur die Armut verschlimmern.

Die Binnenkaufkraft zu verbessern, ist das beste was Tsipras machen kann.

#14 - 11.03.2019, 16:03 von ingo.adlung

Na toll ...

... hat der Schreiber des Artikels mal 650 Euro auf Stundenlohn runtergerechnet? Griechenland ist ein Euro Land. In erster Näherung kosten Lebensmittel, Autos, Sprit, etc. vergleichbar viel. 650 Euro / 4 Wochen / 40 Stunden ergibt einen Stundenlohn von rund 4 Euro. Die Regierung mag alles mögliche sein, aber 4 Euro in einem Land ohne unseren ALG II Rettungsschirm für Arbeitnehmer ist sicherlich nicht luxurös ... oder übersehe ich hier irgend etwas?

#15 - 11.03.2019, 16:03 von ein-berliner

Was für eine Frage

Zitat von fluxus08
Früher hatten die Griechen Sokrates, Pythagoras, Aristoteles, Archimedes und Platon. Heute dürfen sie sich mit Tsipras und Varoufakis begnügen. Wann ging es den Griechen nochmal besser?
Wenn alles so bleibt und die Euros von der EU wieder reichlich fließen geht es den Griechen bestimmt bestens.
Nur nicht an der Mentalität rühren und bloß keine funktionierenden Finanzämter einsetzen.

#16 - 11.03.2019, 16:19 von moeh1

Griechenland

Griechenland hat so viel Schulden die niemals bedient werden können dass es auf die zusätzlichen auch nicht mehr ankommt. Bald werden die EU Schulden vergemeinschaftet dann seht Deutschland für alles ein !

#17 - 11.03.2019, 16:20 von Kurt-C. Hose

Zitat von ingo.adlung
... hat der Schreiber des Artikels mal 650 Euro auf Stundenlohn runtergerechnet? Griechenland ist ein Euro Land. In erster Näherung kosten Lebensmittel, Autos, Sprit, etc. vergleichbar viel. 650 Euro / 4 Wochen / 40 Stunden ergibt einen Stundenlohn von rund 4 Euro. Die Regierung mag alles mögliche sein, aber 4 Euro in einem Land ohne unseren ALG II Rettungsschirm für Arbeitnehmer ist sicherlich nicht luxurös ... oder übersehe ich hier irgend etwas?
Ja, Sie übersehen, dass das Leben in Griechenland deutlich billiger ist.

#18 - 11.03.2019, 16:25 von fluxus08

Sei fragen, welchen Vorwurf man Tsipras machen kann?

Zitat von tinnytim
Den Karren in dem Dreck gefahren haben ja wohl eindeutig die Konservativen von der Nea Dimocratia und bei der Rettungspolitik die Troika, ebenfalls zu zwei Dritteln von Konservativen vetreten. Bloß weil Wolfgang Schäuble Makroökonomie nicht verstehen will, heißt das nicht, dass es keine realen Ursache-Wirkungs-Prinzipien gibt.
Genau den gleichen, der von Ihnen angesprochenen Politiker der Nea Dimocratia!
Beiden ist gemeinsam, dass sie wieder mit Wahlgeschenken um sich werfen, um wieder gewählt zu werden - auf Kosten der Steuerzahler anderer Nationen!

#19 - 11.03.2019, 16:43 von Olli Ökonom

Zitat von egonv
Und was ist mit den wirtschaftlich gesehen positiven Effekten, der beschriebenen Maßnahmen? Zählen die nicht? Auch wenn es heute nicht mehr so populär ist: Nachfragesteigerung ist eine der wirksamsten Maßnahmen zum Aufschwung. Bekommen Geringverdiener mehr Geld geht das nahezu zu 100% in die Binnennachfrage. Dieser Effekt ist deutlich nachhaltiger für die wirtschaftliche Entwicklung als die so gepriesenen Privatisierungen, die klappen nur einmal und haben keinen Multiplikatoreffekt
Was passiert denn,wenn man Löhne überproportional erhöht? Das steht auch im Artikel! Wenn die Löhne zustark steigen und das Budget nicht mit steigt, werden Arbeitsplätze abgebaut. Dann wird der angeblich so posititive Effekt durch den höheren Konsum gleich wieder ins Gegenteil umgepolt, weil es dann weniger Arbeitnehmer gibt. Man kann in so einem Fall den Euro halt nur einmal ausgeben.
Gleiches gilt für Unternehmen: Wenn die Preise nicht entsprechend angehobenwerden können, wird die Produktion heruntergefahren, Arbeitsplätze werden vernichtet und dann bricht der Konsum zusammen.
Also bitte auch weiter als bis zur Nasenspitze denken und auch die Seite von Unternehmen betrachten.

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