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Zum Tod von Ferdinand Piëch: Ingenieur der Macht

Polaris/ laif Er war ein genialer Techniker und beherrschte die Kunst Machiavellis: Ferdinand Piëch galt in seiner Kindheit als Versager - aber er kämpfte sich hoch und schuf ein globales Autoimperium. Bis er sich selbst entmachtete.
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#1 - 27.08.2019, 08:48 von mariahellwig

Alphamännchen...

gelten heute irgendwie wie aus der Zeit gefallen. Aber ohne Ferdinand Piech würde es VW heute vermutlich nicht geben. Schon gar nicht in dieser Form. Er war ein Visionär und großartiger Ingenieur. Wenn auch nicht besonders medientauglich. Er kannte seine Schwächen und drängt sich deshalb nie in die Öffentlichkeit.

#2 - 27.08.2019, 08:54 von numbat3

Seine Leistungen - unvergessen

Es gibt in den vielen History-Filmen auch mehrere, die die Familiendynastie Porsche betrachten.
Diese sind sehr interessant. Ich war noch in Hannover, als Piech im VW-Konzern noch etwas zu sagen hatte.
Man soll im Nachgang nichts Schlechtes sagen, nur so viel: Viele im Management hatten wohl Angst vor ihm. Er soll unberechenbar gewesen sein und soll durch Schweigen und Blickkontakte kommuniziert haben.
Diese Thematik streift auch der Artikel.
Noch vor ein paar Tagen habe ich mich gefragt, wie lange "Der Alte" wohl noch leben mag.
Nun ist wieder mal eine zeitgeschichtliche Persönlichkeit gegangen. Umstritten zwar, aber der Rest passt schon. Schöner Artikel von SPON. Danke dafür.

#3 - 27.08.2019, 08:57 von siegfried_richard_albert

Ein großer Mann für Deutschland und Österreich

Herr Piech hatte außergewöhnliches geleistet. Er hatte immer Ziele und um diese zu erreichen, muss man klare Worte sprechen. Nebenbei, Herr Winterkorn musste dann doch zurücktreten. Wie weit hier Herr Piech seine Hand im Spiel hatte, wer weiß.

#4 - 27.08.2019, 09:08 von Spiegelleserin57

Ein Technikbegeisterter!

Er war ein Mensch der von seiner Arbeit überzeugt war! Der Stil im Management ist heute anders aber nicht besser! Gefeuert wird auch heute wer nicht ins Geschäft passt, mit allen Mitteln, daran hat sich nichts geändert. Das man keine Kritik wünscht ist auch heute so. Der Unterschied allerdings ist dass Herr Piech vom Fach kam und sehr genau sich in der Materie auskannte.
Solche Leute sind heute selten! Es geht heure überwiegend um Zahlen.
Dass es Umbauten in Konzernen gibt die auch Abteilungsleiter und Manager den Job kosten ist besonders in der heutigen Zeit normal, nur wird es anders dargestellt, die Leute selbst kennen das! Einen Kuschelkurs gibt es bei Konzernen nicht.
Das ist eben Wirtschaft,kein Familienunternehmen mehr, da regieren die Anteilseigner und die Aktionäre und diese wollen Dividenden sehen. Passen die Zahlen folgen harte Konsequenzen.

#5 - 27.08.2019, 09:51 von ardbeg17

Sehr schöner Artikel

Man kann zusätzlich noch anführen, dass Piech damals - völlig gegen die Gewerkschaftslinie - flexible Arbeitszeiten eingeführt hat, vorübergehend sogar die Vier-Tage-Woche OHNE Lohnausgleich. Der Erfolg der deutschen Industrie, auch und besonders in und nach der Finanzkrise, wäre ohne derartige Instrumente undenkbar gewesen. Zudem hat er VW durch die Konstruktion mit der Porsche-Holding für Spekulanten unangreifbar gemacht - und somit einem Konzern mit über 600 000 Mitarbeitern (über 200 000 allein in D) zusätzliche Sicherheit verliehen.

#6 - 27.08.2019, 09:53 von argonaut-10

Sehr schön

auch die aufgezeigten Zusammenhänge von eigener Erziehung und späterem Ehrgeiz. Befeuert wurde das ganz insbesondere durch die Tatsache, dass seine Mutter selbst zutiefst gekränkt war, dass sie (obwohl besser als ihr Bruder) nicht den Porsche-Konzern übernehmen konnte. Das wiederum wirft ein Schlaglicht auf den Ur-Vater Porsche, der wohl auch sehr ausschließlich der Technik und dem Erfolg verbunden war und dem alles unteordnete, bis hin zur Kollaboration mit den Nazis. Würden wir noch mehr wissen über dessen Elternhaus... ich bin sicher, wir könnten die Kette beliebig nach hinten verlängern.
Was kann man in Zeiten von so vielen "neuen" Management Methoden rückwirkend zu Piech sagen? Wenn man etwas bewegen will, dann muss man es machen und eben nicht auf kollektive Entscheidungen setzen. Davon bin ich seit langem überzeugt. Wäre mal interessant, diese Bewertungsmatrix auf DAX Unternehmen und Familienunternhmen anzuwenden.

#7 - 27.08.2019, 09:54 von Ein_denkender_Querulant

Fugen Ferdl

Ich habe es damals zuerst auch nicht verstanden, was dieses Beharren auf optisch und funktional völlig unerhebliche Zehntelmillimeter sollte. Aber es hatte einen Sinn, es war die Vorbereitung darauf, die Fahzeuge auf das Laserschweißen, was im Golf V eingesetzt werden sollte, zu ertüchtigen. Piech hatte noch technische Visionen, wie am 1l Auto gezeigt wurde. Genau das fehlt vielen Betriebwirten an der Spitze von Konzernen heute.

Nichtsdestotrotz war sein Führungsstil "hinterfragbar", um es höflich auszudrücken. Wer ihm einmal negativ auffiel, "war draußen". Darum achtete jeder darauf, blos keine Fehler zu machen. Und wer nichts macht, macht keine Fehler. Sein Führungsstil lähmte darum massiv. Und die Art und Weise, wie insbesondere seit Lopez Zulieferer in unerträglicher Weise ausgepresst wurden, sollte auch nicht vergessen werden. Die Gewinne von VW sind die Verluste der Zulieferer.

Piech war in Summe vermutlich ein Gewinn für VW. Wie er gesamt zu bewerten ist, werden uns in einigen Jahrzehnten Historiker erklären, die das Thema umfangreich aufarbeiten werden. Traurig ist wieder nur, dass ihm kein langer Lebensabend vergönnt war und ihm das Schiucksal vieler erfolgreicher Unternehmer widerfahren ist.

#8 - 27.08.2019, 09:59 von Dogbert

Eine sehr zwiespältige Persönlichkeit

sicher ein hervorragender Ingenieur, als Mensch offenbar der Versager, den seine Familie in ihm gesehen hat. Gerade von Leuten mit einer solchen Biografie erwarte ich mehr Empathie. Wer es im Leben nicht erreicht Menschen zu finden, auf die er sich verlassen kann, ist irgendwann von allen verlassen. Für mich hatte er immer die Augen eines Besessenen.

#9 - 27.08.2019, 10:07 von orca20095

Er hatte seine Fehler,

aber er war als Chef eines Autokonzerns fachlich absolut immer auf der Höhe und vorneweg. Suchen Sie das heute mal in einem DAX Konzern. Juristen, Verkaufsgenies und was da sonst so alles rumläuft, nur die Fachkompetenz, da ist es schlecht bestellt. Einige seiner Marotten, ob nun Alphatier oder Autokrat rühren sicher auch daher, weil er einfach zu viele Dummschwätzer loswerden wollte und musste.

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