Aleinikow

Fußball-Fakten: Der weißrussische Fußballer Sergej Aleinikow spielte von 1984 bis 1992 in der sowjetischen Nationalmannschaft. Seitdem nennen auch Freizeitkicker mitunter Mitspieler so, die durch zu viele Alleingänge glänzen wollen. 2011 verpassten Bayern-Spieler dem holländischen Solodribbler Arjen Robben diesen Spitznamen. Im Büroleben ist "Aleinikow" ein Mitarbeiter, der auf Teams pfeift, Kollegen konsequent ignoriert und die Meriten gemeinsamer Arbeit exklusiv ernten möchte.

Bürotourist

Der Bürotourist ist stets nur zu Besuch, das aber viel zu oft und viel zu lange. Den ganzen Tag streunt er quasselnd von Raum zu Raum. Und hält die lieben Kollegen durch allerlei Anekdoten aus seinem spektakulären Privatleben von der Arbeit ab.

Captain Future

Manche halten es für Trash, andere für einen Geniestreich: "Captain Future" ist der Held einer Romanreihe und einer japanischen Zeichentrickserie, die in den achtziger Jahren eine ganze Generation halbwüchsiger Nerds kulturell vers… nein: geprägt hat. Angestellte kennen unter diesem Spottnamen auch den Leiter der Personalentwicklung.

Diplomstümper

Dieser Kollege, gern auch mit Doktortitel, ist ein Theoriegigant und Praxiswinzling, mithin latent überfordert durch Alltagsaufgaben - trotz oder wegen seiner eindrucksvollen universitären Ausbildung.

Excelbitionist

Für die einen ist es das nützlichste Tabellenkalkulationsprogramm des Universums, für die anderen eine Bürofolter. Bilanzbuchhalter und Controller wissen Excel flink mit Daten zu füttern, dafür haben sie ihren Ruf als humorfreie Erbsenzähler und Sparkommissare weg. Wer es gar zu bunt treibt und ständig unnötige Tabellen und Charts in allen Farben baut, der gilt bald als "Excelbitionist".

Flatrate-Lutscher

Als einst die Deutsche Post sich noch jedes Telefonat als Monopolist vergolden lassen konnte, mussten unzählige Jugendliche ermüdende Diskussionen mit ihren Eltern durchstehen, wie lange ein Anruf dauern durfte. Heute verlegen Mitarbeiter längere Telefonate gern ins Büro. "Kost' doch nix": Flatrate-Lutscher nutzen ihre Arbeitszeit vorwiegend für Privatgespräche.

Gelegenheitspoet

"Und wer führt heute Protokoll?" Auch wenn jetzt alle betreten auf das Teppichmuster starren oder im Terminkalender blättern - einen wird es beim Meeting erwischen, und der hat die Chance, sich literarisch auszuzeichnen.

Habenwirnicht und Kriegenwirnicht

Das dolle Duo, oft ein Groß- und Einzelhandelskaufmann und ein BWLer: die liebenswerten Kollegen im operativen und strategischen Einkauf

Impulsarbeiter

Manche Angestellten reagieren generell nicht auf E-Mails. Ans Telefon gehen sie ebenfalls ungern und benötigen erst einen starken Impuls, um sich in Bewegung zu setzen. Grobe Charaktere sprechen auch vom "Tritt in den Hintern". Meist ist der Impuls nicht von Dauer, das Trägheitsgesetz macht bei der nächsten Aufgabe einen erneuten Impuls notwendig.

Jeans-Management

Bewährte Praxis in Führungsetagen: An den wichtigsten Stellen sitzen die größten Nieten.

Kaltverformer

Einen Führerschein gibt es nicht in der Lotterie. Und wenn es fünfzig Fahrstunden dauert, dafür muss man schon eine Prüfung bestehen. Wie dem Kaltverformer das gelingen konnte, ist den Kollegen schleierös - ständig baut er Unfälle mit dem Firmenwagen.

Lahmsieder

Ein etwas täppischer und traniger Mensch - nur gaaanz laaangsaaam erreicht er jene Betriebstemperatur, die es ihm erlaubt, neue Informationen zu verarbeiten.

Modenazi

Hat ein untrügliches Gespür für Untragbares und bewirft seine Kollegen mit ungebetenen Ratschlägen. Heute das Hemd in die Hose gestopft? "Geht gaaaar nicht." Aufgekrempelte Jackett-Ärmel? "Hat zuletzt Don Johnson in 'Miami Vice' getragen." Chucks an den Füßen? "Also bitte, in deinem Alter...!" Der Modenazi, guter Kumpel des Style-Faschisten, ist spezialisiert auf kleine und größere Gehässigkeiten ("Dieses enge Kleid macht únsere Tippse zur Presswurst"). Einzig angemessene Reaktion: geschmeidig weglächeln und ins Leere laufen lassen.

Neutrino

Physiker kennen Elementarteilchen mit sehr kleiner Masse, die elektrisch neutral sind, als Neutrinos. Firmenbelegschaften kennen Kollegen, die sich aus allem heraushalten und konsequent einen eigenen Standpunkt verweigern, ebenfalls als Neutrinos. Signalsätze: "Das müsst ihr entscheiden." - "Damit kenne ich mich nicht aus." - "Die einen sagen so, die anderen sagen so."

Opossum

Der/die famose australische Travestiekünstler/in und Talkmaster/in Dame Edna pflegte sein/ihr Publikum stets fröhlich-charmant zu begrüßen mit "Hi, possums". Was so viel heißt wie "Hallo, Beutelratten" oder auch "Tach, ihr Torfnasen". Das katzengroße Opossum, der amerikanische Verwandte mit O, führt ein Einzelgängerleben und hat eine besondere Eigenschaft: Wird das Tier bedroht, stellt es sich tot. Dieses Ich-bin-gar-nicht-da-Verhalten bringen auch manche Büromenschen perfekt zur Aufführung - immer, wenn echte Arbeit droht.

Pille

Der Betriebsarzt. Natürlich spielt das an auf Dr. Leonard McCoy, eine der Hauptfiguren in "Star Trek". Pille war der Doc auf dem Raumschiff Enterprise, Technikskeptiker und rebellierte in Moralfragen häufig gegen Captain Kirk und Commander Spock. Typischer Satz: "Ich bin Arzt und kein…" - hier zum Beispiel ergänzen: kein Maurer, kein Türstopper, kein Raumschiff-Schaffner, kein Bergmann.

Qualitätsdebütant

Betriebsabläufe prüfen, Ressourcen verbessern, Synergien suchen - Prozessoptimierung in Unternehmen ist keine glamouröse Aufgabe. Der Optimierer kollidiert oft mit Hierarchien und mit über Jahrzehnte gewachsener Arbeitsteilung zwischen Abteilungen, kurz: mit der Betriebsrealität. Wer den Job frisch übernimmt, hat schnell den Ruf als Qualitätsdebütant weg.

Rockstar

Kollegin, die durch besonders kurze Röcke auffällt, sonst mehr durch eine besonders lange Leitung.

Stuhlkreissitzer

Liebhaber beruflicher Weiterbildung - "jetzt nimmt der erste das Wollknäuel, stellt sich vor und erklärt, was er von diesem Seminar erwartet. Dann bitte das Wollknäuel einem anderen Teilnehmer zuwerfen".

Tschernobyl

Achtung, der neue Chef kommt: strahlend, aber gefährlich

Universaldilettant

Kann fast alles nicht richtig. Er rauscht heran mit mächtiger Bugwelle, vertritt wortreich eine Meinung zu jedem Thema und scheitert an jeder Aufgabe. Avanti, dilettanti!

VoZiDra

Kürzel für den guten alten Vorzimmerdrachen - wirft sich furchtlos jedem in den Weg, der zum Chef möchte.

Wanderpokal

Wird von Abteilung zu Abteilung durchgereicht und findet nie den Platz, an dem er reüssieren könnte. Alle, die noch nicht neben ihm gearbeitet haben, ahnen und fürchten: Eines Tages landet der Wanderpokal auch bei uns.

"404 Not Found" - hier fehlt ein Schimpfwort mit X. Schicken Sie uns doch einfach eins per Mail - und gern auch andere Wörter mit einer kurzen Erklärung.

Yetipelz

Gegen Projektstress, gegen tobende Chefs, gegen üble Nachrichten ist er immun - wer so ein dickes Fell hat, dem kann nichts etwas anhaben.

Zankwart

Ein Meister des Schlichtens, ist zuverlässig zur Zankstelle, sobald es Streit unter Kollegen gibt.

Corbis

Noch mehr Kollegengezicke von A bis Z: Klicken Sie weiter - oder schauen hier im Bürogezeter.

Abrissbirne

Der Letzte macht das Licht aus, wenn eine Firma in die Pleite steuert. Bevor es so weit ist, rückt der Insolvenzverwalter an. Es ist eher kein Job für empfindsame Charaktere: Der Verwalter hat streng zu prüfen, ob das Unternehmen oder Teile davon noch lebensfähig sind, er kann es also verkaufen oder zerlegen, Verträge schließen und Mitarbeiter entlassen. Auch die gesamte Belegschaft auf einen Schlag. Darum sind Insolvenzverwalter gefürchtet. Ihnen eilt der Ruf des Pleitegeiers voraus - oder der einer Abrissbirne. Manche nennen so auch einfach den Behördenkollegen aus dem Baureferat.

BOfH - Kürzel für: Bastard Operator from Hell

Dieser Systemadministrator verfolgt ausdauernd nur seine eigenen Interessen und die der IT-Abteilung. Der ist in den meisten Unternehmen eigentlich eine Rolle als interner Dienstleister zugedacht; im Rudel können Computerspezialisten aber eine sonderbare und undurchschaubare Eigendynamik entfalten. Oft straft der Rest der Belegschaft sie darum mit dem Entzug jeder Zuneigung und mit boshaften Schimpfwörtern.

C-Kunden-Aufreißer

Der geschäftliche Erfolg hängt in erster Linie von besonders zahlungskräftigen Kunden ab, den sogenannten A-Kunden. Sie werden von den Verkäufern der Firmen umgarnt. Wer sich selbst als vermeintlicher Starverkäufer zu gern im Lichte des eigenen Erfolgs sonnt, erfährt eine jähe Erdung, wenn die Kollegen ihn mit "C-Kunden-Beschaffer" ansprechen.

Duracell-Hase

Der Batteriehersteller Duracell feierte in Deutschland schöne Erfolge mit einem rosa Spielzeughasen als Werbefigur: In den Fernsehspots trat er zum Trommelwettstreit mit anderen Hasen an, die von No-Name-Batterien angetrieben wurden. Sie mussten früh das Trommeln einstellen, während ihr Rivale einfach nicht aufhören wollte. In Unternehmen werden Mitarbeiter (häufiger: Mitarbeiterinnen) "Duracell-Hase" oder kürzer "Duracell" genannt, deren Energie nie versiegt, die vom frühen Morgen bis zum Feierabend schier platzen vor Mitteilungsdrang und Aktionismus.

Eingetragene (r) Lebenspartner (in)

Ironische Bezeichnung für andere Teammitglieder, mit denen man mindestens für die Dauer eines Projektes verbunden ist

Fenster-Hocker

Über japanische Angestellte meint man in Europa manches zu wissen - dass sie nie vor dem Chef nach Hause gehen, den Feierabend vorzugsweise mit Kollegen in der Karaokebar verbringen, einen Großteil ihres Jahresurlaubs der Firma schenken. "Fenster-Hocker" (Madogiwa-Zoku) ist im japanischen Berufsleben eine Bezeichnung für Mitarbeiter ohne jede Perspektive. Oft sind sie vertraglich auf Lebenszeit bei ihrer Firma beschäftigt, bekommen aber keine Arbeit mehr zugeteilt, stattdessen einen leeren Schreibtisch mit Fensterplatz. Sie wissen: Fortan werde ich hier nicht mehr gebraucht. Es ist eine Form der Frührente, der Bestrafung durch endlose Langeweile auch für Manager, die weder sinnvolle Aufgaben noch Beförderungen erwarten können und denen die Mitarbeiter entzogen wurden, für die sie zuvor verantwortlich waren.

Gesichtstaliban

Mit "Die absolute Härte sind Oberlippenbärte" landeten die Punks der Band Nasenpower Germany Ende der achtziger Jahre einen kleinen Szenehit; die Kollegen von Elfmorgen konterten später mit "Das Leben ist hart ohne Oberlippenbart". Zweifellos ist der Schnauzer alias Oliba aka Pornobalken eine schlimme optische Nötigung und völlig zu Recht beinah ausgestorben; großflächigere Gesichtsbewaldung stand lange nur ostdeutschen Pfarrern und Sozialkundelehrern nahe der Pensionsgrenze zu. Inzwischen experimentieren damit auch Angestellte in der Spätpubertät oder in der Midlife-Crisis (was direkt ineinander übergehen kann). Drohen sie komplett zuzuwuchern, wird es Zeit für einen Ordnungsruf: "Gesichtstaliban" verfehlt selten seine Wirkung. Und ist die mildere Lösung im Vergleich zu "Mentaltaliban".

Heuschrecke

2005 debattierte ganz Deutschland über Heuschrecken, nachdem der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering scharfe Kapitalismuskritik an skrupellosen Finanzinvestoren geübt hatte: "Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter." Gemünzt war das auf Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften. Im ganz normalen Arbeitsleben sind Heuschrecken harmloser: Auf Betriebsfesten plätten sie das Büffet binnen weniger Minuten, an Geburtstagen räumen sie ruck-zuck den Kuchen und die obligatorischen Süßigkeiten ab.

Irooc - Kürzel für: Idiot right out of College

Wer frisch von der Uni auf seiner ersten Stelle in einem Unternehmen anheuert, genießt eigentlich, so ist es guter Brauch, für ein paar Wochen oder Monate Welpenschutz. Junge Akademiker beginnen manchmal theorieverdorben und mit schwacher praktischer Grundierung, also müssen sie sich erst einmal zurechtfinden. Ganz ohne Spott kommen sie trotzdem nicht davon. So beantwortete der Manager eines großen Software-Unternehmens die Frage, woher er denn das Personal für ein neues Projekt nehmen wolle, mit: "Get enough Iroocs".

Jäger und Sammler

Historisch steht der Begriff Jäger und Sammler für Völker, die sich nicht durch Landwirtschaft ernährten, sondern Wildtiere erlegten und als Sättigungsbeilage Pflanzen sammelten. Manchen Büromenschen gelingt es spielend, dieses steinzeitliche Verhalten auf das moderne Büroleben zu übertragen: In ihren Aktenschränken und Regalen horten sie Schriftwechsel, Prospekte, alte Infos aller Art. Das Gilb-Zeug ist Jahrzehnte alt und richtet keinen großen Schaden an, verspricht aber auch keinerlei Nutzen mehr. Es frisst eben Platz. Und wird zum Grauen, sobald solche Rümpelbüros vom Nachfolger übernommen werden.

Krampfadergeschwader

Die rituelle tägliche Kaffeerunde älterer Damen der Generation Ü50 (in Werbeagenturen: Ü30) am gleichen Arbeitsplatz

Logorrhöetiker

Ihren Redefluss kann niemand stoppen. Manche Kollegen quatschen sich schon frühmorgens warm, verquasseln den Tag, laufen am Abend zur Spätform auf. Medizinisch bezeichnet Logorrhöe eine krankhafte Geschwätzigkeit. Erst recht zur Last für die Umwelt wird sie, wenn sie sich mit Koprolalie paart: der Neigung, unablässig obszöne Wörter auszustoßen. Eine unheilvolle Kombination, double trouble .

Mach 3

Physikalisch wird die Geschwindigkeit mit der Mach-Zahl gemessen, benannt nach dem österreichischen Physiker und Philosophen Ernst Mach. Erreicht ein Flugzeug Überschallgeschwindigkeit, fliegt es mit mindestens Mach 1. Manche Militärmaschinen erreichen sogar ein Dauertempo von Mach 3 - so heißt auch ein Rasierer, der eine Turborasur verspricht. Wenn ein Mitarbeiter "Mach 3" genannt wird, dann machen sich Kollegen über ihn lustig: weil er so träge denkt und arbeitet.

Neandertaler

Diesen zumeist älteren Mitarbeiter treibt ein zwanghaftes Bedürfnis, mit verklärtem Antlitz von damals zu schwärmen: War nicht früher alles besser, sogar die Zukunft? Im Heute ist der Betriebs-Neandertaler noch nicht angekommen. Und wird wohl niemals ankommen.

Ohrenatmer

2009 sorgte ein Inder für Aufsehen, indem er Luftballons mit den Ohren aufblies: Er hielt sich die Nase zu und eine Kanüle ins Ohr, presste die Luft in den Ballon, bis der platzte - ein Spektakel für Groß und Klein. Über eine solche Sonderbegabung verfügt der gewöhnliche Ohrenatmer nicht. Er hört sich selbst nur allzu gern reden und vergisst darüber das Zuhören. Und weil er Redepausen für überbewertet hält, atmet er mit dem Organ, das er sowieso nie benutzt.

Plapperschlange (auch: Schnatternatter)

Da ist diese Kollegin, die immer so freundlich, offen, fröhlich wirkt und auch auf Neuankömmlinge spontan zugeht. Ein Sonnenscheinchen, auf den ersten Blick. Auf den zweiten nutzt sie ihr Kommunikationstalent allerdings, um Gift zu verspritzen - sie steckt voller Niedertracht und ist immer bereit zu gehässigen Worten über andere Mitarbeiter. Zur Gerüchteumwälzanlage wird sie vor allem unter Zufuhr von Alkohol: Bei Betriebsfesten entpuppt sie sich als Plapperschlange.

Queen of Copy Machine

Gesprächsvermerke, Akten, Sitzungsprotokolle, Projektskizzen - Kopierköniginnen und -könige vervielfältigen alles. Zu mehr reicht entweder ihre Qualifikation oder ihr Talent nicht. Oder jedenfalls das Vertrauen der Vorgesetzten. Sind sie nicht voll ausgelastet, müssen sie auch den Kaffeeautomaten säubern und die Topfpflanzen gießen. Bis sich herausstellt, dass ganz andere Fähigkeiten in ihnen schlummern und sie jahrelang völlig unterfordert waren.

Rucksack

So einen Mitarbeiter gibt es in fast jedem Büro: einen, der mit durchgeschleppt werden muss, weil er sich ständig drückt und keine mit bloßem Auge erkennbaren Eigenbeitrag leistet.

Säulenheiliger

Er ist eine Legende im Unternehmen, ein Mann ohne Makel. Die Fachpresse fotografiert ihn mit Lorbeerkränzen, jüngere Mitarbeiter raunen über seine neuen Projekte, die älteren erinnern sich mit leuchtenden Augen an die Zusammenarbeit - und doch ist er gegangen und arbeitet jetzt bei der Konkurrenz. Aus Sicht der Betriebsnostalgiker ist der Säulenheilige eine stete Mahnung an die aktuellen Chefs: Nie, nie, nie werden sie an seine Leistungen und sein Renommee heranreichen.

Teebeutel

Ein Kollege, der sich überall reinhängt, auch wenn es gar nicht sein Thema ist. In manchen Firmen werden auch britische Mitarbeiter Teebeutel genannt.

Untersuchungshäftling

Neuer Mitarbeiter, noch in der Probezeit

Voodoo-Abteilung

Der Vorgesetzte wirkt völlig verpeilt, sein Team wie ein Käfig voller Narren, die Arbeitsorganisation wie ein einziges Chaos - das Wirken mancher Unternehmenszweige bleibt Kollegen aus anderer Bereichen unerklärlich. Die Voodoo-Abteilung, das ist mal klar, verdankt ihren Output schierer Zauberei: It's a kind of magic.

Wanderführer

Wenn Mitarbeiter nicht Jahre oder Jahrzehnte auf dem gleichen Arbeitsplatz hocken, sondern neue Herausforderungen annehmen und dann plötzlich aufblühen, kann das Wunder wirken. Gute Chefs erkennen Veränderungsbereitschaft und fördern sie. Treibt einer das Rotationsprinzip aber so sehr auf die Spitze, dass Mitarbeitern ganz blümerant wird, ist er nur noch Wanderführer: der ideale Gegenpart zum Jobtouristen, der rastlos nach dem ultimativen Arbeitsplatz sucht.

Xylophonvirtuose

Die Tuba, ein dickes Ding, erlebt gerade ihr Comeback im Balkanpop und in der mexikanischen Banda-Musik. Über den Kontrabass gibt es wenigstens ein Bühnenstück. Nur für das Xylophon interessiert sich niemand. Früher wurde es in Deutschland wegen seines eigenwilligen Klanges auch "Hölzernes Gelächter" genannt. Ein Xylophonvirtuose im Unternehmen klimpert eher im Verborgenen - als Schmähung ein Synonym für Weichei, Schattenparker oder Zehenföner.

Yes-Men

Im Bürokosmos eine Truppe willfähriger Jasager und Kopfnicker. Den Chef umschwirren sie wie die Motten das Licht. Eigentlich sind "The Yes Men" aber Neinsager, Kommunikationsguerilleros mit einer Reihe schräger Aktionen: In den Neunzigern tauschten sie die Sprachmodule von Barbie- und GI-Joe-Puppen, stellten sie zurück in die Läden und gaben eine Erklärung der "Barbie-Befreiungsorganisation" ab. 1999 fälschten sie als Globalisierungskritiker die Homepage der Welthandelsorganisation. Bei ihrer "Yes, Bush Can!"-Tour 2004 forderten sie US-Bürger auf, Nuklearabfälle in den Vorgärten zu vergraben und ihre Kinder in den Krieg zu schicken. 2008 brachten sie eine gefälschte Millionenauflage der "New York Times" in Umlauf; darin ist der Irakkrieg vorbei und George W. Bush wegen Hochverrats angeklagt. Die führenden Köpfe der Politaktivisten, die immer wieder als angebliche Vertreter von Konzernen und Regierungen auftraten, sind ein Science-Fiction-Autor und ein New Yorker Professor.

Zweckautist

Dieser Mitarbeiter folgt stets brav und treu der Linie, die sein Chef ausgibt. Droht jedoch die geringste Gefahr für ihn selbst, weiß er plötzlich nicht einmal mehr, welcher Tag heute ist.

Corbis

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Bürogezeter: Lästern für Fortgeschrittene