Bei allem, was die Firma tut, steht die Belegschaft stets im Mittelpunkt. Vor allem bei: Intrigen, Abmahnungen, Entlassungswellen.

Mit dem Handeln im Unternehmen ist es wie mit dem Frauenzersägen im Zirkus: Man muss es nicht tatsächlich tun, sondern nur möglichst spektakulär vortäuschen.

Es gibt viele missliche Umstände, die einen Manager von der Arbeit abhalten: der Gallenstein, das Magengeschwür, der Mitarbeiter. Die ersten beiden Probleme gelten als lösbar.

Der Inhalt einer Mitarbeiterzeitung hat mit der Meinung der Mitarbeiter so viel zu tun wie der Inhalt einer Hühnersuppe mit den Interessen der Hühner.

Wenn zwei Mitarbeiter sich lieben, stört das den Betriebsfrieden. Wenn zwei Mitarbeiter sich hassen, entspricht das den Gepflogenheiten.

Ein guter Vorgesetzter erlaubt sich keine Fehlschläge - er trifft immer die Köpfe seiner Mitarbeiter!

Es gibt zwei Wege, einen Krieg auszulösen: Man schickt Panzer mit Granaten - oder Mails mit CC.

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Der Dienstweg ist im Unternehmen das, was die Milchstraße im Universum ist: nicht wirklich gangbar.

Es gibt zwei Sorten von Zahlen: solche, die in Bilanzen stehen, und solche, die wahr sind.

Alles, was ein Bewerber im Vorstellungsgespräch sagt, kann gegen ihn verwendet werden. Das passiert aber nur selten; in der Regel hört ihm keiner zu.

Der Name eines Bewerbers wird so geheim gehalten wie alle streng vertraulichen Dokumente in einer Firma - zum Beispiel der Speiseplan der Kantine.

Wer bei der Personalauswahl schwere Fehler begeht, braucht dafür gute Gründe. Einer dieser Gründe heißt Assessment-Center.

Eine Firma, die Mitarbeiter an sich selbst verleiht, ist etwa so seriös wie eine Gelddruckerei, die nur das eigene Portemonnaie beliefert.

Wer ein Auto mit 100 PS führen möchte, braucht einen Führerschein. Wer hundert Mitarbeiter führen möchte, braucht nur: hundert Mitarbeiter.

Überlassene Mitarbeiter haben drei Vorteile: Man kann sie jederzeit bekommen. Man kann sie jederzeit loswerden. Und man kann sie, wie der Name schon sagt, bei Vergütung, Sozialleistungen und Fortbildungen sich selbst überlassen.

Der Tod eines Unternehmers führt zu Erben. Die Erben führen zum Tod eines Unternehmens.

Einige Firmen sind noch zu retten. Andere holen sich Unternehmensberater.

Man kann Firmen überfallen. Oder sie beraten. Bei den Überfällen ist das Risiko größer - bei der Beratung die Beute.

Wer mit halb gefülltem Tank die doppelte Strecke fahren will, ist ein Idiot. Wer mit halbem Etat doppelte Ergebnisse erzielen will, ist ein Finanzvorstand.

Quartalszahlen sind wie Mofas: Wer sie nicht frisiert, wird abgehängt.

Ein Mitarbeiter, der seine ehrliche Meinung vertritt, verdoppelt seine Chancen in der Firma - darauf, dass er gemobbt wird.

Ein Leihmitarbeiter wird entlassen, wenn er ein schweres Delikt begeht. Als schwere Delikte gelten: Körperverletzung, Diebstahl und das Einfordern der eigenen Rechte.

Ein neuer Chef zerstört, was sein Vorgänger aufgebaut hat, und baut auf, was sein Nachfolger zerstören wird.

Wenn ans Licht kommt, dass ein Manager unsittlich viel verdient, ist nicht der Manager schuld daran, sondern das Licht.

Was der Mond für einen Werwolf ist, ist die Gehaltsforderung des Mitarbeiters für einen Chef: ein Grund, um aus der Haut zu fahren und zu heulen.

Martin Frommann

So geht's zu in durchgeknallten Unternehmen, behauptet Karriereberater Martin Wehrle in seinem neuen Buch "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus" (hier im SPIEGEL-Shop bestellen).

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Irrenhaus-Ordnung: Die (un)heimlichen Regeln deutscher Unternehmen