Es war mein erster Job als Controller im Krankenhaus, ich war unheimlich aufgeregt. Aber niemand wusste von mir und meinem Berufsstart. Glücklicherweise fand sich im Laufe des Tages eine Kollegin, die mir meinen Arbeitsplatz zeigte. Stutzig wurde ich, als ich nach 2 Wochen immer noch Akten sortieren und Kaffee kochen sollte. Aber niemand schien sich daran zu stören, dass ich eigentlich ja gar nicht mitarbeitete. Irgendwann sprach ich das an und eine Kollegin sah mich ganz verwundert an: "Praktikanten dürfen hier nicht im Abrechnungssystem mitarbeiten." Die Chefin hatte vergessen, den Leuten vor Ort mitzuteilen, dass ich ein fester Mitarbeiter war. Das ganze Krankenhaus hielt mich für einen Praktikanten, was die anschließende "richtige" Arbeit nicht wirklich vereinfachte. Ich bin dort nicht lange geblieben.

E.B.

Als Anfang des Jahres der Sturm "Friederike" über Deutschland zog, stellte die Bahn den Verkehr ein. Ich hatte keine Ahnung, wie ich von meinem schulbegleitenden Jahrespraktikum als Mediengestalterin nach Hause kommen sollte, da ich über eine Stunde mit Zug und Fahrrad brauchte. Ich stand mit einem Kollegen im Pausenraum und überlegte, was wir tun könnten. Da kam der Chef (mindestens 50 Jahre alt) herein und bot mir an, mit ihm in der Firma zu übernachten. Gleich gefolgt von Kommentaren über mein tolles Aussehen. Glücklicherweise konnte mich der Vater einer Freundin nach Hause bringen, der ganz in der Nähe arbeitete.

Schülerin, 17 Jahre

Ich kam zur Einarbeitung ins Büro, Standort eins. Da wusste man nicht so recht etwas mit mir anzufangen und schickte mich nach drei Tagen zu Standort zwei zur Einarbeitung (1000 Kilometer entfernt). Auch da wusste man nicht wirklich etwas mit mir anzufangen. Bis mich der Geschäftsführer nach einer Woche zum Gespräch bat: "Weißt du eigentlich, dass dein Chef (Standort drei, 300 Kilometer entfernt) vor zwei Wochen gegangen worden ist?" Nein, wusste ich nicht. Ich blieb nicht lange.

A.B.

In meiner ersten Woche war mein komplettes Team im Urlaub. Für mich hatte man vorsorglich den Unternehmensbericht vom letzten Jahr ausgedruckt, damit ich mich "schon mal einlesen kann". Zudem sollte ich das Büro von meinem Chef aufräumen. Überall stapelten sich die Akten (teils vertraulich) aus den letzten fünf Jahren. Bis ich fertig war, waren die Kollegen aus dem Urlaub zurück. Und ich hatte erstaunliches Insider-Wissen über das Unternehmen.

Tristan

Meine Branche hat stark mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen und gegen Ende meiner Ausbildung fragten viele Firmen an, ob man mich einstellen könnte. Nach einer groben Vorauswahl saß ich irgendwann beim Chef eines Kleinstbetriebes. Alles lief gut, bis er mir eröffnete, ich solle doch bitte so tun, als wäre ich eine Praktikantin. Er wollte seinen bisherigen Mitarbeiter feuern, ihm das aber noch nicht mitteilen, denn er sollte mich erst noch einarbeiten. Zu einem ersten Arbeitstag kam es dann allerdings nicht.

I.W.

An meinem ersten Tag als Zivildienstleistender war ich voller Enthusiasmus. Der Pflegedienstleiter führte mich auf die Station und stellte mich kurz vor. Die Stationsleiterin reagierte mit den Worten: "Man muss ja wohl nehmen, was kommt." Damit war ich gemeint.

R.S.

In den Neunzigerjahren fing ich als Angestellte in einem großen, international aufgestellten Hamburger Unternehmen an. An meiner Bürotür sollte das Namensschild "Frl. ..." angebracht werden, da ich ledig war. Ich protestierte und bestand auf "Frau ..." oder Vor- und Zuname. Man sah mich verständnislos an und gab zu bedenken, ich könne mögliche Heiratskandidaten verschrecken.

B.K.

Eine große deutsche Firma hatte mich mit einem lukrativen Angebot nach Singapur gelotst. Dort angekommen, fragte ich nach meinem Büro ¿ doch das gab es nicht. Ich besorgte mir einen ramponierten und ausrangierten Schreibtisch, überklebte die Platte mit Firmenaufklebern bis sie glatt und sauber war und ließ den Tisch zu einem anderen Mitarbeiter ins Büro stellen. Als ich drei Monate später meinen Chef zur Rede stellte und ihm sagte, dass jede vernünftige Firma einem Mitarbeiter, der die Firma fast eine halbe Million Dollar im Jahr kostet, auch die entsprechenden Mittel zur Verfügung stelle, war seine Antwort: "Mit den notwendigen Mitteln kann jeder Idiot den Job machen, die Kunst ist es, ohne zurechtzukommen."

C.K.

Eine neue Stelle beim Augenarzt: Mein erster Tag war der einzige Einarbeitungstag mit dem Chef, an einem Sonntag! "An einem anderen Tag haben wir keine Zeit", hieß es. Nach nur vier Stunden Einarbeitung bekam ich den Schlüssel zur Praxis mit den Worten: "Sie fangen dann morgen schon mal um neun Uhr allein an. Ich komme um elf Uhr." Von der Putzfrau erfuhr ich, dass ich binnen kürzester Zeit die siebte Mitarbeiterin war. Tatsächlich kam der Arzt erst um zwölf Uhr. Ich musste die aufgebrachten Patienten mit Unmengen an Kaffee besänftigen. Dieses Prozedere wiederholte sich täglich. Ich blieb vier Wochen.

S.L.

Voller Vorfreude meldete ich mich morgens am Empfang eines Medizintechnik-Unternehmens in München. Leider wusste man dort nichts von mir und beantwortete meine Frage nach meinem neuen Chef, mit dem ich zwei Tage zuvor noch telefoniert hatte, mit den Worten: "Der hatte gestern seinen letzten Arbeitstag." Nach einer Stunde tauchte dessen wohl spontan ernannter und völlig verkaterter Nachfolger auf, der mir mitteilte, er habe jetzt gar keinen Bock darauf, sich um mich zu kümmern. Ich wurde in ein völlig verqualmtes Büro gesetzt und nicht weiter beachtet. Nach sechs Wochen warf ich das Handtuch.

K.I.

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Miese Jobstarts: Zitate