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Bye-bye, DDR!

Sehen Sie hier alle Dokumente zu Peter Wensierskis Geschichten zum Mauerfall

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Bericht eines Stasi-Informanten über ein Telefonat mit Rudolf Bahro am 6. Dezember 1979

Aus Teil 4

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Stasiakte über Harald HauswaldPDF-Größe: 805 kB
Diese Informationen sammelte die Stasi über den Fotografen Harald Hauswald genannt "Radfahrer"

Aus Teil 5

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Aus Teil 9

Chronologie: Leipzig 1989

14. März 1988: Demo mit 120 Personen nach dem Friedensgebet von der Nikolaikirche über den Markt zur Thomaskirche

5. Juni 1988: Umweltdemo der Basisgruppen mit 1000 Teilnehmern entlang der Pleiße bis ins Stadtzentrum. Die Volkspolizei sieht zu

9. November 1988: Ein Flugblatt der Basisgruppen zum Gedenken an die Pogrome der Nazi-Zeit übt zugleich Kritik an der DDR. Am Gedenkstein für die ehemalige Synagoge versammeln sich knapp 100 Demonstranten

15. November 1988: Protestdemo mit beschrifteten Luftballons gegen die Presse-Zensur auf den Leipziger Dokumentarfilmtagen

15. Januar 1989: Nach der offiziellen SED-Demonstration zum Gedenken an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gelingt eine eigenständige Demonstration für das Recht auf freie Meinungsäußerung, Versammlungs-, Vereinigungs- und Pressefreiheit in der DDR, obwohl nach der Verteilung von 7000 Aufrufen zwölf ersonen festgenommen worden waren. Zunächst hören underte Leipziger die Ansprache eines Mitglieds der Basisgruppen auf dem zentralen Marktplatz, dann ziehen 800 Demonstranten durch die Innenstadt. 53 weitere Festnahmen. Doch alle kommen nach DDR-weiten und internationalen Protesten am 19. Januar wieder frei

13. März 1989: 600 Personen, darunter viele Ausreisewillige, demonstrieren nach dem Friedensgebet Richtung Markt und rufen "Stasi raus". Es ist Frühjahrsmesse, Westmedien und viele Besucher sind in der Stadt. Das MfS greift nicht ein

1. Mai 1989: Für das Recht auf Ausreise demonstrieren 200 Personen zwischen Nikolai- und Thomaskirche

8. Mai 1989: In der Leipziger Innenstadt demonstrieren 550 Personen im Anschluss an das Friedensgebet gegen die Wahlfälschungen in der DDR

22. Mai 1989: Die Volkspolizei riegelt die Straßen rund um die Nikolaikirche nach dem Friedensgebet erstmals mit Sperrketten ab. Wahllos werden zahlreiche Menschen festgenommen, die dagegen protestieren und Richtung Markt streben

29. Mai 1989: Nach dem Friedensgebet bildet die Volkspolizei erneut einen Kessel um die Demonstranten vor der Nikolaikirche

4. Juni 1989: Trotz Verbots machen 1000 Teilnehmer eine Umweltdemo mitten durch die Stadt entlang dem Lauf der meist zubetonierten Pleiße

10. Juni 1989: Das Straßenmusikfestival – organisiert von Mitglieder der Basisgruppen – findet ohne Genehmigung des Staates mitten in Leipzig statt. Mehr als 100 verschiedene Musik- und Theatergruppen aus der ganzen DDR werden von vielen tausend Leipziger Bürgern herzlich gefeiert. Am frühen Nachmittag werden bei einem brutalen Polizeieinsatz viele Musiker und Zuschauer verhaftet. Es kommt zu spontanen Solidarisierungsaktionen der Leipziger und der Belagerung eines Polizeireviers. Alle Festgenommenen kommen in den nächsten Tagen frei

12. Juni 1989: Seit Anfang Juni heißt das Friedens- nun Montagsgebet. Der Protest verlagert sich von nun an regelmäßig nach dessen Ende gegen 18 Uhr immer mehr in die Straßen rund um die Nikolaikirche. Ein Teil der 1000 Teilnehmer kommt an diesem Tag bis zum Markt

19. Juni 1989: Erneut gelingt ein Schweigemarsch Richtung Markt, der dort erst gewaltsam aufgelöst wird

26. Juni 1989: An diesem Montag stoppt ein Polizeikessel die Demonstranten

3. Juli 1989: Letztes Friedensgebet vor der Sommerpause. Danach kommt es vor der Kirche zu polizeilichen Übergriffen auf die Teilnehmer

9. Juli 1989: Nach der Abschlussversammlung des Leipziger Kirchentags ziehen rund 1000 Menschen vom Messegelände mit der Forderung nach mehr Demokratie Richtung Innenstadt und kommen wegen der Polizeiketten bis zur Peterskirche. Vorher wird ihnen von Stasileuten das Transparent "Demokratie" entrissen. Etliche Demonstranten blockieren daraufhin eine Straßenbahn, in der die Stasi-Mitarbeiter geflüchtet sind

4. September 1989: Katrin Hattenhauer und Gesine Oltmanns entfalten nach dem Montagsgebet ihr Transparent "Für ein offenes Land mit freien Menschen", um den Protest wieder auf die Straße zu tragen. Andere demonstrieren mit "Reisefreiheit statt Massenflucht". Die Stasi reißt die Losungen herunter

11. September 1989: Am Montagsgebet in der Leipziger Nikolaikirche nehmen rund 1300 Menschen teil. Beim Verlassen der Kirche werden 89 von ihnen festgenommen, darunter Kathrin Hattenhauer, die erst am 13.Oktober wieder frei kommt

18. September 1989: An diesem Montag strömen rund 3000 Menschen auf den Platz vor der Nikolaikirche und singen "We shall overcome"

25. September 1989: Nach dem Montagsgebet werden Polizeiketten durchbrochen, rund 8000 Menschen demonstrieren unbehelligt vom Nikolaikirchhof bis zum Hauptbahnhof. Sie rufen "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" sowie "Neues Forum zulassen!" Die erste, in sich geschlossene Montagsdemonstration löst sich weit vor der Stasizentrale am Ring friedlich auf

2. Oktober 1989: Die Teilnehmerzahl des Montagsgebetes steigt auf mehr als 2500 Teilnehmern in zwei Kirchen. Die anschließende Demonstration mit 20.000 Menschen kommt ungestört bis zum Ring, vorbei an Hauptbahnhof und Stasizentrale bis zur Thomaskirche. Gerufen wird auch "Wir sind das Volk"

7. Oktober 1989: 4000 Menschen demonstrieren vor der Nikolaikirche, 2000 ziehen zum Bahnhof

9. Oktober 1989: Der Durchbruch gelingt. Nach dem Friedensgebet in vier Kirchen strömen 70.000 bis 100.000 Demonstranten auf den Ring, vorbei an Hauptbahnhof und Stasi. Ihnen gegenüber stehen kaum mehr als 3000 Sicherheitskräfte, die noch während der Demonstration zurückgezogen werden

17. Oktober 1989: Das SED-Politbüro setzt Staats- und Parteichef Erich Honecker ab

Immer mehr Initiativgruppen gründen sich, wollen den Umschwung. Anbei das Gründungsdokument der Aktivisten "Leben" - sie haben eng mit der Initiativgruppe "Menschenrechte" kooperiert.

Wie war das, plötzlich zu demonstrieren? In Leipzig traf sich eine andere Generation als die, die von der Erinnerung an den 17. Juni 1953 und den Aufmarsch russischer Panzer traumatisiert ist. Die jungen Aktivisten müssen auch Angst überwinden, aber sie wollen heraus aus der Nikolaikirche. Einige Beteiligte erinnern sich.

Bye-bye DDR

Geschichten zum Mauerfall

Verwegene Proteste, riskante Untergrundaktionen, illegale Treffen: Von 1979 bis zum Ende der Republik berichtete Peter Wensierski über Widerstand und Rebellion in der DDR. Er brachte Filme, Fotos und Dokumente über die Grenze, schrieb Reportagen oder Bücher wie "Null Bock auf DDR" und drehte Dokumentarfilme. In der einestages-Serie "Bye-bye DDR" erzählt er zum 25. Jubiläum des Mauerfalls die spannendsten, bewegendsten und kuriosesten Geschichten aus dieser Zeit - und trifft die Akteure von damals wieder.

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