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Kalenderblatt: 12.5.1964

"Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" - Sepp Herberger geht

Zehn Jahre nach dem Sieg bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern wurde Sepp Herberger am 12. Mai 1964 offiziell aus den Diensten des Deutschen Fußball-Bundes verabschiedet.

DPA
Dienstag, 13.05.2008   10:03 Uhr

"Aus, aus, das Spiel ist aus!" Nein, das stimmte eigentlich überhaupt nicht an jenem 12. Mai 1964, als Sepp Herberger in Hannover vor dem Länderspiel gegen Schottland offiziell aus den Diensten des Deutschen Fußball-Bundes verabschiedet wurde. Denn immerhin hatte Herberger als Bundestrainer noch 180 Spielminuten lang das Sagen: An jenem Tag trennte sich sein Team von Schottland 2:2.


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Erst 26 Tage später nach einem versöhnlichen 4:1 Erfolg in Helsinki über Finnland übergab Herberger die Verantwortung für die Nationalmannschaft an seinen Assistenten Helmut Schön. Versöhnlich war Herbergers letztes Länderspielergebnis deshalb, weil seine Arbeit als Bundestrainer seit der 0:1 Viertelfinalniederlage bei der Weltmeisterschaft 1962 in Chile heftig in die Kritik geraten war.

Herberger sah das als nicht gerecht an, denn das Leistungsniveau der deutschen Spitzenspieler entsprach zu jener Zeit nicht seinen Vorstellungen. Es fehlten ihm brillante Stürmer und damit die Möglichkeit, seine weltweit gefürchteten Fußball-Strategien auch umzusetzen.


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Paarung von Talent und Fleiß

Geboren wurde Josef Herberger 1897 als Sohn eines Fabrikarbeiters in Mannheim. Die Familie geriet in existenzielle Not, als der Vater starb. Josef war gerade erst 13 Jahre alt, musste seine Schulausbildung beenden und zunächst als Maurergehilfe, später als Fabrikarbeiter mit seinem bescheidenen Einkommen die Familie über Wasser halten.

Der harte Alltag hielt ihn aber nicht davon ab, beim SV Waldhof Mannheim seiner Leidenschaft, dem Fußball, zu frönen. Hierbei kam Josef seine frühe Lebenserfahrung, dass man sich mit Fleiß durchsetzen kann, zugute. Fleiß und Talent paarten sich. Zwischen 1921 und 1925 wurde Sepp Herberger dreimal in die deutsche Nationalmannschaft berufen. Seinem Können als Fußballer - hurtig, ballgewandt, dribbelstark, torgefährlich - verdankte Herberger seinen sozialen Aufstieg.

Hertha BSC lockte ihn nach Berlin. In der deutschen Hauptstadt nutzte er die Chance zur schulischen Fortbildung und zum Studium an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen. Seine Diplomarbeit "Der Weg zur Höchstleistung im Fußballsport" wurde mit sehr gut bewertet. Folgerichtig wurde Herberger nach der Pleite der deutschen Fußballer bei den Olympischen Spielen 1936 in die ranghöchste Trainerposition des deutschen Fußballs eingesetzt.

Stratege und Lehrer

Stratege war Herberger, und Fußball-Lehrer wie kein Zweiter. Seiner unumstrittenen Kompetenz verdankte er es, dass er als Trainer von seinen Spielern nur "der Chef" genannt wurde - kein Ausdruck von Unterwürfigkeit, sondern von absoluter Hochachtung. Die Harmonie im Team war für Herberger der Schlüssel zum Erfolg:

Herberger sagte einmal: "Es war eine verschworene Gemeinschaft. Die Spieler waren stolz darauf, wenn sie der Nationalmannschaft angehörten. Die waren begeistert für eine Sache und pflegten ein glänzende Kameradschaft, und da war auf jeden einzelnen Verlass. Es war eine einmalige Mannschaft."

Eigentlich gab es in Herbergers Fußball-Vita nur einen Makel. Im Fach Psychologie musste er im Studium wohl versagt haben, jedenfalls wurden seine theoretischen Kenntnisse im Examenszeugnis lediglich mit ausreichend bewertet. Und in der Praxis? Gut möglich, dass Sepp Herberger schon seine Professoren bluffte.

Diebische Freude

Mit Sicherheit gingen ihm 1954 bei der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz die zu jener Zeit für unschlagbar gehaltenen Ungarn auf dem Leim. In der Vorrunde freute sich Herberger diebisch über die scheinbar erschreckende deutsche 3:8 Katastrophe. Später im Finale aber stand ein anders motiviertes deutsches Team auf dem Platz des Berner Wankdorf-Stadions.


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insgesamt 1 Beitrag
Thomas Haupenthal 16.12.2017
1. Das...
...er sich diebisch über die 3:8 -Niederlage gegen Ungarn gefreut hat, ist Unsinn. Eine Niederlage war durchaus eingeplant, schließlich war Ungarn damals die beste Mannschaft der Welt, aber ein solches Debakel sollte es nun doch [...]
...er sich diebisch über die 3:8 -Niederlage gegen Ungarn gefreut hat, ist Unsinn. Eine Niederlage war durchaus eingeplant, schließlich war Ungarn damals die beste Mannschaft der Welt, aber ein solches Debakel sollte es nun doch nicht sein, zumal nach dem Spiel der geballte Volkszorn über Trainer und Mannschaft hereinbrach. Einer schickte sogar einen Strick ins Mannschaftshotel nach Spiez, mit der Aufforderung, sich aufzuhängen. Aber so, dass man den Strick danach noch gebrauchen könne...

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