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Kalenderblatt: 6.1.1950

"Der dritte Mann" kommt in die Kinos

Am 6. Januar 1950 hörte das deutsche Kinopublikum zum ersten Mal das "Harry-Lime-Theme": Deutschland-Premiere für den Agentenfilm "Der dritte Mann".

Christian Verlag

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Sonntag, 06.01.2008   23:27 Uhr

"Der dritte Mann" war Anfang der 1950er-Jahre einer der großen Filmerfolge in Europa und den USA. Inzwischen ist Carol Reeds "Dritter Mann" ein Klassiker, nicht nur des britischen Films.

Die Geschichte des US-amerikanischen Trivial-Autors Holly Martins, der in das vom Zweiten Weltkrieg zerstörte Wien kommt, um dort seinen Freund Harry Lime zu besuchen und feststellen muss, dass dieser angeblich bei einem Auto-Unfall ums Leben gekommen ist, scheint auf den ersten Blick ein Stück klassisches Spannungskino zu sein: Ein Mann auf der Suche nach der Wahrheit.

Graham Greene, Autor des Drehbuchs, wollte, wie er damals betonte, mit dem Film nur unterhalten, ein wenig erschrecken, und die Zuschauer zum Lachen bringen. Das war natürlich reines britisches Understatement.

Unterhaltung und Aufklärung

Im Nachkriegsdeutschland bot er fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur den Menschen die Möglichkeit, sich mit dem Unfassbaren auseinanderzusetzen. Die Trümmer Wiens sahen auch nicht anders aus, als die in den deutschen Städten. Viermächtebesatzung, Militärpolizei, Schwarzmarkt - all das war den Deutschen damals bestens vertraut.

Sicher, "Der dritte Mann" war in erster Linie ein Kriminalstück, doch Film war schon immer die Kunst, die am tiefsten in die unteren Schichten des Bewusstseins vordrang. Insofern verband Carol Reeds Film elegant Unterhaltung und Aufklärung. Der einflussreichste Film-Kritiker der Zeit, der Franzose André Bazin, drückte das damals so aus: "Vor allen Dingen verband die Aktualität von Greenes Drehbuch die Doppeldeutigkeit seines Helden mit unserer zerrissenen Welt. Als attraktiver Bandit, eins mit dem nüchternden Romantizismus der damaligen Zeit, Erzengel der Kloaken, Schmuggler auf der Grenze zwischen Gut und Böse und liebenswertes Ungeheuer, war Harry Lime beziehungsweise Orson Welles vielmehr als eine Figur: Er war ein Mythos."

Europäisches Casablanca

Neben Welles, Cotton und dem internationalen Darstellerensemble, zu dem noch die geheimnisvoll-schöne Alida Valli gehörte, wirkten große deutschsprachige Mimen mit: Erich Ponto, Ernst Deutsch, Paul Hörbinger, Siegfried Breuer. Auch das gehörte zur Erfolgsgeschichte des "Dritten Mannes" in Deutschland - wenn man so will, dem europäischen Gegenstück zu Hollywoods "Casablanca".

Schließlich war es die berühmte Musik von Anton Karas, die den "Dritten Mann" zu einem Klassiker des Modernen Films werden ließ.


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