einestages

Theaterstück zum Auschwitz-Prozess

"Wer den Stock berührte, kam ins Gas"

6. Teil: Auszug 5 - "Jetzt haben wir das Gas"

DPA
Von
Mittwoch, 18.12.2013   21:08 Uhr

Zeuge 3: Am 3. September 1941

wurden im Bunkerblock

die ersten Versuche

von Massentötungen

durch das Gas Zyklon B

vorgenommen

Sanitätsdienstgrade und Wachmannschaften

führten etwa 850 sowjetische Kriegsgefangene

sowie 220 kranke Häftlinge

in den Block Elf

Nachdem man sie in die Zellen

geschlossen hatte

wurden die Fenster mit Erde zugeschüttet

Dann wurde das Gas

durch die Lüftungslöcher eingeworfen

Am nächsten Tag wurde festgestellt

daß einige noch am Leben waren

Infolgedessen schüttete man

eine weitere Portion Zyklon B ein

Am 5. September wurde ich

zusammen mit 20 Häftlingen der Strafkompanie

sowie einer Reihe von Pflegern

in den Block Elf befohlen

Es wurde uns gesagt

daß wir zu einer besonderen Arbeit

anzutreten hätten

und bei Todesstrafe

niemandem von dem was wir dort sahen

berichten dürften

Es wurde uns auch eine vergrößerte Ration

nach der Arbeit versprochen

Wir erhielten Gasmasken

und mußten die Leichen

aus den Zellen holen

Als wir die Türen öffneten

sanken uns die prall aneinandergepackten

Menschen entgegen

Sie standen noch als Tote

Die Gesichter waren bläulich verfärbt

Manche hielten Büschel von Haaren

in ihren Händen

Es dauerte den ganzen Tag

bis wir die Leichen

voneinander gelöst

und draußen im Hof

aufgeschichtet hatten

Am Abend kam der Kommandant

und sein Stab

Ich hörte den Kommandanten sagen

Jetzt bin ich doch beruhigt

Jetzt haben wir das Gas

und alle diese Blutbäder

bleiben uns erspart

Und auch die Opfer können bis zum letzten Moment

geschont werden


Zum Weiterlesen:

Peter Weiss: "Die Ermittlung: Oratorium in 11 Gesängen". Suhrkamp Verlag, Berlin 1991, 240 Seiten.

Das Buch erhalten Sie bei Amazon .

insgesamt 1 Beitrag
Steffen Rau 20.12.2013
1.
Erschütternd... Ich finde, dieses Theaterstück sollte zum Pflichtprogramm an allen deutschen Schulen werden. AlsWarnung und ständiges lebendiges Mahnmal.
Erschütternd... Ich finde, dieses Theaterstück sollte zum Pflichtprogramm an allen deutschen Schulen werden. AlsWarnung und ständiges lebendiges Mahnmal.

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