einestages

Reportage über Neonazi-Opfer (1994)

"Herr Bui möchte bleiben"

Terror gegen einen Blinden jüdischer Herkunft, zum Krüppel geprügelte Einwanderer, ein mörderischer Brandanschlag: Barbara Supp besuchte Opfer rechter Gewalt. Eine preisgekrönte Reportage, neu entdeckt zum 70. SPIEGEL-Geburtstag.

DER SPIEGEL

Samstag, 25.03.2017   18:15 Uhr

Diese Reportage aus dem SPIEGEL, Ausgabe 39/1994, gewann 1995 den 2. Egon-Erwin Kisch-Preis.


Selber schuld. Es gibt immer jemand, der dem Opfer sagt, es habe sich das alles selbst zuzuschreiben, und überhaupt, man paßt doch ein bißchen auf und stellt sich nicht so blöd an.

Bei Gerhard Schmal war es einer von der Kripo, der das fand: Er habe das Unglück herausgefordert, jawohl. Es mußte wohl der blaue Stern gewesen sein, dieses Schmuckstück aus Glas, das in seiner Erdgeschoßwohnung an der Fensterscheibe hing. Ein blauer Davidstern. Daran konnte man's doch sehen.

Schlimm genug, daß er blind ist und schon deshalb gefährlich lebt, in diesen Zeiten. Da braucht doch nicht jeder wissen, daß er auch noch Jude ist. Und wenn ihn einer nach der Religion fragt, kann er doch sagen, er ist Atheist.

Herr Schmal hat einen Morgenkaffee gekocht und im Wohnzimmer Kekse bereitgestellt, er zieht sich den Aschenbecher heran, fragt erwartungsvoll, ob es schmeckt. Er hat selten Gäste in diesen Tagen. Manchmal kommt Herr Lehmann von der Hilfsorganisation "Weißer Ring", der ihn seit neun Jahren betreut. Aber meistens redet er nur mit Rosi, dem Hund: "Wir leben schon lange allein." Denn wer Kontakte hat, den kennt man, und wen man kennt, der kriegt Ärger, das hat er oft genug erlebt.

Er raucht viel, wie immer, wenn er seine Geschichte erzählt. Die Ereignisse geraten gelegentlich durcheinander, es ist schwierig, die Schrecken zu sortieren. Manchmal redet er in einem Tonfall, als ob er sich entschuldigen müsse für die brutale Wirklichkeit, von der er spricht.

So richtig heftig wurde der Terror jedenfalls nach dem Prozeß, im Sommer vor drei Jahren. Ein Nachbar hatte seinen Köter auf Rosi gehetzt, Herr Schmal hat sie heulen hören und kurz darauf selbst einen harten Schlag gespürt, der ihn zu Boden warf. Und das Gebrüll von damals hat er noch im Ohr: "Ich knall' dich und deinen Hund ab!"

Ein bulliger Typ sei der Täter, ein Trinker, hieß es, mit einer anfangs unerklärlichen Wut. Einer Wut, die noch wuchs, als er zu einer Geldstrafe von 1000 Mark verurteilt wurde. "Judensau", schrie jetzt diese Stimme, wenn Herr Schmal mit seinem Hund am Imbiß vorbeikam, und eine Weile grübelte der Beschimpfte, woher der eigentlich wußte, daß er Jude ist. "Ich laufe ja nicht mit dem Schild um den Hals: Ich bin Jude, Achtung." Bis es ihm dann einfiel, das mit dem Stern.

Einen Blinden überfallen ist bequemer, der wehrt sich nicht so

Judenschwein. Solche Wörter standen nun auch öfters an seiner Tür, und dann fiel den Peinigern wohl auf, daß akustischer Terror wirksamer ist bei einem Blinden als Schmierereien, die er nicht sieht. Jedenfalls kamen dann die Stimmen am Telefon, leise, böse, gehässig. Judensau. Judenschwein. "Ich habe die Leute nicht erkannt." Es müssen mehrere gewesen sein, aber die Botschaft war immer dieselbe: Scher dich weg.

Im vergangenen Jahr kam die Kripo ins Haus, um die Hetzer zu ermitteln - und fand nichts heraus: "Die haben nur zu mir gesagt, ich soll sehen, daß ich eine andere Wohnung bekomme." Nicht so einfach für jemand, der von Sozialhilfe lebt, aber im Dezember '93 zog er um. Geblieben ist die "Hochspannung, ob es wieder losgeht" im neuen Quartier.

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Wenn es so etwas geben kann, dann ist die gegen ihn gerichtete Gewalt zu einer Gewohnheit geworden, zu einer festen Größe, die diese Welt bestimmt. Es waren ja nicht immer Rechtsradikale, es waren auch Leute, die es einfach bequemer fanden, einen Blinden zu überfallen, der sich nicht so wehrt. Wie der Typ, der letzten Sommer, als sie auf freiem Feld spazieren waren, Reizgas sprühte auf den Blinden und seinen Hund. Rosis Augen sind heute noch entzündet, und "ich hatte Angst, daß bald auch der Hund nichts mehr sieht". Rosi ist schreckhaft geworden seitdem, und lange wußte er nicht, schafft sie's wieder, oder rennt sie das nächstemal mit ihm in den Tod?

Ganz schön schwer, nicht dauernd auf die Bestätigung zu lauern, daß die Welt schlecht ist, besonders zu ihm. Das Unglück begann ja nicht damit, daß er vor neun Jahren allmählich erblindet ist, daß er deswegen seine Stelle als Krankenpfleger verlor; das Unglück hat eine Vorgeschichte, aber die, findet Herr Schmal, gehört nicht hierher.

Ausdauernd hat er gegen den Absturz gekämpft, gegen den Weltschmerz und die sinnlose Wut. Er ringt um das bißchen Normalität, das bleibt: hat jahrelang versäumt, seinen Rentenantrag zu stellen, weil er immer gedacht hat, er kriegt vielleicht doch noch einen Job.

"Zurück nach Israel? - Da war ich nie. Da bin ich nicht geboren"

Gerhard Schmal ist jetzt 48 und wartet auf seine Rente, beschäftigt sich mit ehrenamtlicher Sozialarbeit für das Vormundschaftsgericht und mit dem Ringen gegen das Sozialamt und dessen ewiges Nein. Denn daß der Mann sich schützen will, scheint den Sachbearbeitern verständlich, doch wie er die Folgen des Terrors finanziert, das ist sein Problem.

Das Sozialamt will die Sicherheitsschlösser für die Türen nicht bezahlen, nicht den Zaun hinterm Haus und auch nicht den teuren Telefonanschluß für seinen Computer mit Spezial-Lesegerät, den er nach dem Umzug neu legen lassen mußte. Keine Ahnung, wo er das Geld herkriegt.

Er hat lange geredet; es reicht, jetzt muß er mal raus mit dem Hund. Neuerdings macht er meistens Umwege im Viertel, denn drüben beim Supermarkt, hat er gehört, stehen die Skins und saufen ihr Billigbier. Wenn jemand ihn nach der Uhrzeit fragt, dann geht er weiter, als habe er nichts gehört. Und wenn jemand wissen will, ob der Hund was tut, die sanftmütige Rosi, dann sagt er jetzt immer: "Die beißt."

So wird's schon werden, eine andere Lösung weiß er nicht. Schon gar nicht diejenige, welche der Kripo-Mann ihm damals empfahl: Er solle doch "zurückgehen nach Israel". Aber "da war ich nie. Da bin ich nicht geboren. Was soll das? hab' ich mich gefragt".

Als Fremder hatte sich Herr Schmal ursprünglich nicht gefühlt in diesem Land, aber für andere ist er es schon. Er gehört zu den Menschen in Deutschland, denen jemand "aufgrund ihrer Nationalität, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft oder aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes ein Bleibe- oder Aufenthaltsrecht in seiner Wohnumgebung oder in der gesamten Bundesrepublik bestreitet". So hat die Polizei "fremdenfeindliche Straftaten" definiert. 1993, als Herr Schmal vor seinen Peinigern in einen anderen Stadtteil flüchtete, registrierte die Statistik 6721mal so ein Delikt. 1988, als Herr Bui als einer der letzten Vertragsarbeiter in die DDR einreiste, wurden solche Straftaten dort nicht gezählt.

Herr Bui lag 14 Tage im Koma

Bui Van Nho, 40, Angestellter einer Reinigungsfirma, verheiratet, Vater von drei Kindern, stand am 14. Oktober 1991 an der Bushaltestelle Gothaer Straße in Ost-Berlin, um in die Stadt zu fahren. Es war nachmittags um drei und kühl, und unter dem Mantel, den er trug, konnte er gut das Stuhlbein verbergen, das er meistens bei sich hatte, um sich sicherer zu fühlen. Zweimal war er überfallen und zusammengeschlagen worden, beim zweiten Mal brachen sie ihm das Nasenbein.

Er wartete auf den Bus in die Stadt, lauschend und auf Verdächtiges achtend, auf Autos, die plötzlich halten, auf junge Männer mit besonders festem Schritt. Als der Bus schon in Sicht war, tauchten drei solcher junger Männer auf, eigentlich noch Jungen, 15 bis 17 Jahre alt. Der erste Hieb traf ihn ins Gesicht, dann, als er am Boden lag, prügelten sie weiter auf den Kopf ein. Sie benützten das Stuhlbein und traten ihn mit ihren Stiefeln.

Zeugen gab es, Hilfe gab es nicht. Die Polizei fand den schmächtigen Vietnamesen, bewußtlos auf dem Rasenstück liegend, vor dem Getränkemarkt. Sie schafften ihn ins Krankenhaus, wo er 14 Tage im Koma lag, und keiner wußte, ob er lebt oder stirbt.

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Vielleicht war es keine gute Idee, mit Bui Van Nho zum Tatort zu fahren. Jetzt, im Sommer 1994, sieht die Siedlung an der Gothaer Straße freundlicher aus, die Wege sind gefegt, zwischen gepflegten Rasenflächen wurzeln Ziersträucher und Ahornbäume. Niemand wirkt gefährlich von diesen Leuten, die Kinderwagen schieben oder Einkäufe nach Hause transportieren.

Keine Skins, nirgends. Aber Herr Bui, der anfangs still an der Mauer des Wartehäuschens lehnte, reißt ruckartig den Kopf auf die rechte Schulter, als ein blauer Kleinwagen abrupt an der Haltestelle stoppt. Er mustert das Fahrzeug aus den Augenwinkeln, achtet auf jede Bewegung der Insassen, und das Atmen fällt ihm plötzlich schwer. Keine gute Idee, hierher zu fahren, nein.

Zu Hause, in seinem Wohnblock in Berlin-Marzahn, wirkt er ruhiger. Der Weg vom Auto zum Fahrstuhl und vom Fahrstuhl über den Korridor ist überwunden, es ist nichts passiert. Herr Bui kramt Mappen aus dem Schrank, Stapel von Papieren, die meisten voller medizinischer Fachbegriffe.

"Laterobasale Schädelfraktur mit Liquorrhoe. Hirnkontusion mit Einblutung. Diffuses hirnorganisches Psychosyndrom" steht da im Befund vom Krankenhaus Friedrichshain. "Hirnorganisch bedingte Leistungsminderung" diagnostiziert ein Neurologe, ein Kollege notiert eine "traumatisch bedingte hirnorganische Wesensänderung" und hat "erhebliche Zweifel an der vollen Geschäftsfähigkeit". Der Patient Bui, merkt er an, sei "auf psychische Führung angewiesen".

Die Blumen der Täter wollte er nicht haben

Bui Van Nho kann diese Wörter nicht lesen und schon gar nicht verstehen. Vor dem Überfall hatte er ein bißchen Deutsch gelernt, aber das hat er vergessen. Als er im Krankenhaus lag, warf er sich anfangs immer unruhig hin und her, wenn jemand in seiner Nähe Deutsch sprach. Diese Laute, so schien es, verband er mit Gefahr.

"Herr Bui hatte so etwas nicht gedacht, bevor er nach Deutschland kam." Der Dolmetscher, der für die vietnamesische Hilfsorganisation "Reistrommel" arbeitet, fragt langsam, hört lange den schleppenden Antworten zu. Deutschland, spricht er dann weiter, sei trotzdem für Herrn Bui "ein kultiviertes Land. Und Herr Bui möchte hierbleiben".

Nur wenige Deutsche, sagt er, seien schlecht. Die meisten seien gut. Bui spricht leise, und oft, sehr oft, scheint er keine Antwort zu wissen, scheint er im Kopf vergebens nach seiner Vergangenheit zu suchen.

Nein, er weiß nichts mehr über den Überfall. Oder doch, "drei Jugendliche haben ihn geschlagen. Er war im Krankenhaus". Der Kopf arbeite nicht richtig, sagt der Dolmetscher, und das eine Ohr sei stumm, man könne es vielleicht operieren, aber erst, wenn die Kopfschmerzen nicht mehr so stark seien, und Herr Bui habe große Schwierigkeiten, zu denken.

Die Täter? Wenn ihm jemand hilft, dann kommt ein bißchen Gedächtnis zurück. Es gab ein Gespräch zwischen Tätern und Opfer, die Kirche hatte es organisiert: "Zwei Täter waren jung. Sie haben gesagt, sie entschuldigen sich. Der ältere Täter nicht. Die beiden Täter haben Herrn Bui Blumen geschenkt. Aber Herr Bui wollte diese Blumen nicht bekommen." Vielleicht erhält er ja von einem der drei noch Schmerzensgeld; 50 000 Mark plus 250 Mark Monatsrente stehen ihm zu. Aber sehr wahrscheinlich ist es nicht, der Bursche hat ja kein Geld.

Noch einmal kommt das mit dem kultivierten Land und daß der Verletzte weiter in Deutschland leben will. Seine Frau und ein Sohn durften einreisen, als er im Koma lag. Es hätte ja sein können, daß er stirbt. Und wenn nicht, dann sollte er beim Aufwachen vertraute Menschen um sich haben, die vietnamesisch sprachen, vor denen er sich nicht fürchten mußte.

Es mag manchem unbegreiflich scheinen, daß Herr Bui dieses Land, in dem er fast totgeschlagen wurde, seinem eigenen vorzieht. Aber die Armut, die ihn aus Vietnam vertrieben hat, ist ja immer noch dort. Und es ist zu heiß, das verträgt er nicht mit seinem kranken Kopf. Jetzt ist er froh, daß auch seine beiden kleinen Kinder kommen dürfen und eine "Aufenthaltsbefugnis aus humanitären Gründen" bekommen wie er, seine Frau und der älteste Sohn. Den Kindern wird schon nichts passieren in Deutschland. "Sie sind ja noch klein."

Daß niemand Herrn Bui zu Hilfe kam, ist normal. Selten schaltet sich jemand ein oder ruft die Polizei. Es sei nicht immer die Angst vor Schlägen, die dazu führt, daß die Not nur Zuschauer hat, sagt der Berliner Polizeikommissar Reinhard Kautz. Er bietet Anti-Gewalt-Training für Bürger an und glaubt, es sei "vor allem die Angst vor der Peinlichkeit", welche die Leute lähme - am Anfang, wenn die Angriffe noch harmlos sind. Der schreckliche Gedanke: "Wie, wenn ich jetzt was sage und bin blamiert?"

Daß der Helfer selbst zum Opfer wird, kann nicht die Lösung sein

Sie müssen sehr froh gewesen sein im Büro der schleswigholsteinischen Ministerpräsidentin, als sich endlich mal wieder jemand fand, den man wegen Zivilcourage auszeichnen konnte. Schlaksig und schüchtern, leicht gequält lächelte Martin Arp auf Heide Simonis herab, als sie ihm am 29. April 1994 die "Rettungsmedaille am Band" überreichte, die höchste Auszeichnung dieser Art, die das Bundesland vergibt.

Die Rolle paßte nicht so recht zu dem 31jährigen, aber die Lokalreporter hatten genug zu schreiben, schließlich war er sogar verletzt worden in jener Nacht. "Busfahrer verteidigt Sudanesen gegen Skinheads", lobten die Kieler Nachrichten am nächsten Tag, und für den Holsteinischen Courier war er "der Held von Kiel".

Der schmale Arp ist bei den Kollegen sicher nicht als Kämpfer bekannt, er wirkt jung, und erst die Busfahrerkluft aus grauer Hose und blauem Hemd verleiht ihm berufliche Autorität. Daß gerade über ihn einmal die Ministerpräsidentin sagen würde, er habe "anderen Mut gemacht mit seinem Mut" - nun ja. Verblüffend. Arp findet das auch.

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Statt stolz auf sich zu sein, sitzt der Mann nun in seinem Bus der Kieler Verkehrsbetriebe und überlegt, was sein Fehler war. Welche Konsequenz ist zu ziehen aus diesem Vorgang, in dem manche eine Heldentat sehen? Er hat seine Ehre, gewiß, und dem Sudanesen ist nichts geschehen. Aber Narben am Finger und am Bein hat er auch. Und daß der Helfer selbst zum Opfer wird, das kann ja wohl auch nicht die Lösung sein.

Was hat er falsch gemacht? 12. Februar 1994, abends kurz vor elf: Ein Afrikaner und vier Skins steigen ein, jeder Skin zeigt brav seinen Fahrausweis vor. Nach etwa drei Minuten beginnt ihr Gebrüll: "Nigger go home! Deutsche Rasse, reines Blut, Ausländer raus!" Einer drischt mit dem Schuh auf Fahrgäste ein, Arp weist die Randalierer per Mikrofon zurecht: "sonst ist die Fahrt für euch beendet".

Als zwei Skins den Bus verlassen haben, die anderen aber bleiben, ruft Arp über Funk nach der Polizei. Einer schiebt sich nach vorn, sticht auf den Fahrer ein, der ihn mit Händen und Füßen aus dem Bus zu stoßen versucht. Der Skin erwischt Arps kleinen Finger, hackt auf das rechte Bein ein. Als er und sein Kumpel draußen sind und der Fahrer unter Schock zur nächsten Haltestelle fährt, rühren sich endlich Fahrgäste, um zu helfen. Nach ein paar Minuten kommt auch die Polizei.

Hätte er den Mund halten sollen? Er wollte sich nicht prügeln. Er hat Hilfe gerufen, und die kam zu spät. Die Polizei will, daß der Fahrer bei Randale beim nächsten Stopp anhält und wartet, bis die Streife da ist. Aber das dauert eben, und bis dahin haben die Schläger gemerkt, was läuft. Ganz leise also, glaubt er jetzt, hätte er die Polizei alarmieren sollen und weiterfahren, damit die das nicht mitkriegen. Ist es das? Oder doch Reizgas? Ein kleiner Gummiknüppel an Bord?

Ob sein Mut anderen Mut macht? Das mit der Medaille, sagt Martin Arp und lächelt wieder gequält wie am Ehrentag, das fand er "ein bißchen übertrieben". Er will ja eigentlich nichts Besonderes sein, das liegt ihm nicht, und wahrscheinlich lästern schon Kollegen. Aber das gibt sich wieder. Unangenehmer findet er dieses Kribbeln im Rücken, wenn er am Steuer sitzt und komische Figuren einsteigen, "und man denkt, jetzt geht das wieder los". Aber zur Zeit fährt er noch keine Spätschicht, da ist das ja nicht so schlimm.

Kein Holz, "das ist gut, das brennt nicht so schnell"

Dieses Wittern, das permanente Lauern auf die nächste Gefahr - die Berater beim "Weißen Ring" oder bei der "Opferhilfe" kennen es gut. Ein Teil ihres Jobs ist es, dafür zu sorgen, daß sich die überscharfe Wahrnehmung auf ein angemessenes Maß an Vorsicht reduziert, daß der Mensch sich wieder ins Freie wagt, ohne überall Gewalttäter zu sehen. Was aber sagt man jemand wie Bui Van Nho oder dem blinden Herrn Schmal oder dem jungen Flüchtling Manuel? Es ist ja kein Zufall, daß gerade sie Opfer geworden sind. Diese Leute stören. Manuel ist Ausländer. Er soll raus.

Die grellrote Narbe an seinem Handgelenk sieht aus, als habe er sich die Pulsadern öffnen wollen. Aber das waren die Ärzte, bei der "Narbenexcision". Das bedeutet, daß man ein altes Wundmal neu aufschneidet, um es zu verkleinern; man zieht dann an der Haut des gesamten Unterarms wie an einem Gummihandschuh, der abgestreift werden soll; dann reicht die gesunde Haut weiter nach vorn, und die Narbe wächst schmäler wieder zu.

Die hühnereigroße Verdickung am Hals, auf der linken Seite, ist keine Geschwulst, sondern eine Methode, dünne Hautflächen für die Transplantation auf die Nase zu gewinnen. Dazu wird Kochsalzlösung ins Gewebe gespritzt, damit sich eine Ausbuchtung bildet, über der die Haut sich spannt. Das schmerzt manchmal ein bißchen, aber es geht.

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70 Jahre: Der SPIEGEL in Zahlen

Am Rumpf, über den Rippen, haben die Chirurgen dünne Schichten Epidermis abgetragen wie mit einem Kartoffelschäler. Das war für die Hände, nach dem Brand waren die nur noch zwei verkohlte Klumpen Fleisch.

Sehr sachlich spricht Manuel Avedikian über die Folgen dieser Brandnacht vor zweieinhalb Jahren. Manuel ist 21 und lebt seit vier Jahren in Deutschland; das ist seit seiner Kindheit die längste Zeit, die er je am Stück in einem Land verbracht hat. Deshalb spricht er nicht nur Armenisch, Englisch und Arabisch, sondern auch flüssiges Deutsch mit leicht badischer Färbung.

Manuel hat sich aufs Bett gesetzt, weil in seinen Kellerraum außer dem Schreibtisch mit Stuhl, der Koch-, Wasch- und Schlafgelegenheit nicht auch noch eine Sitzecke paßt, und erzählt, daß er sehr glücklich sei über sein dunkles Zimmer hier in Freiburg; "es ist schön kühl hier, das ist besser für die Haut". Ein bißchen feucht ist es und hat kein Holz an den Wänden; "das ist gut, das brennt nicht so schnell".

Zehn Kilometer nördlich, zwischen Freiburg und Emmendingen, liegt die Kleinstadt Waldkirch. Mitten in Waldkirch, in der Friedhofstraße, steht ein Gebäude, das erst Gewerbeschule war, dann Feuerwehrhaus, dann Flüchtlingsheim. Jetzt wohnt dort niemand mehr. Ein bißchen schwarzer Ruß erinnert noch an die Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1992 und der frisch zugemauerte Nebeneingang, durch den damals der Brandsatz flog. Sein Pech, daß Manuel in dieser Nacht zu Hause war.

Vom Terror erwischt, ausgerechnet im friedlichen Schwarzwald

Das Ende seines alten Lebens begann mit Schreien aus dem zweiten Stock. Die Familie, die dort wohnte, hatte als erste den Rauch bemerkt. In seinem Zimmer war Manuel dabei, ins Bett zu gehen; er zog die Jeans wieder an und die Lederjacke und versuchte, nach unten zu flüchten, weil er dachte, das Feuer sei dort, wo die Nachbarn schrien. Er rannte direkt in den Brandherd. Im Hausflur unten loderten alte Autoreifen, "und im Qualm, in der Panik bin ich zur falschen Tür, die war zu".

Die Feuerwehrleute fanden ihn bewußtlos auf der Treppe. Ein Viertel seiner Körperoberfläche war verbrannt. Am schlimmsten sahen die Hände aus, die hatte er schützend vor die Augen geschlagen. Das Gestell seiner Brille klebte auf der verkohlten Haut, zu Klumpen geschmolzen.

Vier Monate vorher war er ins Flüchtlingsheim gezogen, weil er kein anderes Ausweichquartier fand - hätte er bei seiner Familie bleiben sollen? Wo es hektisch ist und laut und ziemlich unmöglich, die Schulaufgaben zu machen, die ihm so wichtig sind?

Es gibt tatsächlich nicht viel Platz in der Dreizimmerwohnung in Waldkirch, in der sich Familie Avedikian seit 1990 drängt: Mutter, Vater, die Brüder Paul, Daniel und Abraham junior; auf der Treppe döst die Katze, im Wohnzimmer, auf dem Tischchen neben dem Sofa, glotzt der Goldfisch im Glas.

Wieder einmal berichtet Abraham senior davon, wie seine Familie nach Deutschland geraten ist. Und daß keiner geglaubt hätte, daß ausgerechnet in Waldkirch so etwas Schreckliches passiert. Wer eine Familiengeschichte hat wie er, für den muß es wohl wie bösartige Ironie der Geschichte wirken, wenn einen der Terror gerade im friedlichen Schwarzwald erwischt.

Die Avedikians sind armenische Christen. Als Abraham 1940 geboren wurde, waren seine Eltern auf der Flucht aus der Türkei. Er wuchs im Libanon auf, wanderte später nach Liberia aus. Er hatte einen Friseurladen und ein paar gute Jahre, Fathie brachte dort die vier Söhne zur Welt. Dann kam der Krieg nach Liberia, sie flohen in den Libanon; der Krieg folgte ihnen, sie flohen nach Liberia zurück. So ging das jahrelang: "Wo es gerade ruhig war", sagt Manuel, "da waren wir." Bis vor fünf Jahren, "da war der Krieg in beiden Ländern". Deshalb haben sie Sicherheit in Europa gesucht.

Und dann diese Nacht. Es war das erstemal, daß so ein Vorfall in Waldkirch geschah; ziemlich unangenehm, und den Beamten der Emmendinger Ausländerbehörde war es peinlich, daß sie der Familie gerade eine Abschiebeandrohung geschickt hatten, jetzt, wo der junge Manuel in Lebensgefahr auf der Intensivstation im Stuttgarter Marienhospital lag. Ein Aufschub wurde bewilligt, bis Manuels medizinische Behandlung abgeschlossen sei.

Dann kamen die Gerüchte auf. Manuel habe mit Drogen gehandelt, hieß es. Die Ausländer hätten den Brand selbst gelegt. Ein Ermittler saß ziemlich schnell an Manuels Krankenbett und wollte das Geständnis, daß der Verletzte selbst der Täter gewesen sei.

Eine Woche nach dem Anschlag riefen Waldkircher Initiativen zur Demonstration, und immerhin 700 Menschen drückten Empörung aus. Als er aber wieder zur Schule durfte, da fand er die Klassenkameraden reichlich kühl.

Er ist immer der Mann mit diesen Narben

Es klingt sehr abgeklärt, wie der Junge über seine Mitschüler redet, die 16, 17 sind, auch nur ein bißchen jünger als er: "Vielleicht ist man ja so in diesem Alter." Aber er fand es dann doch typisch, wie unangenehm den Mitmenschen der Umgang mit einem Opfer sein kann: "Was will der von mir? Schuldgefühle?" Ein Opfer hat nach der Tat in Kameras zu blicken und elend auszusehen, aber dann ist's bitte wieder gut.

Unsicherheit? Von dem deutschen Mädchen, das vor dem Brand seine Freundin war, hat er danach nichts mehr gehört. Vielleicht dachte sie: Das ist ein anderer Mensch, dieser Junge mit den Narben, der nur noch ein Foto hat, um zu zeigen, daß er mal genauso hübsch war wie sein Bruder Paul.

Waldkirch wurde, sagt er, "zur Gespensterstadt". Irgend jemand hier hatte sein Leben durcheinandergebracht - wer? Es gab ein paar Zeugenaussagen, sehr vage, aber aussagekräftig genug, um die Vermutung als Unsinn zu entlarven, daß der Brandstifter ein Hausbewohner gewesen sei. Es gab Verdächtige, mehr nicht, und Manuel kannte die Namen und sah die Leute in der Kneipe sitzen: War der's? Oder der?

Ein Unterstützerkreis zahlt ihm jetzt das Zimmer in Freiburg, das hilft schon viel. Er schläft jetzt wieder nachts. Auch seiner Haut geht es besser, sie juckt nicht mehr so fürchterlich wie im ersten Jahr. Manchmal glaubt er, daß er es schafft, in Deutschland zu bleiben, weiter ins Wirtschaftsgymnasium zu gehen, Abitur zu machen, Arzt zu werden. Und daß auch seine Familie nicht abgeschoben wird. Selbst die Emmendinger Behörde hat ja neuerdings nichts mehr gegen ein "dauerndes Bleiberecht"; vielleicht lenkt ja auch der baden-württembergische Innenminister, von dem jetzt alles abhängt, endlich ein?

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Titelbilder: SPIEGEL-Titel - die besten Cover des fünften Jahrzehnts

Wenn er ganz optimistisch ist, dann kann er sich auch vorstellen, daß er irgendwann wie ein normaler Mensch behandelt wird. Jedesmal, wenn er heute jemand kennenlernt, entsteht dieses Gemisch aus Neugier und Schuldgefühlen, mal mehr Neugier, mal mehr Schuld. Es kam schon vor, daß er gelogen hat, das sei ein Autounfall gewesen, dann war Ruhe. Er ist, und das stört ihn einfach, "für die Leute nicht Manuel. Sondern immer der Mann, der diese Narben hat".

Er habe keinen Haß, sagt Manuel, jetzt nicht mehr. Aber es wäre sehr viel leichter, dieses neue Leben zu leben, wenn er wüßte, daß der Staat die Täter zur Verantwortung zieht. Vergeltung ist es nicht, was die meisten Opfer wollen, das haben Befragungen von "Viktimologen", Opferforschern, ergeben. Was sie sich wünschen, ist, daß der Täter sich seiner Tat stellt; daß er, vielleicht, zu begreifen beginnt, was er den anderen angetan hat. Der Versuch, neue Ordnung zu stiften, so daß das Leben wieder berechenbar wird - das ist typisch für Opfer einer Gewalttat oder für Freunde und Verwandte, die zurückgeblieben sind. Denn manchmal stirbt ja auch einer. So wie Utes Kumpel Lampe.

"Die müssen draufgedroschen haben wie die Blöden"

Ute war 17 und katholisch erzogen, als sie ihr Dorf in Thüringen verließ; sie kam nach Magdeburg und wurde Punk. Ein sehr kleines Dorf, deshalb bloß keine Fotos, und den Nachnamen bitte auch nicht nennen - "meine Mutti hatte schon genug Ärger mit mir".

Obwohl, Krach gab es eigentlich eher vor den Elbterrassen. Seitdem scheint die Mutter ein bißchen anders zu denken, und zur kleinen Schwester hat sie kürzlich gesagt: "Du kannst werden, was du willst, Punk oder Latzhose oder Heavy Metal, aber wenn du als Glatze kommst, fliegst du raus."

Linden und Kastanien rauschen deutsch im Abendwind, in ihrem Schatten gruppieren sich Picknicktische um eine freie Fläche, der Blick fällt den Abhang hinunter auf die alte Elbe, die so sauber scheint, daß man baden möchte - ein Ort, an dem Liedertafeln singen müßten und Volkstanzgruppen Sommerfeste begehen. Die Gartenwirtschaft "Elbterrassen" war lange Lieblingsplatz der Magdeburger Punks, jedenfalls bis zu dieser Geburtstagsfeier am 9. Mai 1992.

Ein komisches Gefühl, auch nach zwei Jahren. Ute rutscht auf dem roten Klappstuhl herum, blickt grübelnd in die Kaffeetasse, dann wieder rüber zum Platz. Da drüben, auf der Holzbank, hatte sie gesessen. Dort unten, auf der Tanzfläche, war ziemlich lange noch der Blutfleck zu sehen. Da hatte Lampe getanzt. Da oben in der Straße hatten die Polizisten geparkt, die nicht zu Hilfe kamen, als die 50, 60 Glatzen nachts um elf über die Feiernden herfielen und mit Zaunlatten und Baseballschlägern auf Körper und Köpfe eindroschen.

Sie selbst weiß nur noch, daß jemand schrie, "die Nazis kommen", dann spürte sie einen krachenden Schlag auf den Schädel und dann nichts mehr. Sie sei noch mal aufgewacht, haben ihr die andern später erzählt, sie habe rumgebrüllt und gekotzt und aus dem Ohr geblutet, "ich muß ausgesehen haben wie ein Schwein".

Zwei Tage später stand in der Mitteldeutschen Zeitung, es herrsche "Krieg zwischen den rechten Glatzen und den linken Punks und Autonomen. Ein Krieg, bei dem es immer weniger auf die politische Orientierung ankommt". Drei schwerverletzte Punks lagen im Krankenhaus, Ute hatte einen Schädelbasisbruch, bei ihrem Freund konnte man auf dem Gesicht noch den Schuhabdruck einer der Glatzen sehen, Größe 43. Lampe, Torsten Lamprecht, war tot.

Ute ist Krankenschwester von Beruf, und das Ausmaß der Brutalität kann sie immer noch kaum glauben: "Die müssen draufgedroschen haben wie die Blöden. So ein Schädel bricht ja nicht so leicht." Sie hat "Glück gehabt", das sagt die Ärztin auch: zehn Zentimeter weiter links, zur Schläfe hin, "und ich wäre weg".

Sie grinst und pustet eine fransige Haarsträhne von der Nase und freut sich, wie sie sagt, über ihre "ganz gute Konstitution". Sie ist nicht taub geworden auf dem rechten Ohr, wie die Mediziner erst dachten, und an das leise Fiepen, das sie jetzt immer hört, hat sie sich gewöhnt. Das geht wohl auch nicht wieder weg.

Weiterleben wie vorher geht sowieso nicht

Leider hat sie wirklich nicht gesehen, wer da zugeschlagen hat. In einem der "Elbterrassen-Prozesse" sagte sie als Zeugin und Nebenklägerin aus und war verdammt wütend, als es hieß, sie würde schweigen, aus Angst.

Klar, sagt sie, sei es merkwürdig gewesen, im Gericht diese fünf Typen zu sehen, die Angeklagten, und zu wissen: Einer von denen hat es vielleicht getan. Aber es ist nie bewiesen worden, wer Lampe erschlagen hat. Drei der fünf sind zwar zu Haftstrafen verurteilt worden, von zweieinhalb bis zu sechs Jahren. Aber der mit der höchsten Strafe hat per Revision erreicht, daß sein Fall in diesem Herbst neu verhandelt wird - weil sich zwar Zeugen gefunden hatten, die ihn beim Zuschlagen gesehen hatten, aber keiner sagte oder sagen konnte, auf wen.

Schwierig, das alles. Was soll man anfangen mit diesen Schlägern? Ute will schon, "daß der seine Strafe kriegt, der den Lampe umgebracht hat". Aber andererseits weiß sie auch, daß im Knast niemand ein besserer Mensch wird. Einer der drei Skins, hat sie gehört, sitze im Jugendknast "und soll da voll den Pascha machen. Weil er bei den Elbterrassen dabei war, als Hauptangeklagter".

Vielleicht wäre ja bei ein paar Mitläufern auch anders was zu erreichen. Wenn sie mal sehen würden, was sie angerichtet haben, wie da einer halbtot im Krankenhaus liegt, wie so ein offener Schädelbruch aussieht oder so.

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70 Jahre SPIEGEL: Die Gründerjahre - wie alles begann

Rache verlangt sie nicht, und Zwang bringt nichts, daran glaubt sie ohnehin. Ute ist jetzt 24, und wie sie sich die Welt erklärt, das soll sich nicht an schlichten Mustern orientieren. Als nach der Wende der Streß mit den Glatzen anfing, haben sie natürlich auch mal zurückgeprügelt, klar. Aber auf ihren Ehrenkodex waren die Magdeburger Punks immer stolz: "Daß wir in der Gruppe über einen hergefallen wären oder auf Köpfe eingedroschen hätten, nee, haben wir immer gesagt, wir begeben uns doch nicht auf deren Niveau."

Weiterleben wie vorher geht sowieso nicht. Die Paranoia hat ein bißchen nachgelassen, die Angst kommt nicht mehr jedesmal hoch, wenn Ute einer Glatze begegnet, es sei denn, "der ist so'n richtig breiter Schrank". Im Vergleich zu früher sieht sie jetzt auch schon beinah manierlich aus, die Streifenhose wirkt fast schon zahm, und die Haare sind nicht mehr so bunt.

Nachts läßt sie sich von ihrem Freund ins Krankenhaus bringen oder abholen, wenn es spät wird. Außerdem haben sie sich Rudi beschafft, den altdeutschen Schäferhund; bißchen klein ist er vielleicht, aber in der Dunkelheit kommt das gut, wenn er knurrt.

Sie träumt jetzt nicht mehr so oft von den Elbterrassen und hat sich selbst Verdrängung verordnet, "sonst gehste ja kaputt". Aber dann fährt sie mal wieder an Lampes Zimmer vorbei oder sieht den Park, wo sie immer saufen waren, und dann kommt fast so etwas wie ein schlechtes Gewissen auf, mein Gott, mehr als zwei Jahre ist das schon her.

Daß es gerade ihn erwischt hat. Er war ein Typ, "der mit niemand Streß hatte, eher so ein ruhiger Vertreter". Komisch, zu denken, daß man drei Tage vorher noch zusammen auf dem Ska-Konzert war, und zwei Wochen später wollten sie eigentlich nach Thessaloniki in den Urlaub fliegen, vier Punk-Pärchen, weil einer schon mal dort war und gesagt hat, da kommt man gut klar.

Jetzt liegt er auf dem Neustädter Friedhof, bei seinem Vater im Grab, und wer hat das denn noch im Kopf. Frau Lamprecht, natürlich, es war ihr einziger Sohn. Aber sonst? Im Mai dieses Jahres haben Ute und ihr Freund ein Benefizkonzert organisiert, im "Knast", dem Jugendklub der Punks. Ein Abend für Lampe, daß man noch mal an ihn denkt. Die "Falschen Vögel" spielten und "Schutt und Asche" und "Totalverlust". Die 600 Mark haben sie Frau Lamprecht gegeben, fürs Grab.

insgesamt 2 Beiträge
ich bin 25.03.2017
1.
Danke für den Artikel!
Danke für den Artikel!
Andrek Groetykz 26.03.2017
2. nicht viel anders heute....
der Artikel hätte auch aus dem Jahr 2017 stammen können, kommt einem alles so vertraut vor. Leider. Es bleibt festzustellen, daß diese Tätlichkeiten, Angriffe, Brandanschlägen, selbst gewalttätige Auseinandersetzungen [...]
der Artikel hätte auch aus dem Jahr 2017 stammen können, kommt einem alles so vertraut vor. Leider. Es bleibt festzustellen, daß diese Tätlichkeiten, Angriffe, Brandanschlägen, selbst gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Skinheads und Punks immer noch vorkommen.

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