Gesundheit

Lungenkrankheit

"Viele haben COPD und wissen es nicht"

Die Lungenkrankheit ist nicht heilbar. Ihr Fortschreiten kann aber bei frühzeitiger Diagnose oft verlangsamt werden. Vor allem Raucher sollten deshalb zum Arzt, wenn sie an Dauerhusten und Kurzatmigkeit leiden.

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COPD trifft vor allem Raucher

Donnerstag, 21.07.2016   11:17 Uhr

Täglich 20 Zigaretten - zieht jemand das über Jahre hinweg durch, geht irgendwann die Puste aus. Bemerkbar macht sich das zum Beispiel beim Treppensteigen oder bei körperlicher Betätigung. Treten zusätzlich Atembeschwerden auf? Häufiger Husten und regelmäßige Atemwegsinfekte? Dann sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen, denn sie könnten an COPD leiden.

Die Krankheit kennen viele nicht. Dabei haben nach Angaben der Deutschen Atemwegsliga allein in Deutschland bis zu fünf Millionen Menschen COPD. Weltweit sind laut der Weltgesundheitsorganisation WHO etwa 64 Millionen Menschen betroffen. Die WHO schätzt, dass COPD bis 2030 weltweit zu den dritthäufigsten Todesursachen zählen wird.

Die Abkürzung COPD steht für die englische Bezeichnung der Lungenkrankheit: chronic obstructive pulmonary disease. Das heißt: Die Lunge ist chronisch erkrankt, weil die Atemwege entzündet und dauerhaft verengt (= obstruktiv) sind und die Lunge schneller altert. "Eine Heilung ist nicht möglich, ein rasches Fortschreiten der Erkrankung kann aber oft verhindert werden", sagt Gerhard W. Sybrecht. Er ist Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Lungenstiftung.

Auch Passivraucher können erkranken

Vor allem Raucher, aber auch Passivraucher kann es treffen. Menschen, die zum Beispiel am Arbeitsplatz regelmäßig Luftschadstoffen ausgesetzt sind, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. In sehr seltenen Fällen kann COPD genetisch bedingt sein.

Bei der Erkrankung bahnen sich Nikotin oder andere Schadstoffe ihren Weg über Nase und Mund ins Körperinnere. Dort können sie die Flimmerhärchen der Schleimhaut in den Atemwegen zerstören. Die Folge kann eine chronisch-obstruktive Bronchitis sein. Hinzu kommt oft ein Lungenemphysem, eine überblähte Lunge. Sie bildet sich, weil die Wandstruktur der Lungenbläschen zerstört ist und dadurch die Lufträume erweitert sind - eine Entwicklung, die unumkehrbar ist.

"Ein Problem ist, dass Patienten häufig erst dann zum Arzt gehen, wenn Beschwerden überhandgenommen haben", erklärt der Ulmer Internist für Lungen- und Bronchialheilkunde Michael Barczok. Er ist auch Pressesprecher des Bundesverbands der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner. "Dann ist aber oft schon viel Lungengewebe unwiederbringlich zerstört."

Mit Beschwerden frühzeitig zum Arzt

Beschwerden wie ständiges Husten und Atemnot sollten so früh wie möglich medizinisch abgeklärt werden. "Viele haben COPD und wissen es nicht", sagt Sybrecht. Patienten sollten daher beim regelmäßigen Gesundheits-Check-Up darauf achten, dass eine Lungenfunktionsüberprüfung vorgenommen wird. Bei Auffälligkeiten sollte der Hausarzt den Betroffenen an einen Lungenfacharzt, also einen Pneumologen, überweisen.

Dort folgen diverse Untersuchungen. Bei der Spirometrie etwa wird das Atemvolumen gemessen. Bei der Bodyplethysmografie geht es darum, den Atemwiderstand und die Lungenkapazität zu bestimmen. Mitunter werden weitere Untersuchungen durchgeführt. "Das kann etwa ein Belastungstest sein", sagt Sybrecht. Damit kann der Arzt herausfinden, ob möglicherweise ein erhöhter Lungendruck zu einer Belastung des rechten Herzens führt.

Steht die Diagnose COPD fest, sollten Raucher vor allem eins tun: ab sofort auf Inhalationsrauchen verzichten. "Damit sinkt das Risiko einer akuten Verschlechterung der Lungen- und Atemwegsfunktionen", sagt Barczok. Regelmäßig müssen zudem Medikamente angewendet werden, die Atembeschwerden lindern. Diese Arzneien werden inhaliert. So gelangen die Wirkstoffe unmittelbar in die Atemwege und Lunge.

"Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl von Inhalationssystemen, die sich in der Bedienung voneinander unterscheiden", sagt der Fürther Pneumologe Heinrich Worth. Er ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Atemwegsliga. Den Umgang mit dem auf individuelle Begebenheiten angepassten Inhalationssystem lernen Betroffene bei einer Patientenschulung. "Eine Teilnahme ist sehr wichtig, um mögliche Anwenderfehler zu vermeiden", sagt Worth.

Sport ist wichtig

In der Schulung lernen Betroffene zudem die Grundlagen der Atemtherapie. Thema sind auch Selbsthilfemaßnahmen, wenn sich der Zustand verschlechtert und der Betroffene schneller als üblich außer Atem gerät. Patientenschulungen finden in aller Regel in kleinen Gruppen mit maximal zehn Erkrankten statt.

Wichtig ist, Sport zu treiben. "Viele meiden aus Angst vor Atemnot oft körperliche Aktivitäten", sagt Barczok. Durch Bewegungsmangel nehmen aber Muskelmasse und Muskelkraft ab. Dadurch sinkt die körperliche Belastbarkeit. Das führt letztendlich zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion. "Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sollten Betroffene gezielte Sport- und Bewegungstherapie in Lungensportgruppen machen", rät Worth.

Es ist möglich, dass Ärzte die Teilnahme an Lungensportgruppen verordnen, sodass die Krankenkassen die Kosten dafür teilweise oder komplett übernehmen.

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Sabine Meuter, dpa/wbr

insgesamt 78 Beiträge
1lauto 21.07.2016
1. das Nikotin selbst
führt sicher nicht zur COPD. Die vielen anderen Schadstoffe im Tabakrauch aber schon.
führt sicher nicht zur COPD. Die vielen anderen Schadstoffe im Tabakrauch aber schon.
tatjuscha 21.07.2016
2. Die bösen Raucher
Das entscheidende Stichwort ist "Luftschadstoffe". Wer im Bergbau arbeitete in den vergangenen Jahrzehnten oder neben einem Braunkohlekraftwerk aufwuchs, hat oft massive Schäden an Bronchien und Lungen. Fragt sich, [...]
Das entscheidende Stichwort ist "Luftschadstoffe". Wer im Bergbau arbeitete in den vergangenen Jahrzehnten oder neben einem Braunkohlekraftwerk aufwuchs, hat oft massive Schäden an Bronchien und Lungen. Fragt sich, warum es immer nur um die Raucher geht? Vermutlich, weil da immer der Anschein geweckt werden kann "Du bist ja selbst schuld". Sonst müsste am Ende gefragt werden: wie können wir industrielle Emissionen verringern? Das will ja gerade im Falle der Braunkohle keiner.
Herr Jedermann 21.07.2016
3. Feinstaub
taucht in dem Beitrag als zusätzliche Bronchien- und Lungenbelastungsquelle nicht auf. Tausende Menschen in Deutschland sterben daran bzw. sterben früher. Wo bleibt der Aufschrei? Ach ja, die Autolobby hängt noch so sehr am [...]
taucht in dem Beitrag als zusätzliche Bronchien- und Lungenbelastungsquelle nicht auf. Tausende Menschen in Deutschland sterben daran bzw. sterben früher. Wo bleibt der Aufschrei? Ach ja, die Autolobby hängt noch so sehr am Diesel.
FabianSvii 21.07.2016
4. Sicherlich...
Sicher ist zumindest, dass Sie keine Ahnung haben. Sie verwechseln offensichtlich die COPD mit dem Bronchialkarzinom, bei dem tatsächlich die Verbrennungsprodukte eine größere Rolle spielen. Nikotin hemmt die Funktion [...]
Zitat von 1lautoführt sicher nicht zur COPD. Die vielen anderen Schadstoffe im Tabakrauch aber schon.
Sicher ist zumindest, dass Sie keine Ahnung haben. Sie verwechseln offensichtlich die COPD mit dem Bronchialkarzinom, bei dem tatsächlich die Verbrennungsprodukte eine größere Rolle spielen. Nikotin hemmt die Funktion der Flimmerhärchen, was zu einem gestörten Abtransport von Schleim führt. Weiterhin inaktiviert Nikotin Hemmstoffe, die den körpereigenen Abbau von Gewebebestandteilen aufhalten. Dadurch wird insbesondere die Entstehung eines Emphysems begünstigt.
Stefan_G 21.07.2016
5. zu #2
Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der fast jeder Erwachsene (m./w.) an fast jedem Ort geraucht hat, 3 oder 4 Raucher über Stunden hinweg im elterlichen Wohnzimmer war ganz normal. In der Zeit hatten die Kraftwerke auch [...]
Zitat von tatjuschaDas entscheidende Stichwort ist "Luftschadstoffe". Wer im Bergbau arbeitete in den vergangenen Jahrzehnten oder neben einem Braunkohlekraftwerk aufwuchs, hat oft massive Schäden an Bronchien und Lungen. Fragt sich, warum es immer nur um die Raucher geht? Vermutlich, weil da immer der Anschein geweckt werden kann "Du bist ja selbst schuld". Sonst müsste am Ende gefragt werden: wie können wir industrielle Emissionen verringern? Das will ja gerade im Falle der Braunkohle keiner.
Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der fast jeder Erwachsene (m./w.) an fast jedem Ort geraucht hat, 3 oder 4 Raucher über Stunden hinweg im elterlichen Wohnzimmer war ganz normal. In der Zeit hatten die Kraftwerke auch keine Entschwefelung, Entstickung oder Entstaubung, es waren also maximale Dreckschleudern. Aus eigener Erfahrung: Selbst ein Kraftwerk in nur 100 m Entfernung ist kein Vergleich zu der Luftverschmutzung beim Rauchen.

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