Gesundheit

Kongo

Zahl der Ebola-Fälle steigt drastisch

Allein im April haben sich im Kongo rund 500 Menschen mit Ebola infiziert, Angriffe auf Behandlungszentren unterbrechen immer wieder den Hilfseinsatz. Hinzu kommen gefährliche Gerüchte.

Al-Hadji Kudra Maliro/ AP/ DPA

Angriffe auf Behandlungszentren unterbrechen immer wieder den Kampf gegen Ebola im Kongo

Donnerstag, 02.05.2019   17:07 Uhr

Rund zehn Monate nach Beginn der Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo ist die Zahl der Erkrankten stark gestiegen. Grund dafür sind auch Angriffe auf medizinische Helfer. Ende März lag die Zahl der Erkrankungsfälle den Behörden zufolge noch bei etwa 1000, innerhalb des Aprils hat sie rund 1500 erreicht. Auch die Zahl der Todesopfer nahm drastisch zu: Von 630 Ende März auf rund 970 Ende April. Das entspricht jeweils einem Anstieg von rund 50 Prozent.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, zeigte sich nach einem Besuch in einer der betroffenen Städte "zutiefst beunruhigt". "Die Zahl der Erkrankungen steigt wegen Gewalttaten an, die uns jedes Mal wieder einen Rückschlag versetzen", erklärte er. Die Epidemie könne noch lange andauern, warnte auch Kongos Koordinator für den Kampf gegen Ebola, Aruna Abedi. Zudem halte sich die Bevölkerung nicht an die Hygieneempfehlungen der Behörden, mahnt er.

Gerüchte: Ebola soll die Bevölkerung dezimieren

In den betroffenen Provinzen Nord-Kivu und Ituri kämpfen zahlreiche Milizen gegeneinander. Erschwerend kommt hinzu, dass die Menschen in der Region kaum Vertrauen in die Behörde haben. Die Hauptstadt Kinshasa liegt 2000 Kilometer entfernt, die Regierung hat seit Jahren in dem Konfliktgebiet stark an Einfluss verloren. Gerüchte kursieren, wonach die Regierung mit dem Virus nur die Bevölkerung dezimieren wolle. Oder dass Ebola nur eine Erfindung der Behörden sei.

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Zu den Folgen zählen gezielte Angriffe auf Ebola-Behandlungszentren, nach denen der Hilfseinsatz immer wieder unterbrochen werden muss. Erst vergangene Woche wurde ein Arzt der WHO in Butembo getötet. "Sie haben Unvorstellbares erlebt und sind trotzdem willens, ihre wichtige Arbeit fortzusetzen", sagte der Afrika-Direktor der WHO, Matshidiso Moeti, über die Helfer.

Für den zentralafrikanischen Staat ist es die zehnte dokumentierte Ebola-Epidemie. Die bisherigen Ausbrüche betrafen jedoch friedliche Regionen und konnten relativ zügig eingedämmt werden. Die jetzige Epidemie hat sich in den vergangenen Monaten zum zweitschwersten bekannten Ebola-Ausbruch entwickelt. Bei der folgenschwersten Ebola-Epidemie waren in Westafrika 2014/2015 mehr als 11.000 Menschen ums Leben gekommen.

irb/dpa

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