Gesundheit

Demokratische Republik Kongo

Zahl der Ebola-Fälle übersteigt 2000

Im Kongo sind seit August mehr als 2000 Menschen an Ebola erkrankt, die Zahl der Todesfälle liegt bei über 1300. Ungewöhnlich viele Betroffene sind Kinder unter fünf Jahren.

Baz Ratner/ REUTERS

Rachel Kahindo, eine Ebola-Überlebende, kümmert sich in einem Behandlungszentrum um erkrankte Babys.

Dienstag, 04.06.2019   15:59 Uhr

In der Demokratischen Republik Kongo haben sich inzwischen mehr als 2000 Menschen mit dem Ebola-Virus infiziert. Die Zahl erfasster Infektionen liege bei 2008, davon seien 1914 im Labor bestätigt worden, teilte das kongolesische Gesundheitsministerium mit. Mehr als 1300 der Erkrankten sind demnach gestorben.

Damit liegt die Todesrate unter den Erkrankten bei knapp 70 Prozent. Unter den Toten befinden sich der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge auch mehr als Hundert Mitarbeiter des Gesundheitssystems.

Im Vergleich zu früheren Epidemien erkranken im Kongo ungewöhnlich viele Kleinkinder. Bei rund 15 Prozent der Infizierten handele es sich um Kinder im Alter von unter fünf Jahren, berichtet die WHO. Von ihnen überlebten nur 22 Prozent die Erkrankung, noch weniger als der Durchschnitt.

Dem Bericht zufolge bringen Eltern ihre erkrankten Kleinkinder oft erst verhältnismäßig spät in spezielle Ebola-Behandlungszentren. Grund dafür sei möglicherweise die Angst, die Kinder alleine in eine fremde Umgebung zu geben, schreibt die WHO. Allerdings lasse sich nur mit einer frühen Isolation der Erkrankten vermeiden, dass sich das Virus weiter verbreitet.

Prekäre Sicherheitslage

Bei der Epidemie handelt es sich um den zweitgrößten Ebola-Ausbruch der Geschichte. Trotz internationaler Unterstützung und eines experimentellen Impfstoffs gelingt es nicht, den Ausbruch unter Kontrolle zu bekommen. Hauptgrund ist die prekäre Sicherheitslage. In dem betroffenen Gebiet kämpfen zahlreiche Milizen unter anderem um Bodenschätze.

Kongo - ein Name, zwei Staaten

Es gibt in Zentralafrika zum einen die "Demokratische Republik Kongo" mit der Hauptstadt Kinshasa und zum anderen die "Republik Kongo" mit der Hauptstadt Brazzaville. Die Grenze beider Länder verläuft teils entlang des Flusses Kongo. Auf der Kongokonferenz der europäischen Kolonialmächte 1884/85 in Berlin erhielten die Franzosen das kleinere Territorium der heutigen Republik Kongo. Der belgische König Leopold II. sicherte sich das Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo und machte es zu seiner Privatkolonie, die er rücksichtslos ausbeutete.

1960 erlangten sowohl die belgische als auch die französische Kolonie ihre Unabhängigkeit. Nach mehreren Namensänderungen (u.a. Zaire) heißt die ehemalige belgische Kolonie seit 1997 "Demokratische Republik Kongo", die vormals französische Kolonie seit 1991 "Republik Kongo". Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir in unseren Texten für die Demokratische Republik Kongo in der Regel die einfache Bezeichnung "Kongo".

Hinzu kommt, dass in der Bevölkerung eine große Skepsis gegenüber Helfern und den medizinischen Behandlungen existiert. Gerüchte kursieren, wonach die Regierung mit dem Virus die Bevölkerung dezimieren wolle. Oder dass Ebola nur eine Erfindung der Behörden sei. Zu den Folgen zählen gezielte Angriffe auf Ebola-Behandlungszentren.

Ende Mai etwa griffen Bewohner im Dorf Vusahir eine Gruppe Helfer an, ein Hygienespezialist kam ums Leben, das Gesundheitszentrum im Ort wurde ausgeraubt und verwüstet. In der folgenden Nacht attackierten Unbekannte im Ort Vulamba bei der Stadt Butembo ein Transitzentrum, in dem Ebola-Verdachtsfälle behandelt werden. Es entstand ein Sachschaden.

Wegen der Angriffe sei das Risiko einer Ausbreitung der Epidemie auf andere Provinzen oder die nahen Nachbarländer Uganda und Ruanda weiterhin sehr hoch, warnt die WHO. Für den zentralafrikanischen Staat ist es bereits die zehnte bekannte Ebola-Epidemie. Bisherige Ausbrüche betrafen jedoch friedliche Regionen und konnten relativ zügig eingedämmt werden. In Westafrika waren 2014/2015 beim schwersten dokumentierten Ebola-Ausbruch jemals 11.000 Menschen ums Leben gekommen.

irb/dpa/Reuters

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