Gesundheit

Systematische Suche in Kliniken

Länder wollen Fehlbildungen bei Neugeborenen abfragen

Innerhalb von drei Monaten kamen in Gelsenkirchen drei Babys mit fehlgebildeten Händen zur Welt: Kann das reiner Zufall sein oder gibt es eine Ursache? Die Bundesländer wollen zunächst mehr Informationen sammeln.

Ina Fassbender/ picture alliance/ dpa

Neugeborenes mit seiner Mutter (Symbolfoto)

Mittwoch, 18.09.2019   16:00 Uhr

Die Bundesländer wollen Krankenhäuser nach Fehlbildungen von Neugeborenen befragen. Hintergrund ist eine Häufung von Handfehlbildungen bei Neugeborenen in Gelsenkirchen. Da unklar ist, ob es dafür eine Ursache gibt oder ob es sich um eine zufällige Häufung handelt, haben die Gesundheitsressorts der Länder nun beschlossen, bundesweit mehr Informationen über ähnliche Fehlbildungen einzuholen.

Innerhalb von drei Monaten kamen im Sankt Marien-Hospital in Gelsenkirchen-Buer drei Babys zur Welt, bei denen jeweils eine Hand fehlgebildet war. Zuvor hatte es dort nach Angaben der Klinik jahrelang keinen einzigen solchen Fall gegeben. Bei allen drei Kindern sei jeweils eine Hand betroffen. An dieser Hand seien Handteller und Finger nur rudimentär angelegt.

Fehlbildungen dieser Art "jahrelang nicht gesehen"

"Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein", teilte die Klinik auf ihrer Website mit. "Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig." Fehlbildungen dieser Art habe man in der Klinik viele Jahre nicht gesehen.

Auch in Datteln und Dorsten, zwei Kleinstädten in Nordrhein-Westfalen, die in der Nähe von Gelsenkirchen liegen, waren in diesem Jahr zwei Kinder mit ähnlichen Fehlbildungen geboren worden.

Nach den Meldungen wurden Rufe nach einem zentralen Melderegister lauter. Bisher gibt es in Deutschland keine systematische Erfassung solcher Fälle. Das Gesundheitsministerium in NRW hatte bereits vergangene Woche angekündigt, alle Kliniken des Bundeslands nach ähnlichen Fehlbildungen abzufragen.

Spahn warnt vor Spekulationen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich grundsätzlich offen für ein solches Register, warnte aber davor, "durch Spekulationen aller Art" Menschen zu verunsichern. "Wir ziehen erst dann Schlussfolgerungen, wenn wir auch etwas wissen", sagte er.

Die Ursachen solcher Fehlbildungen sind nicht in Gänze verstanden, können aber vielfältig sein. In der Diskussion sind physische Ursachen, wie das Abklemmen der Blutversorgung in Extremitäten während der Embryonalentwicklung, aber auch genetische oder toxische Ursachen oder sogar der Einfluss spezifisch wirkender Viren. Auch zufällige Häufungen können möglich sein.

kry/dpa

insgesamt 7 Beiträge
vantast64 18.09.2019
1. Jetzt erst fangen sie an,
in anderen, weiter entwickelten Ländfern, wird so etwas schon länger registriert. Nach einer solchen Auswertung wären wir schon weiter. Offenbar klappt bei uns gar nichts mehr, eine Folge der jahrzehntelangen Politik des [...]
in anderen, weiter entwickelten Ländfern, wird so etwas schon länger registriert. Nach einer solchen Auswertung wären wir schon weiter. Offenbar klappt bei uns gar nichts mehr, eine Folge der jahrzehntelangen Politik des Aussitzens, des Desinteresses?
practicus 18.09.2019
2. Wozu
werden von deutschen Ärzten seit vielen Jahren alle Diagnosen zwangsweise nach ICD-10 codiert? Diese Daten werden den Krankenkassen mit den Abrechnungen übermittelt und liegen dort vor! Für alle Missbildungen gibt es Codes, [...]
werden von deutschen Ärzten seit vielen Jahren alle Diagnosen zwangsweise nach ICD-10 codiert? Diese Daten werden den Krankenkassen mit den Abrechnungen übermittelt und liegen dort vor! Für alle Missbildungen gibt es Codes, die Analyse geht nicht nur bei Burnt-out "auf Knopfdruck" Stattdessen sollen die Kliniken die Arbeit machen, als hätten die nichts besseres zu tun...
netzus 18.09.2019
3. Ihr habt doch CDU gewählt
So langsam dämmert es den Leuten, dass die gewählten Politiker nichts, aber auch gar nichts außer ihrem eigenen Interessen vertreten. Alles andere wird seit Jahren Kicks liegen gelassen. Es gab übrigens vor wenigen Jahren [...]
So langsam dämmert es den Leuten, dass die gewählten Politiker nichts, aber auch gar nichts außer ihrem eigenen Interessen vertreten. Alles andere wird seit Jahren Kicks liegen gelassen. Es gab übrigens vor wenigen Jahren eine Frontal 21 Sendung, in der teratogen wirkende Medikamente erwähnt wurden, was aber von den betreffenden Pharmafirmen vertuscht wird und wurde. Kann mich leider nur noch schwach erinnern...
flytogether 18.09.2019
4. Ich war entsetzt
lesen zu müssen dass nach dem Contergan-Fall in Deutschland das Melden von derartigen Fällen nicht gesetzlich geregelt wurde. Komplettes Politikerversagen. Aber dafür eintreten dass Homöopathie nach wie vor von den [...]
lesen zu müssen dass nach dem Contergan-Fall in Deutschland das Melden von derartigen Fällen nicht gesetzlich geregelt wurde. Komplettes Politikerversagen. Aber dafür eintreten dass Homöopathie nach wie vor von den Krankenkassen bezahlt wird ( Spahn). Irgendwie haben manche Minister den Sinn ihres Amtes nicht ganz verstanden.
Olaf 18.09.2019
5. Meldepflichtige Erkrankungen sind ein heikles Thema in Deutschland
Deshalb gibt es auch keine Meldepflicht für Aids. Im III. Reich war es Pflicht für Hebammen und Ärzte Fehlbildungen zu melden, die Säuglinge wurden anschließend ermordet. Weiterhin müsste jemand definieren was [...]
Zitat von vantast64in anderen, weiter entwickelten Ländfern, wird so etwas schon länger registriert. Nach einer solchen Auswertung wären wir schon weiter. Offenbar klappt bei uns gar nichts mehr, eine Folge der jahrzehntelangen Politik des Aussitzens, des Desinteresses?
Deshalb gibt es auch keine Meldepflicht für Aids. Im III. Reich war es Pflicht für Hebammen und Ärzte Fehlbildungen zu melden, die Säuglinge wurden anschließend ermordet. Weiterhin müsste jemand definieren was normal und was behindert ist. Alles sehr schwierige Themen. Aber man geht der Sache ja jetzt nach. Ich selber habe im Kollegenkreis übrigens 3 Leute, welche die beschriebenen Fehlbildungen an den Händen haben. Die sind so 40-50 Jahre alt. Ganz so neu und ungewöhnlich ist das also alles nicht.

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