Gesundheit

Umstrittenes Herbizid

EU-Staaten vertagen Entscheidung zu Glyphosat

Wie geht es weiter mit Glyphosat? Obwohl die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Ende des Jahres ausläuft, hat die EU eine Entscheidung über eine Verlängerung verschoben. Das Thema ist hoch umstritten.

DPA/ Forum Moderne Landwirtschaft

Mittwoch, 25.10.2017   12:24 Uhr

Die EU-Staaten haben ihre Entscheidung zur weiteren Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat vertagt. Wie die EU-Kommission mitteilte, fand im zuständigen Fachausschuss der Mitgliedstaaten "keine Abstimmung" zu der Frage statt. Die EU-Behörde kündigte an, in Kürze einen Termin für ein weiteres Treffen bekannt zu geben.

Um die Chemikalie ist ein Streit zwischen den 28 EU-Mitgliedsländern entbrannt, da sich wichtige EU-Staaten gegen die zeitliche Erweiterung der nur noch bis Ende des Jahres laufenden Zulassung wehrten. Die EU-Kommission schlug zunächst eine Verlängerung um zehn Jahre vor, reduzierte diese aber auf Druck des Europäischen Parlaments auf maximal sieben Jahre.

Glyphosat gilt als sehr wirksam und wird auch auf Deutschland Äckern massenhaft eingesetzt. Umweltschützer kritisieren jedoch, dass das Herbizid die Vielfalt von Pflanzen und damit auch von Insekten verringert. Neben den Folgen für die Umwelt steht außerdem die Frage im Zentrum der Debatte, ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht.

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Anlass der Kritik ist eine Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC), die Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" bewertet. Allerdings untersucht die IARC nur, ob ein Mittel generell Krebs beim Menschen auslösen kann - nicht aber, welche Mengen dafür notwendig sind und wie hoch das Risiko ist. So gelten laut IARC zum Beispiel Alkohol und Wurst als "sicher krebserregend" - eine Stufe über dem Pflanzenschutzmittel.

Das erklärt, warum unter anderem das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei einer Beurteilung der Glyphosat-Gefahr zu einem anderen Ergebnis gekommen ist: Die Experten waren unter anderem der Frage nachgegangen, ob Verbraucher über die Nahrung gefährlich hohe Mengen des Unkrautvernichters aufnehmen könnten. Ihre Einschätzung nach ist Glyphosat nicht krebserregend, wenn es bestimmungsgemäß eingesetzt wird.

irb/AFP/dpa/Reuters

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