Gesundheit

Homöopathie in Frankreich

Krankenkassen zahlen nicht mehr für Globuli

Wirksamkeit nicht ausreichend belegt: Frankreichs Gesundheitsministerium streicht die Kassenerstattung für homöopathische Mittel. Auch in Deutschland wird darüber diskutiert.

Leemage/ imago images

Homöopathische Mittel

Mittwoch, 10.07.2019   11:56 Uhr

Wer in Frankreich homöopathische Mittel kauft, muss diese künftig selbst zahlen. Die Krankenkassen werden die Kosten dafür nicht mehr übernehmen, teilt das französische Gesundheitsministerium mit.

Die derzeitige Erstattung von 30 Prozent der Kosten wird zunächst zum Jahreswechsel auf 15 Prozent abgesenkt, wie das französische Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte. 2021 soll es dann gar keine Kostenübernahme mehr geben. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärte, die Übergangsphase solle sowohl den Patienten als auch der Industrie Zeit zur Vorbereitung geben. Der weltweit größte Hersteller homöopathischer Mittel, das Unternehmen Boiron, hat seinen Hauptsitz in Frankreich.

Das Urteil der Gesundheitsbehörde

Die französische Gesundheitsbehörde HAS war Ende Juni zu dem Schluss gekommen, dass es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit der Homöopathie gebe, um ihre Erstattung durch die öffentliche Krankenkasse zu rechtfertigen. Sie hat nach eigenen Angaben neun Monate lang fast 1200 homöopathische Arzneimittel geprüft und mehr als tausend wissenschaftliche Publikationen analysiert.

Die HAS betonte außerdem, dass die Anwendung der Homöopathie bei schwerwiegenden fortschreitenden Krankheiten die medizinisch notwendige Behandlung nicht verzögern darf.

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Der Streit in Frankreich hatte vergangenes Frühjahr mit einem Meinungsbeitrag in der französischen Tageszeitung "Le Figaro" begonnen. Darin forderten 124 Ärzte "den Ausschluss der esoterischen Disziplinen - darunter die Homöopathie - aus der Medizin". Die Vereinigung Homöopathischer Ärzte antwortete mit einer Klage vor der Nationalen Ärztekammer "wegen Verletzung des Berufsethos".

Die medizinische Fakultät Lille hatte anschließend beschlossen, den Diplomkurs für Homöopathie 2018/19 auszusetzen. Daraufhin ordnete Gesundheitsministerin Agnès Buzyn die Prüfung der Homöopathie durch die Oberste Gesundheitsbehörde an. "Homöopathie wird bisher ohne jede wissenschaftliche Kontrolle erstattet", sagte Buzyn damals. "Wenn diese Medizin nützlich ist, wird sie weiterhin erstattet. Wenn nicht, hört das auf."

In Deutschland können Krankenkassen entscheiden, ob sie homöopathische Behandlungen erstatten. Viele Versicherungen zahlen beispielsweise für ein Diagnosegespräch bei einem homöopathischen Arzt. Daran gibt es immer wieder Kritik. So spricht sich der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dagegen aus, dass Krankenkassen für Homöopathie aufkommen.

wbr/AFP

insgesamt 147 Beiträge
OraculusMaximus 10.07.2019
1. Patiententäuschung pur
Der Ausbleib eines Wirknachweises für Homöopathie ist, aufgrund der Vielzahl an Studien, und gemeinsam mit dem vollständigen Fehlen eines plausiblen Wirkmechanismus, gleichbedeutend mit einem Nachweis der Unwirksamkeit. [...]
Der Ausbleib eines Wirknachweises für Homöopathie ist, aufgrund der Vielzahl an Studien, und gemeinsam mit dem vollständigen Fehlen eines plausiblen Wirkmechanismus, gleichbedeutend mit einem Nachweis der Unwirksamkeit. Dementsprechend ist Homöopathie - genau wie der Rest der so genannten Alternativmedizin - nichts Anderes als Schlangenöl. Der einzige Zweck liegt darin, Kasse bei den Leichtgläubigen zu machen. Deshalb gehören diese Methoden auch in Deutschland aus den Katalogen der Krankenkassen und aus den Verkaufräumen der Apotheken entfernt, die eine Garantenstellung gegenüber den Patientinnen und Patienten inne haben. Behauptungen über eine positive Wirkung müssen verboten werden, entsprechende Werbung unterbunden. Alternativmedizin ist unethisch, weil sie klar den Grundsatz des aufgeklärten Einverständnis verletzt. Der Alternativmediziner oder Heilpraktiker - das Wort meint einen Unqualifizierten, der am Patienten pfuscht - wird seinen Patienten wohl kaum über die Unwirksamkeit der Thearapie aufklären.
Mr Bounz 10.07.2019
2. Super
In Frankreich hat die Vernunft gesiegt. Die Australier haben das umfangreich geprüft und festgestellt, alles humbug, somit wird nichts bezahlt. Ich hoffe das es in D endlich auch bald so weit ist. Zu wenig Geld im [...]
In Frankreich hat die Vernunft gesiegt. Die Australier haben das umfangreich geprüft und festgestellt, alles humbug, somit wird nichts bezahlt. Ich hoffe das es in D endlich auch bald so weit ist. Zu wenig Geld im Gesundheitssystem und wir bezahlen unsummen für unwirksames Wasser und Traubenzucker!
Grummelchen321 10.07.2019
3. Interessant wäre
es zu erfahren wieviel Geld die Kassen für den Hokupokus zum Fenster hinaus werfen.Wer an die Wirkung von Zuckerkugeln glaubt soll sie selbst bezahlen oder sich den Zucker bei Aldi beschaffen.
es zu erfahren wieviel Geld die Kassen für den Hokupokus zum Fenster hinaus werfen.Wer an die Wirkung von Zuckerkugeln glaubt soll sie selbst bezahlen oder sich den Zucker bei Aldi beschaffen.
dannhaltnet 10.07.2019
4. Nicht im Interesse der Patienten
Die ständige Behauptung, es gäbe keine Studien, die die Wirkung von Homöopathie beweisen, sind auch nach der unzähligsten Wiederholung sachwidrig und absolut falsch. Man kann sich beispielsweise auf der Internetseite der [...]
Die ständige Behauptung, es gäbe keine Studien, die die Wirkung von Homöopathie beweisen, sind auch nach der unzähligsten Wiederholung sachwidrig und absolut falsch. Man kann sich beispielsweise auf der Internetseite der Carstens- Stiftung darüber informieren. Karl Lauterbach gehört zur GWUP- Die Skeptiker- Gesellschaft. Genau wie die Experten über Homöopathie ( Dr Grams z. B.), die weit in journalistische Bereiche vernetzt sind. Der Spiegel ist schon lange ein Sprachrohr von GWUP, die journalistische Sorgfaltspflicht wird mit Füßen getreten. Die Skeptiker agieren europa- oder weltweit und machen sich stark für Abschaffung für die meisten Bereiche der Naturheilkunde.Dafür plädieren sie für Pestizide( Glyphosat) und Gentechnik. Ihre Wunschwelt ist mein Horror und Alptraum. In Frankreich hat nicht die Vernunft gesiegt, sondern die Infiltration der Politiker von Skeptikerkreisen hat funktioniert.
marthaimschnee 10.07.2019
5. auch hier wäre mal wieder was ganz anderes viel nötiger
nämlich allen voran das knallharte Unterbinden von rein kommerziellen Diagnosen. Viele leichte Krankheiten verschwinden auch ganz ohne Medikamente, einfach indem man den Körper seine Selbstheilungskräfte entfalten läßt. [...]
nämlich allen voran das knallharte Unterbinden von rein kommerziellen Diagnosen. Viele leichte Krankheiten verschwinden auch ganz ohne Medikamente, einfach indem man den Körper seine Selbstheilungskräfte entfalten läßt. Während allerdings homöopathischer Kram einfach nur keine nachweisbare Wirkung auf den Körper hat, sind Medikamente mit Wirkstoffen schlimmstenfalls schädlich. Und das Hirn ist sowieso noch ein völlig anderer Faktor. Wenn das nämlich der Meinung ist, ein Schmerzmittel erhalten zu haben, stellt es Schmerz ab. Egal ob tatsächlich ein Wirkstoff enthalten, oder es nur ein Placebo war. Und gerade bei Menschen, die an Homöopathie glauben, wirkt diese in so einem Fall eben auch. Natürlich heilt das weder Krebs noch einen Schienbeinbruch, aber die psychische Ursache für viele Leiden und entsprechend auch die psychologische Behandlung, die Homöopathie zum Teil darstellt, ist viel zu wenig erforscht.
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