Gesundheit

Hüftprothese bis Zahnersatz

Kabinett beschließt bundesweites Register für Implantate

Welcher Patient hat welches Implantat bekommen? Diese Frage kann in Deutschland bislang oft nur der Arzt beantworten - wenn überhaupt: Systematische Probleme bleiben so unerkannt. Ein Register soll das ändern.

Daniel Reinhardt/ DPA

Wie häufig wird ein Brustimplantat eingesetzt? Ein Register soll nun Klarheit bringen

Mittwoch, 03.04.2019   11:47 Uhr

Wackeliger Zahnersatz, reißende Brustimplantate, funktionsgestörte Herzschrittmacher: Ärzte haben kaum Chancen, sich über mögliche Risiken von Medizinprodukten zu informieren. Welcher Arzt welchem Patienten welche Prothese eingesetzt hat, wird nicht zentral erfasst. Im schlimmsten Fall bleiben Gefahren unerkannt. In Deutschland wurden 2017 mehr als 14.000 Todesfälle, Verletzungen und andere Komplikationen im Zusammenhang mit Medizinprodukten gemeldet.

Ein bundesweites Register für Implantate soll den Patienten nun mehr Sicherheit geben. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch den Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Errichtung eines Implantatregisters. "Dadurch wissen wir künftig, wer welches Implantat bekommen hat", sagte Spahn. "Wenn wir Probleme mit einem Produkt feststellen, können wir dann schnell abfragen, ob es ähnliche Fälle gibt und im Zweifelsfall Patienten warnen."

Durch die Daten ließe sich beispielsweise feststellen, wie lange die Implantate im Körper verbleiben können, wie gut ihre Qualität ist und ob an bestimmten Kliniken gehäuft Probleme auftreten.

Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) soll die Datensammlung übernehmen. Als unabhängige Vertrauensstelle wird voraussichtlich das Robert Koch-Institut dafür sorgen, dass alle personenbezogenen Daten mit einem Pseudonym versehen werden.

Voraussichtlich ab Mitte 2021 sollen Hüftgelenk- und Knie-Endoprothesen sowie Brustimplantate als erste Implantate erfasst werden können. Das Gesetz ist im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig, verkündet werden solle es zum Jahresende.

koe/dpa

insgesamt 6 Beiträge
floewe 03.04.2019
1. Natürlich nur zu meiner Sicherheit - was ein Bullshit
Es geht den Herrn Spahn mal einen feuchten F.... an wann ich welche Implantate bekommen habe oder auch nicht. Wenn es Problem mit dem Produkt gibt, muss man halt wie alle anderen auch einen öffentlichen Rückruf starten. Dann [...]
Es geht den Herrn Spahn mal einen feuchten F.... an wann ich welche Implantate bekommen habe oder auch nicht. Wenn es Problem mit dem Produkt gibt, muss man halt wie alle anderen auch einen öffentlichen Rückruf starten. Dann melden die Leute ich schon. Achja, da hat deren Lobby ein Problem mit. Die Datensammelwut in diesem Land nimmt mittlerweile Züge an, die sich nicht einmal Romanautoren jemals hätten ausdenken können. Der Witz: Alle personenbezogenen Daten sollen mit einem Pseudonym versehen werden. Ahja. Um dann das Pseudonym bei Problemen zu warnen, Herr Spahn? Was kommt als nächstes? Zwangs DNS Datei? Damit man mein Pseudonym, zu meiner Sicherheit versteht sich, warnen kann, falls man zufällig einen neuen Gendefekt findet? Register der Genitalabmessungen aller Personen ab 18, damit man mich, nur zu meiner Sicherheit versteht sich, warnen kann, falls.... ach lassen wird das.
salomon17 03.04.2019
2. Kontrolle ist besser!
Das ist vernünftig. Wenn ich feststelle, dass Werkzeuge der Firma X nichts taugen, ist das lediglich ein finanzielles Problem. Stelle ich fest, dass meine Hüftprothese mich krank macht, hat das eine ganz andere Dimension. [...]
Das ist vernünftig. Wenn ich feststelle, dass Werkzeuge der Firma X nichts taugen, ist das lediglich ein finanzielles Problem. Stelle ich fest, dass meine Hüftprothese mich krank macht, hat das eine ganz andere Dimension. Spätestens die Dieselaffäre hat gezeigt, dass es Hersteller gibt, die jede Lücke in den Qualitätskontrollen schamlos ausnutzen.
D.R.B. 03.04.2019
3. Heuchlerisch
Wenn es nicht so traurig wäre müsste ich laut lachen. Die CDU/ CSU und allen voran Herr Spahn , hat aktiv und mit massivem Druck verhindert, dass es eine einheitliche , europaweite Regelung für sichere, klinisch überprüfte [...]
Wenn es nicht so traurig wäre müsste ich laut lachen. Die CDU/ CSU und allen voran Herr Spahn , hat aktiv und mit massivem Druck verhindert, dass es eine einheitliche , europaweite Regelung für sichere, klinisch überprüfte Implantate gibt, inclusive der Rückverfolgbarkeit von Implantaten im Falle des Bekanntwerdens von Produltfehlern . Jetzt so zu tun , als wolle man etwas für Parientensicherheit tun , in dem man Register schafft, aber nach wie vor bei der Frage der Zulassung und Vermarktung von Produkten Sicherheitslücken akzeptiert , ist heuchlerisch
Faktomat 03.04.2019
4. Heuchlerisch
Richtig. Nicht nur heuchlerisch, sondern eigentlich ein unfassbarer Skandal. Medizinprodukte koennen auf Spahn's Betreiben weiterhin ohne umfassende Dokumentation und ohne klinische Pruefungen zugelassen werden. Und es ist [...]
Zitat von D.R.B.Wenn es nicht so traurig wäre müsste ich laut lachen. Die CDU/ CSU und allen voran Herr Spahn , hat aktiv und mit massivem Druck verhindert, dass es eine einheitliche , europaweite Regelung für sichere, klinisch überprüfte Implantate gibt, inclusive der Rückverfolgbarkeit von Implantaten im Falle des Bekanntwerdens von Produltfehlern . Jetzt so zu tun , als wolle man etwas für Parientensicherheit tun , in dem man Register schafft, aber nach wie vor bei der Frage der Zulassung und Vermarktung von Produkten Sicherheitslücken akzeptiert , ist heuchlerisch
Richtig. Nicht nur heuchlerisch, sondern eigentlich ein unfassbarer Skandal. Medizinprodukte koennen auf Spahn's Betreiben weiterhin ohne umfassende Dokumentation und ohne klinische Pruefungen zugelassen werden. Und es ist noch viel schlimmer, auch Medikamente koennen als Medizinprodukt deklariert ohne Pruefung am Menschen eingesetzt werden. Ein Beispiel sind beschichtete Stents, wo eine implantierte Drahtspirale, mit hochpotenten Arzneistoffen beschichtet, monatelang Wirkstoff abgibt. Ich kann jedem nur raten, bei Medizinprodukten darauf zu bestehen, dass nur in den USA von der FDA zugelassene Varianten verwendet werden. Ohne saubere klinische Daten geht dort gar nichts.
so-long 04.04.2019
5. Viele Patienten
kennen entweder den Produktnamen/-Hersteller nicht, oder haben Rechnungsunterlagen, auf denen er vermerkt ist, weggeworfen. Die Datensammelwut wird jedoch ungeahnte Höhen erreichen, sodass man vermutlich (auch Ihnen und mir) [...]
Zitat von floeweEs geht den Herrn Spahn mal einen feuchten F.... an wann ich welche Implantate bekommen habe oder auch nicht. Wenn es Problem mit dem Produkt gibt, muss man halt wie alle anderen auch einen öffentlichen Rückruf starten. Dann melden die Leute ich schon. Achja, da hat deren Lobby ein Problem mit. Die Datensammelwut in diesem Land nimmt mittlerweile Züge an, die sich nicht einmal Romanautoren jemals hätten ausdenken können. Der Witz: Alle personenbezogenen Daten sollen mit einem Pseudonym versehen werden. Ahja. Um dann das Pseudonym bei Problemen zu warnen, Herr Spahn? Was kommt als nächstes? Zwangs DNS Datei? Damit man mein Pseudonym, zu meiner Sicherheit versteht sich, warnen kann, falls man zufällig einen neuen Gendefekt findet? Register der Genitalabmessungen aller Personen ab 18, damit man mich, nur zu meiner Sicherheit versteht sich, warnen kann, falls.... ach lassen wird das.
kennen entweder den Produktnamen/-Hersteller nicht, oder haben Rechnungsunterlagen, auf denen er vermerkt ist, weggeworfen. Die Datensammelwut wird jedoch ungeahnte Höhen erreichen, sodass man vermutlich (auch Ihnen und mir) eines Tages nachweisen kann, dass Sie vor 10 Jahren und drei Tagen einen Hamburger mit Schranke verzehrt haben.

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