Gesundheit

"Alle geimpft, alle geschützt"

Kita in Essen nimmt nur geimpfte Kinder auf

"Unser Elternrat hält die Impfpflicht für notwendig und sinnvoll": In Essen akzeptiert ein privater Kitaträger künftig nur noch Kinder, die gegen die gängigen Krankheiten geimpft sind.

DPA

Kita "Kinderkiste" in Essen

Freitag, 15.02.2019   17:09 Uhr

In diese privat geführte Kita müssen Eltern zur Anmeldung den Impfausweis ihres Kindes mitbringen - sonst können sie gleich wieder gehen: Die "Kinderkiste" in Essen und vier weitere angeschlossene Horte nehmen ab sofort nur noch Kinder auf, die die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen haben beziehungsweise erhalten sollen, wenn sie alt genug sind.

"Unser Elternrat hält die Impfpflicht für notwendig und sinnvoll. Und viele Eltern schließen sich dem an, weil sie ihre Kinder schützen wollen", sagt Kita-Betreiberin Jutta Behrwind. Ungeimpfte Kinder würden bei der Anmeldung abgelehnt, hieß es weiter. Weil einige Impfungen erst anstehen, wenn Kinder schon in der Kita sind, sollen die Eltern früh auf diese Pflicht hingewiesen werden.

Impfpass statt Taufschein

"So wie katholische Einrichtungen sich einen Taufschein vorlegen lassen, verlangen wir einen Impfnachweis von den Eltern", sagt Betreiberin Jutta Behrwind. Zuerst hatten WAZ-Online und der WDR darüber berichtet.

Rund 60 Kinder im Alter von vier Monaten bis drei Jahren besuchen die fünf Horte in privater Trägerschaft, die "Kinderkiste", "BärenBande", "Süd-Stadt-Strolche", "Ruhr-Tal-Räuber" und "West-Stadt-Wichtel" heißen. Bislang war bei Anmeldegesprächen der Impfstatus der Kinder abgefragt worden. Gab es Lücken, wurde eine Impfberatung angeboten und den Eltern empfohlen, die Impfung freiwillig nachzuholen. Jetzt habe sich aber der 13-köpfige Elternrat der Kita für eine Pflicht ausgesprochen.

Jutta Behrwind hatte schon lange dafür gekämpft. "Wenn alle geimpft sind, sind auch alle geschützt. In unsere Kita kommen viele Geschwisterkinder mit und schwangere Mamas." Probleme mit Krankheiten durch nicht geimpfte Kinder habe es bislang allerdings nicht gegeben.

MEHR ZUM THEMA

Die Resonanz auf die Maßnahme sei durchweg positiv, so Behrwind. Viele Eltern begrüßten, dass nun Infektionen mit Krankheiten besser vorgebeugt werde. Während der laufenden Anmeldegespräche habe bislang nur ein einzelner Vater Kritik an der neuen Regelung geübt.

Impfgegner fürchten Risiken von Impfungen oder bezweifeln deren Wirksamkeit. Diese Positionen werden aber von der Fachwelt fast einhellig als unzutreffend und unwissenschaftlich abgelehnt.

Darf die Kita das? Ja!

Nach Angaben der Stadt Essen brauchen private Kita-Träger für eine Vorgabe wie die Impfpflicht keine Genehmigung der Behörden, sagt eine Stadtsprecherin. Sie könnten ihre Verträge frei festlegen. Das Gesundheitsamt der Stadt Essen hält die Maßnahme der "Kinderkiste" aber für eine gute Idee. Für städtische Kitas sei allerdings keine Impfpflicht geplant, sagte Amtsleiter Rainer Kundt laut einem WDR-Bericht.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte befürwortet die Idee der Impfpflicht. "Wir fordern so etwas für alle öffentlich geförderten Einrichtungen und wünschen uns eine entsprechende gesetzliche Regelung", sagt Sprecher Hermann Josef Kahl.

wbr/dpa

insgesamt 127 Beiträge
zorngibel 15.02.2019
1. Begrüßenswerte Initiative
Sehr vernünftige Initiative, hoffentlich findet sie Nachahmer. Es ist sinnlos, rational mit Impfgegnern zu argumentieren. Eigentlich höchste Zeit, dass eine Impfpflicht eingeführt wird.
Sehr vernünftige Initiative, hoffentlich findet sie Nachahmer. Es ist sinnlos, rational mit Impfgegnern zu argumentieren. Eigentlich höchste Zeit, dass eine Impfpflicht eingeführt wird.
Christian Guenter 15.02.2019
2. Sehr gut
da stellt sich jemand seiner Verantwortung. Den Sturm der Entrüsteten gilt es jetzt standzuhalten!!
da stellt sich jemand seiner Verantwortung. Den Sturm der Entrüsteten gilt es jetzt standzuhalten!!
Hesl 15.02.2019
3. Sehr gute Entscheidung
... aber eigentlich sollte das gar keine Nachricht, sondern selbstverständlich sein. Impfgegner gefährden aus einer Mischung von Dummheit und Hybris heraus die Gesundheit anderer Menschen. Ich bin für die Impfpflicht.
... aber eigentlich sollte das gar keine Nachricht, sondern selbstverständlich sein. Impfgegner gefährden aus einer Mischung von Dummheit und Hybris heraus die Gesundheit anderer Menschen. Ich bin für die Impfpflicht.
Bibendumx 15.02.2019
4. Endlich konsequent
als Vater von 3,5 und 1,5 Jahre alten Kindern bin ich überzeugter Impfgegner-Gegner. Was pseudoinformierte Ignoranten mit ihren Kindern anstellen, halte ich für potentielle Körperverletzung. Es ist eben nicht Privatsache! Da [...]
als Vater von 3,5 und 1,5 Jahre alten Kindern bin ich überzeugter Impfgegner-Gegner. Was pseudoinformierte Ignoranten mit ihren Kindern anstellen, halte ich für potentielle Körperverletzung. Es ist eben nicht Privatsache! Da diese Kinder leider auch eine Gefahr für andere darstellen, ist es nur konsequent sie fernzuhalten. Wann kommt endlich eine gesetzliche Impfpflicht?
grumpy53 15.02.2019
5. gute Idee
Aber da Menschen heutzutage ihre eigene Befindlichkeit gerne mal durch eine Klage absichern müssen, schaun wir mal, wann der erste sich einklagen will. Man sollte über Chancen und Risiken von Impfmaßnahmen nachdenken, mit dem [...]
Aber da Menschen heutzutage ihre eigene Befindlichkeit gerne mal durch eine Klage absichern müssen, schaun wir mal, wann der erste sich einklagen will. Man sollte über Chancen und Risiken von Impfmaßnahmen nachdenken, mit dem Arzt/Ärztin reden - und dann bedenken, dass eine Verweigerungshaltung ggf. nicht nur sich und die eigenen Kinder, sondern eben auch andere beeinträchtigen und gefährden kann. Das Leben ist nicht ohne Risiko, aber das Risiko Masern oder Windpocken oder anderes einzuschleppen für andere ist denn doch besser zu verhindern.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP