Gesundheit

Körpergeräusche

Warum der Mensch knackt und knurrt

Schnarchen, niesen, rülpsen - die meisten Körpergeräusche sind unangenehm, aber harmlos und lassen sich durch ein paar Tricks vermeiden. Hinter manchen können jedoch auch ernste Erkrankungen stecken.

Corbis

Ups: Manche Körpergeräusche kommen ungeplant

Donnerstag, 30.10.2014   14:53 Uhr

Der Darm macht Wind, aus dem Mund entweichen Rülpser und das Knie knackt. Der Körper kann ein ganzes Konzert abspielen, am mitteilungsfreudigsten ist dabei die Verdauung. Die meisten akustischen Signale in Magen und Darm entstehen durch das Zusammenspiel von Luft und Flüssigkeit. Zum verräterischen Magenknurren etwa kommt es, wenn der Magen statt Essen nur noch geschluckte Luft bewegt. Diese beginnt dann in Kombination mit dem Magensaft zu lärmen.

"Auch die Säure im Magen und Belastung durch Stress spielen eine Rolle", sagt Christian Trautwein von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Berlin. "Vor einer Konferenz oder einer anderen längeren Veranstaltung sollte man vorsichtshalber eine leicht verdauliche Kleinigkeit zu sich nehmen", rät Imme Vogelsang, Etikette-Trainerin aus Hamburg. Das beruhige den Magen, binde die Säure und verhindere zudem Mundgeruch.

Aufstoßen und Blähungen: Zu viel Luft verschluckt?

Rülpsen hingegen müssen wir, wenn wir viel gegessen und zugleich Luft geschluckt habe. Dann öffnet sich der Schließmuskel des Magens, die überschüssige Luft entweicht durch die Speiseröhre und es kommt zum charakteristischen "Böööb". "Viel Luft gelangt dann in den Magen, wenn hastig geschlungen, nicht richtig gekaut oder gleichzeitig geredet wird", erläutert Peter Walger vom Berufsverband Deutscher Internisten.

Kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol, Nikotin oder bestimmte Medikamente können die Neigung zum Aufstoßen erhöhen - und sind häufig die Erklärung, warum man in der einen Situation mehr rülpsen muss als in der anderen. "Wer vermehrt aufstößt, dabei einen sauren Geschmack im Mund und Schmerzen im Oberbauch hat, leidet möglicherweise unter einer Reflux-Erkrankung", sagt Trautwein. Das sollte ein Facharzt abklären.

Auch Blähungen sind oft die Folge von verschluckter Luft. Hinzu kommen Gase, die entstehen, wenn Darmbakterien Nährstoffe aus dem Essen zersetzen. "Hülsenfrüchte, aber auch Knoblauch oder Kohl führen zu vermehrter Gasbildung", sagt Walger. Empfindliche Personen sollten die kritischen Zutaten sowie ballaststoffreiche Kost grundsätzlich meiden. Anis oder Kümmel hingegen wirken beruhigend, sie würzen häufig schwer verdauliche Speisen.

Daneben können Blähungen auch medizinische Ursachen haben. "Akute Infektionen, aber auch Erkrankungen wie Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit führen zu regerer Darmtätigkeit", sagt Trautwein. Wer Veränderungen bemerkt und häufiger oder unabhängig von bestimmten Nahrungsmitteln unter Blähungen leidet, sollte einen Arzt aufsuchen. Die Körpergeräusche können dann zu den ersten Symptomen einer chronischen Erkrankung zählen.

Niesern vorbeugen: Finger über die Nase drücken

Niesen und Husten akzeptiert die Gesellschaft schon eher. Doch auch sie können im Konzert oder bei einer Bahnfahrt zur Plage werden. "Wenn man merkt, dass man gleich niesen muss, kann man mit dem Finger in den oberen Bereich der Vertiefung zwischen den beiden Hautfalten über der Oberlippe drücken und so versuchen, das Niesen zu unterdrücken", sagt Roland Laszig, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Vom Nasezuhalten dagegen rät er ab: Das erzeuge einen erhöhten Druck im Kopf, der Bakterien in die Ohren und die Nasennebenhöhle pressen könne - richtig schädlich ist es aber nicht. "Kann man das Niesen nicht unterdrücken, sollte man den linken Handrücken oder den linken Ellenbogen vorhalten." Ursache der Nieser und Huster sind häufig Erkältungen oder allergische Reaktionen. "Es kann aber auch eine spontane lokale Reaktion der Nase sein - beispielsweise auf Umweltschmutz, einen intensiven Geruch oder auch einen starken Lichtreiz", sagt Laszig.

Deutlich unangenehmer - vor allem für den Partner - wird es, wenn jemand beim Schlafen grunzt und grummelt. Das Schnarchen entsteht, weil Zäpfchen und Gaumengewebe flattern. Eigentlich ist das Geräusch harmlos, über längere Zeit kann es jedoch zu einer Schlaf-Apnoe kommen, bei der die Atemwege über Sekunden oder sogar Minuten verschlossen sind. Der Körper schlägt dann Alarm und sorgt dafür, dass die Betroffenen aufwachen. Der Schlaf wird seichter und weniger erholsam.

Das Knacken von Knien und anderen Gelenken schließlich nimmt die Umgebung selten als anstößig, sondern eher als beunruhigend wahr. "Das Knie wird im Innern durch zahlreiche Weichteile stabilisiert. Wenn sich das Gelenk verkantet, können diese durchrutschen und schnalzen", sagt Fritz Niethard von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. In der Regel sind solche Gelenkgeräusche kein Problem - auch das Fingerknacken gilt als harmlos. Kommt es jedoch zugleich zu Schmerzen oder Schwellungen, ist der Gang zum Arzt ein Muss. Dann kann das Knacken etwa auf einen Meniskusschaden hinweisen.

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irb/dpa

insgesamt 16 Beiträge
kindchen 30.10.2014
1. Wenn man husten oder niesen muß ...
... sollte man in den rechten Ellenbogen husten, nicht in den linken. Denn wenn man die Arme verschränkt kommt die rechte Hand mit dem linken Ellenbogen in Kontakt, und wenn man den zuvor angehustet hat, klebt jetzt der Schleim [...]
... sollte man in den rechten Ellenbogen husten, nicht in den linken. Denn wenn man die Arme verschränkt kommt die rechte Hand mit dem linken Ellenbogen in Kontakt, und wenn man den zuvor angehustet hat, klebt jetzt der Schleim an der rechten Hand, die man nun bei der nächsten Gelegenheit jemanden zum Gruß schüttelt.
madmikel 30.10.2014
2. Niesen
Alter Bühnentrick um das Niesen unbemerkt zu unterdrücken: bei Niesalarm mit der Zunge am harten Gaumen hin und herfahren (von vorne nach hinten und zurück, usw.) Funktioniert einwandfrei und kein Außenstehender bekommt [...]
Alter Bühnentrick um das Niesen unbemerkt zu unterdrücken: bei Niesalarm mit der Zunge am harten Gaumen hin und herfahren (von vorne nach hinten und zurück, usw.) Funktioniert einwandfrei und kein Außenstehender bekommt etwas davon mit.
max-mustermann 30.10.2014
3.
Ganz einfach weil der Natur/Evolution im Gegensatz zu uns nichts peinlich ist und auch keine Gesellschaftlichen Normen kennt.
Ganz einfach weil der Natur/Evolution im Gegensatz zu uns nichts peinlich ist und auch keine Gesellschaftlichen Normen kennt.
dutom 30.10.2014
4. Ellenbogen?
DAS will ich sehen! Sicher ist die Ellenbeuge gemeint, oder?
DAS will ich sehen! Sicher ist die Ellenbeuge gemeint, oder?
Bin_der_Neue 30.10.2014
5. Yoga
Liest sich aber wie eine Yoga-Übung. Wenn ich niesen muss, muss ich niesen. Und zwar in die Hand, die gerade frei ist. Danach gehe ich alsbald zum Händewaschen. So einfach ist das. Und zum allgemeinen Thema: warum [...]
Zitat von kindchen... sollte man in den rechten Ellenbogen husten, nicht in den linken. Denn wenn man die Arme verschränkt kommt die rechte Hand mit dem linken Ellenbogen in Kontakt, und wenn man den zuvor angehustet hat, klebt jetzt der Schleim an der rechten Hand, die man nun bei der nächsten Gelegenheit jemanden zum Gruß schüttelt.
Liest sich aber wie eine Yoga-Übung. Wenn ich niesen muss, muss ich niesen. Und zwar in die Hand, die gerade frei ist. Danach gehe ich alsbald zum Händewaschen. So einfach ist das. Und zum allgemeinen Thema: warum Rülpsen unterdrücken? Hat hier schon mal jemand im Restaurant neben einer japanischen Reisegruppe gesessen?

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