Gesundheit

Krebs im Kindesalter

Spätfolgen bleiben häufig unentdeckt

Wer in der Kindheit den Krebs besiegt, wird als Erwachsener häufig von chronischen Beschwerden geplagt. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt: Viele bleiben oft unentdeckt, manche sind sogar lebensbedrohlich.

Corbis

Gespräch mit dem Arzt: Wer in der Kindheit Krebs hatte, sollte besonders auf seine Gesundheit achten

Donnerstag, 13.06.2013   09:08 Uhr

Eine Krebserkrankung im Kindesalter hinterlässt häufig Spuren, die sich noch Jahre später - wenn der Körper längst die Pubertät abgeschlossen hat und erwachsen geworden ist - bemerkbar machen. Wer sich im Kindesalter durch eine Krebserkrankung kämpfen musste, leidet als Erwachsener weit häufiger unter chronischen Erkrankungen als der Durchschnittsbürger, berichten jetzt Forscher um Melissa Hudson vom St. Jude Children's Research Hospital im Fachmagazin "JAMA".

Für ihre Studie hatten sie mehr als 1700 Überlebende verschiedener Krebsarten, darunter Betroffene mit Leukämie oder Hirntumoren, für zwei bis drei Tage ins Krankenhaus gebeten. Dabei lag die Krebserkrankung bei der Hälfte der Teilnehmer schon 25 Jahre zurück, ebenfalls die Hälfte war weniger als 32 Jahre alt. Anders als bei vielen bisherigen Studien befragten die Forscher die Betroffenen jedoch nicht nur zu Krankheiten und Beschwerden, sondern machten mit ihnen eine Reihe medizinischer Tests, mit denen sie die Gesundheit genau erfassten.

Herzbeschwerden, neuer Krebs, Gedächtnisprobleme

Bei 98 Prozent der Krebsüberlebenden fanden die Forscher mindestens ein chronisches Gesundheitsproblem wie eine neue Krebserkrankung, Herzbeschwerden, eine abnormale Lungenfunktion oder Probleme mit Gedächtnis und Erinnerung. Bei den Teilnehmern ab einem Alter von 45 litten 80 Prozent sogar unter ernsthaften, mitunter lebensbedrohlichen oder mit einer Behinderung einhergehenden Krankheiten.

"Viele haben wir früh diagnostiziert, noch bevor sich die ersten Symptome bemerkbar machten", sagte Studienleiterin Hudson laut einer Mitteilung. "Zu diesem Zeitpunkt haben viele Gegenmaßnahmen noch die größte Wirkung." Die Medizinerin versteht die Ergebnisse als Weckruf für alle Beteiligten im Gesundheitssystem, aber auch für die Überlebenden. "Sie sollten sich proaktiv um ihre Gesundheit kümmern", so die Forscherin. Ein gesunder Lebensstil etwa ohne Zigaretten, mit einer fett- und zuckerarmen Ernährung, und mindestens 30 Minuten Bewegung an fünf Tagen die Woche könne das Risiko für manche der Krankheiten lindern. Je nach Krebsart sind bei den Betroffenen bestimmte Organe ein Leben lang gefährdet.

So hatten von den 1713 Teilnehmern in der jeweiligen Organ-Risikogruppe:

Leberprobleme (13 Prozent), Osteoporose (10 Prozent) und Nierenbeschwerden (5 Prozent) waren hingegen nicht so weit verbreitet. Die Gesundheitsprobleme der Überlebenden von Krebs im Kindesalter scheinen mit zunehmendem Alter zuzunehmen, schreiben die Autoren. Daher sei es wichtig, die Betroffenen ein Leben lang medizinisch zu überwachen, um Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Krankheiten wie Osteoporose gelten eigentlich als Probleme des Alters. Wer in seiner Kindheit eine Krebserkrankung durchmachen musste, sollte schon deutlich früher mit der Vorsorge beginnen. Die Forscher fordern, das Wissen über die Spätfolgen von Krebs mit weiteren Studien noch zu vertiefen. Ihr Fazit: "Dadurch wäre es möglich, Empfehlungen für Screenings zu entwickeln und Wege zu finden, die Gesundheit der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten."

irb/AFP

insgesamt 9 Beiträge
gable 13.06.2013
1. Zu oberflächlicher Artikel
Leider bleibt der Artikel an der Oberfläche. Er lässt offen, woher diese Problem kommen. Liegt es an der oft aggressiven Therapie mit Chemotherapien und evtl Operationen? Wird der Körper durch die Behandlung so stark [...]
Leider bleibt der Artikel an der Oberfläche. Er lässt offen, woher diese Problem kommen. Liegt es an der oft aggressiven Therapie mit Chemotherapien und evtl Operationen? Wird der Körper durch die Behandlung so stark geschädigt, dass im weteren Leben dann Probleme auftreten?
aladar_m 13.06.2013
2. Theorie und Praxis
"Daher sei es wichtig, die Betroffenen ein Leben lang medizinisch zu überwachen, um Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln." Es wäre ja prima, wenn das nicht der interessierte Laie über SPON [...]
"Daher sei es wichtig, die Betroffenen ein Leben lang medizinisch zu überwachen, um Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln." Es wäre ja prima, wenn das nicht der interessierte Laie über SPON erfahren würde, sondern sich so etwas auch mal bei den Ärzten rumsprechen würde. Meine Schwester erkrankte im Alter von 3 Jahren an Leukämie. Es dauerte ca. 12 Jahre inkl. Bestrahlung und Chemotherapie, bis man verhältnismäßig sicher sein konnte, dass sie es wohl überleben wird. Wenn sie heute auf Drängeln der Familie zum Arzt geht und nach einer Kontrolle der relevanten Blutwerte fragt, wird sie regelmäßig ungehalten bis pampig abgebügelt, was sie denn will, das wäre doch erledigt. Bei anderen gesundheitlichen Problemen wird sie _nie_ gefragt, ob da mal was war, und wenn sie es erwähnt, spielt es angeblich keine Rolle. Dabei muss man ja wohl nicht Medizin studiert haben, um sich auszurechnen, dass eine Krebserkrankung andere Spuren hinterlässt als eine Erkältung.
bubamara80 13.06.2013
3. Krankes System
Sie sprechen mir aus der Seele. Das, was Sie schreiben, gilt nicht nur für Krebs sondern auch für andere schwere Krankheiten. Ist die Therapie einmal formell abgeschlossen und man ist quasi offiziell wiederhergestellt, [...]
Zitat von aladar_m"Daher sei es wichtig, die Betroffenen ein Leben lang medizinisch zu überwachen, um Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln." Es wäre ja prima, wenn das nicht der interessierte Laie über SPON erfahren würde, sondern sich so etwas auch mal bei den Ärzten rumsprechen würde. Meine Schwester erkrankte im Alter von 3 Jahren an Leukämie. Es dauerte ca. 12 Jahre inkl. Bestrahlung und Chemotherapie, bis man verhältnismäßig sicher sein konnte, dass sie es wohl überleben wird. Wenn sie heute auf Drängeln der Familie zum Arzt geht und nach einer Kontrolle der relevanten Blutwerte fragt, wird sie regelmäßig ungehalten bis pampig abgebügelt, was sie denn will, das wäre doch erledigt. Bei anderen gesundheitlichen Problemen wird sie _nie_ gefragt, ob da mal was war, und wenn sie es erwähnt, spielt es angeblich keine Rolle. Dabei muss man ja wohl nicht Medizin studiert haben, um sich auszurechnen, dass eine Krebserkrankung andere Spuren hinterlässt als eine Erkältung.
Sie sprechen mir aus der Seele. Das, was Sie schreiben, gilt nicht nur für Krebs sondern auch für andere schwere Krankheiten. Ist die Therapie einmal formell abgeschlossen und man ist quasi offiziell wiederhergestellt, interessiert sich kein Arzt und keine Krankenkasse mehr für Nachuntersuchungen. Und diese sind m.E. meistens unbedingt notwendig! Das gilt natürlich für Kinder umso mehr! Bei mir stand beispielsweise auf den Entlassungspapieren aus dem Krankenhaus ziemlich eindeutig drauf, welche regelmäßigen Unterschungen DRINGEND empfohlen werden. Jahre sind vergangen und meine KK weigert sich bis heute, diese Untersuchungen zu bezahlen. Ich zahle sie aus eigener Tasche und achte selbst darauf, dass ich die Termine einhalte. Stattdessen nimmt die KK offensichtlich lieber in Kauf, dass ich wieder krank werde und wieder eine OP brauche, die übrigens einen 6-stelligen Betrag kostet. Was denken die sich dabei?? Ich kenne viele solcher Fälle. Unser Gesundheitssystem ist ein einziger Bastard!
jodohnern 13.06.2013
4.
Richtig. Es ist offensichtlich, dass neuer Krebs entstehen kann, aber es wäre interessant zu wissen, was der Zusammenhang zB zur Schwerhörigkeit oder Lungenproblemen ist. Auch ein Vergleich mit den Zahlen für Menschen ohne [...]
Zitat von gableLeider bleibt der Artikel an der Oberfläche. Er lässt offen, woher diese Problem kommen. Liegt es an der oft aggressiven Therapie mit Chemotherapien und evtl Operationen? Wird der Körper durch die Behandlung so stark geschädigt, dass im weteren Leben dann Probleme auftreten?
Richtig. Es ist offensichtlich, dass neuer Krebs entstehen kann, aber es wäre interessant zu wissen, was der Zusammenhang zB zur Schwerhörigkeit oder Lungenproblemen ist. Auch ein Vergleich mit den Zahlen für Menschen ohne chronische Erkrankung im Kindesalter wäre sinnvoll. Die Zahlen sind sehr beängstigend, aber ich nehme an, dass viele Menschen über 45 ähnliche gesundheitliche Probleme haben, wie sind da die Prozentwerte?
Velociped 13.06.2013
5. Chemotherapie ist krebserregend
Chemotherapie und Bestrahlung sind krebserregend. Viele haben Nebenwirkungen: Einschränkungen beim Hören, der Lungenfunktion oder der Fruchtbarkeit werden in Kauf genommen um den Krebs zu besiegen. Diese Schädigungen regenieren [...]
Chemotherapie und Bestrahlung sind krebserregend. Viele haben Nebenwirkungen: Einschränkungen beim Hören, der Lungenfunktion oder der Fruchtbarkeit werden in Kauf genommen um den Krebs zu besiegen. Diese Schädigungen regenieren sich nur teilweise wieder. Daher hätte es keine Studie gebraucht, dass neben dem Risiko eines Rezidivs das Risiko für Sekundärtumore erhöht und die Schädigungen durch die agressive Krebsbehandlung lebenslang zu spüren sind.

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