Gesundheit

Magnesium-Tabletten

Verbraucherzentrale verklagt Pharmafirma

Das Unternehmen Klosterfrau empfiehlt so hohe Magnesium-Dosierungen, dass Durchfall droht. Das befürchtet zumindest die Verbraucherzentrale Sachsen - und hat geklagt.

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Pillen (Symbolbild)

Donnerstag, 17.08.2017   15:45 Uhr

Die Verbraucherzentrale Sachsen wirft dem Pharmaunternehmen Klosterfrau vor, zu hohe Magnesium-Dosierungen zu empfehlen. Deswegen sei Klage vor dem Landgericht Köln erhoben worden, teilte die Verbraucherzentrale mit. Auf der Packung der Tabletten "taxofit Magnesium 600 Forte" werde eine tägliche Dosis von 600 Milligramm empfohlen, sagte eine Sprecherin. Das sei zu viel.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät dazu, höchstens 250 Milligramm Magnesium täglich in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich zu nehmen. Wer Magnesium zu hoch dosiere, könne Durchfall bekommen, sagte die Sprecherin der Verbraucherschutzzentrale.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln seien zu hohe Verzehrempfehlungen keine Seltenheit, hieß es bei der Verbraucherzentrale. Mit dem Verfahren in Köln wolle man einen Präzedenzfall schaffen. Klage sei bereits Mitte Juli erhoben worden.

Die MCM Klosterfrau Vertriebsgesellschaft teilte mit, es handele sich um ein sicheres Lebensmittel, das seit mehr als zwei Jahren im Verkehr sei und bei dem es kein Gefährdungspotenzial gebe. Der Vorwurf sei unzutreffend.

Magnesiumpräparate bei Gesunden überflüssig

Aus medizinischer Sicht ist es in der Regel nicht notwendig, Magnesium-Präparate einzunehmen. "Ein Magnesiummangel mit definierten Symptomen konnte bei gesunden Menschen mit den üblichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten bisher nicht nachgewiesen werden", erklärt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Auch die Wirkung bei Krämpfen ist unklar.

Lediglich einige Krankheiten sowie bestimmte Medikamente können einen Magnesiummangel fördern, darunter bestimmte Magen-Darm-Leiden. Betroffene sollten beim Arzt klären, ob es sinnvoll wäre, Magnesiumtabletten einzunehmen. Das gilt laut DGE unter anderem auch für Diabetiker, Asthmatiker und Alkoholiker.

Trotz dieser Einschätzung von Experten werden Magnesium-Präparate häufig in Frauenzeitschriften empfohlen. SPIEGEL ONLINE hat in einer großen Analyse einige Zeitschriften überprüft - und nach positiven Magnesium-Berichten auffällig oft Werbung für die jeweiligen Präparate gefunden.

Neben Magnesium-Tabletten zeigten sich diese Auffälligkeiten auch bei anderen Nahrungsergänzungsmitteln und rezeptfreien Medikamenten. Einen Überblick dazu, welche Mittel in Frauenzeitschriften mit welchen Versprechen empfohlen werden und was aus wissenschaftlicher Sicht dahinter steckt, finden Sie hier:

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irb/wbr/dpa

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