Gesundheit

Essen

37-Jährige stirbt an Masern

Es ist der erste Masern-Todesfall in diesem Jahr in Deutschland: In Essen ist eine Frau an der Infektionskrankheit gestorben. Die Masern verbreiten sich hierzulande stärker als im Vorjahr.

DPA

Teile eines Masernvirus

Dienstag, 23.05.2017   12:09 Uhr

Die Zahl der Masern-Fälle in Deutschland ist 2017 sprunghaft gestiegen. In Essen gab es nun einen Todesfall. Die 37-Jährige sei am vergangenen Wochenende trotz einer intensivmedizinischen Behandlung in der Uniklinik "ziemlich schnell verstorben", sagte der Leiter des Gesundheitsamtes in Essen, Rainer Kundt.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) handelt es sich um den ersten Masern-Todesfall in Deutschland in diesem Jahr. Eine bei der Frau vorhandene Impfung sei offenbar nicht ausreichend gewesen.

Kundt appellierte an die Bevölkerung, den Impfstatus zu überprüfen. "Masern sind keine harmlose Kindererkrankung, sondern können bei Kindern zu Hirnhautentzündungen und bei Erwachsenen zu Lungenentzündungen führen."

Schwerwiegende Komplikationen

Die meisten Menschen überstehen Masern problemlos. Harmlos sind die Viren jedoch nicht, denn es gibt schwerwiegende Komplikationen. Bis zu 15 Prozent der Infizierten bekommen eine Mittelohrentzündung, zehn Prozent eine Lungenentzündung und eines von 1000 Kindern eine gefürchtete Gehirnentzündung. Ein bis drei von 1000 erkrankten Kindern sterben an einer Maserninfektion. Bei Kindern, die jünger sind als fünf Jahre, verläuft die Infektion häufiger schwer. Dasselbe gilt für Erwachsene ab einem Alter von 20 Jahren.

Auch eine Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung. Nach der ersten Impfung liegt der Schutz bei etwa 91 Prozent, nach der zweiten bei 92 bis 99 Prozent. Anders formuliert: Ein bis acht Menschen von 100 bekommen trotz Impfung die Masern, wenn sie dem Virus ausgesetzt waren. Unter Ungeimpften stecken sich mindestens 90 von 100 an.

Nach den jüngsten landesweiten Daten des Landeszentrums Gesundheit erkrankten bis Mitte Mai 2017 bisher 381 Menschen in NRW. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2016 registrierten die dortigen Gesundheitsämter nur 28 Fälle.

Der Masern-Ausbruch in NRW schlägt sich auch in den bundesweiten Zahlen nieder: Das RKI registrierte in den ersten Monaten dieses Jahres bereits mehr Masern-Fälle als im gesamten Jahr 2016. In Italien grassiert seit Anfang des Jahres eine Masernepidemie. Die Regierung führte als Reaktion darauf eine Impfpflicht für Kinder für insgesamt zwölf Krankheiten ein.

brt/dpa

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